Nordirland Los geht's: Londonderry entdecken

Londonderry oder Legenderry? Vom Namen über die Geschichte bis hin zum Bier: In Nordirlands zweitgrößter Stadt gibt es von allem mindestens zwei Versionen. Tipps für einen Städtetrip
Londonderry

Für den ersten Überblick empfiehlt sich ein Rundgang auf der Stadtmauer

Was es in Londonderry/Derry zu sehen gibt

Derry/Londonderry ist nicht nur ein Schmuckstück von Städtchen (www.visitderry.com), sondern auch ungemein praktisch: Ein kleiner Rundgang auf der Stadtmauer, und schon ist der Besucher aufs Anschaulichste über die Historie unterrichtet. Und das will etwas heißen bei der langen und verworrenen Geschichte der Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken. Auch wenn seit fast 20 Jahren Frieden herrscht: Die Auseinandersetzungen haben das Stadtbild geprägt. Zum Beispiel mit den gusseisernen Kanonen aus der Zeit der großen Belagerung, bei der sich 1688 bis 1689 protestantische Siedler aus England und Schottland in der Festungsstadt vor den katholischen Iren verschanzten. Das Siege Museum erzählt die Geschichte aus der Perspektive der Belagerten (Society St 13, www.thesiegemuseum.org).

Doch es gibt auch eine andere Perspektive: Wer vor dem Museum von der Mauer hinabsieht, blickt in die berühmt-berüchtigte Bogside, das irisch-katholische Arbeiterviertel. Dort ist eher vom Kampf gegen Besatzer die Rede, bis in die jüngste Zeit hinein: Hier tobten während der „Troubles“ von 1968 bis 1998 die schlimmsten Straßenschlachten. Das vergangene September eröffnete Museum of free Derry ist dieser Geschichte gewidmet – vor allem dem „Bloody Sunday“ von 1972, an dem 14 Demonstranten von der britischen Armee erschossen wurden (Glenfada Park 55, www.museumoffreederry.org). Von den „Troubles“ erzählen auch die großformatigen Gemälde an den Hauswänden der Bogside, die Murals. Lohnend ist eine Führung mit einem der drei knorrigen Künstler, die die Bilder seit den 1980er-Jahren geschaffen haben. Die Bogside Artists wuchsen in Derry auf, sehen sich als überparteiliche Instanz und erzählen auf persönliche und bissige Art über ihre Arbeit in einem hochpolitischen Umfeld (www.bogsideartists.com). Gerne nehmen Tom, William und Kevin auch die Aussöhnungspolitik à la Nordirland aufs Korn: Jede Seite bekommt ihr Museum, und jede Seite benutzt bis heute ihren eigenen Namen für die Stadt: Katholiken sagen Derry, Protestanten Londonderry.

Ein Geniestreich ließ 2013 beide Parteien näher zusammenrücken: Als britische Kulturhauptstadt einigte man sich auf „Legenderry“. Charming! Ein Spaziergang auf der Stadtmauer führt schließlich auch zum schönsten Bauwerk der Stadt: der neogotischen, in rotem Sandstein geklöppelten Guildhall mit ihrem Uhrenturm, der Big Ben nachempfunden ist. Ihre wahre Schönheit erschließt sich aber erst von innen: 2013 von Grund auf renoviert, leuchten die farbigen Bleiglasfenster des Rathauses prachtvoller denn je. Im Erdgeschoss erzählt zudem eine exzellente, interaktive Ausstellung von der Gründung der Stadt als Außenstelle von Londoner Handwerksgilden im 17. Jahrhundert – Derry-typisch aus zwei bis drei Perspektiven. Hinter der Guildhall schwingt sich die schneeweiße Peace Bridge in eleganter Doppelkurve über den River Foyle und verbindet seit sechs Jahren das katholische mit dem protestantischen Ufer.

ST JUDE COFFEE

Mitten in der kreativen Lagerhalle Yellow Yard liegt das St. Jude Coffee

Essen und Trinken in Londonderry/Derry

Braumeister James Huey serviert In der Walled City Brewery köstliche „irische Pintxos“ (tapasartige Häppchen) zu hausgebrauten Bieren. Ein Highlight ist das Kirschbier „Cherry/Londoncherry“ (Ebrington Square, www.walledcitybrewery.com). Der perfekte Sightseeing-Pausenfüller mit Kaffee, Cookies und Salaten ist das trubelige Bistro Warehouse No1 neben der Guildhall (Guildhall St 1–3). Oder man kehrt für Tee, Scones oder Curry im St. Jude Coffee des Yellow Yard ein. Die ehemalige Lagerhalle beim Siege Museum ist umgeben von Trödel- und Vintage-Läden (Palace St 2). Abends sollte etwas mehr Musik drin sein. Wir finden sie im Pub Peadar O'Donnell's, wo live gefiedelt und gesungen wird. Dazu gibt’s Guinness und einen regionalen Bushmills-Whiskey –irischer geht es nicht (Waterloo St 59–63).

Dunluce Castle

Rund eine Autostunde von Londonderry/Derry entfernt liegt die Ruine des Dunluce Castle

Lohnenswerte Ausflüge ab Londonderry/Derry

Derry eignet sich ideal als Sprungbrett für die Erkundung der Küste (www.discovernorthernireland.com) – am besten mit dem Auto entlang des schönen Coastal Causeway, der sich mehr als 190 Kilometer bis nach Belfast schlängelt (www.causewaycoastalroute.com). Unterwegs laden verwunschene Ruinen wie Downhill Demesne oder Dunluce Castle zu Stopps ein und Naturschönheiten wie die White Park Bay zu Strandspaziergängen. Der schönste führt entlang dieser Bucht zum winzigen Hafen Ballintoy Port. Wer Glück hat, trifft Strandläufer der besonderen Art: Eine mittlerweile berühmte Herde Kühe schleckt gerne mal die salzigen Steine am Meeressaum ab. Das spektakulärste Ausflugsziel an der Küstenstraße ist das geologische Wunder des Giant's Causeway. Über den Ursprung der 44 000 sechs- bis achteckigen Basaltsäulen kursieren mindestens zwei Erklärungen: War es flüssige Lava, die sich vor 60 Millionen Jahren in ein Flusstal ergoss und langsam auskühlte? Aaron, mein Guide vom Visitor Centre (www.nationaltrust.org.uk/giants-causeway), hält das für eine von Ortsfremden ersonnene Geschichte, denn: „Jedes Kind weiß doch, dass es der Riese Finn McCool war, der hier einen Weg übers Meer bis nach Schottland gepflastert hat.“ Klar.

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