Umwelt Warum wir Enten nicht füttern sollten

Wasservögel wie Enten oder Gänse zu füttern, ist in manchen Städten ein Volkssport - der den Tieren und der Umwelt schadet
Enten mit Brot füttern

Begehrt, aber nicht gesund: Brot ist für die meisten Wasservögel schädlich - und für die Gewässer, in denen sie leben

Kaum ein Gewässer in der Stadt, wo sich nicht tagtäglich die gleiche Szene abspielt: Wohlmeinende Menschen mit Plastiktüten voller Brotreste ziehen Dutzende von Wasservögeln an. Die streiten sich um die dicksten Brocken – und der Flinkste und Frechste trägt den fettesten Happen davon. Ein Schauspiel, das manch einem Vogelfütterer das Gefühl geben mag, Bedürftigen etwas Gutes zu tun.

Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall. Das versichern uns Ornithologen und Naturschutzverbände. Denn zum einen sind Brotreste, angeschimmelte gar, Laugengebäck und Tortillas nichts für das Federvieh. Die Tiere fressen es zwar begierig, vertragen es aber nicht. Verantwortlich dafür sind Inhaltsstoffe wie Gewürze, Aroma-, Farb- und Konservierungsstoffe. Allesamt Stoffe, die Wildtiere sonst nie zu sich nehmen.

Problematisch ist vor allem der Salzgehalt von Brot. Eine Scheibe enthält im Schnitt ein Gramm Salz; mit zwei Scheiben ist der Tagesbedarf eines Menschen schon gedeckt. Da Wasservögel nur wenige hundert Gramm auf die Waage bringen, haben schon sehr viel geringere Mengen Brot (und das enthaltene Salz) schädliche Auswirkungen auf ihren Organismus. Der Naturschutzbund (Nabu) Leipzig bezeichnet die überflüssige Vogelfütterung mit Brotresten sogar als „Tierquälerei“.

Auch Gewässer leiden unter der (unsachgemäßen) Vogelfütterung

Die gut gemeinte Brot-Verwertung hat noch einen weiteren gravierenden Nachteil: Sie vergiftet das Wasser. Untersuchungen haben ergeben, dass nie alles aufgefressen wird. Selbst die gierigsten Vögel lassen noch mehr als zehn Prozent des Brots unbeachtet. Und was zum Grund sinkt, trägt zur Überdüngung des Gewässers bei: Es bilden sich vermehrt Algen, das Wasser trübt sich ein. Dadurch wird Photosynthese schon in geringen Tiefen unmöglich, Pflanzen sterben ab und vermodern. Die Bakterien, die das organische Material zersetzen, entziehen dem Wasser zusätzlich Sauerstoff. Hinzu kommt der Kot der Wasservögel als weiterer, unerwünschter Dünger. So können, zumal in den warmen Sommermonaten, ganze Gewässer „umkippen“.

Das soll aber nicht heißen, dass wir wilde Vögel überhaupt nicht füttern sollten. Zwar gehen die Meinungen darüber, wann und ob gefüttert werden sollte, auseinander. So raten etwa der Nabu und viele Stadtverwaltungen generell von der sommerlichen Vogelfütterung ab. Andere, wie etwa Peter Berthold vom Max-Planck-Institut für Ornithologie, befürworten dagegen eine ganzjährige Fütterung.

In jedem Fall sollte nur an bestimmten, regelmäßig gereinigten Stellen (nicht im Wasser) gefüttert werden. Das Futter wiederum sollte vogelgerecht sein. Für wilde Wasservögel heißt das: Getreide, spezielles Hühner- oder Wassergeflügelfutter, Kleie, Eicheln, Obst- und weiche Kartoffelstücke. Wenn überhaupt.