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Anpaddeln Ein Sommer auf dem SUP: ausgefallene Touren und Ideen

Anpaddeln: Wer Strecke machen und nicht abends wieder da ankommen will, wo er morgens gestartet ist, für den ist die Mehrtagestour gemacht
Wer Strecke machen und nicht abends wieder da ankommen will, wo er morgens gestartet ist, für den ist die Mehrtagestour gemacht
© mauritius images / Westend61 / Michael Malorny
Keine Frage, 2020 war das Jahr des Paddelbretts. Während die Pandemie alle Reisepläne wegschwemmte, sattelten wir auf SUP um und erkundeten unsere Umgegend wasserseitig. Aber was jetzt? Christoph Krahe, erfahrener SUP-Tourer und Gründer des Labels „Paddelbrett“, hat ein paar Ideen.

Vorab: Eigene Apps für die Tourenplanung gibt es zwar nicht, dafür hilft ein Blick auf SUPScout oder Google Maps. Einfach nach den blauen Straßen suchen. Inwiefern die befahren werden dürfen, bitte beim örtlichen Kanuverband erfragen.

SUP Urban – Die Stadt vom anderen Ufer kennenlernen

Viele Städte und Metropolen lassen sich auch vom Wasser aus erschließen – und beim ÖPNV-SUPen kann man damit zusätzliche Umwelt-Karmapunkte sammeln. Los geht’s entweder vor der eigenen Haustür oder auf der nächsten Reise. Hier meine Favoritenreviere:

Berlin

- Berliner Urbanisten paddeln auf dem Landwehrkanal entlang der B96 oder auf der Spree zu Kanzleramt, Schloss Bellevue und Siegessäule (Achtung: zwischen Kanzleramtssteg und Oberbaumbrücke ist das Paddeln ebenso verboten wie zeitweise zwischen Lessingbrücke und Schleuse Mühlendamm). Wer weiter hinaus will, steigt am Alex in die S3 und fährt bis Friedrichshagen, von dort sind es nur wenige Meter zum Müggelsee und der Müggelspree. Und wer dann noch Luft hat, kann  bei gutem Wetter in rund fünf Stunden zurück in die City paddeln. Dit is Freiheit!

Friedrichstadt

- Besinnlicher wird’s in der „Holländerstadt“ Friedrichsstadt mit seinen Grachten und der Postkarten-Altstadt kurz vor der dänischen Grenze. Weiter geht’s von dort auf Eider und Treene durch den Norden Schleswig-Holsteins.

Saarbrücken

- In der saarländischen Hauptstadt Saarbrücken fließt – was sonst? – die Saar. Aufgrund ihres ruhigen Gemüts und geringer Strömungen bietet sie sich auch für Anfänger an. Ein guter Einstieg ist unter der Bismarckbrücke oder am Ruderclub Undine nahe der Daarler Brücke. Flussabwärts geht’s vorbei am Staatstheater, am Barockschloss und der Berliner Promenade. Der Weg flussaufwärts, Richtung Güdingen, führt zum Kulturtreff Osthafen.

Weitere Wasserreviere

Ein urbanes Wasserrevier unter vielen in Deutschland: Hamburg
Ein urbanes Wasserrevier unter vielen in Deutschland: Hamburg
© carol.anne / Shutterstock

- Andere urbane Wasserreviere sind Hamburg (z.B. von der Gartenkolonien der Billerhuder Insel mit Einstieg am Ufer der Gartenanlage Löschplatz die Bille entlang und durchs Hochwasserbassin bis in die City und zurück), Leipzig (z.B. auf dem Karl-Heine-Kanal mit Einstieg und Stärkung am Café Kanal 28 bis zum Stadthafen oder auf der Weißen Elster mit Einstieg an der Pferderennbahn) oder die Weltkulturerbe-Stadt Bamberg (Einstieg z.B. am Faltbootverein/BRK am Main-Donau-Kanal, Umtragen an der „Schleuse 100“ – Achtung Wehr- und Turbinenanlage! – vorbei an den mittelalterlichen Fischerhäuser danach bis zum Ausstieg am ehemaligen Landesgartenschaugelände) oder in Lübeck auf der Trave (Einstieg Waldstraße und Durchfahrt bis zum Mühlenteich, vorbei an der historischen Altstadt, mit Einkehr am Strandsalon oder im Café Affenbrot mit vegetarischer Küche)

SUP Around the Clock – Heute hier, morgen fort

Wer Strecke machen und nicht abends wieder da ankommen will, wo er morgens gestartet ist, für den ist die Mehrtagestour gemacht. Für Abenteuerlustige, Langstreckenläuferinnen oder Pfadfinder, die statt im Fünf-Sterne-Hotel lieber unterm Sternenzelt schlafen.

Inspiration:

Dreitagestour durchs Donautal

Von Riedlingen über Munderkingen und Öpfingen geht’s bis nach Neu-Ulm. Da die Tour durchs Naturschutzgebiet führt, das nicht ganzjährig befahren werden darf, solltet ihr euch vorher bei der Naturschutzbehörde schlau machen. Rund fünf Stunden Paddelzeit pro Tag bei 63 Kilometer Gesamtlänge.

Von Zell bis Koblenz

Auch entlang der Mosel mit ihren in den Weinbergen dösenden Dörfern kommen Langstreckenpaddler auf ihre Kosten. Zum Beispiel auf den 90 Kilometern von Zell bis Koblenz. Je nach Geschwindigkeit dauert diese Tour zwei bis vier Tage. Surfen auf den Bugwellen der Binnenschiffer inklusive.

Mit SUP & Bulli durchs Land

Wer noch mehr Strecke machen will, kann auch mit dem Bulli nachhelfen und das störende Land zwischen den Gewässern überbrücken. Eine schöne Tour führt von den Kanälen des Spreewalds über Leipzig (z.B. auf dem Cospudener See am südlichen Stadtrand oder auf dem Störmthaler See) nach Nürnberg (z.B. auf der Pegnitz mit Einstieg am Wanderparkplatz Velden oder auf der Rednitz mit Einstieg am SpVgg Roth)

Vor dem Gang auf's Wasser: Wetter checken. Bei längeren Strecken sollte der Wind drei Beaufort (leichte Brise) nicht übersteigen
Vor dem Gang auf's Wasser: Wetter checken. Bei längeren Strecken sollte der Wind drei Beaufort (leichte Brise) nicht übersteigen
© Maksym Fesenko / Shuttrerstock

Checkliste für Mehrtagestouren:

1. Mit dem Gewässer vertraut machen. Auf Google Maps oder im DKV-Gewässerführer nach Wehren, Fähren und Berufsschifffahrt schauen.

2. Ein- und Ausstiege planen. Achtet darauf, nicht an Privatgelände oder im Naturschutz anzulegen.

3. Wetter checken. Bei längeren Strecken sollte der Wind drei Beaufort (leichte Brise) nicht übersteigen. Gewitter auf dem Wasser ist lebensgefährlich. Die Apps des Deutschen Wetterdienstes und Windfinder sind gute Berater, auch für die passende Kleidung.

4. Material prüfen. Zur Sicherheit eine kleine Tourenhandpumpe mitnehmen.

5. Wasserdichten Packsack mit Handy, Multitool, Trillerpfeife für Hilferufe bei Nacht, Seil mit Karabiner, Erste-Hilfe-Set.

6. Eigenes Können und Kondition berücksichtigen. Achtet auf eure tagesaktuelle Verfassung und wärmt euch vor der Fahrt gut auf.

7. Auch wer sein Zelt abends nur spontan in einer ruhigen Bucht aufschlägt, sollte sich vor dem Aufbrechen über die Befahrbarkeit der Seewege informieren. Dafür gibt es leider keine bundesweite Übersicht, stattdessen müsst ihr euch bei den lokalen Behörden eures Reiseortes informieren, auch örtliche Kanuverbände sind gut informiert.

SUP n’ Dine – Nicht der Weg, sondern das Ziel ist das Ziel

Wer sagt denn, dass man sich beim Sport unbedingt quälen muss! Beim kulinarischen Ausritt zu Wasser hängen wir uns die Karotte selbst vor die Nase und paddeln direkt zum Abendessen. Das Restaurant wird diesmal nicht nach Hauben oder Sternen ausgewählt, sondern nach dem Ankerplatz. Für figurbewusste Schlemmerfreunde und alle, die auf den besonderen Auftritt beim Restaurantbesuch stehen. Mit dem Auto kommen, kann jeder.

Ausrüstung: Jedes Brett und guter Hunger.

Und weiter: Achtung: bei zu vollem Magen wird die Heimfahrt schnell zum ungeplanten Hochleistungssport. Und die Promillegrenze auf See beträgt auch für Stehpaddler null Komma null.

Inspiration:

- Mit einiger Geduld finden sich kulinarische Anleger bei SUPScout

- Gute Fanggründe für Kulinariker sind im Umkreis des Mecklenburger Großseenlands zu finden, etwa am Plöner See (Einstieg z.B. an der Ölmühle oder am Prinzenbad mit Verköstigung am Seeprinz oder in der Räucherei Ölmühle), am Ufer des Plauer Sees (etwa am Fischerhaus) sowie rund um die Schlossinsel auf dem Schweriner See (mit Einstieg auf der schwimmenden Wiese auf dem ehemaligen Gartenschaugelände mit Rast beim Café Schlossbucht, im Reetdachhaus direkt am Wasser)

- Auf dem Müggelsee gibt es die „Spree-Arche“, die nur auf dem Seeweg zu erreichen ist. Sundowner gibt’s im „Gestrandet“ direkt am Wasser.

WALDEN

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