Forschung Das Geheimnis unserer Tränen: Warum die Wissenschaft Menschen weinen lässt

Unter dem Mikroskop wird deutlich: Keine Träne gleicht einer anderen, jede ist einzigartig
Unter dem Mikroskop wird deutlich: Keine Träne gleicht einer anderen, jede ist einzigartig
© Yuichiro Chino/Getty Images, mauritius images / The Reading Room / Alamy
Als einziges Lebewesen muss der Mensch mitunter aus emotionalen Gründen weinen, mal aus Überforderung oder Wut, mal aus Trauer oder Rührung. Und doch ist dieses Phänomen immer noch rätselhaft: Entlasten wir uns selbst, wenn wir Tränen vergießen? Oder tun wir es insgeheim, um andere dazu zu bewegen, für uns zu sorgen?
Von Nora Saager

Sigmund Freud war ein Verfechter des Weinens. "Der psychische Schmerz", schrieben er und sein Kollege Josef Breuer 1895 in ihren "Studien über Hysterie", entlade die innere Aufruhr "in respiratorischen Anstrengungen und in einem sekretorischen Akte, Schluchzen und Weinen. Dass diese Reaktionen die Aufregung mindern und beruhigen, ist Sache der täglichen Erfahrung." Doch Tränen zu vergießen war für den Begründer der Psychoanalyse mehr als ein bloßer Reflex. Es war ein Akt der seelischen Reinigung, der half, mit durchstandenen Leiden abzuschließen.

Freud war überzeugt: Wer das Weinen und insbesondere die damit einhergehenden Gefühle unterdrücke, den werde der Schmerz zu einem späteren Zeitpunkt heimsuchen. Und in der Tat floss bei jenen Menschen, die sich auf seiner Couch niederließen, die eine oder andere "nachholende Träne", wie er berichtete.

Freud war damit einem universalen, einem urmenschlichen Verhalten auf der Spur: Wir alle weinen. Bloß: Warum tun wir das?


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