Antarktis Diese Tierarten sind die Gewinner und die Verlierer der Erwärmung

In der Antarktis schmelzen das Meereis und die Gletscher. Während Königspinguine davon profitieren, haben Kaiserpinguine und Buckelwale das Nachsehen, wie britische Forscher herausgefunden haben
Buckelwal in der Antarktis

Buckelwale ernähren sich rund um die Antarktis hauptsächlich von Krill. Das könnte für sie zum Problem werden

Teile der Antarktis sind vom Klimawandel besonders schwer betroffen: In den vergangenen 60 Jahren sind die Temperaturen in der Antarktischen Halbinsel um knapp drei Grad angestiegen – drei mal schneller als im weltweiten Durchschnitt. Im selben Zeitraum hat sich der Ozean, der den Kontinent umgibt, um ein Grad erwärmt.

Steigende Luft- und Wassertemperaturen, schrumpfende Gletscher, schwindendes Meereis und die Versauerung des Ozeans sind für viele Tiere, die seit Jahrtausenden an ein Leben in einer extremen Umgebung perfekt angepasst sind, ein Problem. Oder sogar existenzgefährdend.

Welche Tiere unter diesen dramatischen Veränderungen ihrer sensiblen Ökosysteme besonders leiden und welche sogar davon profitieren – das haben nun Forscher des British Antarctic Survey nun in einer Studie untersucht.

Zu den Verlierern gehören demnach viele große Tierarten, darunter Buckelwale und die charismatischen Kaiserpinguine.

Kritisch für viele Tierarten: Krill als Nahrungsgrundlage

Das Problem für die Buckelwale ist die Nahrungskette: An der Unterseite des Meereises leben einzellige Algen, von denen sich frühe Entwicklungsstadien des Krill ernähren. Schwindet das Meereis, bleiben möglicherweise auch die Krebstiere aus. Und die sind die wichtigste Nahrungsgrundlage der Bartenwale.

Andere Walarten dagegen könnten von der Erwärmung profitieren. Der Südkaper etwa, ein Glattwal, ernährt sich nicht von Krill, sondern von Ruderfußkrebsen, die im offenen Meer leben.

Während Adelie- und Zügelpinguine wie die Buckelwale auf Krill angewiesen sind, ist der Kaiserpinguin vom Rückgang des Meereises sogar direkt betroffen. Denn der größte aller Pinguine ernährt sich zwar von Fisch – ist aber auf das Eis angewiesen, auf dem er seine Jungen zur Welt bringt.

Alle Lebewesen, die ihre Jungen an Land oder auf dem Meereis aufziehen, werden zudem unter widrigen Witterungsbedingungen leiden: Die Forscher rechnen wegen des Anstiegs der Lufttemperaturen mit stärkeren Schneefällen.

Besonders gefährdet sind außerdem temperaturempfindliche Meereslebewesen mit Kalkschalen. Denn durch die Aufnahme von überschüssigem CO2 aus der Atmosphäre wird das Meerwasser immer saurer. Eine Kalkschale oder ein Kalkskelett aufzubauen, wird in einer solchen Umgebung schwieriger.

Gewinner: Seesterne, Seeigel und Quallen

Zu den klaren Gewinnern des antarktischen Klimawandels zählt der Königspinguin: Sein bevorzugter Beutefisch wird vom Rückgang des Meereises profitieren. Zudem vergrößert sich durch den Rückzug der Gletscher das Brutgebiet der flugunfähigen Vögel.

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Insgesamt, so die Autoren der Studie, werden sich die Ökosysteme dramatisch verändern. Doch es werde mehr Gewinner als Verlierer geben. Im Vorteil seien demnach in erster Linie Tiere, die sich am Meeresgrund oder im offenen Meer ernähren (und zwar nicht von Krill): Seesterne, Seeigel und Quallen. Viele von ihnen sind Pionierarten, die schon nach dem Maximum der letzten Kaltzeit vor 20.000 Jahren die sich auftuenden Lebensräume rund um die Antarktis besiedelten, wie Ko-Autor David Barnes erklärt.