Ebola Afrika und die Fehlinformationen

Ebola betrifft drei afrikanische Staaten. Doch an den touristischen Folgen leidet der gesamte Kontinent. Wir haben mit Experten gesprochen, ob Reisen nach Afrika noch möglich sind
Afrika und die Fehlinformationen

Fast 4000 Menschen sind seit dem Ausbruch der Epidemie im Frühsommer 2014 bereits an Ebola gestorben

Ebola und Afrika gehören in diesen Tagen unausweichlich zusammen. Die Epidemie beschäftigt nicht nur Mediziner und Einheimische, sondern inzwischen auch den Tourismussektor. Während sich Ebola laut Weltgesundheitsorganisation momentan auf Sierra Leone, Guinea und Liberia beschränkt, geht der Tourismus in allen Gegenden Afrikas merklich zurück – einem Kontinent mit 54 Ländern und einer Fläche von über 30 Millionen Quadratkilometern. Das Problem der Reiseanbieter ist nicht allein der Virus, sondern sitzt in den Köpfen vieler Reisender: Afrika wird oft als ein Land wahrgenommen. Dabei liegen touristisch frequentierte Länder, wie Namibia, Südafrika oder Kenia, teilweise weiter von Ebola-Gebieten entfernt als Spanien oder gar Deutschland.

Ebola wird nur bei einem direkten Hautkontakt mit einem Erkrankten oder dessen Ausscheidungen übertragen. Das Tückische an dem Virus ist seine Überlebensdauer: Er hält sich bei Raumtemperatur beispielsweise auf Oberflächen oder Gegenständen mehrere Tage und kann so weitere Menschen infizieren, die unwissentlich mit Ausscheidungen eines Erkrankten in Kontakt gekommen sind. Eintrittspforten für den Ebolavirus sind die Schleimhäute und Hautwunden. Wie oft bei solchen Epidemien trifft es auch dieses Mal die Ärmsten. Jene, die als Großfamilie in einem Haus zusammenleben, oft in ländlichen Gebieten und keine Aufklärung darüber erhalten, was Ebola konkret in ihrem Alltag bedeutet. Diese Menschen haben oftmals ihre eigene Hauptstadt noch nicht gesehen, geschweige denn andere Teile ihres Kontinents. Wer also nicht direkt in Ebola-Gebiete reist, begegnet in anderen afrikanischen Ländern einer ähnlich geringen Ansteckungsgefahr wie in Europa, Amerika oder Asien.

Ebola ein Stornierungsgrund?

"Wer nicht in die betroffenen Gebiete reist, muss keine außergewöhnlichen Maßnahmen ergreifen. Es ist eine Reisevorbereitung wie jede andere auch. Es gilt mit einem Tropenmediziner zu prüfen, ob und welche Impfungen von Nöten sind," erklärt Prof. Hans-Dieter Klenk, Ebola-Experte der Gesellschaft für Virologie. Prof. Dr. Stephan Günther vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg gibt noch konkretere Anweisungen: "Die wichtigsten Regeln für einen Besuch in Afrika sind: Keine Kranken pflegen, keine Verstorbenen waschen und keinen direkten Kontakt zu Verstorbenen auf einem Begräbnis zu haben." Zudem warnt er vor Kontakt mit Menschenaffen und Flughunden, die den Schwesternvirus von Ebola, den Marburgvirus, übertragen können. Auch wenn für Mediziner und Afrikakenner die Sache klar ist, verbuchen Reiseveranstalter bereits Buchungsrückgänge und vereinzelte Stornierungen.

Wie das niederländische Vergleichsportal Safaribookings bei einer Umfrage unter 500 Reiseveranstaltern herausfand, stellen 69 Prozent von ihnen ein rückläufiges Buchungsverhalten fest. Über 100 der Befragten stehen gar einem Buchungsrückgang zwischen 50 und 70 Prozent gegenüber. Auch Katja Venter, Marketing-Chefin des Afrikaspezialisten Venter Tours, hat mit Buchungsrückläufen zu kämpfen. Im Vergleich zum Vorjahr sind seit dem Ausbruch von Ebola 30 Prozent weniger Buchungen reingekommen. "Wir haben wirklich viele Kunden, die anrufen und sehr verunsichert sind. Oftmals buchen sie nicht und warten ab, wie sich die Lage entwickelt, das merken wir natürlich," sagt Katja Venter. Aus diesem Grund hat sich Venter Tours nun entschieden, seinen Kunden einen kostenlosen Reiserücktritt zu ermöglichen, sollte Ebola in dem von ihnen gebuchten Reiseland auftreten.

Von einer gewissen Nervosität unter potenziellen Reisenden weiß auch Scott Crouch vom Afrika-Reiseanbieter Enchanting Africa zu berichten. "Eine Handvoll Stornierungen haben wir bereits. Wir sind zwar sehr kulant, aber wenn jemand eine Reise nach Botswana aufgrund von Ebola storniert, dann können wir da wenig entgegenkommen. Das wäre, als würde ich eine Berlinreise nicht antreten, weil an der türkisch-syrischen Grenze Unruhen sind," erklärt Crouch das Dilemma aus Sicht der Reiseveranstalter. Die meisten seiner Kunden würden sich aber nur noch einmal telefonisch absichern wollen, ob es wirklich unbedenklich sei, andere Teile des Kontinents zu bereisen.

Afrika und die Fehlinformationen

Sehr anschaulich zeigt diese Karte, wie weit entfernt die touristischen Gebiete Afrikas vom Ebola-Epizentrum sind

Reiseangebote bleiben bestehen

Auch große Veranstalter wie Studiosus oder Meier’s Weltreisen beobachten Veränderungen. So verzeichnet Studiosus-Sicherheitsmanager Edwin Doldi eine gewisse Buchungszurückhaltung bei Reisen nach Kenia und Tansania. "Wir führen das nicht allein auf Ebola zurück, aber es ist nicht auszuschließen, dass Reisende bestimmte Länder Afrikas wegen einer potenziellen Gefährdung meiden", so Doldi.

Im laufenden Reiseangebot von Meier’s Weltreisen sind die Länder Gambia und Senegal vertreten. Letzteres verfügt über eine gemeinsame Grenze mit Guinea. "Die Nachfrage nach diesen beiden Ländern ist im Zuge der Ebola-Epidemie stark zurückgegangen – die geografische Nähe zu den betroffenen Ländern macht sich hier deutlich bemerkbar", sagt Pressesprecherin Katharina Hanke. Dennoch möchte der Veranstalter auch 2015 das Reiseangebot nach Gambia und in den Senegal aufrechterhalten. "Die Grenzen vom Senegal in die Ebola-Gebiete sind geschlossen und die gambische Regierung hat weitreichende präventive Maßnahmen ergriffen", sagt Hanke weiter. Ebenso wie inzwischen an den meisten Flughäfen weltweit werden Reisende auch innerhalb Afrikas mit einem Messgerät auf erhöhte Temperatur getestet und bei Ebola-Verdacht unter Quarantäne gestellt.

Die Unkenntnis über die tatsächlichen Dimensionen des afrikanischen Kontinents und die lückenhafte Aufklärung über die reelle Ansteckungsgefahr führen zu einer Verunsicherung bei den Reisenden, die auch laut der jüngsten Zahlen der Tourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) zu zukünftigen Einreise-Einbrüchen führen könnte. UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai erklärt in einer öffentlichen Stellungname: "Der Fokus liegt derzeit darauf, Maßnahmen zu ergreifen und zu unterstützen, um den Virus einzudämmen. Dennoch müssen wir aufpassen, dass der afrikanische Tourismussektor nicht aufgrund von Fehlinformationen bezüglich der Übertragung des Virus unnötig belastet wird."

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