Türkisblau und glasklar ist das Wasser der Plitvicer Seen in Kroatien. Manchmal schimmert es auch flaschengrün, dunkel- oder azurblau. Die hohe Konzentration von Mineralien im Wasser verstärkt die Reflexion des Sonnenlichts und lässt die Seen in Türkis- und Smaragdtönen leuchten. Auch der Aufbau der Seenlandschaft ist besonders: Wie an einer Perlenkette reihen sich 16 Gewässer aneinander. Sie sind über Wasserfälle, Überläufe und Höhlensysteme miteinander verbunden. Das Wasser rinnt durch Moose und Gräser oder stürzt spektakulär über Felsen in die Tiefe – immer von See zu See.
Der Nationalpark ist nicht ohne Grund der älteste und größte in Kroatien. Dass die Seenlandschaft schon so lange unter Schutz steht, ist vor allem der Arbeit des Wissenschaftlers Ivo Pevalek zu verdanken. Er beschäftigte sich mit den Wassermoosen und Algen und den Sinterbarrieren, die das Gebiet so einzigartig machen. Seine Forschung beeinflusste maßgeblich, dass die Plitvicer Seen schon 1949 zum Nationalpark erklärt wurden. Die paradiesblaue Seenlandschaft ist außerdem seit 1979 als eine der ersten Landschaften weltweit Teil des UNESCO-Weltnaturerbes.
Blaues Wunder
Das Wasser der Seen ist Karstwasser, das durch seinen hohen Kohlendioxidanteil Kalk aus Gestein löst. So bilden sich mit der Zeit Höhlen, Tunnel, Becken und schließlich Seen. Gleichzeitig sind die Gewässer mit Kalziumcarbonat übersättigt und lagern den Kalk wieder ab. Dadurch entstehen Travertin- oder Sinterbarrieren, die den Fluss bremsen und das Wasser stauen. Moose, Wasserpflanzen, Algen und Bakterien verlangsamen die Strömung zusätzlich und dienen als Gerüst, an dem sich Kalkkristalle anlagern. Neue Barrieren, Überläufe und Kaskaden und sogar neue Seen entstehen.
Baden verboten, Rudern erlaubt
Wo heute Wasserfälle rauschen und Besuchergruppen über Holzplanken spazieren, gäbe es beinahe nur eine karge Geröllhalde – oder was auch immer nach einer Sprengung der Plitvicer Seen übrigen geblieben wäre. Dahingehende Pläne soll es während des Jugoslawienkriegs in den 1990er-Jahren gegeben haben. Tatsächlich kam es hier auch zu Auseinandersetzungen zwischen serbischen und kroatischen Truppen. Obwohl die Seen in der Nähe der Front lagen, blieben sie aber von schweren Schäden verschont. Als eine der ersten Regionen des Landes wurden sie nach Kriegsende aufgeräumt und wiederhergestellt.
Auch heute noch steht der Schutz der Landschaft im Vordergrund. Baden, Wassersport, Fahrräder, Autos oder Motorboote sind im Park streng verboten. Stattdessen leiten schmale Holzpfade die Besuchergruppen zu Fuß an Wasserfällen, Seen und Felsen vorbei. Über die Seen gleiten nur die elektrischen Fährboote des Nationalparks – und im Sommer die robusten Holzruderboote, die Besucher auf dem größten See Kozjak ausleihen können.
Von Braunbären, Enten und Orchideen
Aufgrund der Höhenunterschiede herrschen verschiedene Klimazonen im Park. Um die 900 Meter liegen zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt des Naturschutzgebiets. Dadurch herrscht fast mediterrane Wärme in den Niederungen und frische Bergluft in den Höhen. Die Tier- und Pflanzenvielfalt im Nationalpark ist deshalb einzigartig – viele seiner Bewohner stehen unter Schutz und sind nur hier ansässig.
Tatsächlich nimmt die touristisch erschlossene Seenlandschaft nur etwa ein Prozent des knapp 300 Quadratkilometer großen Nationalparks ein. Im Rest des Naturschutzgebiets leben Braunbären, Luchse, Wölfe, Rehe und Wildschweine. Zu Begegnungen mit Menschen kommt es praktisch nie, da die Tiere scheu sind und genügend Lebensraum zur Verfügung haben. Im Seengebiet tummeln sich dafür Enten, Otter, Frösche, Fische und Schmetterlinge und geben gute Fotomotive ab.
Der Nationalpark beherbergt außerdem zahlreiche geschützte Pflanzen, darunter beispielsweise den gelben Frauenschuh, eine der seltensten und schönsten Orchideenarten Europas. Viele hier ansässige Pflanzen stehen unter Naturschutz und auf der Liste der stark gefährdeten Pflanzenarten der IUCD. Mehr als 70 Pflanzenarten sind endemisch, kommen also nur in diesem Gebiet vor – ein Grund, warum der Nationalpark zu den wertvollsten Schutzgebieten Kroatiens zählt.