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Haustiere Fünf typische Fehler in der Welpenerziehung - und wie Sie sie vermeiden

Welpe
Welpen sind von Natur aus neugierig - das sollte man sich zunutze machen
© mdmmikle - Shutterstock
Welpen sind klein, tapsig und unglaublich niedlich. Da fällt es nicht immer leicht, bei der Erziehung so streng vorzugehen wie bei erwachsenen Hunden. Dabei sind klare Grenzen von Anfang an enorm wichtig. Fünf Tipps für die Welpenerziehung

Inhaltsverzeichnis

1: Den Welpen vermenschlichen

Für viele gehören Hunde heute zur Familie. Sie sind nicht einfach "nur" Hofhunde, die es zu versorgen gilt, sondern ein Teil der Gemeinschaft und feste Familienmitglieder. Daran ist nichts auszusetzen - Hunde wie Menschen genießen das eingespielte Zusammenleben, das sich im Laufe der Evolution über Jahrtausende entwickelt hat.

Schwierig wird es allerdings, wenn der Mensch beginnt, seinen treuen Wegbegleiter mehr als Menschen denn als Tier zu betrachten. Denn genauso wenig, wie der Mensch sich in einen Hund verwandeln kann, so wenig kann der Hund zu einem Menschen werden.

Wenn der Welpe jedoch in sein neues Zuhause zieht und innerhalb von Sekunden die gesamte Familie um die Pfote gewickelt hat, ist es meist schon um alle geschehen. Ganz unweigerlich erinnern uns seine großen Kulleraugen, das helle Mieksen und sein wackeliges Umhertapsen an ein Kleinkind.

Schnell neigen wir dazu, menschliche Gefühle und Verhaltensweisen auf den Welpen zu übertragen. Ohne groß darüber nachzudenken, glauben wir ganz automatisch, der Welpe würde ähnlich denken, ähnlichen fühlen und Situationen ganz ähnlich einschätzen wie wir Menschen. Wir vermenschlichen ihn.

Bei aller Liebe und Sympathie bleiben Hunde jedoch Tiere. Sie nehmen ihre Umwelt anders wahr als der Mensch, handeln nicht vernunftgesteuert und treffen auch keine Entscheidungen mit einem bestimmten Plan im Hinterkopf. Sie verfolgen keine menschlichen Ziele und haben auch keine Wertvorstellungen.

Erwarten wir jedoch von einem Hund menschliche Verhaltensmuster und werden diese dann nicht erfüllt, ergeben sich massive Kommunikationsprobleme zwischen Mensch und Tier. "Der Hund ist stur", heißt es dann, oder "Der Hund hört nicht, er hat seinen ganz eigenen Kopf!". Tatsächlich ist Sturheit jedoch ein zutiefst menschliches Verhalten - bei Hunden gibt es dieses nicht.

Was folgt, sind Schwierigkeiten bei der Welpenerziehung. Nicht umsonst ist der Boom an Hundetrainern und TV-Shows zur Hundeerziehung in den letzten Jahren immer größer geworden.

Auch in der Zucht hat man den Trend zur Vermenschlichung erkannt. Heute werden diverse Hunderassen extra dahingehend gezüchtet, dass sie besonders menschenähnlich wirken: runder Schädel, kurze Schnauze, hohe Stirn und große Augen, die nach vorn blicken. Eine falsche Tierliebe mit Folgen: Qualzuchtrassen wie der Mops und die Französische Bulldogge bekommen wegen der kurzen Schnauze nur schlecht Luft, haben oft Gesundheitsprobleme und eine geringere Lebenserwartung.

Wer einen Hundewelpen also artgerecht erziehen möchte, sollte sich dieser Problematik bewusst sein und das eigene Handeln wie auch die Erwartung an das Tier immer wieder neu hinterfragen. Und: Entscheiden Sie sich bei der Welpenwahl nicht für eine Qualzuchtrasse!

2: Regeln zu spät einfordern

Welpen sind von Natur aus niedlich, man kann ihnen einfach nicht böse sein! Die Gefahr ist deshalb hoch, dass man den Kleinen zu viel durchgehen lässt. Der Welpe zwickt in die Hand? Ach, die kleinen Zähnchen tun doch gar nicht weh! Er macht es sich neben Ihnen auf der Couch bequem? Macht doch nichts, der Kleine nimmt ja kaum Platz weg...

Was im Welpenalter als nicht so schlimm erscheint, kann mit zunehmendem Alter für Hund und Halter zum Problem werden. Denn wenn der ausgewachsene Hund plötzlich nicht mehr auf seinen Lieblingsplatz in der Sofaecke springen darf, keine Menschen mehr anspringen soll und als Reaktion auf sein verspieltes Zwicken in die Hände plötzlich eine starke Rüge erhält, wird er mit verwirrtem Erstaunen reagieren. Was hat er bloß falsch gemacht?

Die Antwort: Eigentlich gar nichts. Schuld sind Erziehungsfehler, die sich mit der Zeit eingeschlichen haben - und die sich, wenn sie sich erstmal festgesetzt haben, nur schwer wieder rückgängig machen lassen. Tun Sie sich und Ihrem Welpen also einen Gefallen und beginnen Sie von Anfang an klare Regeln zu etablieren!

3: Inkonsequent sein

Die besten Regeln und Erziehungsvorsätze nützen jedoch nichts, wenn diese nicht klar durchgezogen werden. Denn um bestimmte Regeln verstehen und befolgen zu können, sind Hunde auf das konsequente Handeln von Herrchen und Frauchen angewiesen.

Darf der Welpe in einer Nacht im Bett schlafen und in der nächsten wieder nicht, lernt er, diese Regel nicht ernst zu nehmen. Bereits eine Ausnahme kann den Kleinen zum Zweifeln bringen.

Dazu zählt auch, dass die gesamte Familie an einem Strang zieht. Wird dem Hund von einem Familienmitglied erlaubt, mit auf das Sofa zu springen und jemand anderes verbietet dies wiederum, führt das zur Verwirrung.

Nur wenn der Welpe weiß, was von ihm erwartet wird, kann er lernen, sich richtig zu verhalten. Bleiben Sie also stets konsequent - das hat nichts mit Härte zu tun, sondern erleichtert Mensch und Hund das Zusammenleben.

4: Falsche Signale senden

Hunde kommunizieren hauptsächlich über die Körpersprache und Mimik. Dessen sollte man sich immer bewusst sein - besonders, wenn es um das Training oder das Einüben neuer Kommandos geht.

Mit zu vielen Worten, wie "Kalle, setzt du dich jetzt bitte mal hin?" kann ein Welpe nicht viel anfangen. Mit einem klaren "Sitz" hingegen schon. Kurze Kommandos und klare Körpersignale sind daher das A und O in der Hundeerziehung.

Hunde registrieren die Signale unserer Körpersprache zudem wesentlich schneller als Worte. Wichtig ist es deshalb, dass unsere Stimme und unsere Körpersprache das Gleiche meinen. Passt die Körpersprache nicht zum Befehl, versteht der Vierbeiner nicht, was er tun soll.

Ein typisches Beispiel: Der Hund trödelt beim Spaziergang und erkundet interessiert die vielen Gerüche auf der Wiese. Das Herrchen wartet unterdessen ungeduldig mit der Leine fuchtelnd am Ende der Wiese und stampft ärgerlich mit dem Fuß auf. Dabei ruft er "Hier!". Der Hund wird vermutlich nicht wissen, was er tun soll. Die Stimme sagt: "Komm". Die Körpersprache sagt: "Ich bin wütend. Bleibt mir alle fern!". Ergebnis: Der Hund wird vermutlich nicht sofort angelaufen kommen.

5: Den Hund nicht richtig fordern

Klar, natürlich möchte man für den neu eingezogenen Welpen nur das Beste. Doch wenn der Mensch zu viel auf einmal möchte, dann ist das nicht unbedingt immer das Beste und auch tatsächlich sinnvoll für den Hund.

Wer einen Welpen in den ersten Wochen beispielsweise bereits überallhin mitnimmt, sofort in Welpenrunden schickt und damit ständig neuen Umweltreizen aussetzt, überfordert ihn. Kurze Spaziergänge und Toberunden, gefolgt von ruhigen Pausen zum Kuscheln und Schlafen sind für einen kleinen Hund völlig ausreichend.

Auf der anderen Seite kann auch die Unterforderung zum Problem werden. Denn wer meint, dass auf Dauer ein Spaziergang am Morgen und eine kurze Runde am Abend ausreichen, um einen Hund auszulasten, der irrt gewaltig.

Besonders problematisch wird das bei Hunderassen, die hauptsächlich wegen des Aussehens angeschafft werden, jedoch tatsächlich Arbeits-, Jagd- oder Hütehunde sind. Border Collies beispielsweise sind ausgesprochen intelligente Hütehunde, die viel Bewegung und Beschäftigung brauchen. Sie sind schnell unterfordert. Die Folge: Sie beginnen, Unfug anzustellen, Möbel anzuknabbern und nervös zu werden.

Unsere Empfehlung: Beschäftigen Sie sich genauestens mit den Hunderassen, bevor Sie sich einen Welpen zulegen und seien Sie sich den damit einhergehenden Anforderungen bewusst. Ein Pudel braucht eine andere Beschäftigung als ein Golden Retriever.


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