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Wildtiere Erste "bundesweite Fuchswoche": Ballern, was das Zeug hält

Mehr als 450.000 Füchse wurden in Deutschland in der Saison 2019/20 getötet
Mehr als 450.000 Füchse wurden in Deutschland in der Saison 2019/20 getötet
© WildMedia / Adobe Stock
Wenn es einen Preis für Gamsbart-Prosa gäbe, dann gehörte die "Deutsche Jagdzeitung" auf die Shortlist. Mit einem Aufruf zum Töten

Wer wissen will, was im deutschen Wald eigentlich los ist, sollte hin und wieder in Blätter wie die "Deutsche Jagdzeitung" (DJZ) schauen. Sagen wir es gleich vorweg: Es wird verblüffend viel getötet. Jedes Jahr weit mehr als eine Million Rehe, zum Beispiel. Aber auch erstaunlich viele andere Tierarten, von denen selten die Rede ist. Darunter mehr als 450.000 Füchse.

Das klingt nach viel, scheint aber irgendwie nicht zu reichen. Anders ist nicht zu verstehen, dass das "erfrischend andere Jagdmagazin für den praxisorientierten Jäger" Waidmänner (und vermutlich auch Waidfrauen) nun zur "ersten bundesweiten Fuchswoche" aufruft. Gemeint ist das natürlich nicht so, dass der Fuchs – für gewaltentwöhnte Städter einfach nur ein schönes Tier – als solcher gewürdigt werden soll. Sondern so: Vom 13. bis zum 19. Dezember soll auf die Rotpelze geballert werden, was das Zeug hält. Den Revieren mit den meisten Opfern – im Verhältnis zur Fläche – winken Gold-, Silber- und Bronzemedaillen. Und Urkunden.

"Waidmannsfreuden" in Wald und Feld

Nun wird die Jagd neuerdings ja gerne als Klima- und Artenschutzmaßnahme verkauft. Immerhin, darauf weist die Jägerschaft voller Sorge um die Zukunft hin, fressen Rehe kleine Bäume, also zukünftige Klimaschützer, und die vermeintlich niedlichen Füchse erledigen andere, noch viel niedlichere und seltenere Tierbabys. Das kann doch keiner wollen.

Aber weil man es hier nicht mit einer Mitteilung an das Bundesumweltministerium zu tun hat, gibt sich das Blatt kaum Mühe, die Aktion als schwere Pflichtübung im Dienst des Natur- und Artenschutzes zu verkaufen. Hören wir mal rein:

"Oktober und November liegen hinter uns", stellt die DJZ einleitend fest. So weit, so offensichtlich. Für ungeübte Leser und Leserinnen geht es dann schon etwas kryptischer weiter: "Die Drückjagd-Hörner sind bei den meisten schon etwas abgestoßen." Irgendwas mit Tiere aufscheuchen und abknallen, vermutlich. "Doch neben Drückjagden", fährt das Blatt nun frohlockend fort, "haben Wald und Feld noch mehr Weidmannsfreuden zu bieten!" Ach so? Was denn? "Die Rede ist von Reineke." Und als wäre das nicht schon literarischer Höhepunkt genug, setzt die DJZ noch ein sprachliches Sahnehäubchen drauf: "Landauf, landab zieht er seine Spuren durch unsere Reviere, egal ob Wald oder Feld, groß oder klein, Nord, Süd, Ost oder West."

"Wichtig ist einzig und allein die Strecke!"

Bei so viel Sprachkunst könnte man fast vergessen, um was es eigentlich geht: Es sollen, wie gesagt, in einer Woche so viele Füchse getötet werden wie nur irgend möglich. Wie – das ist eigentlich Nebensache: "Die Fangjagd ist ebenso erlaubt, wie die mit Flinte und Büchse. Es darf gepirscht, gedrückt, getrieben und gelockt werden, was das Zeug hält. Wichtig ist einzig und allein die Strecke!", heißt es in dem Aufruf.

Und damit nicht genug. Die Mitarbeiter*innen der Zeitschrift wollen nicht nur Fotos mit viel Blut sehen – sondern auch einen echten Fuchs-Schädel in ihren Händen halten. Den größten nämlich. Also: Bitte bis zum 31. März 2022 in die Redaktion schicken. Aber nur "sauber abgekocht"!

Was man bei so viel Vorfreude auf Jagdglück und Halali direkt vergessen könnte: Die Jagd auf Füchse ist in aller Regel tierschutzwidrig. Sagen Juristen.


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