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Afrika Schützen oder schießen: Der unterschiedliche Umgang mit Elefanten

Afrika: Schützen oder schießen: Der unterschiedliche Umgang mit Elefanten
© donvanstaden/Adobe Stock
Bei Elefanten wird es emotional. Die einen wollen sie jagen, die anderen stellen den Schutz in den Vordergrund. Zwei Konferenzen zum Umgang mit den Dickhäutern zeigen: An Argumenten mangelt es nicht

Für Touristen in den Savannengebieten und Nationalparks Afrikas kann die Begegnung mit einem Elefanten buchstäblich das Größte sein. Die größten auf der Erde lebenden Landsäugetiere mit ihrem ausgeprägten Sozialverhalten faszinieren. Gleichzeitig haben es Wilderer und ihre Kunden auf die Stoßzähne aus Elfenbein abgesehen und die Zahl der Elefanten in Teilen des Kontinents stark dezimiert.

In anderen Gebieten vor allem im südlichen Afrika gibt es hingegen Klagen über eine Überbevölkerung der grauen Riesen. Bauern in Dörfern entlang der Wanderrouten der Elefanten fürchten die Tiere. Denn halten hungrige Elefanten an ihrem Maisfeld an, ist die Ernte und damit der Lebensunterhalt eines ganzen Jahres leicht innerhalb von einer halben Stunde vernichtet. Allein in Zimbabwe sind nach Angaben der Behörden in diesem Jahr bereits 60 Menschen durch Elefanten ums Leben gekommen.

Sind Elefanten also eine Plage? Oder eine stark gefährdete Tierart, die mehr Schutz braucht? Sind ausländische Jagdtouristen eine Chance oder eine Gefahr? Sollte der Handel mit Elfenbein gelockert werden? Die Antworten hängen stark davon ab, wen man fragt.

In der Diskussion ist, wie sich die Interessen des Artenschutzes und die Bedürfnisse der Menschen vor Ort miteinander vereinbaren lassen. Ein Elefantengipfel am Rande des Nationalparks Hwange in Zimbabwe sollte vor der im November anstehenden CITES-Konferenz zum Internationalen Artenschutzabkommen eine einheitliche Haltung der afrikanischen Staaten herbeiführen.

Gastgeber Zimbabwe hoffte insbesondere, dass sich die Teilnehmer für Lockerungen beim bislang nur äußerst beschränkt erlaubten Verkauf von Elfenbein aussprechen. Auch für legalen Abschuss von Elefanten wollte sich Zimbabwe stark machen - die in dem Land lebenden rund 100.000 Tiere seien einfach zu viel. Die Zahl der insgesamt in Afrika lebenden Elefanten wird auf mehr als 415.000 geschätzt.

Das Vorhaben stieß schon vor dem Treffen, das in der vergangenen Woche stattfand, auf Widerspruch: In einer gemeinsamen Stellungnahme nannten 45 Naturschutzgruppen die Diskussion über legalen Elfenbeinhandel ein "gefährliches Signal", das die Bedrohung der Elefanten verstärke. In den vergangenen 31 Jahren sei die Zahl der afrikanischen Waldelefanten um 86 Prozent zurückgegangen, während die Zahl der in den Savannen lebenden Elefanten in 50 Jahren um mindestens 60 Prozent zurückgegangen sei. Neben dem Verlust von Lebensräumen habe vor allem Wilderei dazu beigetragen.

Kenia hat klare Signale gesetzt: Keiner soll Profite mit toten Elefanten machen

So seien seit 2009 allein bei 152 großen Zugriffen rund 270 Tonnen Elfenbein beschlagnahmt worden. "Versuche, den legalen Handel neu aufzunehmen, würde organisierte kriminelle Netzwerk mit weiteren Gelegenheiten versorgen, zu wildern und geschmuggeltes Elfenbein auf dem legalen Markt zu "waschen"", hieß es.

Auch auf der Konferenz selbst blieb Zimbabwe mit seinem Vorstoß nach Aufhebung des Verkaufsverbots für Elfenbein weitgehend allein. In der Abschlusserklärung hieß es lediglich, die Schutzbestimmungen seien nicht länger "wissenschaftlich", sondern von Emotionen getragen - es solle geprüft werden, ob die geltende Konvention ihren Sinn erfülle.

Dabei war die Runde, die als "geeinte Stimme Afrikas" sprechen sollte, deutlich kleiner als zunächst geplant: Außer Zimbabwe waren nur Südafrika, Botsuana, Namibia, Sambia und Tansania vertreten. Andere Länder hatten gar nicht erst die Vertreter ihrer Naturschutzbehörden geschickt - wie zum Beispiel Kenia. Das ostafrikanische Land hat beim Umgang mit Elfenbein gewilderter Elefanten bereits mehrfach klare Signale gesetzt, indem riesige Stapel von Stoßzähnen öffentlich verbrannt wurden: Keiner soll Profite mit toten Elefanten machen.

Der Stoßzahn eines Elefanten wird während eines Pressetermins anlässlich der Beschlagnahmung von Elfenbein gezeigt
Der Stoßzahn eines Elefanten wird während eines Pressetermins anlässlich der Beschlagnahmung von Elfenbein gezeigt
© Then Chih Wey/XinHua/dpa

"Nein, Afrika ist nicht geeint bei der Öffnung des Elfenbeinhandels" twitterte Paula Kahumbu, Leiterin der Naturschutzorganisation Wildlife Direct. Sie verwies darauf, dass bei der letzten Lockerung die Zahl der Elefanten durch Wilderei um 30 Prozent zurückgegangen sei. "Es wird wieder geschehen", fürchtete Kahumbu.

Der legale Abschuss von Elefanten, aber auch von Trophäenjagd, war nicht nur in Hwange ein Thema. Parallel zum Elefantengipfel ging es auf einer Diskussionsveranstaltung in Dortmund um die Vorteile des Jagdtourismus für afrikanische Staaten. "Jagd ist wichtig für den Erhalt von Biodiversität", warb etwa Leslé Jansen, Geschäftsführerin von "Resource Africa". Aus Sicht der Befürworter gibt es keinen Gegensatz zwischen Schießen und Schützen - nachhaltige Jagd jedenfalls finanziere nicht zuletzt den Naturschutz mit.

Die Organisation setzt sich für die Beteiligung von Communities an den Erlösen etwa aus dem Safaritourismus ein. Jensen verwies auf den Bau von Schulen und die Ausbildung von Lehrern, die so finanziert würden. "Politiker sollten sich mit den Interessen der Gemeinden befassen, die mit dem Wild leben, ehe sie Gesetze erlassen", forderte Siyoka Simasiku, Leiter des Ngamiland-Rats von Nichtregierungsorganisationen aus Botsuana.

Eine Reihe afrikanischer Länder gehen einen anderen Weg, als auf Geld von Trophäenjägern zu setzen. So hat Kenia die Großwildjagd bereits 1977 verboten. Tourismus, einschließlich Tausender nur mit Fotoapparaten "bewaffneter" Safari-Touristen ist eine der wichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen Kenias. Nach einem Bericht der Naturschutzorganisation Pro Wildlife verdient das Land jährlich eine Milliarde US-Dollar am Fototourismus – 30 Millionen US-Dollar würde die Trophäenjagd einbringen, wenn sie erlaubt wäre.

Eva Krafczyk, dpa

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