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Terrakotta-Armee Chinas erster Kaiser und sein monumentales Erbe

Qin Shi Huangdi, Chinas erster Kaiser, hat einen Machtanspruch, der sogar bis ins Jenseits reicht: Er gibt ein gewal­tiges Grabmal in Auftrag, in dem ihn nach seinem Ableben mehr als 8000 Tonkrieger gegen Feinde im Totenreich verteidigen sollen
Terrakotta-Armee

In mehreren Gruben stehen die etwa mannshohen Tonsoldaten des Kaisers bereit, ihn im Tod zu beschützen. Handwerker haben sie mithilfe standar­disierter Formen gefertigt und ihnen dann individuelle Züge gegeben

Sie sind das letzte Aufgebot des mächtigsten Mannes der Welt. Mehr als 8000 Mann in streng geschlossener Formation: Infanterie mit geschliffenen Hieb- und Stichwaffen. Armbrustschützen, deren Geschosse auch harte Ziele durchschlagen. Panzerreiter mit Pferden sowie Fahrer mehrspänniger Streitwagen.

Geführt werden die Einheiten von Generälen, Offizieren und Unteroffizieren aus allen Teilen des Reichs.

Terrakotta-Armee ist ein Zeichen des Scheiterns

Eine furchterregende Streitmacht. Doch dass sie aufgestellt wurde, ist ein Zeichen des Scheiterns. Denn ihr Befehlshaber, der Kaiser, ist tot.

Seine Armee besteht nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Terrakotta. Die lebensgroßen Figuren sind eine gigantische Grabbeigabe. Die Ton-Soldaten sollen ihrem verstorbenen Herrn im Jenseits dienen: Qin Shi Huangdi, dem mächtigsten Herrscher seiner Zeit – jenem Mann, der China im Jahr 221 v. Chr. nach harten Kämpfen geeint hat.

Der eine Gegner aber, den er nicht bezwingen konnte, das war der Tod.

Dabei hat der maßlose Monarch versucht, auch diese letzte den Menschen gesetzte Grenze zu überschreiten. Hat Magier und Abenteurer beauftragt, ihm ein Elixier der Unsterblichkeit herbei­zuschaffen. Hat Heilkundigen befohlen, Kräuter zu finden und Pillen zu drehen, mit denen sich jene Dämonen abwehren lassen, die Menschen sterben lassen. Vergebens.

Und so blieb ihm nur, noch im Tod so verwegen aufzutrumpfen wie im Leben – und sich eine nie da gewesene Grablege zu schaffen, eine kolossale Wohnstätte für seine kommende Existenz im Geisterreich.

Qin Shi Huangdi

246 v. Chr. wird der 13-jährige Ying Zheng zum König von Qin, einem von sieben Reichen in China. Nach und nach unterwirft er alle Konkurrenten und begründet als Qin Shi Huangdi („Erhabener Gottkaiser erster Generation von Qin“) 221 v. Chr. das chinesische Kaisertum. Sein Grabmal gehört zu den wichtigsten Funden der Archäologie.

Musste er schon hinüber zu den Toten, dann wollte dieser gewaltige Schöpfer einer neuen Ordnung dort so groß­artig Hof halten wie zuvor im Diesseits: mächtig und furchtlos, prunkvoll und grausam – zumal er erwartete, auf die Geister jener Abertausende zu treffen, die er zu Lebzeiten hat hinschlachten lassen.

Doch auch der fantastische Traum Qin Shi Huangdis von einem diesseitigen Fortleben wird nicht unerfüllt bleiben. Denn der gewaltige Ehrgeiz des Herrschers, seine enormen Leistungen sowie das monumentale Grab werden sein Andenken erhalten. Mehr noch: Das Handeln des ersten Kaisers in Chinas Historie wird über Jahrtausende nach­wirken und ihn zu einer der bedeutendsten ­Gestalten der Weltgeschichte machen.

Dies ist ein Auszug aus dem Beitrag "Der erste Kaiser". In GEO EPOCHE Nr. 93 - Das kaiserliche China" lesen Sie den kompletten Text.

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