Kuba - Che, Musik und CUC

Reisebericht

Kuba - Che, Musik und CUC

Reisebericht: Kuba - Che, Musik und CUC

Ausführlicher und sehr persönlicher Bericht über eine 2 - wöchige Rundreise durch Kuba von Havanna nach Santiago de Cuba und zurück.

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Mit der rhetorischen Frage „Was ist auch interessant?“ oder „Was kann ich Ihnen anbieten?“ begann unser Reiseleiter (RL) Jesus fast immer seine Erklärungen. Leider waren seine Ausführungen selten so informativ wie seine Grammatik amüsant. Noch dazu sprach der Kubaner zu schnell, abgehackt und fehlerhaft. Nach seinem Lieblingssatz: „Alles okay?“ schien er jedes Mal erleichtert, wenn keine Nachfragen kamen. Zu seiner Entschuldigung ist zu sagen, dass es aber auch nicht leicht ist, mit einer so großen Reisegruppe von 37 sehr individuellen deutschen und österreichischen Teilnehmern zurecht zu kommen. Manchmal hat er ziemlich gereizt reagiert, wenn einer der Oberlehrer wieder alles besser wusste. Immerhin, organisatorisch hat fast immer alles geklappt.

Okay, das habe ich ja gewusst, Kuba ist außerhalb der eigens für Touristen eingerichteten Peninsula de Hicacos (Varadero) ein schwieriges Reiseland. Das hat selbst Auswirkungen auf meinen Reisebericht, denn er wird anders aussehen als gewohnt. Warum? Eine chronologische Auflistung der Erlebnisse ist mir nicht möglich, es wäre zu langweilig die langen Busfahrten durch zwar abwechslungsreiche, aber für mich nur mäßig interessante Landschaften zu schildern. Natürlich gab es Höhepunkte, wenn beispielsweise zum ersten Mal das Meer mit seinen wunderschönen Küsten zu sehen war oder die riesigen Zuckerrohrfelder, auf denen mit altertümlichem Gerät und riesigem Personalaufwand die Ernte eingebracht wurde. Aber irgendwie war das alles nicht sonderlich beeindruckend. Dafür waren Jesus Sprüche unterhaltsam, z.B.: In Kuba gibt es die beste Medizin der Welt. RUM. Jeden Tag 1 Ltr., und du weißt nicht mehr, ob du Schmerzen hast oder nicht. Oder: Ich bin RL, damit ich auch mal zu Wort komme und etwas sagen darf.


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Kommentare

  • Insurrecto

    Lieber Glaspalast,

    nachdem ich jetzt im September das 30te Mal auf Cuba war, habe ich deinen Bericht, den eines Erstlingsreisenden mit Pauschalrundreise, mit Interesse gelesen.

    Einige Dinge hast du mit sehr viel Feingefühl und auch mit erstaunlich viel Durchblick beschrieben, bei anderen wiederum muss ich dir mal eine richtige, individuelle Cubareise empfehlen.

    In meinen 30 Malen Cuba war ich nicht einen Tag im Hotel, von Varadero kenn ich nur den Flughafen und Mussen hab ich auch äußerst selten besucht. Bei einer solchen Reise (die übrigens ganz einfach zu bewerkstelligen und völlig ungefährlich ist) würdest du die Menschen dort ganz anders kennenlernen, ihre Gastfreundschaft, Lebensfreude und ihre Leidensfähigkeit.

    Da es mit Sicherheit keine Revolution nach Fidels Tod geben wird, kannst du ja vielleicht nochmal hinfahren und Cuba wirklich kennen und lieben lernen.

    Saludos

    Insurrecto



  • winni

    Vielleicht fahre ich in diesem Jahr nach Kuba und habe nach Informationen gesucht. Schade, dass hier im Reisebericht noch mehr Bilder fehlen. Auch hätte ich die Bilder im Text einfliessen lassen. Leider fehlen auch die Stationen und auch noch mehr Stichwörter. vg winni

  • esperanza

    Ich war selbst gerade 14 Tage in Kuba, hatte, weil es meine erste Lateinamerikareise war und ich mich unsicher fühlte, auch eine Rundreise gebucht, kam dann aber, weil offensichtlich die einzige, die von meinem Reisbüro vermittelt war, in die ungeheuer privilegierte Situation allein im Taxi und mit Reisebegleitung durchs Land kutschiert zu werden. D a s fand ich schon mal ungeheuerlich!!!
    Manche meiner Eindrücke decken sich mit dem, was in dem Bericht steht.
    Dass das Land sehr arm ist, ist keine Frage, aber dass man als Tourist, so reisend,
    nicht damit direkt konfrontiert wird, ist auch klar. Auch bei einer Spanienrundreise würde man nicht in die ärmsten Viertel der Städte geführt oder bekäme eine chabola in einem Zigeunerviertel an einer Autobahnkreuzung vor Madrid zu Gesicht. Also in einem gewissen Mass scheint es mir selbstverständlich, dass die Kubaner sich bemühen, den Touristen die schönen und für sie wichtigsten Seiten ihres Landes zu präsentieren , da gehören dann eben diverse Stätten der kubanischen Revolution mit dazu. Dass da politisch eine Erstarrung eingetreten ist, das sehe ich. Also die vielen Slogans, die zum Kampf bis zum Sieg auffordern in den Städten, die sind voll daneben angesichts der Mühen des Alltag der Leute, und das Mindeste ist, dass sie mit neuen und konkreten Inhalten gefüllt werden müssten. Immerhin hat die Regierung von Raúl Castro zu einem Ideenwettstreit aufgerufen und beginnt auch, in noch sehr kleinen Schritten zwar und sicher auch sehr ängstlich, mit Veränderungen. Dass man nicht bereit ist, den Grundgedanken des Staates aufzugeben, das halte ich fürselbst verständlich, und dementsprechend orientiert sich Kuba erstmal vorrangig an Staaten, die politisch auf einer ähnlichen Linie liegen. Problem ist wohl vor allem, dass Kuba derzeit kaum etwas zu bieten hat, um Handelbeziehungen mit anderen Ländern aufzubauen. Von Venezuela bekommt es Erdöl gegen Lehrer und Ärzte, was inzwischen zu Mängeln im eigenen Ausbildungssystem und bei der medizinischen Versorgung geführt hat. Mit Kaffee oder Zucker ist nichts mehr zu wollen auf dem Weltmarkt, einzig Nickel scheint noch interessant für die Ausfuhr zu sein. Von daher auch, denke ich, setzt Kuba auf Tourismus, weil das der einzige Ausweg zu sein scheint.. Und weil mans den Ausländern recht machen will entsteht da eine Parallelwelt, die Lichtjahre vom Alltag vieler Einheimischen entfernt ist. Trotzdem, so mein Eindruck, wurde in dem Bereich Vorbildliches geleistet.
    Varadero kenn ich nicht, aber die Anlagen von Soroa und Villa la Granjita z. B. , die sind absolut gelungen, sowohl in der baulichen Gestaltung als auch in Hinblick auf Umweltversträglichkeit, auch die anderen Hotels, in denen ich war, fand ich sehr gut.
    Für mich persönlich wärs einige Nummern einfacher auch recht gewesen.
    Problem scheint mir zu sein, wie wir als reiche Europäer umgehen mit der Armut in solch einem Land, die aber immerhin eine andere ist als in anderen lateinamerikanischen Ländern. Hungern muss derzeit (nach dem Zus.bruch der Sowjetunion war es wohl so) niemand in Kuba Die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln ist gesichert, auch wenn Fleisch und Gemüse , letzteres vor allem in den Städten, rar sind, und dafür immerhin sorgt dieser Staat.
    Ich muss zu meiner Schande zum Beispiel gestehen, dass ich mehrere Tage lang brauchte, bis ich meinem Fahrer sagte, er solle doch Leute mitnehmen.Das Transportsystem für Einheimische ist eine Katastrophe, viele Menschen verbringen Stunden am Rand der Strassen mit Warten auf irgendeine Mitfahrgelegenheit, und das oft in glühender Hitze und ohne Schatten. Es kam mir richtig unmoralisch vor, an diesen Menschen allein im Taxi vorbeizurauschen, und als wir dann anfingen Leute mitzunehmen, hab ich auch was davon gehabt, denn mit einigen konnte ich mich ein bisschen unterhalten. Hab das Glück Spanisch zu sprechen.
    Zweimal bin ich ausgebüchst, bzw. hab eigenständig kleine Ausflüge gemacht anstatt mich an den Strand zu legen. Hat prima geklappt (wobei ich mit meinen CUCs natürlich wieder privilegiert war, weil ich den Überlandbus bezahlen konnte, der für mich ungeheuer billig, für Einheimische fast unerschwinglich ist); ich war auch essen, und fands total ok, bin ansonsten immer auf sehr hilfsbereite und freundliche Menschen gestossen. Ich hab mir diverse Privatunterkünfte zeigen lassen und die sahen sehr in Ordnung aus, also mein nächster Kubaaufenthalt wird so aussehen, dass ich in solchen Unterkünften wohnen werde und mich per Bus durchs Land bewege.
    Ich kann mich der Kritik am sozialistischen System des Landes nicht so einfach anschliessen. Meiner Meinung nach wird auch eine Menge in diesem Land getan, was gut ist. Ich denke da z. B. an die Einführung von Tierarten, die ein sehr proteinhaltiges Fleisch liefern, alternativ zur Rinderzucht, die sehr kostenaufwändig ist . Das Land kann sich das eben nicht leisten, und da ist es absolut sinnvoll, wenn nach solchen Alternativen gesucht wird. Aus Energiespargründen wurden auch alte Geräte in den Haushalten ausgewechselt und durch energiesparende Geräte ersetzt (muss dann abbezahlt werden an den Staat, aber was heisst das schon, wenn man überlegt, was es hier heisst, einen Kredit bei einer Bank abzubezahlen). Es passiert letztlich nichts, wenn die Raten nicht bezahlt werden können.. Man ist offen für alternative Energien und es gibt diverse, u.a. von Brot für die Welt unterstützte Projekte, in denen die Anlegung von Gemüsegärten zur autonomen Versorgung der Städter unterstützt wird. Den Bauern hat man wenigstens etwas mehr Autonomie zugestanden, mehr davon wäre sicherlich gut, aber es ist immerhin etwas. Also ich glaube, Kuba ist ein Land, das auch bewundernswert ist, weil es versucht einen eigenen Kurs zu fahren. Dass der Kapitalismus als Wirtschaftsform da was bringen würde, das wage ich sehr zu bezweifeln. Ich denk mir, dass all die Leute, die bislang in einfachsten Verhältnissen in den Vorstädten leben, nur völlig ins Elend absinken würden.Wärs das wert, dass es einer vergleichsweise kleinen Schicht inder Gesellschaft besser ginge?
    Wenn Kuba versucht, solch eine Entwicklung zu vermeiden: dann ist das sehr schwer, als solches aber zu würdigen, finde ich.
    Ansonsten: find ichs wirklich Mist, wenn Touristen Seife und Shampoo aus den Hotels mitlaufen lassen, um sie dann einfach so an irgendjemanden zu verschenken. So züchtet man nur eine Bettlermentalität heran und schadet den Touristen, die Kuba in einfacher Weise bereisen, und davon gibts auch eine Menge. Deren Rucksäcke sind nämlich nicht angefüllt mit Kulis und Seife .
    Also ich fänds eigentlich gut, wenn zum Beispiel deutsche Reiseveranstalter bei ihren Reiseangeboten mit einplanen würden, dass wir "Reichen" ( im Verhältnis zur Mehrheit der dortigen Bevölkerung sind wir das einfach) in solch einem Land immer auch Projekte kennenlernen, die dazu dienen, die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern, so dass wir die Möglichkeit haben, direkt vor Ort etwas zu unterstützen, von dem wir sonst nie oder nur mühsam suchend erfahren würden..
    Dafür ist man in Kuba z.B. schon offen, hat mir mein Reiseleiter gesagt, der im vergangenen Jahr eine Gruppe aus Österreich betreute, die explizit darum gebeten hatte, dass sie ein gartenbauliches Projekt besuchen dürfen, und man hat dann dafür gesorgt, dass sie dazu kamen. Auf die Art hat dann auch er davon erfahren und fands sehr interessant und hat dann mich informiert.
    tja, um nun mal langsam zum Schluss zu kommen: ich weiss nicht, ob das stimmt, dass der Kontakt zu Touristen für "Normalsterbliche"verboten ist.Kann ich mir nicht vorstellen, ich frag aber mal bei der Botschaft nach. Hab gerade an eine Frau geschrieben und fänds ja fürchterlich, wenn die deswegen Probleme bekommen sollte.
    Insgesamt: halte ich Kuba für sehr sehenswert. Es ist kein einfaches Reiseland, aber ungeheuer schön, auch wenn es, was Reichtum angeht, weit entfernt ist von dem Lebensstandart hier. Die Menschen sind freundlich, ungeheuer ehrlich und hilfsbereit, jeder hegt und pflegt im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten sein Häuschen und sein Gärtchen, allgemein wird sehr auf Sauberkeit geachtet,(darauf fahr ich nun nicht etwa besonders ab, weil das zu meinem Tugendkanon als Deutsche gehören würde, es fiel mir nur einfach auf) es gibt tolle Künstler dort (in Camaguéy z. B. die Bildhauerin Marta Jiménez), und auf einem intellektuellen Level, den man als Tourist im Land weniger wahrnimmt, weil man an die entsprechenden Zeitschriften per CUC z.B. kaum rankommt: auch sehr weltoffen.

  • glaspalast

    Hallo ihr Lieben!
    Vielen Dank für Eure Sicht der Dinge. Aber ich gebe zu bedenken, dass ich alles Geschriebene selbst erlebt und beobachtet habe und den Bericht aus der Sicht eines Gruppenreisenden geschrieben habe. Ich habe nie den Anspruch erhoben, Experte zu sein. Das kann man auch nicht, wenn man mehrere Wochen durch's Land reist. Wir haben alle unser Vorleben und sind geprägt durch unsere Erziehung usw.
    Ich nehme Erlebnisse anderer zur Kenntnis, finde den Bericht lesenswert oder auch nicht, aber eine Bewertung nehme ich nicht vor.
    Mit freundlichen Grüßen
    Glaspalast

  • RdF54

    Für mich hast Du einen sehr interessanten Bericht aus der Sicht eines "Erstreisenden" geschrieben, der einerseits amüsant geschrieben, andererseits auch sehr nachdenklich macht!
    Ich finde es sehr gut, dass Du Deine eigenen An- und Einsichten schilderst, das ist es, was Dein Bericht von den üblichen Reiselektüren unterscheidet!

    LG Robert

  • freyabe

    Ich finde den Bericht auch sehr interessant. Vieles erinnert mich an die ehemalige DDR und es würde mich nicht wundern, wenn der Kontakt mit Touristen aus kapitalistischen Ländern untersagt oder zumindest kontrolliert wird. Das hat mich immer davon abgehalten nach Kuba zu fahren, und ich hab mir lieber andere karibische Inseln ausgesucht. Allerdings bezweifle ich auch, dass eine Änderung des Systems eine wirkliche Besserung für die breite Bevölkerung bringen würde. Bildungssystem, Ehrlichkeit würden den Bach runtergehen, Kriminalität und Betrug würden sich installieren. Kubanische Musiker zählen unter Musikern zu den Besten und das liegt sicher auch mit an der Tatsache, dass Ausbildungsmöglichkeiten für alle zugänglich sind. Deshalb fahr ich vielleicht doch noch mal hin.
    lg Friederike

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