Leonardo da Vinci hinterließ der Nachwelt nicht nur ein unglaubliche künstlerische Werke, wie die Mona Lisa oder den Vitruvischen Menschen, sondern auch zahlreiche Manuskripte. Auf Papier hielt er stets seine spontanen Gedanken künstlerischen Schaffens und wissenschaftlicher Forschungen fest

In ihrer Gesamtheit waren Leonardo da Vincis Notizen bisher nur für Wissenschaftler einsehbar. Doch nun hat die "British Library" eines von Leonardo da Vincis Notizbüchern vollständig digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Aufzeichnungen des "Codex Arundel" stammen vermutlich aus den Jahren von 1478 bis 1518

Die Sammlung der Skizzen gibt einen faszinierenden Einblick in die Gedankenwelt Leonardos und beinhaltet Aufzeichnungen aus zahlreichen Wissensgebieten: Diagramme und technische Zeichnungen aus Mathematik und Physik, Baupläne mechanischer Geräte, aber auch Überlegungen zu Musikinstrumenten sowie Zeichnungen über den beobachteten Vogelflug füllen die Seiten

Durch die große thematische Vielfalt seiner Notizen wird Leonardo da Vincis Leidenschaft für die Erforschung von Kunst, Wissenschaft und Technik eindrucksvoll deutlich. Das Herz des Notizbuches ist eine Sammlung von Aufzeichnungen, die Leonard da Vinci selbst als "eine unordentliche Sammlung verschiedenster Überlegungen" bezeichnete und die er hoffte, später noch einmal thematisch ordnen zu können

Leonardo da Vinci skizzierte in seinen Ausführungen die Modelle komplexer Maschinen und machte sich Gedanken über das Verhalten von Hebeln, Achsen und Rädern und die Auswirkungen der entstehenden Reibung

Nicht zu übersehen ist die für Leonardo da Vinci typische Spiegelschrift, in der er alle seine Aufzeichnungen verfasste. Warum der Künstler von rechts nach links schrieb, ist bis heute nicht zweifelsfrei bewiesen.

Es wird jedoch vermutet, dass er mit der Spiegelschrift seine teilweise verbotenen Überlegungen und Experimente (Anatomie, physikalische Erklärungen) vor der katholischen Kirche zu verschleiern versuchte. In Zeiten, in denen große Teile der Gesellschaft gar nicht oder nur bedingt des Lesens mächtig waren, war die Spiegelschrift eine einfache Form der Geheimschrift

Da Vinci machte seine Notizen üblicherweise auf losen Blättern. Wer diese nach seinem Tod zu einem Codex zusammenband, ist nicht bekannt. Benannt ist der "Codex Arundel" nach einem seiner früheren Besitzer, Thomas Howard, Earl of Arundel (1586-1646), der die Sammlung um 1630 vermutlich auf einer Reise durch Italien erwarb

Später ging der "Codex Arundel" in den Besitz der Nationalbibliothek Großbritanniens über. Die digitale Version des Originals ist ab sofort für alle auf der Webseite der British Library gratis einsehbar