GEOEPOCHE Nr. 82 Vorschau: Die Hanse

Das nächste GEOEPOCHE-Magazin handelt vom ersten gesamteuropäischen Wirtschaftsraum - der Hanse. Ihr gehören im 14. Jahrhundert rund 200 Städte von Stockholm bis Venedig an
GEOEPOCHE  Nr. 82: Segler auf der Elbe vor Hamburg (um 1680): Schiffe sind die wichtigsten Transportmittel für die Händler der Hanse. Sie bringen Waren aus der ganzen Welt an die Küsten von Nord- und Ostsee. Und werden in Schlachten eingesetzt, wenn ein Herrscher die Geschäfte des Kaufmannsbundes zu behindern wagt
Segler auf der Elbe vor Hamburg (um 1680): Schiffe sind die wichtigsten Transportmittel für die Händler der Hanse. Sie bringen Waren aus der ganzen Welt an die Küsten von Nord- und Ostsee. Und werden in Schlachten eingesetzt, wenn ein Herrscher die Geschäfte des Kaufmannsbundes zu behindern wagt
© Fischer/bpk-images

Zu Ostern 1368 schlägt das Imperium der Kaufleute zurück: Die Hanse erklärt Dänemark den Krieg. Dessen König Waldemar IV. hat zuvor die reiche Hansestadt Visby auf der Ostseeinsel Gotland angegriffen, dabei wohl mehr als zwei Tonnen Gold und Silber erbeutet und anschließend eine eilig ausgesandte Flotte des Städtebunds gekapert. Er behindert von einer Festung bei Kopenhagen aus die Durchfahrt in die Nordsee, erhöht Steuern und Zölle, lässt Handelsschiffe aufbringen und plündern.Auf einer Versammlung in Köln beschließen die Abgesandten der Hansestädte die Ausrüstung einer Armada gegen den anmaßenden Herrscher. Sie bieten etwa 20 große Koggen auf, zwei Rheinschiffe und etliche kleinere Fahrzeuge sowie rund 2000 Mann, darunter viele gute Armbrustschützen – und Soldaten mit Feuerwaffen. Dieser Kriegsmacht hat Waldemar wenig entgegenzusetzen: Die Hanseflotte attackiert und erobert seine Kapitale Kopenhagen. Dänemark muss um Frieden bitten. Die Krämer triumphieren über den Monarchen.In ihrer Blütezeit ist der Bund der Kaufmannsstädte damit in Europa eine wirtschaftliche und politische Großmacht. Rund 200 Handelskommunen haben sich der Interessengemeinschaft seit ihren Anfängen um 1160 angeschlossen, von Reval am Finnischen Meerbusen bis nach Köln, von Bremen an der Weser bis nach Kaunas in Litauen. Von ihrem Netzwerk profitieren in erster Linie die Fernhändler, die auch die Räte ihrer Heimatstädte dominieren. Doch ihr wachsender Wohlstand mehrt ebenso den Reichtum der Hansegemeinden.

Die Hanse unterhält Kontore in Nowgorod, Bergen, Brügge und London, hat Niederlassungen von Polen bis Portugal. Sie prägt die Wege des Welthandels von Russland bis Flandern und vom Nordatlantik bis Venedig. Und schafft so den ersten gesamteuropäischen Wirtschaftsraum. Frachtsegler, die bis zu 700 Tonnen Ladung fassen, transportieren 200 000 Fässer mit gesalzenen Heringen im Jahr, befördern Holz, Pech, Hanf und Flachs für den Schiffbau, russische Pelze, englische Wolle und flämische Tuche. Fuhrwerke der Fernhändler bringen Güter des Orients wie Seide und Brokat, Gewürze und Wein aus italienischen Häfen nach Norden. Und Hamburg, das „Brauhaus der Hanse“, exportiert das Bier von mehr als 400 Herstellern bis nach Island. So erfolgreich sind die Hansekaufleute, dass sie fast überall ihre Konkurrenten verdrängen – weil sie mit niedrigeren Kosten arbeiten als andere Händler. Und weil sie aufgrund ihrer Marktmacht die Herrscher der Anrainerstaaten von Ost- und Nordsee dazu zwingen können, ihnen Handelsprivilegien in vielen Häfen zu gewähren.In seiner nächsten Ausgabe erzählt GEOEPOCHE die Geschichte der Hanse: von ihrem Aufstieg seit der Mitte des 12. Jahrhunderts bis zum Kampf gegen den Niedergang 400 Jahre später. Das Heft schildert den Alltag der Ratsherren, Händler und Handwerker in Lübeck, wo seit 1251 die Marienkirche entsteht, eine gewaltige Kathedrale, erbaut aus Backsteinen. Es rekonstruiert den Bau einer Kogge und eine Handelsfahrt in den Norden. Berichtet von gerissenen Geschäftemachern wie Tidemann Lemberg, der dem englischen König einen Kredit gibt (und als Pfand dessen Krone fordert). Und erzählt von Piraten, die gegen die Hanse kämpfen, wie von Kaperfahrern, die in ihrem Auftrag handeln.

GEOEPOCHE über die Hanse – und die Globalisierung im Mittelalter.

Die nächste Ausgabe von GEO EPOCHE erscheint am 14. Dezember 2016.

Mehr zum Thema