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GEO Magazin Nr. 10/06 Seite 1 von 4

Der Gipfelstürmer

Seine Kollegen nahmen ihn nicht ernst, als er ausgerechnet auf tropischen Gletschern Aufschlüsse über den Klimawandel gewinnen wollte; seine Ärzte sorgen sich um seinen Körper. Beides hat Lonnie Thompson nie gebremst. Asthmakrank und unter einer Herzschwäche leidend, klettert der Amerikaner seit 32 Jahren auf eisige Gipfel. Längst hat er die Zweifler besiegt - aber unermüdlich vergrößert er seine "Eis-Bibliothek"

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Im Herzen der Tropen, nicht weit vom Äquator, stolpert Lonnie Thompson über Fraktale aus Eis. Er keucht, hält an, ringt nach Kraft, und schleppt sich dann doch ein Stück weiter durch die Welt aus bizarren Skulpturen, die das Höhenlicht in den Gletscher geätzt hat: gefrorene Krater, Arsenale aus knöchelhohen Speeren und Dolchen, erstarrte Wellen, Paläste im Frost. Sie bersten hohl unter jedem Schritt; darunter fließt Schmelzwasser.


Thompsons Untersuchungsfeld 2006 ist noch einmal der 5680 Meter hohe Gipfel des "Quelccaya"-Eisfelds im Südosten Perus. Er hat bereits 27 Forschungsexpeditionen hierher geführt (Foto von: Carsten Peter)
© Carsten Peter
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Thompsons Untersuchungsfeld 2006 ist noch einmal der 5680 Meter hohe Gipfel des "Quelccaya"-Eisfelds im Südosten Perus. Er hat bereits 27 Forschungsexpeditionen hierher geführt

Die Luft wird immer dünner

Blendendes Weiß, hauchdünne Luft. Der Höhenmesser zeigt 5420 Meter. Vom Ziel, dem Gipfel des größten tropischen Eisschilds der Welt, dem "Quelccaya Icecap" im Südosten Perus, ist Lonnie Thompson noch Stunden entfernt. Er schafft kaum mehr als zehn Schritte am Stück. Dann muss er ausruhen und sich auf seinem Wanderstock abstützen. Muss den Kopf zu den Knien hinabbeugen, damit sauerstoffreiches Blut ins Gehirn fließt. Damit er denken kann – an die nächsten zehn Schritte. Hustenanfälle begleiten fast jede Pause; manche hören sich an, als könnten sie ihm eine Rippe zerbrechen, wie vor Jahren schon einmal.


Nicht selten scheint es, als würde er es diesmal nicht schaffen. Als würde er aufgeben, oder eher: zusammenbrechen. Als sei das Gebirge diesmal zu hoch, obgleich er doch schon viel Schlimmeres überstanden hat. Den 7200-Meter-Giganten Dasuopu in China zum Beispiel. Oder die Lawinen und Schneestürme am Gipfel des Huascarán nördlich von Lima. Er sieht alt aus – und ein wenig deplatziert mit seinem breitkrempigen Hut und dem blauen Hemd, wie es andere nur im Büro anziehen würden. Andererseits ist eben dies hier Thompsons Büro. Seine Welt, seine "Sommerresidenz", wie er sagt: ein Schneeberg von 5680 Meter Höhe. Zwei Stunden später erreicht Thompson endlich den Gipfel.


Sonnenwärme, Wind und Schmlezwasser haben den Gletscherrand zu einem Hindernisparcours geformt. Ihn zu überwinden, fordert Kondition und Konzentration: Die Eisskulpturen sind zerbrechlich, ihre Kanten scharf wie Messerklingen (Foto von: Carsten Peter)
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Sonnenwärme, Wind und Schmlezwasser haben den Gletscherrand zu einem Hindernisparcours geformt. Ihn zu überwinden, fordert Kondition und Konzentration: Die Eisskulpturen sind zerbrechlich, ihre Kanten scharf wie Messerklingen

Asthmatiker und Extrembergsteiger

Lonnie Thompson ist 58 Jahre alt, Asthmatiker, herzkrank. Vor 20 Jahren schon haben ihm seine Ärzte gesagt, er solle nie wieder auf einen Berg steigen. Dennoch hat er seither so viel Zeit wie kaum ein anderer in der eisigen Luft der welthöchsten Gebirge verbracht: zusammengerechnet dreieinhalb Jahre in mehr als 5500 Meter Höhe. Lonnie Thompson hat eine Mission. Er sammelt Eisproben von tropischen Gletschern. Aus deren chemischer Zusammensetzung, aus den Gaseinschlüssen, Staubspuren und Schichten im Eis versucht er, Rückschlüsse auf das Erdklima der Vergangenheit zu ziehen - und damit zugleich auch auf jenes der Zukunft.


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