Artenschutz Schweden baut Dutzende neue Brücken - für Rentiere

Um den Rentieren das gefahrlose Überqueren von Straßen und Gleisen zu ermöglichen, lässt die schwedische Regierung neue Brücken bauen. Diese sollen einzig den Tieren vorbehalten sein und noch in diesem Jahr errichtet werden
Rentiere am Straßenrand

Bei der Futtersuche müssen Rentiere in Schweden immer weitere Strecken zurücklegen

Schweden ist die Heimat vieler Rentiere - etwa 230.000 bis 280.000 Tiere leben hier. Zum Vergleich: Schwedens viertgrößte Stadt Uppsala zählt 166.000 Einwohner (Stand 04/2020). Die Rentiere halten sich hauptsächlich in Lappland auf, der nördlichsten und am dünnsten besiedelten Region Schwedens.

Dort möchte die schwedische Regierung nun zahlreiche neue Tierbrücken errichten lassen, wie der Schwedische Rundfunk berichtet. Der Grund: Der Klimawandel bereitet den Paarhufern zunehmend Probleme. In den Wintermonaten müssen die Tiere bei ihrer Suche nach Nahrung mittlerweile immer weitere Strecken zurücklegen und dabei auch große Verkehrsadern überqueren.

Vereiste Böden erschweren die Futtersuche

Wegen des Klimawandels sorgen ungewöhnlich milde Temperaturen während der Wintermonate dafür, dass der Schnee taut, sich mit Wasser vermischt und anschließend wieder gefriert, wenn die Kälte zurückkehrt. Dies führt zur Bildung einer harten Eisschicht am Boden, die das darunterliegende Gras für die Rentiere unerreichbar macht.

Während die Rentiere früher in kalten Wintern einfach die Schneedecke mit den Hufen oder dem Maul aufkratzen konnten, um an die Flechten am Boden zu gelangen, ist das für die Tiere so nicht mehr möglich.

Pinguin in einem Tunnel
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Dieser Tunnel rettet Pinguin-Leben
In der neuseeländischen Stadt Oamaru erfreut sich ein Pinguintunnel unterhalb einer viel befahrenen Straße regen Verkehrs, wie diese Aufnahmen zeigen

Dies führt dazu, dass die Rentiere immer größere Gebiete absuchen müssen, um geeignete Futterquellen finden zu können. Dazu passieren oder überqueren sie immer öfter auch stark befahrene Straßen, Autobahnen und Gleise, was die Gefahr von Kollisionen mit Fahrzeugen erhöht. Zeitweise musste sogar die große Europastraße 4, die in Nord-Süd-Richtung durch ganz Schweden verläuft, wegen der großen Rentierzahl auf der Fahrbahn abgesperrt werden.

"Wegen der Klimaveränderungen und den schwierigen Schneeverhältnissen wird es immer wichtiger, alternative Weideflächen zu finden und für die Tiere zugänglich zu machen", sagte der Landschaftsökologe Per Sandström von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften dem schwedischen Radionetzwerk Sveriges Radio.

Verkehrsplaner und samische Rentierzüchter haben nun gemeinsam die Standorte der geplanten Wildtierübergänge - renodukter genannt, ein Kofferwort aus rendjur (Rentier) und viadukter (Viadukte) – ausgewählt. Der erste Übergang soll über der Europastraße E4 nördlich der Kleinstadt Umeå gebaut werden.