Klima Update Spezial Kann ein CO2-Tresor im Boden unser Klima retten?

Caption/Abstract=Carbfix domes are seen at the Hellisheidi power plant near Reykjavik on October 11, 2021. At the base of an Icelandic volcano, the newly-opened plant is sucking carbon dioxide from the air and turning it to rock, locking away the main culprit behind global warming. (Photo by Halldor KOLBEINS / AFP)
Caption/Abstract=Carbfix domes are seen at the Hellisheidi power plant near Reykjavik on October 11, 2021. At the base of an Icelandic volcano, the newly-opened plant is sucking carbon dioxide from the air and turning it to rock, locking away the main culprit behind global warming. (Photo by Halldor KOLBEINS / AFP)
© HALLDOR KOLBEINS / AFP
CO₂ aus der Luft einfach für immer ins Gestein pressen – was nach einer guten Idee klingt, ist in Island längst Alltag. Für das Klima Update Spezial waren wir vor Ort

Kaum ein Ort hat eine so beeindruckende Landschaft wie Island: Gletscher, Geysire, Vulkane und grüne Weiden. Kein Wunder, dass die Isländer die Kräfte der Natur für sich nutzen. Während die meisten Kraftwerke den brodelnd heißen Untergrund für die Energiegewinnung einsetzen, dient das „Carbfix“-Kraftwerk dem Klimaschutz: Hier wird CO₂ aus der Atmosphäre entnommen, in Wasser gelöst und später in das poröse Basaltgestein im Boden gepresst. Das Vulkangestein wird quasi zum dauerhaften Kohlendioxid-Bunker. 

 Dabei ist das Verfahren der CO₂-Speicherung im Boden kein Einzelfall. Die Technologie nennt sich "Carbon Capture and Storage" (CCS), und es gibt unterschiedliche Methoden: Das CO₂ wird entweder direkt aus der Atmosphäre gewonnen oder den Emissionen der Industrie entnommen. Auch andere Länder wie Dänemark oder Norwegen speichern Kohlendioxid in ihrem porösen Untergrund und leisten so einen Beitrag zum Klimaschutz. In Island wird CCS schon industriell genutzt. 

Auch Deutschland setzt auf CCS 

Die Speicherung von CO₂ ist auch in Deutschland schon seit Längerem ein Gesprächsthema. Doch erst im November 2025 beschloss die Bundesregierung, künftig deutlich mehr CO₂ aus der Industrie abzuscheiden und zu speichern. Dieser Beschluss stößt auf Zustimmung, aber auch auf viel Kritik. Einige Expertinnen und Experten sehen in CCS eine Ausrede, um weiterhin an fossilen Energien festzuhalten. Außerdem ist die Umrüstung zur Abscheidung des CO₂ sehr kostspielig. Deutlich effektiver wäre der langfristige Ausbau erneuerbarer Energien. 

Dennoch zeigen erste Forschungen großes Potenzial zur CO₂-Speicherung im Boden der deutschen Nordsee. Die Zusammensetzung des Gesteins könnte sich als guter Speicher erweisen. Ebenso wie Öl- und Gasschichten, bei denen die Förderung bereits eingestellt wurde.  

Inwiefern CCS in Deutschland wirklich zum Einsatz kommen wird, zeigt sich in den kommenden Jahren. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass es bis zu 15 Jahre dauern könnte, bis Deutschland das Verfahren wie in Island industriell betreibt. 

 

Weitere Hintergründe und ein Interview mit dem renommierten GEOMAR-Ozeanografen und Klimaforscher Mojib Latif sind im Video zu sehen. Übrigens: Mit dieser Folge feiern wir den fünften Geburtstag des Klima Update Spezials in Kooperation mit RTL, ntv und Stern.