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Stolberg: Heimstätte für Heimatlose

Die Stolberger sind sehr stolz auf ihr Josephskreuz, das mit seinen 38 Metern Höhe das "größte eiserne Doppelkreuz der Welt" darstellt

Es steht auf einem erloschenem Vulkan, dem Auerberg (579 m), der Hausberg der Stolberger. Der Name dieses Aussichtsturms - Josephskreuz - dient nicht als Gedenken an den Heiligen Joseph, sondern erinnert an den Grafen Joseph von Stolberg, der den Turm errichten ließ. Auf dem Auerberg, von dessen Spitze man einen herrlichen Panoramablick auf die Harzregion und weit bis Magdeburg hat, stand schon im 17. Jahrhundert ein Aussichtsturm. Durch seine exponierte Lage wurde der Turm bald Opfer des Wetters: eine Sage berichtet von Stürmen, die wie auf "einer wilden Jagd um den Turm rasten". So musste der erste Turm wegen Schäden durch viele "wilde Jagden" 1768 abgerissen werden. Knapp 60 Jahre später beauftragte der Graf Joseph von Stolberg den Berliner Star-Architekten Karl Friedrich Schinkel, einen neuen Turm zu entwerfen.

Das weltgrößte eiserne Doppelkreuz in Stolberg
Das weltgrößte eiserne Doppelkreuz in Stolberg
© Michaela Vieser, Reto Wettach

Schinkel setze ein hölzernes Doppelkreuz auf den Berg, das nur durch Leitern zu erklettern war. Die Investition in das Kreuz lohnte sich - der Tourismus blühte auf und keine vier Jahre später konnte der erste Gasthof auf dem Auerberg eröffnen. Aber auch die Stürme ließen nicht nach und so wurde 1880 dieses Kreuz bei einem starken Unwetter umgerissen. Sechs Jahre später hatten der Graf von Stolberg und der Harzklub genug Gelder für einen Wiederaufbau gesammelt: das neue Kreuz sollte jenes von Schinkel übertreffen!

Die Weltausstellung in Paris war gerade beendet und der Eiffelturm als grazile Technologieerrungenschaft gerühmt. So etwas sollte auch auf dem Auerberg stehen. Im August 1886 stand der neue Turm, von Baurat Otto Beißwänger konzipiert. Der Turm ähnelte dem hölzernen Doppelkreuz Schinkels, war aber mit 100 000 Nieten und 128 Tonnen Eisen doch ein anderes Kaliber - und die Touristen bewiesen dies. Zu Zeiten der DDR wurde das Kreuz nie restauriert, so dass es 1987 behördlich gesperrt werden musste. Ein Jahr nach der Wende wurde der Turm renoviert, was zeigt, wie wichtig das größte eiserne Doppelkreuz der Welt für die Region ist.

Josephskreuz zwischen 06547 Stolberg/Harz und 06507 Güntersberge vom Parkplatz ca. 20 minütige Wanderung


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