Klimaanpassung So soll ein Hamburger Stadion Überschwemmungen verhindern

Gegen sintflutartige Regenfälle wappnet sich die Hansestadt mit einem ungewöhnlichen Wasserspeicher – einem Sportstadion
Starkregen in Hamburg

In Hamburg wird es in Zukunft nicht mehr, aber heftiger regnen. Überflutungen von Straßen, Kellern und Unterführungen könnten die Folge sein

Der Klimawandel ist in Deutschland angekommen: Die Sommer werden heißer, der Regen stärker. Zwar rechnen Experten nicht damit, dass die Gesamt-Niederschlagsmenge wächst. Doch der Regen wird an weniger Tagen fallen. Und das bedeutet: Es wird mehr sturzbachartige Niederschläge geben. Schon heute kommt es jeden Sommer zu Überflutungen von Straßen und Kellern kommen wird. So fiel im Hamburger Stadtgebiet in den vergangenen zehn Jahren 181 mal Starkregen. Und jeder achte davon war so heftig, dass er Keller und Unterführungen unter Wasser setzen konnte.

Damit die Feuerwehr in Zukunft nicht noch öfter ausrücken muss, testen die Hamburger jetzt etwas Ungewöhnliches. Ein Sportstadion im Stadtteil Billstedt im Osten der Stadt wird zu einem gigantischen Wasserspeicher umgebaut. Dazu werden in den Boden unter dem Platz so genannte Rigolen eingebaut, Wasserspeicher und Versickerungsanlagen mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 500 Kubikmetern. Dieses Reservoir soll als Puffer dienen, wenn die Regenwassersiele überlastet sind. Bei besonders extremen Regenereignissen können auch oberirdische Teile des Stadions geflutet werden. Das könnte bei Platzregen mit mehr als 24 Litern und mehr pro Stunde und Quadratmeter notwendig werden.

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Regen in den Rigolen

So funktioniert das Stadion als Rückhaltebecken: Erst wenn die sogenannten Rigolen im Untergrund vollgelaufen sind, flutet das Regenwasser die Laufbahn

Versickerungsflächen fehlen

„Um die Stadt angesichts zunehmender Bebauung vor Überflutungen nach Starkregen zu schützen, sind multifunktionale Räume wie das Hein-Klink-Stadion von enormer Bedeutung“, sagt Ingo Hannemann, technischer Geschäftsführer des an dem Projekt beteiligten städtischen Wasserversorgers Hamburg Wasser. Der Stadion-Umbau ist Teil des Projekts „RISA“ (Regeninfrastrukturanpassung), mit dem sich Stadt sich zur „Schwammstadt“ umgestaltet – um die zu erwartenden Niederschlagsmengen kontrolliert auf- und an das Grundwasser abzugeben.

Hamburg kämpft in puncto Wasser an zwei Fronten: Durch seine Nähe zur Nordsee ist die Hansestadt zusätzlich durch zunehmend höher auflaufende Sturmfluten gefährdet. Die Deiche und Hochwasserschutzanlagen an der Elbe werden in den kommenden zwei Jahrzehnten für 550 Millionen Euro auf 100 Kilometern um durchschnittlich 80 Zentimeter erhöht.