Matmora

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Matmora

Matmora: 5 Sterne bei 1 Bewertung
Gipfel- und Gratwanderung vom Nordpollen über die Matmora nach Delp

Die Matmora ist ein 788 m hoher Gipfel auf der Lofoteninsel Austvågøya. Die hier beschriebende Wanderung führt vom Ufer des Nordpollen (0 m) über das Rangeldal (200 m) und den Steindalsvatnet (450 m) zum Gipfel der Matmora (788 m) und von dort auf dem Grat weiter zur Gjersvollheia (424 m) und über die Felsnase von Delp (374 m) hinunter in das kleine Küstendorf Delp (0 m). Der Weg ist weder ausgeschildert noch markiert. Der Endpunkt der Wanderung ist auf der Küstenstraße ca. 6 km vom Startpunkt der Wanderung entfernt. Trampen ist auf grund des geringen Verkehsaufkommens allerdings schwierig.

Alternativ ist es auch möglich nur den ersten Teil der Wanderung bis ins idyllische Rangeldal zu unternehmen oder nur auf den Gipfel der Matmora aufzusteigen und auf dem gleichen Weg wieder abzusteigen. Außerdem ist es natürlich auch möglich die Wanderung in genau entgegensetzter Richtung, d. h. mit Delp als Startpunkt zu unternehmen.

Strecke: ca. 9 km
Höhenmeter: ca. 850 m Aufstieg und 850 m Abstieg
Reine Gehzeit: ca. 6-7 Stunden

Das erlebten unsere Mitglieder

  • Matmora: Bewertet mit 5 Sternen
    debby83 08.08.09

    Panoramatour der Superlative

    Mitte Juni, strahlend blauer Himmel, absolut klare Luft, um die 20 Grad, kein Wind. Bei idealem Wanderwetter starten wir zur Tour auf die Matmora, die zur schönsten Wanderung unserer gesamten Skandinavienreise und zu einer der schönsten meines bisherigen Lebens werden wird.

    In Serpentinen windet sich der Pfad die ersten 200 Höhenmeter den Hang hinauf. Immer wieder bleiben wir stehen, denn schon von hier ist der Ausblick hinab auf die Inselwelt des Vatnfjord wunderschön. Am Beginn des Rangeldal tragen wir uns ins erste "Turbok" dieser Wanderung ein, das sich in einem Briefkasten an einer Birke befindet. Der Weg von der Straße bis hierher wird von den Einheimischen gerne als kleiner "Spaziergang" am Abend oder Morgen genutzt. Manche scheinen fast täglich hier zu sein. Nicht umsonst, denn es ist ein wunderbarer Ort. Die Aussicht über das tiefblaue Wasser und die Inseln hinüber zu den Bergketten auf der anderen Seite der Bucht ist fantastisch und das Rangeldal selbst ist Idylle pur. Saftiges Gras, grün leuchtende Birken, ein paar Schafe, deren Glocken man bereits aus der Ferne bimmeln hört, und am Talende ein glasklarer See.

    Leichtfüßig wandern wir weiter durch dieses kleine Paradies. Doch wir nehmen den Hinweis unseres Wanderführers sich immer links zu halten etwas zu ernst und finden uns bald einige Meter oberhalb des Tals am Hang wieder. Nach kurzer Diskussion beschließen wir die schon gewonnen Höhenmeter nicht wieder abzusteigen und kämpfen uns im folgenden querfeldein, über Geröllfelder und durch Birkengestrüpp völlig weglos am Hang entlang weiter aufwärts.

    Die Baumgrenze liegt hier, einige hundert Kilometer nördlich des Polarkreises, bei ca. 300 m. Nachdem wir sie überwunden haben finden wir uns in alpinem Gelände wieder und stoßen hier auch wieder auf den Wanderpfad, der mal deutlich erkennbar, mal quasi nicht vorhanden über Geröll- und Schneefelder hinauf auf den Gipfel der Matmora führt. Der Anstieg ist sehr steil, der Hang hat eine Steigung von ca. 45°, doch die Mühe lohnt. Mit jedem Schritt, mit jedem Höhenmeter, wird auch das Panorama immer fantastischer. Immer wieder bleibe ich stehen - weniger um auszuruhen, mehr um die einfach grandiose Aussicht zu genießen.

    Man glaubt, es könne keine Steigerung mehr geben, doch der Blick vom Gipfel übertrifft alles zuvor gesehene. Nach Norden fällt das Gelände fast senkrecht in einen kraterartigen Felskessel ab, auf dessen Grund zwei kleine Seen dunkelblau leuchten. Dahinter schimmert der Grunnførfjord in unglaublichem türkis und am Horizont wachsen die Berge der Versterålen aus dem tiefblaueen Nordmeer. Nach Westen blickt man über unzählige winzige Inselchen hinweg auf die Bergketten der Nachbarinseln Vestvågøya und Gimsøya und im Süden scheint einem das Lofoten-Dach zu Füßen zu liegen. Unzählige, teils noch schneebedeckte Gipfel ragen hier in den strahlend blauen Himmel. Die Aussicht ist einfach fantastisch, grandios, überwältigend - kaum in Worte zu fassen.

    Dieses an sich schon unglaubliche Gipfelerlebnis wird nochmals verfeinert: ein Seeadler, der lautlos vom Tal herauf geschwebt kommt, eine Runde über unsere Köpfen dreht und lautlos wieder ins Tal verschwindet ist die Krönung dieser Tour. Leider bin ich mit der Kamera zu langsam, so dass es von diesem beeindruckenden Erlebnis kein Foto gibt.

    So beeindruckend ist der Blick, so faszinierend die Landschaft, so schön das Wetter, dass wir ganze zwei Stunden auf dem Gipfel der Matmora verbringen. Gerade wollen wir wieder aubrechen, da kommen zwei andere Wanderer den Hang herauf - ebenfalls Deutsche. Auch sie sind von der Aussicht begeistert. Es sind die einzigen anderen Menschen, denen wir auf unserer Tour begegnen. Läge der Gipfel der Matmora in den Alpen, es wäre hier sicher die Hölle los. Doch wir haben diese fantastische Bergwelt Mitte Juni, am Wochenende, bei idealstem Wanderwetter fast für uns alleine. Eigentlich unglaublich.

    Wer glaubt, mit diesem Gipfelerlebnis sei nun alles vorbei, der täuscht sich. Denn diese Wanderung hält noch grandiose Zugabe für uns bereit. Am Rand des "Kraterlochs" wandern wir weiter, mal direkt auf dem Grat, mal einige Meter unterhalb am steilen Hang entlang zum Hochplateau der Gjersvollheia. Es geht kaum merklich, aber überwiegend bergab, zwischendurch gibt es noch einmal einen kurzen Anstieg. Und auch jetzt bleiben wir immer wieder stehen - denn das Panorama ist weiterhin fantastisch. Einfach traumhaft schön!

    An der Felsnase von Delp machen wir - bevor der sehr steile Abstieg hinunter zum Meer beginnt - nochmals eine längere Pause. Direkt unter uns liegt das kleine Dörfchen Delp - als sei es Teil einer Modelllandschaft. Das Türkis des Grunnførfjords ist überwältigend und der Blick auf die Bergketten des Vesterålen von hier aus noch schöner als vom Gipfel der Matmora. Eigentlich viel zu schön, um abzusteigen.

    Doch irgendwann geht auch die schönste Tour zu Ende. Ganz zu Ende ist unsere Wanderung aber noch nicht: Eigentlich hatten wir gedacht, wir könnten - einmal an der Küstenstraße angekommen - die 6 km zu unserem Auto zurück trampen. Doch wir laufen über eine Stunde die völlig ebene Straße entlang, ohne dass uns auch nur ein einziges Auto überholt. Dann sind wir wieder zurück am Auto. Es ist schon spät, gegen 23 Uhr. Doch auch das ist das schöne an dieser Wanderung: Wer sie im Juni unternimmt, kann die Mitternachtssonne genießen und muss keine Angst davor haben in die Dunkelheit zu kommen - egal wie lange man vom Gipfel aus das traumhafte Panorama genießt. Übrigens muss sich der Gipfel der Matmora auch herrlich zum Beobachten der Mitternachtssonne eignen. Aber das machen wir dann das nächste Mal.

    Fazit: Fantastisch, traumhaft, überwältigend. Diese Wanderung und die Panoramaussichten, die sie bietet, haben eigentlich sechs Sterne verdient!


    Hier wie immer noch ein paar praktische Tipps und Hinweise:

    - Man sollte sich von der vermeintlich geringen Höhe des Gipfels nicht täuschen lassen, die Tour verläuft großteils durch alpines Gelände - entsprechend sollte die Ausrüstung sein: Gute Bergstiefel, auch im Sommer warme und wetterfeste Kleidung, Mütze, Handschuhe, Sonnenschutz (es gibt auf der kompletten Tour fast keinen Schatten!), Proviant, ausreichend Wasser (nur zu Beginn der Tour im Rangeldal kann man ggf. seine Wasserflasche auffüllen), ggf. Wanderstöcke (nicht unbedingt nötig, ich empfand sie gerade beim sehr steilen Abstieg von der Felsnase von Delp hinunter zur Küste, aber als sehr angenehm), Wanderkarte, Kompass, Wegbeschreibung
    - Der Weg ist weder ausgeschildert noch markiert (auch nicht mit Steintürmchen) und ein Pfad ist nicht immer erkennbar. Daher sollte man in jedem Fall eine gute topographische Karte (empfohlen Vågan Kommune 1:50.000, wir hatten nur die Turkart Lofoten 1:100.000) dabei haben - und in der Lage sein diese auch zu lesen. Wir hatten außerdem noch die Wegbeschreibung aus dem Reise- und Wanderführer "Lofoten" von Michael Möbius und Annette Ster (als Kopie) dabei. Diese ist sehr detailliert und äußerst hilfreich und zusammen mit dieser war die etwas ungenaue 1:100.000 Karte dann auch kein Problem. Den Hinweis, sich im Rangeldal immer links zu halten, sollte man allerdings nicht zu ernst nehmen, bzw. darauf achten, dass man sich zwar links hält, aber bis zum Talende auch unten auf dem Talboden bleibt und nicht schon vorher den Hang hinauf steigt. Sonst landet man wie wir im Birkengestrüpp.
    - Mit der detaillierten Wegbeschreibung aus dem Reise- und Wanderführer "Lofoten" ist übrigens auch der sonst nicht ganz leicht zu findene Einstieg zur Wanderung am Nordpollen problemlos zu finden. Der Pfad wirkt auf den ersten Blick recht unscheibar, man möchte nicht meinen, dass er zu so einer gradiosen Wanderung führt, er ist aber deutlich erkennbar.
    - Am Gipfel der Matmora sind bis in den Sommer hinein teils überhängende Schneewächten vorhanden. Diese sollte man auf keinen Fall betreten. Wer es dennoch tut, begibt sich in Lebensgefahr, denn unter den Schneewächten geht es mehrere hundert Meter senkrecht in die Tiefe.
    - Wem schon schwindelig wird, wenn er nur auf eine 2 m hohe Leiter steigt, der sollte auf diese Tour vielleicht lieber verzichten. Komplett schwindelfrei muss man aber nicht sein. Ich bin es auch nicht und die Tour war für mich kein Problem. Lediglich an zwei, drei sehr kurzen Abschnitten, an denen der Grat doch sehr schmal und die Hänge sehr steil sind, war mir ein wenig "unwohl", ein wirkliches Problem waren diese Stellen aber nicht. Der Weg ist ingesamt auch recht einfach zu gehen, klettern muss man nirgends, einige Abschnitte führen aber über Geröllfelder und wir mussten Mitte Juni beim Aufstieg auch noch einige Schneefelder queren.
    - Wer die Tour unternehmen will, der sollte sich vielleicht auch meine Fotos und die Beschreibungen dieser durchlesen. So bekommt man, denke ich, einen ganz guten Eindruck von dieser wundervollen Wanderung.

    Allen Nachahmern wünsche ich ähnlich gutes Wetter, wie wir es hatten und für alle, die diese Tour ebenfalls unternommen haben, gilt wie immer: Ich freue mich, wenn ihr den Tipp mit euren Erfahrungen ergänzt.

    Bilder von debby83 zu Matmora

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