Als Hitchhiker durch Südengland

Reisebericht

Als Hitchhiker durch Südengland

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Reiseroute Südengland



1. Tag - Leaving Paderborn

Kathedrale von Salisbury

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Mit knapp zwei Stunden Verspätung ging es bei schönstem Frühlingswetter vom Flughafen Paderborn/Lippstadt los. Nach einem kurzen aber schönen Flug empfing mich “die Insel” mit geschlossener Wolkendecke, aber immerhin war es trocken. Der Airport in Bournemouth verdient seinen Namen nicht gerade, glich dieser doch eher einer Schrebergartensiedlung mit Hochsitz. Nachdem ich meinen Rucksack in Empfang genommen hatte, begab ich mich in Richtung Ausfahrtstrasse - trotz fortgeschrittener Stunde wollte ich an diesem Abend noch bis nach Salisbury. So stellte ich mich an (den linken) Wegesrand und präsentierte mein noch daheim gedrucktes Schild mit der Aufforderung “to Salisbury please!” Der Zufall meinte es gut mit mir, denn gleich das dritte Fahrzeug hielt an. Ich nahm neben der Tochter auf der Rücksitzbank Platz und wurde die etwa 40 km bis zu meinem Ziel gefahren, wofür die Familie extra einen Umweg in Kauf nahmen. Das klappte also schon mal ganz gut . In Salisbury angekommen fand ich nach ein paar Mal Fragen dann auch relativ schnell das Hostel. Für 17,50 Pfund die Nacht war sogar das Frühstück inklusive.



2. Tag - Viele verwitterte Steine

Der erste Morgen offenbarte sich mir zunächst verregnet, dafür wurde ich mit einem org. britischen Frühstück entschädigt. An diesem Tag sollte es nach Stonehenge und von dort aus weiter nach Avebury gehen. Das hatte ich mir am Abend zuvor überlegt, denn entgegen meiner ansonsten gut organisierten Art (einige von euch werden das bestätigen können), habe ich dieses mal eigentlich nichts geplant, jedoch eher unfreiwillig - ich hatte es zeitlich einfach nicht mehr geschafft und bin nun gespannt, wo mich das Schicksal hinführt. Heute habe ich mir viele große und verwitterte Steine angesehen. Bei einem Bus-Zwischenstopp habe ich heute außerdem my first fish&chips ever gegessen. Damit man vom Fisch etwas schmeckte musste dieser zwar zunächst von der Panade befreit werden, aber die üppige Portion machte satt und das war die Hauptsache (Äpfel verspeise ich übrigens nun immer bis auf den Stängel). Heute bin ich ganz dekadent mit dem Bus gereist und musste dafür insgesamt 15 Pfund ausgeben. Das Wetter verbesserte sich kontinuierlich im Laufe des Tages, was man auch auf den Fotos erkennen kann. Nun mache ich Station im mondänen Bath. Von hier aus geht es morgen nach Bristol und dann die Küste entlang nach Cornwall.



Stonehenge



3. Tag - Es hält mich im schönen Bath

Bath Abbey

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Nach einer subtropischen Nacht (irgendjemand hatte die Heizung voll aufgedreht) wurde ich bzw. wurden wir kollektiv und unliebsam durch einen ausgelösten Feuer(fehl)alarm um kurz vor sieben geweckt. Da von 8:00 bis 9:00 Uhr Frühstücksausgabe war, nutzte ich die Gelegenheit um als erster das Bad bzw. die Nasszelle zu nutzen. Heute entschied ich mich für das “kontinentale Frühstück”. Nicht dass ich nicht gerne herzhaft frühstücke, aber zwei Mal hintereinander das Selbe muss(te) nicht sein, zumal ich kein allzu großer Fan von baked beans bin! Nachdem ich erfahren hatte, dass das Hostel in Bristol für den heutigen Tag/Abend ausgebucht war, beschloss ich kurzerhand einen Tag und eine weitere Nacht in Bath zu verweilen, zumal es hier wirklich sehr schön ist.

Am Vormittag habe ich vom Hostel aus (welches bereits einige Höhenmeter oberhalb der Stadt liegt) einen Aufstieg zur noch höher gelegenen Universität gemacht. Die Steigung beträgt z. T. beachtliche 11 % (s. Foto), und dass über eine Strecke von 3-4 Km. Die Uni selbst ist wunderschön gelegen. Von dem Campus - insbesondere den Studentenwohnheimen und den Sportstätten war ich sehr beeindruckt! Letztere sind einfach riesig und dürften bei jedem Sportstudenten zu einem Leuchten in den Augen führen (s. Fotos). Alles war sehr gepflegt, die Sanitäranlagen sauber und unbekritzelt. Es gab aber auch hässliche Plattenbauten und fürs Parken wird man zur Kasse gebeten. Dennoch hätte ich hier wohl auch gerne studiert. Wie ich von zwei Austauschstudenten (aus Bremen und Nürnberg) erfahren konnte, hat die Uni einen hervorragenden Ruf - vor allem für Wirtschaft, Mathe, Maschinenbau und Sport (bei diesen Sportstätten nicht verwunderlich, die im Übrigen als Leistungsstützpunkt für Olympiamannschaften ausgewiesen sind. Schließlich habe ich der Mensa einen Besuch abgestattet.

Heute Nachmittag habe ich dann “Downtown” erkundet. Bath hat sehr viele schöne Ecken und ist auf jeden Fall eine Reise wert! Mein Abendbrot (zwei roast chicken salad warps) habe ich mir bei Sainsbury’s (ähnlich Marktkauf oder Real) gekauft. Dort habe ich erstmals an einem sog. “self checkout” bezahlt. Es ging nicht wirklich schnell - nicht bei den damit vertrauten und erst recht nicht bei mir.

Morgen geht es weiter nach Bristol - per Anhalter, um meine Reisekasse zu schonen.



4. Tag - Weiter nach Bristol

Floating Habour

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Nachdem ich mich gut gestärkt hatte (diesmal wieder mit einem “english breakfirst”, wobei ich die Bohnen und das Würstchen verschmäht habe), packte ich meine sieben Sachen und begab mich zur Ausfahrstrasse Richtung Bristol. Dort stand ich keine Minute, als bereits ein Auto hielt. Es war jemand, mit dem ich das Zimmer im Hostel geteilt hatte, der zwar nicht direkt nach Bristol fuhr, mich aber auf seiner Route dort hin mitnahm. Er arbeitete (oder jobbte) für eine Agentur die Werbeflächen bzw. -schaukästen an Universitäten vermarktet, und seine Aufgabe war es, die Poster von Zeit zu Zeit auszutauschen. So fuhren wir zunächst zur Bath University, dann zur Bath Spa University (einer Außenstelle) und von dort aus weiter nach Bristol.
Die Stadt ist um einiges größer als Bath (etwa 380.000 Einwohner) und nicht ganz so elegant, aber (auf den zweiten Blick) auch recht schön. Das Hostel war mit round about 20 Pfund bisher das teuerste, dafür war die Lage direkt am Floating Habour mit vielen Restaurants und Bars in unmittelbarer Nähe zur Altstadt hervorragend! Die Uni hier ist nicht annähernd so schön wie die in Bath, aber es gibt hier viele hübsche Studentinnen.
Am Nachmittag habe ich bei bestem Wetter die Stadt erkundet und dabei - neben den Studentinnen, die sich in den Parkanlagen sonnten - auch viele schöne Häuser und Strassen(-fluchten) entdeckt. Imposant war die 243 m lange “Clifton Suspension Bridge”, welche die 80 m tiefe Schlucht über den Avon überspannt.

Gegen Abend bin ich dann bei Burger King eingekehrt. Eigentlich wollte ich mir ja wieder ein Sandwich oder einen Warp bei Salisbury’s holen, aber dann schlenderte ich an dieser Burger King-Filiale entlang und fragte mich, ob die Whopper hier (in GB) wohl genauso üppig sind wie in den USA. Das war jedoch leider Wunschdenken, denn sie waren nicht größer als bei uns und kosteten denselben Betrag in Pfund. Immerhin war der Energiebedarf damit für den Abend gedeckt. Am späteren Abend habe ich Diana und Brigit (29 und 23 bzw. 24) aus Melbourne, Australien getroffen, und mit ihnen den Abend gemütlich in einer der vielen Bars ausklingen lassen.



Clifton Suspension Bridge



5. Tag - Raus aus der Stadt, rauf aufs Land

In der vergangenen Nacht wurde mir bewusst was es heißen kann in einem 6-Bett-Zimmer einer Jugendherberge zu nächtigen. Nicht nur dass sich die Dachfenster nicht öffnen ließen und es in dem Zimmer warm und stickig war, auch musste ständig irgendwer zur Toilette und ließ dabei jedes Mal die Zimmertuer laut ins zufallen. Einer redete bisweilen laut zu sich selbst und bei einem anderen gab dessen Mobiltelefon akustische Signale von sich. Alles in Allem war es eine wenig erholsame Nacht, die erst relativ speit begann und frueh am Morgen (gegen halb sieben) schon wieder endete.
Ich war mit den beiden Australierinnen zum Frühstück verabredet, und hatte für Birgit, die heute 24 wurde, ein paar Teelichter organisiert und ihr einen von meinen Müsli-Riegeln als Geschenk eingepackt.

Den weiteren Vormittag und frühen Nachmittag verbrachte ich dann damit, einen Rechner mit SD-Kartenleser aufzutun - leider vergeblich, so dass ich schließlich ein solches (externes) Gerät gekauft habe. Danach war es Zeit mich auf den Weg zu meiner nächsten Etappe – Cheddar ja, da wo der Käse herkommt) - zu machen. Bei wolkenlosem Himmel und schweißtreibenden 26 Grad bahnte ich mir meinen Weg stadtauswärts. Es dauerte wieder nicht lange und schon hatte ich eine Mitfahrgelegenheit, die mich bis zur Ortgrenze von Cheddar fuhr. Cheddar ist ein kleines Örtchen vor grandioser Kulisse. Stärker hätte der Kontrast nicht sein können. Während in Bristol (zumindest für englische Verhältnisse) das Leben tobte, geht es in Cheddar doch sehr beschaulich zu.

In dem Hostel dort war ich (für diese Nacht) der einzige Gast, und ich freute mich das Zimmer ganz für mich alleine zu haben. Ich unternahm einen kleinen Stadt- bzw. Dorfrundgang und kaufte mir bei Tesco eine Portion “Penne” für die Hälfte (,- 86 Pfund). Noch nie hat (mir) Mikrowellenessen so gut geschmeckt. Am Abend entlud sich ein kräftiges Gewitter, und während ich diese Zeilen hier verfasste, prasselte der Regen auf das Dach des Wintergartens.



6. Tag - Mein erstes Abenteuer

Am Vormittag wollte ich mir die Schlucht ansehen, bevor es am Nachmittag weiter gehen sollte, doch es kam anders … Nancy, die zur Belegschaft des Hostels gehörte, hatte mir am Abend zuvor angeboten ihr (Strassen-)Fahrrad zu nutzen, und nun nahm ich ihr Angebot an. Auf zwei Rädern machte ich mich auf den Weg zur nahe gelegenen Schlucht - zunächst natürlich (gewohnheitsmäßig) auf der rechten Straßenseite, bis mir kurze Zeit später ein Auto entgegen kam und mir schlagartig bewusst wurde, dass ich auf der falschen Fahrbahnseite fuhr. Ich beschloss bis ganz nach oben zu radeln, um mir von dort einen Blick über ganz Cheddar zu verschaffen. Irgendwann ziemlich weit oben bin ich dann von der asphaltierten Strasse auf einen Feldweg abgebogen, der zwar etwas holprig aber durchaus befahrbar war. Nach ein paar hundert Metern musste ich dann riesige, mit Wasser gefüllte Schlaglöcher überwinden, aber ich ging davon aus, dass sich die Verhältnisse wieder bessern würden. Dem war auch so, jedoch nur temporär, und nachdem ich relativ unproblematisch eine beweidete Koppel hinuntergefahren bin, war kein Weg mehr vorhanden. Umkehren kam für mich an dieser Stelle nicht in Frage, aber ich hätte es besser tun sollen, denn je weiter ich mich bergab begab, desto unwegsamer wurde das Gelände. Lediglich ein Pfad war noch auszumachen, der jedoch aufgrund der starken Regenfälle vom Vorabend sehr schlammig war. An Fahren war nicht mehr zu denken, selbst Schieben war beschwerlich! So bahnte ich mir meinen Weg durch den Schlick, in der Hoffnung, bald wieder auf einen festen Weg zu stoßen. Die war zum Glück auch irgendwann der Fall, aber das Fahrrad und ich waren ziemlich verdreckt. Mit schlechtem Gewissen radelte ich zurück ins Dorf. Unterwegs kaufte ich ein paar Schwämme, um das Rad zu sabbern. Nancy hat es mir aber überhaupt nicht übel genommen - ich glaube sie mochte mich und wir saßen den ganzen Nachmittag im Garten und haben erzählt. O. k., sagen wir besser sie hat erzählt und ich habe zugehört, aber ich habe unsere “Konversation” sehr genossen, da sie sich Mühe gegeben hat langsam und deutlich zu sprechen. Und so hat es mich (für eine weitere Nacht) im kleinen Cheddar gehalten. Am späten Nachmittag konnte ich dann Jana (aus Lübeck) kennen lernen, die in Hostels arbeitet/jobbt und in Cheddar für ein paar Tage aushilft.



7. Tag - Reichlich Kilometer gemacht

Galstonbury Tor

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Relativ frueh habe ich mich heute auf den Weg gemacht, und infolge des großen Zeitkontingents kurzerhand zwei Etappen uebersprungen. Eine (erste( Zwischenstation habe ich in dem kleinen Örtchen Glastonbury eingelegt (Musikliebhabern wird dieser Name ein Begriff sein, denn hier findet jährlich im Juni das größte Open-Air-Festival Europas statt). Ich bestieg hier den etwa 160 m hohen Kegelberg zum sagenumwobenen Galstonbury Tor, der auch von vielen spirituell angehauchten Menschen besucht wird, die hier irgendwelche Schwingungen vermuten (ich habe davon allerdings nichts gespürt). Von dort aus bin ich dann mit insgesamt fünf Mitfahrgelegenheiten bis in den Exmor Nationalpark, und heute hat sogar eine (ältere) Frau angehalten. Ich zögerte kurz bei ihr ins Auto einzusteigen, denn sie war nicht allein unterwegs. Auf der Rücksitzbank saßen drei kleine Hunde, die, als ich die Tür öffnete um meinen Rucksack zu verstauen, aus dem Wagen sprangen und wieder eingefangen weder mussten. Es war schon ein wenig ekelig. Auf der Hundedecke hatte einer der Hunde frisch uriniert und die Mittelkonsole (zwischen Fahrer-und Beifahrersitz) war mit frischer Hundekotze benetzt, denn einer der Hunde war krank. Die Frau aber war nett.

Am Nachmittag bin ich dann ein Stück den South-West-Coast-Path bis Lynton - meinem heutigen Etappenziel - entlanggegangen, ein persönliches Highlight auf meiner bisherigen Reise. Bis in den späten Abend habe ich dann in einer bunten Gruppe aus verschiedenen Nationalitäten in der Stube des Hostels gesessen.



Ich


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Kommentare

  • juergen.k

    Hallo Zigzag,
    gibt es das heute noch. Früher nannte man es Trampen. Dein Bericht erinnert mich an meine Tour 1970 von London nach Schottland.
    Erinnerungen werden wach an die Übernachtung auf dem Green eines Golfplatzes in der Nähe von York, was die Akteure als sportliche Herausforderung nahmen und uns vor ihrem Vorsitzenden warnten, oder an die Übernachtung auf einer Wiese in Schottland, wo wir wegen des Regens beinahe in eine kleinen See abgesoffen wären.
    Dein Bericht ist schön geschrieben, hat Spass gemacht, ihn zu lesen.

  • jaborosa

    War zuerst bei der Karte gelandet ;)


    Schön, daß das nicht ausstirbt... :) Ich fuhr während der 80er in den Sommerschulferien immer allein auf eigene Faust kreuz und quer durch England, zuerst Südküste, dann an der Ostküste hinauf bis nach Schottland... Übernachtungen teils notgedrungen unter freiem Himmel, freundliche Leute... und fast nie sogenanntes schlechtes Wetter, also Regen! Um alles in der Welt möchte ich diese mehrwöchigen Touren nicht gegen irgendetwas eintauschen. Und keine anderen Urlaube in meinem Leben haben mich so sehr geprägt... Ich fühle mich heute noch sofort zuhause, wenn ich britischen Boden berühre.

  • RdF54

    Bei Deinem gut geschriebenen und toll erzähltem Bericht kommen Erinnerungen auf ... !! :-)

    LG Robert

  • RdF54

    Bei Deinem gut geschriebenen und toll erzähltem Bericht kommen Erinnerungen auf ... !! :-)

    LG Robert

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