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Walfang Zu wenig Nachfrage: Island will Jagd auf Wale beenden

Finnwale sind nach den Blauwalen die zweitgrößten Lebewesen der Erde. Noch 2018 töteten isländische Walfänger 146 von ihnen
Finnwale sind nach den Blauwalen die zweitgrößten Lebewesen der Erde. Noch 2018 töteten isländische Walfänger 146 von ihnen
© WDC
Die isländische Regierung hat angekündigt, ab 2024 keine neuen Genehmigungen auszustellen. Begründet wird der Schritt mit der geringen Nachfrage

Island steigt aus dem kommerziellen Walfang aus. Die isländische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei, Svandís Svavarsdóttir, kündigte an, ab 2024 keine neuen Jagdgenehmigungen zu erteilen. Da im kommenden Jahr die aktuellen Genehmigungen auslaufen, würde der Schritt de facto das Ende der Jagd auf Wale bedeuten. Der Nachrichtenagentur Morgunblaðið gegenüber begründete die Ministerin ihren Entschluss allerdings nicht mit Protesten von Tierschützer*innen.

Es sei nicht vernünftig zu behaupten, dass der Walfang in sozialer oder wirtschaftlicher Hinsicht nachhaltig sei, sagte die Ministerin. "Warum sollte Island das Risiko eingehen, eine Fischerei aufrechtzuerhalten, die keinen wirtschaftlichen Nutzen gebracht hat, um ein Produkt zu verkaufen, das kaum gefragt ist?"

Der Walfang schadet auch dem Ruf Islands

Island hatte erst 2006 den kommerziellen Walfang wieder aufgenommen – unter dem Protest von Walschützer*innen und kritischen Stimmen zum Trotz, die um den Ruf des Landes bei Tourist*innen fürchteten.

Von der Wiederaufnahme bis zum Jahr 2018 haben isländische Flotten insgesamt 852 Finnwale getötet. Doch die Nachfrage nach Wal-Produkten in Island und für den japanischen Markt war zuletzt rückläufig; das Zwergwalfangunternehmen IP-Utgerd stellte im Frühjahr 2020 seinen Betrieb ein.

Noch bis einschließlich 2023 dürfen jährlich 209 Finnwale und 217 Zwergwale gejagt werden. Seit 2018 wurde in Island allerdings nur ein einziger Wal getötet.

Gegessen wurde das Fleisch bislang überwiegend von Touristen und Touristinnen. Bei den Einheimischen dagegen sind Wal-Produkte weitaus weniger beliebt, als angenommen. Einer Umfrage aus dem Jahr 2018 zufolge gaben 84 Prozent der Befragten an, noch nie Walfleisch gegessen zu haben.

Vanessa Williams-Grey von der Whale and Dolphin Conservation (WDC), begrüßte den Schritt der isländischen Regierung: "Islands Walfänger haben in den letzten Jahren Hunderte von Walen getötet, obwohl es so gut wie keine Nachfrage im Inland gibt und das Interesse der Tourist*innen und des japanischen Marktes zurückgeht", sagte Williams-Gray. "Das Töten von Finnwalen, einer vom Aussterben bedrohten Art und dem zweitgrößten Lebewesen auf unserem Planeten, ist nichts weniger als Ökozid, vor allem wenn man bedenkt, welch wichtige Rolle die Meeresriesen im Kampf gegen den Klimawandel spielen."


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