Geschichte Land gegen Geld: Diese Deals schufen die USA, wie wir sie kennen

Der Verkauf von Alaska 1868 wird beschlossen
Geld regiert die Welt: 1867 verhandeln Beauftragte der US-Regierung und des russischen Zarenreiches über Alaska
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Grönland kaufen? Territorien zu erwerben, ist für die USA nichts Neues. Bereits in der Vergangenheit haben US-Regierungen Millionen Quadratkilometer zum Schnäppchenpreis erstanden

Im 19. Jahrhundert wächst das Territorium der USA kräftig – dank einer Mischung aus Kriegen, Annexionen und Geschäften. Mehr als ein Drittel der heutigen Landfläche der USA gehen auf territoriale Zukäufe zurück. Fünf historische Investitionen: 

Louisiana: Der größte Immobiliendeal der Geschichte 

Soldaten hissen amerikanische Flagge an Mast
Tschüss Frankreich, hallo USA: Mit dem Kauf Louisianas 1803 geht auch die Stadt New Orleans in den Besitz der Vereinigten Staaten über
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1803 konnten die USA ihr Territorium auf einen Schlag verdoppeln: Frankreich verkaufte in jenem Jahr seine Kolonie West-Louisiana westlich des Mississippis, ein gut zwei Millionen Quadratkilometer großes Gebiet, das sich von der kanadischen Grenze über den mittleren Westen bis nach New Orleans erstreckte. 

Der Erste Konsul von Frankreich, ein gewisser Napoleon Bonaparte, brauchte dringend Geld, weil die Staatskasse nach der Französischen Revolution leer war – und Krieg gegen England drohte. Im Konfliktfall wäre Louisiana kaum zu verteidigen gewesen. Da verkaufte Napoleon die Landmasse lieber an die USA. Preis: 15 Millionen Dollar. Für die Vereinigten Staaten war der Deal die Voraussetzung für die weitere Expansion nach Westen. 

Mexiko: Erst Krieg führen, dann Land "kaufen"  

1846 erklärten die USA Mexiko den Krieg, marschierten in das Land ein und besetzten Mexiko-Stadt. Angesichts der Niederlage blieb Mexiko nichts anderes übrig, als den Vertrag von Guadalupe Hidalgo zu unterzeichnen: Es verlor 55 Prozent seines Staatsgebietes an die USA, fast 1,4 Millionen Quadratkilometer. Das Territorium umfasste die heutigen Bundesstaaten Arizona, Kalifornien, das westliche Colorado, Nevada, New Mexico, Texas und Utah. 

Als Gegenleistung erhielt Mexiko 15 Millionen Dollar – gerade mal zwölf Dollar pro Quadratkilometer. Vor dem Krieg hatten die USA allein für Kalifornien noch 40 Millionen Dollar geboten. Für die USA bot die Geldzahlung die praktische Gelegenheit, das eroberte Land als legal erworben zu deklarieren. 

Der Gadsden-Kauf: Platz für die Eisenbahn

Mitte des 19. Jahrhunderts sollte eine neue, südliche transkontinentale Eisenbahnlinie zwischen Atlantik und Pazifik die Wirtschaft der USA weiter ankurbeln. Das Problem: Die Route würde durch ein Gebiet führen, das zu Mexiko gehörte – und musste erst erworben werden. Deshalb führte der Eisenbahner und Diplomat James Gadsden Verhandlungen mit dem mexikanischen Präsidenten Antonio López de Santa Anna, der dringend Geld für seine Regierungstruppen brauchte, die Rebellionen im Land niederschlagen sollten. 1853 wurde der Gadsden-Kauf besiegelt: Für 78.000 Quadratkilometer zahlten die USA zehn Millionen Dollar. Bis zum Bau der neuen, transkontinentalen Eisenbahnlinie dauerte es allerdings noch Jahrzehnte: Erst 1883 wurde sie fertiggestellt. Heute ist das Gebiet Teil der Bundesstaaten Arizona und New Mexico. 

Alaska: Eine Gefriertruhe für 7,2 Millionen Dollar  

1867 kauften die USA Russland Alaska zu einem Schnäppchenpreis ab: Für das 1,5 Millionen Quadratkilometer große Gebiet zahlten sie 7,2 Millionen Dollar. Das sind 4,74 Dollar pro Quadratkilometer – und damit noch weniger, als die USA 1846 für die mexikanischen Territorien gezahlt hatten. 

Scheck mit Summe von 7,2 Millionen Dollar
Verkauft: Am 1. August 1868 stellte die US-Regierung für den Kauf Alaskas einen Scheck über 7,2 Millionen Dollar an das Russische Reich aus
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Der russische Zar Alexander II. war auf das Geld angewiesen, weil der Krimkrieg gegen das Osmanische Reich und dessen Verbündete Frankreich und Großbritannien Unsummen verschlungen hatte. Für die USA dagegen stellte sich die Frage: Was anfangen mit dem riesigen Gebiet? Die Region wurde zunächst als "Gefriertruhe" und "Eisbärengehege" verspottet – bis Glücksjäger 1897 Gold in Alaska entdeckten, später dann auch Öl. 

Jungferninseln: Als die USA Deutschland zuvorkommen wollten 

Ein halbes Jahrhundert lang versuchten die USA, die dänische Westindien-Kolonie östlich von Puerto Rico zu kaufen. Obwohl sie Dänemark für die Inseln mehr boten als dem russischen Zaren für Alaska, scheiterten die Verhandlungen mehrmals. 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, klappte der Deal: Dänemark wollte seine längst defizitäre Karibikkolonie loswerden und trat die drei Hauptinseln und gut 50 kleinere Eilande für 25 Millionen Dollar ab. Für die USA spielten vor allem strategische Überlegungen eine Rolle: Sie befürchteten, dass Deutschland Dänemark im Krieg besetzen und eine Militärbasis in der Karibik – vor ihrer eigenen Haustür – einrichten könnte. So wurden aus Dänisch-Westindien die Amerikanischen Jungferninseln.