Seltener Fund Neue Schlangenart entdeckt - sie stand jahrelang unbemerkt im Museum

Bolivien ist jetzt um eine Schlangenart reicher. Entdeckt wurde die Spezies allerdings nicht im Wald. Sondern in den Regalen eines Museums
Falsche Korallenschlange

Die Jungtiere der neu entdeckten Spezies ähneln giftigen Korallenschlangen

Nicht nur in freier Wildbahn werden ständig bislang unbekannte Tier- und Pflanzenarten entdeckt. Auch auf Wildtiermärkten stoßen Biologen gelegentlich auf neue Spezies. Oder in naturkundlichen Sammlungen.

Im Museum von Santa Cruz, Bolivien, machte der Biologe Dirk Embert kürzlich eine aufsehenerregende Entdeckung. Konserviert in Glasgefäßen, untersuchte der WWF-Experte und Herpetologe Schlangen. Darunter kleine, bunt gestreifte und große, schwarze mit roten Augen, die zwei verschiedenen Spezies zugeordnet worden waren. Eine dritte "Spezies" machte Embert stutzig: eine mittelgroße, schwarze Schlange mit nur wenigen Streifen. Das Tier konnte nur ein Zwischenglied zwischen einem gestreiften Jugend- und dem rein schwarzen Erwachsenenstadium sein.

Emberts Verdacht erwies sich als korrekt: Die gestreiften Schlangen sind tatsächlich Jungtiere der großen schwarzen Schlangenart. Nach ihrem Entdecker wurde die neue Spezies Oxyrhopus emberti getauft.

Falsche Korallenschlange

Kaum noch Ähnlichkeit mit dem Jugendstadium haben die erwachsenen Tiere von Oxyrhopus emberti

Junge und erwachsene Tiere sehen sehr unterschiedlich aus

Das neu entdeckte Tier gehört zur Gattung Oxyrhopus, den so genannten falschen Korallenschlangen. Echte Korallenschlangen sind klein, aber stark giftig. Und werden darum von möglichen Fressfeinden gemieden. Diesen „schlechten Ruf“ machen sich falsche Korallenschlagen zunutze, indem sie die Färbung der giftigen Verwandtschaft imitieren – zumindest während der Jugendzeit. Sobald die Tiere größer werden, klappt die Täuschung nicht mehr. Um besser getarnt zu sein, verblassen die Ringe, und die Tiere nehmen eine rein schwarze Färbung an. Die neu entdeckte Art wird mit über einem Meter Länge deutlich größer als die echten Korallenschlagen der Region.

Für den Naturschutz ist die Entdeckung ein Glückfall, so Embert. Oxyrhopus emberti kommt hauptsächlich in den bolivianischen Anden und dort nur in den Bergregenwäldern vor. Diese Wälder werden stark abgeholzt und sind daher bedroht. Der Fund, so Embert, der auch Südamerika-Referent des WWF ist, könnte dazu beitragen, den begrenzten Lebensraum der Schlange und damit wertvolle Natur unter Schutz zu stellen.