Hobby und Hilfsprogramm Wie ein Verein aus Nerds Bedürftigen zu Computern verhilft

Für den Verein »Angestöpselt« setzt eine Gruppe von Nerds alte Computer wieder instand – und verschenkt sie an Arme
Computer reparieren

Verschenken statt wegwerfen: Hardware, die im Elektroschott gelandet wäre, wird vom Würzburger Verein „Angestöpselt" wiederaufbereitet

Etwa 31 Stunden pro Woche verbringen Deutsche durchschnittlich im Internet, PC, Laptop oder Tablet gehören für die meisten zum Alltag. Doch noch immer verfügt in Deutschland jeder zehnte Haushalt weder über einen Computer noch über einen Internetzugang. Weil das technische Wissen fehlt – oder das Geld.

Für die „Offliner“ hat das nachteilige Auswirkungen auf ihr Sozial- und Berufsleben: Der Gang zur Behörde, die Bewerbung für den Job, die Verabredung mit Freunden – viele dieser Aktivitäten finden in der digitalen Welt statt.

Der Würzburger Verein „Angestöpselt“ schenkt Bedürftigen gegen zehn Euro Bearbeitungsgebühr PC-Hardware. Pro Woche reparieren bis zu 15 Freiwillige gespendete Computer, bauen neue Festplatten ein, installieren freie Software.

Jeden Montagabend können etwa Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose oder Geflüchtete sich einen Rechner abholen. „Mit der Computerspende sorgen wir dafür, dass diese Menschen besser am sozialen Leben teilnehmen können“, sagt Lukas Seeber von „Angestöpselt“.

„Angestöpselt“ sammelt aussortierte Rechner

Wie viele der Freiwilligen schraubte auch Seeber, hauptberuflich Schreiner, in seiner Freizeit gern an Computern. Als der 35-Jährige im Jahr 2017 von „Angestöpselt“ hörte, suchte er seine alte PC-Hardware zusammen, brachte sie zum Verein und stieg ein.

Sechs Monat später wurde er in den Vorstand gewählt. Bei „Angestöpselt“, so Seeber, könne er Hobby und Ehrenamt vereinen: „Für mich ist die abstrakte IT-Arbeit ein Gegenpol zur Schreinerei“.

„Angestöpselt“ sammelt aussortierte Rechner, die sonst auf dem Elektroschrott gelandet wären. Privatpersonen, vor allem aber Firmen spenden an den Verein. Letztere tauschen ihre Technik ohnehin zyklisch aus – auch dann, wenn sie noch einwandfrei funktioniert.

Lieferungen von bis zu 150 Desktoprechnern und Laptops seien keine Seltenheit, so Matthias Hemmerich, ebenfalls im Vorstand des Vereins. „Von einer Münchner Versicherungsgesellschaft bekommen wir 300 Drucker“.

Nicht alle haben Zugang zum „digitalen Klassenzimmer“

Dass solche Spenden dringen benötigt werden, zeigte sich vor allem auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie. Denn nicht alle Kinder und Jugendlichen haben Zugang zum „digitalen Klassenzimmer“: Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung besitzen rund 24 Prozent der Schüler mit Grundsicherung keinen internetfähigen Rechner.

„Da sah man, unter welchen Defiziten unser Bildungssystem leidet“, sagt Hemmerich. „Angestöpselt“ stellte alle anderen Anfragen zurück, „um den Ansturm der Schüler zu bewältigen“.

Seit seiner Gründung im Jahr 2011 konnte „Angestöpselt“ mehr als 2400 Menschen helfen. In Zukunft möchte der Verein sein Angebot erweitern und Schulungen zu Themen wie Medienkompetenz und Datenschutz anbieten, unabhängig vom Einkommen der Teilnehmer.

Denn in diesem Bereich, so Matthias Hemmerich, „sind die meisten sehr bedürftig.“