Mecklenburg verblüfft mich immer wieder. Kaum irgendwo sonst scheint mir die Stille zwischen Wäldern und Seen so tief wie hier. Eine Stille, wie gemacht, damit sich Naturlaute von ihr abheben. Zum Beispiel der Gesang der Vögel. Erst vor Kurzem, es war schon dunkel, fiel mir am Plauer See ein unablässiges, zartes Tröten und Wimmern auf: Dutzende Singschwäne hatten sich hier, sicher vor hungrigen Füchsen oder Wölfen, auf dem See versammelt. Sie riefen nach ihrem Partner, kommentierten Seitensprünge, missbilligten Abwerbungsversuche, begrüßten Neuankömmlinge. Oder – wer weiß? – sie nahmen einfach Kontakt mit Artgenossen auf.
Zugegeben, wie ein richtiger Gesang klang das nicht. Aber die Unterhaltungen der Vögel waren so abwechslungs- und nuancenreich, dass ich gebannt lauschte. Minutenlang.
Dass es bei uns überhaupt Singschwäne, wissenschaftlich Cygnus cygnus, gibt, wusste ich lange nicht. Denn die Zugvögel halten sich nur in den Herbst- und Wintermonaten bei uns auf, vor allem in Norddeutschland, wenn es ihnen in ihren Brutgebieten in Skandinavien, im Baltikum und in Sibirien zu kalt wird und die Gewässer zufrieren. Außerdem sehen sie unseren heimischen Höckerschwänen auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich.