Senf und Schildbürger

Reisebericht

Senf und Schildbürger

Reisebericht: Senf und Schildbürger

Wind, Wasser, Wiesen – das ist die eine Seite der Provinz Groningen. Die andere ist eine historische Hauptstadt voller modernem Leben und holländischem Humor.

Kanalblick

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Auf dem platten Land an der Waterkant liegt der Horizont in weiter Ferne. Der ständige Westwind treibt die Seeluft ins Land, die Bäume neigen sich gen Osten. Nur hier und da ein Gehöft, Pferde, Kühe auf einem „Hügel“, wie die Groninger ihre Warfen stolz nennen. Wenn das Wasser kommt, behalten Mensch und Tier in der niederländischen Provinz auf den bis zu fünf Meter hohen künstlichen Erdhaufen trockene Füße.



Borg

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Es ist die Provinz, die die Stadt Groningen reich gemacht hat. Bauern gewannen dem Meer Land ab, wurden reich, bauten Burgen. In Uithuizen steht die Menkemaborg, ein Zeugnis dieser Geschichte und ein lebendiges Museum. Denn jeden Augenblick könnten der Junker und seine Familie zurück ins Haus kommen. Das Feuer im Kamin der gemütlichen Küche brennt, die Betten sind frisch aufgeschüttelt. Doch die „Borg“ ist menschenleer. Das große Geld wird heute nicht mehr auf dem Land gemacht. Windräder machen Windmühlen Konkurrenz.





Mühle in Eenrum

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Berend van der Veen beeindruckt das nicht. Der Senfmacher bleibt bei seinem Handwerk – und arbeitet auf traditionelle Weise. In der Mosterdmakerij, der Senfmacherei in Eenrum, mahlt er die scharfen Körner, fügt ihnen seine geheime Kräuterrezeptur bei und wartet. Sechs Wochen reift der Senf im Fass. Als er es öffnet treiben die Dämpfe auch ihm die Tränen in die Augen. „Das befreit die Atemwege“, sagt Berend und klingt etwas gequält. Gegen Rheuma und müde Füße helfe der Senf auch. Manch ein Groninger soll sich gar den Popo mit Senf einreiben. „Nur zu lange drauf lassen, darf man ihn nicht. Das gibt Brandblasen!“



Segelboot in Groningen

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Ein wunder Allerwertester wäre eine Tragödie. Wie soll man dann mit der „Fiets“, dem Fahrrad, durch die Stadt flitzen? 180000 Einwohner hat die Provinzhauptstadt Groningen und jeder von ihnen hat – angeblich – mindestens ein Fahrrad. Könnte stimmen. Am Grote Markt und der Aa-Kerk im Zentrum zumindest ist für Autos kaum ein Durchkommen durch das Drahtesel-Gewusel. Auf den Grachten, die die Innenstadt umringen, ist es dagegen ruhig. Auf den engen Wasserwegen dümpeln Segelschiffe und Hausboote.





Trunkenbold-Turm

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Doch die alte Hansestadt ist weder für ihre Grachten noch für die rekordverdächtige Zahl an Fietsen bekannt. Es sind die alten Bauwerke der Stadt und der Humor der Städter. Denn was wäre die Statue der entblößten Schutzpatronin Elisabeth, genannt „De blote Bet“, ohne die Geschichte der hübschen Tochter des Bildhauers, die Modell stehen musste? Oder der Turm der Martinikerk: Die Groninger nennen ihn „Trunkenbold-Turm“. Denn an fast jedem Ort der Stadt sind stets zwei Turmuhren des achteckigen Monuments zu sehen. Wie viel die Bürger getrunken hatten, als sie 1577 nach dem Sieg gegen die Wallonen in wahrer Schildbürgermanier ein Freudenfeuer auf dem Turm entzündeten ist nicht geklärt – seit dem ist der Turm aber 20 Meter niedriger. Für eine fantastische Aussicht reicht es dennoch. Denn bei klarer Sicht reicht der Blick über die Stadt und die „Hügel“ der Provinz bis zur Waterkant.



Armenhaus





Gracht in Groningen


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Kommentare

  • s.gerhard

    Klasse Bilder! Aber das ist man bei dir ja gewohnt ;)

  • poseydon

    Merci! Gewohnheit ist der Anfang allen Übels...;-) Ich werde mich bemühen mein Level zu halten, hehe.
    LG,
    CR

  • Clickpix

    wieder mal eine feine arbeit :)
    lg aus Tirol

  • poseydon

    Dankeschön :-)

  • tautau006

    Guter Bericht aus meiner fast Heimat. haste gut gemacht
    Gruß Klaus

  • okasa

    Hallo Carolin!
    Wieder ein Reisebericht der Extra-Klasse von Dir!
    Mach' so weiter!
    Alles Gute für Dich und Deine Unternehmungen!
    Karl-Heinz (okasa)

  • MarcoRiccio

    Wirklich schöne Bilder und schöner Bericht. Das Lesen hat wirklich Spaß gemacht . Gruß Marco

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