Stowe Landscape Gardens, Buckinghamshire

Die einflussreiche englische Familie Temple-Grenville ließ sich Mitte des 16. Jahrhunderts im Örtchen Stowe, unweit von Oxford, nieder. Mit der Schafzucht hatte die Familie so viel verdient, dass man munkelte, sie sei gar reicher als das Königshaus. Allein das Hauptgebäude, das sogenannte Stowe House, verfügt über mehr als 400 Räume. Die Gartenanlage rund um das Anwesen gilt als eines der formvollendeten Musterbeispiele für die englische Landschaftsgärtnerei des 18. Jahrhunderts. Kein Wunder, waren an ihrer Erschaffung nicht nur der ehemalige Gärtner des britischen Königshauses, Charles Bridgeman, sondern auch der renommierte Landschaftsgärtner Richard Boyle, beteiligt. Der Garten verfolgt eine gewisse Symmetrie und wurde unter Einbezug der umliegenden Landschaft mit antiken Details wie Tempeln oder Statuen versehen. Da einige Häuser der Dorfbewohner die Pläne der insgesamt vier Landschaftsgärtner durchkreuzten, wurden diese kurzerhand umgesiedelt und die Häuser abgerissen. Stattdessen wurden 40 Tempel errichtet, die sich auf den insgesamt 26 Hektar der Gartenanlage verteilen.

Mehr Informationen zu den Stowe Landscape Gardens:

www.nationaltrust.org.uk/stowe

Eden Project, Cornwall

Zugegeben, das Eden Project ist keine klassische Gartenanlage. Ganz im Gegenteil mit ihren gigantischen Kuppeln, die sich auf den saftigen Weiden Cornwalls verteilen, sieht es eher aus wie ein Gruß der Zukunft. Das Eden Project entstand in einer stillgelegten Kaolingrube nach einer Idee des Archäologen und Gartenliebhabers Tim Smit. Zentraler Punkt der Anlage sind zwei Gewächshäuser, die jeweils aus vier ineinander übergehenden Kuppeln bestehen. Es sind die derzeit größten Gewächshäuser der Welt. Innen werden verschiedene Vegetationszonen simuliert. Aber auch das Außengelände der ehemaligen Grube wurde bepflanzt und befindet sich stetig in der Erweiterung. Inzwischen sind hier über 10.000 Pflanzen aus insgesamt 5000 Arten ansässig. Besonderer Wert wird dabei auf die Darstellung und Nachzucht vom Aussterben bedrohter und alter Sorten gelegt. Mission des Eden Projects ist es nicht nur die Besucher für die Welt der Pflanzen und Gärten zu begeistern, sondern sie auch für die Umwelt und deren Schutz zu sensibilisieren.

Mehr Informationen zum Eden Project:

www.edenproject.com

Levens Hall, Cumbria

Die beschnittenen Büsche und Bäume sind das Kernstück von Levens Hall. Wie Würfel, Zylinder oder Spiralen verteilen sie sich in die viergeteilte Gartenanlage auf dem Landsitz, der malerisch am Fluss Kent in Cumbria liegt. Levens Hall ist der älteste und größte Formbaugarten der Welt und wurde 1694 von

Guillaume Beaumont angelegt. Rund 25 seiner ursprünglich gepflanzten Eiben stehen bis heute hier. Zwei der beschnittenen Bäume erinnern an Schachfiguren und werden deswegen „König und Dame“ genannt, aber auch die Queen wurde mit einem Baum bedacht ebenso ihre Hofdamen. Die teilweise abstrakten und bizarren Formen der Bäume machen Levens Hall einzigartig im Königreich.

Mehr Informationen zu Levens Hall:

www.levenshall.co.uk

The Lost Gardens of Heligan, Cornwall

Diese verwunschene Gartenanlage zieht nicht nur Pflanzenfreunde in ihren Bann. Mit ihren Skulpturen, Schluchten und dem sogenannten Dschungel regt sie die Phantasie von Groß und Klein an. Hier schlafen überwucherte, steinerne Elfen auf dem Waldboden oder schauen Trolle mit Haar aus Farn neugierig aus der Erde. Heligan war mehr als 400 Jahre der Wohnsitz der Familie Tremayne. Auf dem 400 Hektar großen Landsitz arbeiteten über ein Dutzend Menschen daran, die Gartenanlage zu pflegen und einzigartig zu machen. Als der Erste Weltkrieg dafür sorgte, dass die Gärtner an die Front ziehen mussten, übernahmen Brombeergestrüpp und rankender Efeu die Anlage. Erst als ein Wirbelsturm sorgte 1990 dafür, dass Heligan wiederentdeckt wurde. Die Windkraft legte einige der ummauerten Gärten wieder frei sowie den Spruch „Komm nicht hierher zum Schlafen oder Schlummern“, den die einstigen Angestellten in die Kalkmauern geritzt hatten. Seitdem wird daran gearbeitet, die Lost Gardens wieder mit Leben zu beflügeln. Besonders schön anzusehen sind allerdings der Ziergarten mit Kristallgrotte, Wunschbrunnen, Pavillons und Teichen sowie der Dschungel, einem 300 Meter langen Tal, das von üppig wucherndem Bambus, Gunneras, Agaven, Baumfarn, Hanfpalmen und Rhododendron bewachsen ist.

Mehr Informationen zu The Lost Gardens of Heligan:

http://heligan.com

Tresco Abbey Garden, Isles of Scilly, Cornwall

Diese Anlage gilt als eine der artenreichsten in der nördlichen Hemisphäre und bedeckt fast ein Drittel der kleinen Insel Tresco, die zum Archipel der Isles of Scilly gehört. Es ist die Lage mitten im Golfstrom, die es möglich macht, dass hier Zuckerbüsche aus Südafrika oder Kauri-Bäume aus Neuseeland bestens gedeihen. Insgesamt beherbergt Tresco Abbey Garden Pflanzen und Bäume aus rund 80 Nationen. Es gibt eine eigene Imker-Station sowie eine Sammlung von über 30 Galionsfiguren. Sie stammen von den vielen Schiffswracks, die vor den Inseln Schiffbruch erlitten. Wetterhecken und überwucherte Ruinenmauern eines alten Benediktiner-Klosters, das hier im 12. Jahrhundert stand, umrahmen die Szenerie und auf der obersten Terrasse des Gartens erwartet die Besucher dann noch der Meerblick.

Mehr Informationen zu Tresco Abbey Garden:

http://www.tresco.co.uk/enjoying/abbey-garden/

Alnwick Garden, Northumberland

Alnwick Garden gilt als das ambitionierteste Gartenprojekt im Vereinigten Königreich seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Insgesamt über 40 Millionen Pfund wurde in die Wiederaufarbeitung der Anlage gesteckt, die seit der Schließung 1950 in einen Dornröschenschlaf gefallen war. Rund um das Schloss von Alnwick entstand im Auftrag des Schlossherrn Hugh Percy, 1st Duke of Northumberland, ab 1750 die erste Gartenanlage. Sein Enkel entwickelte eine Leidenschaft für Pflanzen und bereiste die Welt um Samen mit zurück an die britische Ostküste zu bringen. Viele seiner Errungenschaften überlebten die Weltkriege allerdings nicht. Doch Alnwick Garden punktet auch heute noch mit Diversität. Angelegt wurden verschiedene einzelne Gärten rund um einen zentralen Springbrunnen. So befindet sich beispielsweise im Ornamental Garden die größte landesweite Sammlung europäischer Pflanzen und der Kirschgarten sorgt für eine Farbexplosion in rosa und lila. Hier blühen 300 Tai Haku Bäume neben 50.000 Purpur-Kugellauch-Gewächsen. Zudem beherbergt Alnwick Garden seit 2004 eins der größten Baumhäuser der Welt, in dem unter anderem das Café der Anlage Unterschlupf gefunden hat. Nahezu einzigartig ist jedoch, was sich hinter den schwarzen Metallgattern mit eingravierten Totenköpfen versteckt. Hier blühen giftige und tödliche Pflanzen gleich neben Cannabis, Kokastrauch und Schlafmohn. Dieser Teil von Alnwick Garden kann nur mit Guides betreten werden.

Mehr Informationen zu Alnwick Garden:

www.alnwickgarden.com

Wrest Park Garden, Bedfordshire

Wenn man von dem Französisch anmutenden Landhaus über die Gartenanlage schaut, hat Wrest Park ein bisschen was von Versailles. Erst 2011 wurde die Anlage in Bedfordshire für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Hier können die Besucher durch fast 300 Jahre Gartengeschichte schlendern“, sagte John Watkins, Chefgärtner von Wrest Park, anlässlich der Eröffnung. Und genau das macht den Garten landesweit einzigartig. Hier sind sowohl stilistische Elemente aus dem 17. Jahrhundert wie Waldstücke, Kanäle und ein barocker Pavillon zu finden, sowie eine Orangerie oder Marmorbrunnen aus dem 20. Jahrhundert. Über fast 37 Hektar erstreckt sich Wrest Park, in dem neben Pflanzen vor allem auch Skulpturen aus mehreren Epochen zu bestaunen sind. Zudem gibt es im prunkvollen Haupthaus eine Dauerausstellung rund um die Geschichte der Anlage und deren Besitzer.

Mehr Informationen zu Wrest Park Garden:

www.english-heritage.org.uk

Chatsworth Garden, Derbyshire

Zentrum dieser Anlage ist das Landschloss Chatsworth House, in dem seit dem 16. Jahrhundert die Familie Cavendish, Dukes of Devonshire, ununterbrochen residiert. Ihre pompöse Gartenanlage ist im Gegensatz zum Haus für die Öffentlichkeit zugänglich. Fast 450 Jahre Geschichte lassen sich anhand des Gartens ablesen, der sich über 42 Hektar erstreckt. Teile des früheren Barockgartens mit Kaskade, Kaskadenhaus und Kanal sind ebenso Bestandteil wie der über vier Quadratkilometer große Landschaftspark angelegt von Capability Brown. Aus neuerer Zeit stammen hingegen Rosengarten, Kräutergarten und Sinnesgarten. Bei den Besuchern besonders beliebt sind der Steingarten und das große Heckenlabyrinth. Kernstück der Anlage ist allerdings kein Beet, sondern die sogenannte Emperor Fountain, die einst für den geplanten Besuch des Zaren Nikolaus I. von Russland gebaut wurde. Der Zar kam zwar nie, dafür erreicht die Fontäne eine Steighöhe von bis zu 84 Metern und das galt Mitte des 19. Jahrhunderts als Sensation.

Mehr Informationen zu Chatsworth Garden:

www.chatsworth.org

Chelsea Physic Garden, London

Mitten in der Großstadt London konnte sich dieses Gartenrefugium halten. Der Chelsea Physic Garden ist der älteste botanische Garten der britischen Hauptstadt und liegt malerisch direkt an der Themse, umklammert von Albert und Chelsea Bridge. Im Vergleich zu den anderen vorgestellten Gärten ist dieser mit 1,5 Hektar wirklich überschaubar, aber dennoch etwas Besonderes. Denn Chelsea Physic Garden wurde 1673 als Apothekengarten gegründet und befasst sich auch heute noch mehrheitlich mit Heilpflanzen. Seit 1933 gibt es einen ganzen abgetrennten Bereich, in dem Heilpflanzen aus aller Welt angebaut werden. Hinzu kommen Steingarten sowie Beete mit Pflanzen aus dem mediterranen Raum. Wer einen der Rundwege durch die Anlage nimmt, wird zudem viele Nahrungs- und Nutzpflanzen entdecken, die neueste Abteilung im Chelsea Physic Garden. Eine Riesenmuschel ziert den Teich nahe dem Steingarten. Sie erzählt eine kleine Nebengeschichte. Denn kein Geringerer als James Cook brachte sie von seiner Pazifikreise mit und vermachte sie der Anlage.

Mehr Informationen zu Chelsea Physic Garden:

http://chelseaphysicgarden.co.uk

Hidcote Manor Gardens, Gloucestershire

Die Anlage in der Grafschaft Gloucestershire zählt zu den Favoriten der Engländer selbst. Zwar wurde sie 1907 nicht etwa von einem Landsmann, sondern von dem Amerikaner Lawrence Johnston angelegt, aber dafür ganz nach dem Geschmack der britischen Gartenfreunde. Charakteristisch sind die sogenannten Outdoor rooms (Gartenräume), die künstlich angelegten Vistas (Sichtachsen) und die kunstvoll beschnittenen Pflanzen. Auf 40.000 Quadratkilometern verteilen sich die insgesamt 21 Outdoor rooms, jeder Einzelne porträtiert ein anderes Thema. So besteht der Stilt Garden beispielsweise aus in Form geschnittenen Hainbuchen und der Pillar Garden leitet seinen Namen von den als Säulen geschnittenen Eiben ab. Für Farbtupfer sorgen die beiden roten Staudenbeete, genannt Red Borders, da sie ursprünglich als Übergang zwischen zwei Gartenräumen gedacht waren, aber nun zentrale Bestandteile der Anlage sind. Hier pflanzte Johnston nicht nur rot blühende Stauden, sondern auch hellorange Taglilien oder violetten Eisenhut. Der Amerikaner war ein weit gereister Mann und tauschte mit Kontakten in Südafrika oder China Samen aus. Einige seiner pflanzlichen Mitbringsel sind auch heute noch in Hidcote zu finden.

Mehr Informationen zu Hidcote Manor Gardens:

http://www.nationaltrust.org.uk/hidcote

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