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Fremdkörper im Magen Was tun, wenn Kleinkinder Gegenstände verschluckt haben?

Kleinkinder haben kleine Dinge oft schneller im Mund, als Mama oder Papa gucken können
Kleinkinder haben kleine Dinge oft schneller im Mund, als Mama oder Papa gucken können
© mauritius images / Image Source
Babys und Kleinkinder verschlucken öfter Dinge, als wir annehmen. Und meist ohne Folgen. Was zu tun ist, wenn es Komplikationen gibt

Babys und Kleinkinder bis zu vier Jahren machen sich die Welt nicht nur durch anfassen vertraut: Sie nehmen fast alles, was nicht niet- und nagelfest ist, in den Mund – und schlucken einiges davon auch herunter. Neben kleinen Münzen, die das Ranking der verschluckten Gegenstände anführen, sind es oft kleine Objekte wie Murmeln, Knöpfe und Spielzeugteile, die im Mund landen. Und manchmal auch in der Speiseröhre oder im Magen.

Kinderärzte geben Entwarnung: Nur in wenigen Fällen muss der Notarzt anrücken. In der Regel werden verschluckte Gegenstände auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden.

"Das Verschlucken von Fremdkörpern ist im Kindesalter vermutlich wesentlich häufiger als angenommen," erklärt Hardy Krause, Leitender Oberarzt des Bereiches Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg. "Ein Großteil bleibt unbemerkt und asymptomatisch." Die meisten Gegenstände, so Krause, werden nach höchstens zehn Tagen wieder ausgeschieden. Selbst spitze Objekte können den Magen-Darm-Trakt ohne Komplikationen passieren.

In einer Studie aus dem Jahr 2018 konnten sechs Freiwillige im Selbstversuch nachweisen, dass kleine Lego-Objekte innerhalb von einem bis zu drei Tagen wieder das Licht der Welt erblicken. Und das ohne jede Komplikation, zumindest bei den erwachsenen Testpersonen.

Hinweise auf verschluckte Gegenstände

Doch Vorsicht ist in jedem Fall geboten: Schluckt ein Kind wesentlich häufiger als normal, kommt es zu vermehrtem Speichelfluss, Brechreiz oder Erbrechen, zu Unruhe oder Bauchschmerzen, sollte vorsorglich ein Kinderarzt aufgesucht werden. Eine Röntgenaufnahme kann Aufschluss über die Art und die Lage des Gegenstandes geben – allerdings nur bei rund der Hälfte der verschluckten Gegenstände. Plastikteile etwa sind auf Röntgenaufnahmen nicht zu erkennen.

Kann der Fremdkörper nicht auf natürlichem Weg ausgeschieden werden, muss er endoskopisch entfernt werden. Anders sieht es bei Gegenständen mit giftigen Inhaltsstoffen aus. Die Chemikalien, die zum Beispiel in Batterien enthalten sind, können die Innenwände des Verdauungstraktes beschädigen oder zu Vergiftungen führen. In solchen Fällen muss darum direkt gehandelt werden.

Gegenstände in den Luftwegen erfordern schnelles Handeln

Auch wenn ein Objekt in die oberen Luftwege oder die Lunge gelangt ist, muss schnell gehandelt werden. Denn in diesem Fall kann, je nach Lage und Größe des Gegenstandes, die Atmung erschwert oder ganz unmöglich sein. Die Uniklinik Bonn hat für diesen Fall Sofortmaßnahmen für Eltern und Angehörige zusammengestellt.

Die beste Art, den Gegenstand wieder loszuwerden, stellt demnach das Husten dar. Gelingt das effektive Husten nicht (oder nicht mehr), ist beherztes Eingreifen gefragt. Die Uniklinik Bonn empfiehlt – nur bei Kindern, die älter sind als ein Jahr – Schläge auf den Rücken, bei jüngeren die sogenannte Thoraxkompression. Um im Notfall schnell das Richtige tun zu können, sollten Eltern sich vorab mit den Maßnahmen vertraut machen.

Was durch die Klorolle passt, ist für Kleinkinder ungeeignet

Am besten kommt es natürlich gar nicht erst zum Verschlucken oder Einatmen. Dafür ist es wichtig, Babys und Kleinkinder möglichst nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Münzen, Murmeln oder Knöpfe sollten nicht für Kinder zugänglich herumliegen, Spielzeug kindersicher sein. Die Faustregel von Kinderchirurg Hardy Krause: Dinge, die durch die Papprolle des Klopapiers passen, sind für Kleinkinder ungeeignet.

Oft ist zu lesen, Eltern sollten in den Tagen nach dem Verschlucken den Stuhl ihrer Kinder durchsuchen. Das halten zumindest die Autoren der Lego-Studie nicht für ratsam. Denn eine der Testpersonen, ein examinierter und erfahrener Klinik-Mitarbeiter, suchte vergebens – zwei Wochen lang. Der Stuhl-Nachweis scheint also nicht einfach zu erbringen zu sein.


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