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Mastjahr und Trockenheit Warum Heuschnupfen dieses Jahr viele Betroffene besonders quält

Starker Pollenflug macht Heuschnupfen sehr schlimm
Heuschnupfen zählt zu den häufigsten Allergien überhaupt, oft sind Gräserpollen Auslöser für Beschwerden
© Jürgen Kottmann - Adobe Stock
Das Frühjahr mit seinen erblühenden Pflanzen könnte so schön sein – wenn der Heuschnupfen nicht wäre. In diesem Jahr macht die Allergie vielen Menschen besonders stark zu schaffen. Weshalb die Pollenbelastung momentan besonders hoch ist und was Betroffene tun können

Während andere sich im Frühjahr über die erwachende Blütenpracht freuen, bedeutet diese Zeit für viele Allergikerinnen und Allergiker puren Stress, der die Lebensqualität maßgeblich einschränken kann. Mehr als 12 Millionen Menschen leiden nach Angaben des Polleninformationsdienstes hierzulande an Heuschnupfen, ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen.

Von 2010 bis 2019 erhöhte sich die Zahl der erkrankten gesetzlich Versicherten um 19 Prozent, wie das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) nach einer Studie im Juli 2021 mitteilte. Die meisten reagieren allergisch auf Gräser und Birke.

Betroffene leiden während der Pollensaison unter brennenden Augen, Niesreiz, Kopf- und Halsschmerzen, manche sogar unter asthmatischen Beschwerden. Und derzeit müssen viele, die unter einer Pollenallergie leiden, besonders stark sein. Die Pollenbelastung in der Luft ist dieses Jahr außergewöhnlich hoch – und das in ganz Deutschland.

Interaktive Karte: Pollenbelastung der Luft in Deutschland

Wo ist der Pollenflug in Deutschland wann besonders stark und welche Pollen fliegen aktuell? Die interaktive Grafik auf Wetter.de informiert über den aktuellen Pollenflug und das Vorkommen der verschiedenen Pollenarten für heute und den morgigen Tag. Die Daten lassen sich in der Karte auch genauer in den verschiedenen Regionen auf Bundesländerebene ansehen.

Trockenheit und Mastjahr sorgen für starken Pollenflug

Tatsächlich klagen in diesem Jahr viele Allergikerinnen und Allergiker in Deutschland über ausgesprochen starke und langanhaltende Beschwerden, wie sie in den Jahren zuvor nicht erlebt worden sind. Dafür gibt es gute Gründe. Zwei Hauptursachen werden für das sehr pollenreiche Jahr 2022 verantwortlich gemacht.

Zum einen ist das Jahr 2022 ein so genanntes Mastjahr. In den Mastjahren, die in unregelmäßigen Abständen stattfinden, produzieren manche Baumarten besonders viele Pollen und tragen mehr Früchte als sonst. Auch Kastanien und Eichen zählen dazu, weshalb früher die Schweine während dieser Zeitspanne vermehrt zur Mast in die Eichenwälder geschickt wurden, um sich an den Eicheln und Kastanien gütlich zu tun – daher der Name "Mastjahr".

Zum anderen herrscht dieses Jahr in vielen Regionen Deutschlands eine große Trockenheit. Bleibt der Regen aus, werden die Pollen nicht aus der Luft gewaschen. In trockener Luft schweben Pollen am besten und so wird die Luft sehr pollenreich. Hinzu kommt, dass durch Wind und Luftzug bereits zu Boden gefallene Pollen wieder aufgewirbelt werden.

Für Allergikerinnen und Allergiker bedeutet das, dass Entlastungstage mit einer geringeren Pollenkonzentration fehlen, weshalb sie in diesem Jahr über mehrere Wochen einer besonders hohen Dosis Blütenstaub ausgesetzt sind und mit dementsprechend starken Symptomen zu kämpfen haben.

Hinzu kommt, dass sich der Klimawandel auf die Stärke und Dauer der Pollensaison auswirkt. Zum einen tragen der Hitze- und Trockenstress dazu bei, dass Mastjahre häufiger vorkommen. Zum anderen sorgen die klimatischen Veränderungen dafür, dass sich mit den höheren Temperaturen die Blütezeiten verschieben und deshalb unterschiedliche Pollenarten früher und auch länger fliegen.

Medikamente, Hyposensibilisierung und Masken können helfen

Die Hygiene heutzutage gilt als einer der Faktoren, die das Entstehen von Allergien begünstigen. Blütenstaub ist eigentlich harmlos, das sensibilisierte Immunsystem von Allergikerinnen und Allergikern schaltet dennoch beim Kontakt mit den Schleimhäuten auf Abwehr: Tränende, juckende Augen, Niesanfälle und starker Schnupfen sind mögliche Folgen.

Generell ist es zuallererst sinnvoll, seine persönlichen Allergene zu kennen, also getestet zu sein. Dann kann die Behandlung auf den Pollenflugkalender angepasst und auf mögliche Kreuzallergien mit anderen Stoffen hingewiesen werden.

Betroffene können akute Heuschnupfen-Symptome mit Tabletten unterdrücken, sogenannten Antihistaminika. Manchmal verschreiben Ärztinnen und Ärzte auch Arzneimittel mit Cortison gegen Entzündungsreaktionen. Daneben steht außerhalb der Pollensaison die sogenannte Hyposensibilisierung zur Verfügung, eine in der Regel länger andauernde Therapie. Diese kann nach einiger Zeit zur Besserung der Krankheitsanzeichen führen.

Auch Masken können helfen, die Beschwerden zu lindern. "Egal welche Maske man trägt, es ist sehr wahrscheinlich, dass Pollen durch das Material abgehalten werden", sagte der Allergologe und Leiter der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, Karl-Christian Bergmann. Dadurch könne die Menge eingeatmeter Pollen zumindest reduziert werden. Erreichen die Pollen die Schleimhäute in Nase und Mund nicht mehr, können sie dort keine Symptome auslösen.

Pollenbelastung zuhause gering halten

Darüber hinaus können Betroffene in den eigenen vier Wänden einiges dafür tun, um die Pollenkonzentration möglichst gering zu halten. Pollenschutzgitter an Fenstern und Türen können zum Beispiel helfen, die Pollen draußen zu halten. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse halten die feinen Gitter bis zu 85 Prozent der Pollen ab. Weitere Tipps lauten

  • Wäsche im Haus trocknen, so kommt sie nicht sofort wieder mit Pollen in Kontakt.
  • Nach Aufenthalten im Freien die Kleidung wechseln, um Pollen nicht hineinzutragen.
  • Häufiger die Bettwäsche wechseln und vor dem Zubettgehen die Haare (nicht im Schlafzimmer!) kräftig ausbürsten.
  • Abendliches Haarewaschen kann Pollen aus dem Haar entfernen und damit vom Bett fernhalten.
  • Während der Pollensaison Möbel häufiger mit einem feuchten Tuch abwischen und öfters staubsaugen, um Pollen zu entfernen.

Wer unter besonders schlimmen Beschwerden leidet, sollte die Anschaffung eines Luftreinigers mit HEPA-Filter in Erwägung ziehen. Ein solches Gerät reduziert Feinstaub in der Luft. Stiftung Warentest hat im Dezember 2021 sieben Luftreiniger getestet. Das Ergebnis: Binnen zehn Minuten lassen sich in einem Raum 92 bis 95 Prozent der Pollen in der Luft reduzieren.

mit dpa

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