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Kennedy: JFK - Präsident oder Präsidentendarsteller?

Andreas Etges, Professor am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin, zieht eine Bilanz der Präsidentschaft John F. Kennedys.


Bis heute strahlt die Lichtgestalt John F. Kennedy. Doch wie erfolgreich war der Politiker JFK? War er ein guter Präsident? Oder nur ein guter Präsidentendarsteller? (Foto von: John F. Kennedy Presidential Library & Museum)
© John F. Kennedy Presidential Library & Museum
Bis heute strahlt die Lichtgestalt John F. Kennedy. Doch wie erfolgreich war der Politiker JFK? War er ein guter Präsident? Oder nur ein guter Präsidentendarsteller?

"Der große Feind der Wahrheit ist oftmals nicht die Lüge, sondern der Mythos", erklärte John F. Kennedy an der Universität Yale im Juni 1962. Zwar ging es dem 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten in dieser Rede vor allem um Mythen in der Welt der Wirtschaft, doch beschrieb er damit zugleich auch treffend jene Schwierigkeiten, denen sich heutige Historiker bei der Bewertung seiner Amtszeit gegenüber sehen.

Die „Lüge“ ist dabei nicht einmal mehr das Hauptproblem. Denn mittlerweile ist viel bekannt geworden über Kennedys Affären, seine schweren Krankheiten und seinen Medikamentenkonsum, über ehemals geheime Details seiner Innen- und Außenpolitik. Es mangelt nicht an kritischen Porträts. Trotzdem aber wird John F. Kennedy noch immer vor allem als Lichtgestalt wahrgenommen.

Der frühe Tod bewahrte JFK davor, entzaubert zu werden
Das hängt nicht zuletzt mit seinem frühen Tod zusammen, der ihn vielleicht davor bewahrte, schon zu Lebzeiten entzaubert zu werden. Seine Ermordung löste weltweit Schockwellen aus. Wie nur selten zuvor oder seither waren im November 1963 Menschen unterschiedlichster Herkunft, Hautfarbe oder Konfession von einem kollektiven Gefühl tiefer Trauer ergriffen – so als sei ein enger persönlicher Freund gestorben. Für sie blieb John F. Kennedy der ewig junge Präsident, der eine neue Politikergeneration repräsentierte, eine Aufbruchsstimmung verbreitet und mit seiner attraktiven Frau Jackie und seinen Kindern Washington mit Glanz erfüllt hatte.

Sein Leben – und damit auch sein politisches Werk – blieben "unvollendet", wie es der amerikanische Kennedy-Biograf Robert Dallek ausgedrückt hat. Was nach den Schüssen von Dallas geschah, erschien vielen Amerikanern wie ein langer Albtraum: Schwere Rassenunruhen und Studentenproteste, die Ermordung von Martin Luther King jr. und John F. Kennedys jüngerem Bruder Bobby, der Vietnamkrieg und die Watergate-Affäre mit dem Rücktritt von Präsident Richard Nixon erschütterten die USA. Davon, wie die Geschichte ohne den Tod Kennedys hätte anders verlaufen können, nährt sich der JFK-Mythos bis heute.

Bereits zu seinen Lebzeiten hatten Kennedys Vater und seine Familie, seine Berater und seine politischen und persönlichen Freunde, Journalisten, Kriegskameraden sowie Studienkollegen und nicht zuletzt John F. Kennedy selbst an seiner Legende gestrickt. Seine schweren Krankheiten wurden verleugnet oder mit Kriegsverletzungen erklärt, um das Bild des strahlenden jungen Helden nicht zu gefährden. Seine Affären wurden verheimlicht. Geheime Sabotageaktionen gegen Kuba und Attentatsversuche auf Staatschef Fidel Castro oder auch Kontakte zur Mafia wurden erst durch spätere Untersuchungsausschüsse aufgedeckt.

Jackie Kennedy lässt den Mythos ihres Mannes weiterleben
Nach Kennedys Ermordung arbeitete vor allem seine Witwe daran, das positive Bild ihres Mannes gegen alle Anfeindungen und Enthüllungen zu verteidigen. Das begann mit der Inszenierung der Trauerfeierlichkeiten nach dem Vorbild der Beerdigungszeremonie für einen anderen amerikanischen "Märtyrer", Abraham Lincoln, den 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten und Vorkämpfer der Sklavenbefreiung. Und es war Jackie Kennedy, die dem Mythos mit Verweis auf ein damals populäres Broadway-Musical über den Hof des mythischen Königs Artus einen Namen gab: "Camelot".

Amerika und die Welt hätten einen magischen Moment erleben dürfen, in dem Kultur, Wissenschaft und Politik eine wunderbare Symbiose gebildet hätten. Doch ein solcher Moment werde sich nicht wiederholen: "Es wird niemals wieder ein Camelot geben", schrieb sie im Dezember 1963 an die einstige Sekretärin ihres Mannes.

Doch wie sieht die historische Bilanz John F. Kennedys aus? Sein Amtsantritt hatte bei vielen Menschen große Hoffnungen geweckt. Wegen des äußerst knappen und umstrittenen Wahlsiegs gegen den republikanischen Kandidaten Richard Nixon fehlte ihm das Mandat für weit reichende innenpolitische Reformen, etwa in der Bürgerrechtsfrage. Zwar erhielt er für seine Gesetzesvorhaben und Initiativen meist die Zustimmung des konservativen Machtblocks im Kongress.

Doch für viele wichtige Reformvorhaben fand er keine Mehrheit, andere scheiterten in der Praxis. Nicht immer setzte sich Kennedy mit so viel Energie so ein wie für das Peace Corps, einen freiwilligen Entwicklungsdienst, oder für das Raumfahrtprogramm.

Es waren vor allem die Außenpolitik und internationale Krisen in Kuba und Berlin, die seine Amtszeit beherrschten. Hier handelte Kennedy nicht unbedingt als guter Krisenvermeider, aber mit einigem Erfolg – im Falle Kubas auch mit ein wenig Glück – als Krisenlöser.


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