Der Traum vom Reisen Reiseblogger Sebastian Canaves über das Reisen und das Wiederankommen

"Off the path" heißt der erfolgreiche Reiseblog und das Buch von Sebastian Canaves. Was das Reisen für Ihn bedeutet, erzählt er im Kurzinterview. Und ein Buchauszug verrät, wie das Ankommen nach einer langen Reise problemlos gelingt
Reiseblogger Sebastian Canaves über das Reisen und das Wiederankommen

Immer unterwegs und oft online: Reiseblogger Sebastian Canaves verdient mit dem Reisen inzwischen seinen Lebensunterhalt

In einer schlaflosen Nacht 2011 registrierte Sebastian Canaves die Domain für seinen Reiseblog, der inzwischen sein Leben bestimmt. Mit www.off-the-path.com änderte sich für Sebastian so gut wie alles. Mittlerweile hat er bereits in über zehn Ländern gelebt und war in mehr als 100 Ländern unterwegs.

Heute ist er nicht nur als Reiseblogger aktiv, sondern wird auch als TEDx-Speaker oder Social Media-Berater gebucht. Und 2015 ist er sogar unter die Buchautoren gegangen. In "Off the Path - Eine Reiseanleitung zum Glücklichsein" gibt Sebastian Canaves auf 227 Seiten Tipps rund um das Thema Backpacking.

Von nützlichen Hinweisen, was bei der Vorbereitung unabdingbar ist, über kleine Exkurse nach Athen oder Nicaragua bis zum Thema nach Hause kommen behandelt Sebastian alles, was Reisende wissen sollten.

GEO.de: Was ist das Besondere am Reisen?

Sebastian Canaves: Jeden Tag passiert etwas Neues - das kann gleichzeitig das Beste, aber auch das Nervigste am Reisen sein!

GEO.de: Wo willst du unbedingt noch hin? Und warum?

Sebastian Canaves: Nach Kanada! In Kanada warten so viele Abenteuer, so eine unglaubliche Natur und mein größter Traum auf mich: einmal mit Orcas Seekajaken!

GEO.de: Was möchtest du mit deinem Buch erreichen?

Sebastian Canaves: Ich möchte mehr Leute dazu inspirieren, ihren Rucksack zu packen und zu verreisen, neue Länder zu erkunden, Abenteuer zu erleben, und vor allem über sich selbst hinauszuwachsen. Es gibt keine bessere Schule als das Reisen!

GEO.de: Welche Blogs liest du selbst?

Sebastian Canaves: Christians Abenteuer auf "Feel 4 Nature" (www.feel4nature.com), Gesas wunderbare Geschichten als Bedouin Writer (www.bedouinwriter.com) und die Tipps von den Stilnomaden! (www.stilnomaden.com)

GEO.de: Bist Du lieber allein oder als Team unterwegs?

Sebastian Canaves: Früher war ich viel allein unterwegs, um die größtmögliche Freiheit zu haben und wirklich auf mich allein gestellt zu sein. Seit zwei Jahren bin ich allerdings mit meiner Freundin Line unterwegs und genieße die Momente und Abenteuer, die wir gemeinsam erleben. Für mich gibt es mittlerweile nichts Besseres, als abends über alles Erlebte zu reden, über kuriose Begegnungen und Ereignisse zu lachen, aber auch zu sehen, wie unterschiedlich wir manche Dinge doch aufnehmen. Gemeinsam reisen schweißt wirklich zusammen, und wir haben jetzt so viele Geschichten zu erzählen - das ist toll!

Reiseblogger Sebastian Canaves über das Reisen und das Wiederankommen

Wie man zum erfolgreichen Backpacker wird, verrät Sebastian in seinem Buch "Off the path"

Textauszug aus "Off the path"

Nach Hause kommen

Redewendungen wie »Zurück zu den Wurzeln« oder »Es gibt keinen besseren Ort als zu Hause« kennen wir alle. Und nach vielen Jahren des Reisens kann ich bestätigen: Da ist was dran. Wenn ich auf Reisen bin, genieße ich es vorbehaltlos. Aber jedes Abenteuer hört irgendwann mal auf. Und mittlerweile freue ich mich auch auf das Nach-Hause-Kommen.

Über die Jahre habe ich gelernt, auch die Zeit, die ich zu Hause bin, zu genießen. Dabei hat »zu Hause« für mich gar keine bestimmte Adresse. »Zu Hause« ist für mich eine Einstellung, eine Erinnerung und der Ort, an dem meine Mutter gerade ist (sie reist auch viel). Aber das Zuhause, das ich hier meine, ist das mit der realen Adresse – der Ort, an dem man sich am wohlsten fühlt nach Tagen, Wochen oder Monaten unterwegs. Hier ein paar Vorteile des Zu-Hause-Seins.

Im eigenen Bett schlafen

Ich habe bereits in vielen supergemütlichen und luxuriösen 5-Sterne-Betten geschlafen - und andererseits auch in dreckigen und billigen Hostelbetten, wo die Matratze dünner war als eine Sonntagszeitung. Aber ganz egal, wo ich war: Nach einer langen Reise freue ich mich immer auf die erste Nacht zu Hause, wo ich mich einfach ins eigene frisch bezogene Bett fallen lasse. Das Bett, in dem meine Lieblingsposition schon eingedrückt ist und in dem ich mich nicht hin und her bewegen muss, bis ich die richtige Schlafhaltung gefunden habe ... Ich liebe es, in meinem eigenen Bett zu schlafen!

Reiseblogger Sebastian Canaves über das Reisen und das Wiederankommen

Off the Path, 240 Seiten, Texte in Deutsch, 12,99 €, erschien 2015 bei Ullstein Buchverlage

Nicht mehr aus dem Backpack leben

Ich liebe Backpacken. Was ich aber nicht liebe, ist das ständige Ein- und Auspacken, wann immer ich etwas brauche. Ich habe bereits einen sehr guten Rucksack mit vielen Taschen gefunden, der mich seit vielen Jahren auf meinen Reisen begleitet - aber die Dinge, die ich suche, sind meistens trotzdem ganz unten. Zu Hause habe ich einen Schrank, in dem alles perfekt sortiert ist und ich nicht lange wühlen muss, um etwas zu finden. Schön!

Nicht mehr für jedes Essen und jede Nacht bezahlen

Eigentlich zahlt man ja immer, aber es fühlt sich zu Hause einfach nicht so an. Wenn man auf Reisen ist, muss man ja immer dein Lieblingsshirt auf Reisen noch mal und noch mal ungewaschen wieder angezogen? Hab ich auch schon oft gemacht ... Es ist schön, nach Hause zu kommen und den Luxus einer heißen Dusche und frischer Klamotten zu genießen!

Viel Zeit, um sich zu sammeln und über die Reise nachzudenken

Als Reiseblogger ist das für mich natürlich sehr wichtig! Es ist echt schwer, auf Reisen so diszipliniert zu sein, dass ich immer früh aufstehe und am Blog arbeite, obwohl ich eigentlich gerne ausschlafen und dann in dem Paradies da draußen unterwegs sein möchte. Aber die Arbeit, die viel Konzentration braucht, wie zum Beispiel das Designen von E-Books, das Schneiden von Videos etc. schiebe ich immer auf die Zeit, in der ich zu Hause bin. Ich liebe es, nach Hause zu kommen, mich morgens mit einer Tasse Kaffee hinzusetzen und über meine Reisen nachzudenken.

Menschen treffen, die Heimat bedeuten

Es ist toll, zu reisen und jeden Tag neue Menschen kennenzulernen. Aber es ist auch toll, nach Hause zu kommen und nicht ständig dieselben beiden Fragen beantworten zu müssen: »Wo kommst du her und wo willst du noch hin?« Die Menschen zu Hause kennen dich. Und manchmal brauchen sie nicht mal Worte, um dir zu zeigen, wie sehr sie sich freuen, dass du wieder da bist. Ich liebe es, nach Hause zu kommen und zu wissen, dass meine Freunde nur ein paar U-Bahn-Stopps entfernt sind. Und wenn du einen Hund zu Hause hast, ist das Beste am Nach-Hause-Kommen doch wohl die bedingungslose Liebe, die so ein Hund dir schenkt. Es ist egal, ob du ein paar Tage, Wochen oder gar Monate weg warst - du wirst mit unbändiger Freude begrüßt.

Zeit, das nächste Abenteuer zu planen

Sobald es wieder langweilig wird, ist es Zeit, vom gemütlichen Zuhause aus dein nächstes Abenteuer zu planen. Diese Planungszeit ist schließlich auch superspannend. Ich liebe es, andere Reiseblogs nach Inspirationen für meine nächste Reise zu durchsuchen, um zu sehen, was man so alles machen kann. Oft kenne ich das Ziel der nächsten Reise schon, bevor ich überhaupt zu Hause ankomme, weil mich andere Traveller inspiriert haben. Ich schreibe mir einfach alles in meine »Abenteuer Bucket List«. Die werde ich wahrscheinlich nie komplett abarbeiten können, da immer wieder neue Sachen hinzukommen, aber das ist egal. Allein die Liste ist eine ständige Inspiration.

Du siehst: Es ist gar nicht so schlecht, nach Hause zu kommen ...

Mehr Infos zu Sebastian Canaves

Mit seinem Blog nimmt Sebastian seine Leser mit in 100 Länder dieser Welt, auf kleine und große Abenteuer. Zudem gibt es Tipps zu reisetauglichen Versicherungen und Kreditkarten.

Die kleine Bibel für Backpacker-Neulinge und solche, die sich fragen, wie sie den Rucksack leichter bekommen und unterwegs sparen können. Erschienen 2015 bei Ullstein Buchverlage
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