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30. Juni 1908: Tunguska in Flammen
Vor 100 Jahren erschüttert eine gewaltige Explosion Mittelsibirien. Der Himmel steht in Flammen, eine Druckwelle knickt hundertjährige Bäume um wie Streichhölzer, ein ganzer Landstrich wird verwüstet. Die Ursache ist bis heute rätselhaft
30. Juni 1908, sieben Uhr früh. Ein Sommermorgen. Der Fluss Podkamennaja Tunguska - die „Steinige Tunguska“ - schlängelt sich durch die hügelige, von Sümpfen durchsetzte Taiga dem Jenissej entgegen, der gut tausend Kilometer weiter ins Nordmeer mündet. Ein klarer Himmel wölbt sich über den Lärchen- und Birkenwäldern. Es riecht nach Harz und feuchtem Moos. Rentiere grasen in der Morgensonne, Mücken summen.
Plötzlich zerreißt ein gewaltiger Donner die Luft
Kurz darauf steht der Himmel in Flammen. Für Minuten scheint die Natur in der gottverlassenen Tunguska-Region aus den Fugen zu geraten. Doch kaum ein Mensch erlebt, was gerade geschieht, aus der Nähe. Nur ein paar Dutzend Halbnomaden vom Volk der Tungusen haben in dieser Gegend ihre Zelte aufgeschlagen. Sie leben von der Rentierzucht und der Jagd auf Bären, Füchse und Zobel. Die nächste Siedlung, die Handelsstation Wanawara, ist 70 Kilometer entfernt. Dort bersten durch die Explosion Fensterscheiben, Häuser stürzen ein. Härter trifft es die Hirten: Sie werden samt Tieren und Zelten durch die Luft geschleudert, mehreren platzen die Trommelfelle. Ein Hitzeschwall rollt über die Taiga, Feuer brechen aus, Hunderte Rentiere verbrennen.

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„Ich saß auf dem Hocker vor meiner Haustür, als ein gewaltiger Blitz aufleuchtete“, wird der Augenzeuge Ilja Potapowitsch später erzählen. „Es entstand so große Hitze, dass mein Hemd fast versengt wurde. Ich sah eine riesige Feuerkugel, die einen großen Teil des Himmels bedeckte. Danach wurde es dunkel, und gleichzeitig spürte ich eine Explosion, die mich von meinem Hocker schleuderte. Ich verlor das Bewusstsein.“ Die Explosionen dauern wohl mehrere Minuten; noch im 1200 Kilometer entfernten Dorf Achajewskoje hören die Menschen den Donner. Seismologische Stationen in Irkutsk, Tiflis, Jena und sogar in Washington, D. C., und auf Java zeichnen Erschütterungen auf. Später geht über Mittelsibirien schwarzer Regen nieder, und in Europa taucht die untergehende Sonne den Himmel in ein befremdlich tiefes Rosa.
In London verständigen Bürger die Polizei; sie glauben, ein Großbrand sei ausgebrochen. Über dem europäischen Kontinent und Teilen Asiens bleibt es in den folgenden drei Nächten so hell, dass etwa im schottischen St. Andrews einige stoische Golfspieler um drei Uhr früh ohne zusätzliche Beleuchtung ihre Runden absolvieren. Kein Wissenschaftler kann die Phänomene erklären. Und da ausschließlich sibirische Zeitungen über die Explosion in der Tunguska-Region berichten, erfährt weder in Westeuropa noch in St. Petersburg, der Hauptstadt des Zarenreichs, jemand etwas über den möglichen Zusammenhang der Erderschütterungen und hellen Nächte mit dem Feuerball über der Taiga.
Erste Forschungen nach 19 Jahren
Erst 19 Jahre später, im April 1927, dringt der erste Geowissenschaftler in das Gebiet der Katastrophe vor: Leonid Alexejewitsch Kulik. Ein leidenschaftlicher, charismatischer Mann. Er schreibt Gedichte - und ist wegen revolutionärer Umtriebe schon zweimal von der Polizei des Zaren ins Gefängnis gesteckt worden. Durch Zufall hat Kulik im Jahr 1921 eine alte Zeitung aus Sibirien in die Hände bekommen. Im Juni 1908, so liest er, sei in der Nähe des ostsibirischen Städtchens Kansk unter gewaltigem Donner ein Brocken vom Himmel gefallen. Die Transsibirische Eisenbahn sei wie ein Säufer im Vollrausch auf den Gleisen hin und her geschwankt. Nach der Notbremsung hätten Passagiere ein rot glühendes Objekt erblickt, das aus dem Boden der Taiga ragte.
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Kommentare zu "30. Juni 1908: Tunguska in Flammen"
Mir fallen mehrere fast kreisrunde Strukturen auf den Satelitenbildern (?) dieser Gegend auf. Hat die mal jemand untersucht oder ist das nur eine optische Täuschung?
In der "Frankenpost" vom 30.6.08 Seite 6 erschien ein Artikel über das Ereignis mit einem Bild von der dpa, auf dem ein mongolisch aussehender Mann neben einem mannsgroßen Felsen steht, der ein Teil des Asteroiden sein soll. Ist dieses Bild gefälscht???
würde dort nach Gas bohren/suchen, Erdmagnetfeld ? oder (Spaß) eine ganze Politkergeneration dorthin schicken, Ihre Schäden an unserer Generation abzuarbeiten. In den wohlverdienten Sumpf
"Hätte kein" was!? Da fehlt der Schluss des Artikels!