Seidenstraße Teil 4: Tashkent - Samarkand

Reisebericht

Seidenstraße Teil 4: Tashkent - Samarkand

Reisebericht: Seidenstraße Teil 4: Tashkent - Samarkand

Dieser vierte und letzte Teil meines Reiseberichtes führt nach Uzbekistan. Höhepunkte sind die alten Städte Bukhara und Samarkand. Ich habe immer davon geträumt, einmal den berühmten Registan-Platz von Samarkand zu sehen. Es war überwältigend: die wunderschönen blauen Moscheen und ich mittendrin!

Tashkent: alt und neu

2007: Tashkent

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Einen ganzen Tag Besichtigungen in Tashkent: Auf den ersten Blick sieht Tashkent sehr modern aus. Die breiten Straßen sind geprägt von den russischen Bauten der 70er und 80er Jahre. Grüne Parks mit Springbrunnen und großen Denkmälern, Museum für angewandte Kunst, wir trotten überall hin mit, lassen uns die Sonne auf den Kopf scheinen, setzen uns zwischendurch mal erschöpft auf eine Parkbank. Ich wundere mich über die jungen Leute von Tashkent: manche sind sehr modern gekleidet, die jungen Frauen mit sehr kurzen Miniröcken, und dann sieht man auch traditionell gekleidete Frauen, manche sogar voll verschleiert. Ich frage den Reiseleiter, ob dieses Nebeneinander nicht zu Konflikten führt. Er ist ganz erstaunt über meine Frage, nein, das ist kein Problem in Uzbekistan. Jeder kann rumlaufen wie er will.

Für mich ist ein Höhepunkt der Besuch der Altstadt. Durch ein großes Erdbeben Anfang des 20. Jahrhunderts waren viele alte Moscheen zerstört worden. Auch die Dominanz der Russen war nicht förderlich für historische Bauten. Doch nun werden die blauen Kuppeln der Medressen und Moscheen wieder renoviert. Zentrum ist das Gebäude, in dem eine Koran-Handschrift aus dem 7. Jh. aufbewahrt wird. Ein strenger Wächter passt auf, dass wir wirklich unsere Schuhe am Eingang ausziehen und uns respektvoll und leise dem kostbaren Buch nähern.

Am Abend fahren wir zum Bahnhof, um mit dem Nachtzug nach Bukhara zu fahren.



2007: Tashkent



Mit dem Zug nach Bukhara

2007: Usbekistan - Tashkent

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Für uns alle, auch für den Reiseleiter, ist die Fahrt mit dem Zug nach Bukhara ein unbekanntes Abenteuer. Gespannt warten wir im Bahnhof darauf, dass wir in den Zug dürfen.

Endlich ist es soweit. Ich begutachte begeistert die Zweibett-Abteile, die mit plüschigen dunkelblauen Kissen und Decken ausgestattet sind. Die makellos weiße Bettwäsche liegt, in Plastik eingeschweisst, auf den Betten für uns bereit. Da unser Reiseleiter Hemmungen hat, mit einer älteren einheimischen Frau das Abteil zu teilen (Was soll er seiner Frau erzählen?!), übernehme ich das Bett. Leider ist ein Gespräch mit der Frau nicht möglich, da sie außer Usbekisch und Russisch nichts spricht.

Der Zug erinnert ein wenig an den alten Orientexpress: etwas plüschig, mit dunklem Holz, gemütlich und alt. Wir können Bier vom Schaffner kaufen, es gibt sogar eine kleine Lunchbox. Es ist sicherlich die schönste und bequemste Bahnfahrt dieser Reise!



2007: Usbekistan: Im Schlafwagen



Bukhara

2007: Bukhara

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Frühmorgens kommen wir in Bukhara an. Wir können zwar noch nicht in unsere Zimmer, aber dafür gibt es erstmal ein wunderbares Frühstück. Unser Hotel liegt direkt vor den Toren der Altstadt.

Eine kleine uralte Moschee auf der anderen Straßenseite. Ich habe keine Geduld, auf die Stadtführung zu warten und erkunde neugierig die Umgebung. Eine alte Frau mit Kopftuch fegt die Stufen der Moschee. Die Luft ist noch mild und voller exotischer Düfte. Bunte Blumen blühen überall. Die kleinen indischen Stare zanken sich in einem Baum. Herrlich, endlich in Bukhara zu sein!

Dann geht es ab in die Altstadt, durch alte überdachte Basara und in die Mederessen und Moscheen hinein. Alles wird ausführlich erklärt, doch jetzt müsste ich ziemlich recherchieren, um die Namen alle zu nennen. Und wen interessiert das schon?

Mir macht die Altstadt einen fast musealen Eindruck. Meistens sind die Räume in den Moscheen und Medressen von Händlern genutzt, die Kunsthandwerk und Teppiche anbieten. Manchmal gibt es eine kleine Ecke zum Beten. Während der russichen Zeiten wurden viele der alten Gebäude anders genutzt und nicht renoviert. doch jetzt erstrahlen die blauen Kuppeln wieder im alten Glanz. Die dunklen Basare, die voller Souvenirhändler sind, scheinen die lebendigsten Orte zu sein, voller Musik und Lachen. Hier wird die Tradition des Handeln aufrecht erhalten.

Die Sonne brennt unbarmherzig. Es ist fürchterlich heiß in der MIttagszeit. Deshalb sind wir alle froh, dass wir einige Stunden Zeit für eine Mittagspause haben. Das Hotel hat einen Swimmingpool, den ich sofort ausprobiere. Danach fühle ich mich frisch genug, um die nährere Umgebung des Hotels zu erkunden. Nicht weit ist der Labi-Hauz-Komplex, in dessen Mitte ein Teich unter alten Bäumen liegt. Es gibt einige Restaurants, die ihre Tische direkt am Wasser aufgestellt haben. Hier sitzen und ein Bier trinken, die alten Männer beobachten, die unter den Bäumen sitzen und Schach spielen, die Kinder, die jubelnd um eine Statue des zentralsiatischen Till Eulenspiegels Nasreddin Hodscha herumlaufen.: es ist einfach wunderbar! Auch wenn es in meinem Bauch schon wieder bedenklich grummelt, lasse ich mir ein Schaschlik und das Bier schmecken.

Ein Internet-Cafe gibt es auch. Ich checke meine Emails. Wie konnte ich früher nur ohne Internet und Emails leben und reisen??? Trotz Emails schreibe ich aber auch jede Menge Postkarten. Es soll jeder erfahren, wie schön es hier ist.

Am nächsten Tag mache ich den ersten Teil der Besichtigungen noch mit und fahre mit hinaus zu dem Sommerpalast des Emirs. Doch kaum sind wir wieder zurück, steht mir vor lauter Unwohlsein der kalte Schweiß auf der Stirn und ich lasse mich vom Reiseleiter bei einem Taxi absetzen. Ich bin froh, dass ich - gerade noch rechtzeitig - das Hotel erreiche und mich ein wenig erholen kann. Auch für die übrigen gibt es noch eine kleine Mittagspause im Hotel, so dass ich mich nachmittags wieder der Gruppe anschließen kann.

Wir gehen durch das alte jüdische Viertel. Die Straßen sind unbefestigt. Hohe fensterlose Mauern rechts und links. Die Gasleitungen sind zusammen mit den Stromleitungen in ungefähr 3 Meter Höhe an den Wänden verlegt. Mir sieht das ziemlich gefährlich aus.

Bukhara hat früher viele Brunnen gehabt. Eigentlich schade, dass es sie nicht mehr gibt, denn dann gäbe es vielleicht etwas Abkühlung. Doch das Wasser der Brunnen hat viele Epidemien verursacht, so dass man sie vor ca. 20 Jahren trocken gelegt hat. Mit den Brunnen sind auch die Störche aus Bukhara verschwunden.



2007: Usbekistan - Bukhara



Unterwegs nach Samarkand

2007: Bukhara: Chor Menar

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Am nächsten Morgen starten wir früh. Unser Reiseleiter verspricht uns eine Überraschung: "Wenn Ihr das nicht gesehen habt, dann habt ihr Bukhara nicht gesehen!" Und so folgen wir ihm neugierig in die ruhigen Straßen der Altstadt. Dann öffnet sich ein kleiner Platz und wir stehen vor dem Chor Menar, dem ehemaligen Torhaus einer ehemals riesigen Moschee. Außer dem Torhaus mit den vier blauen Kuppeln ist nichts übrig geblieben. Der Anblick ist spektakulär: die blauen Kuppeln, weiße Tauben und der ruhige Platz, den so früh noch keine Touristen gefunden haben.

Mit dem Bus fahren wir dann weiter. Zunächst geht es durch eine wüstenartige Landschaft. Kleine dunkle Punkte am Horizont sollen Kulane sein, die seltenen Wildesel. Auch Antilopen sollen zu sehen gewesen sein. Mir ist von der Fahrt eher der Anblick von Ölfeldern und Raffinerien im Gedächtnis. Später sehen wir in der Ebene viele Hügel (Kurgan), unter denen alte Städte und Grabmäler liegen. Blühende Baumwollfelder! Ich habe nicht gewusst, dass Baumwolle sowohl weiß als auch rosa blüht.

Mittags, als wir Shakri Sabz erreichen, ist es wieder mal richtig heiß. Shakri Sabz, die alte Hauptstadt Timurs, liegt müde in der Mittagshitze, Wir schleppen uns träge von Besichtigung zu Besichtigung, nutzen jeden Schattenflecken, um der Sonne zu entgehen. Der klimatisierte Bus ist dagegen die reinste Erholung. Ein letzter Blick auf die schneebedeckten Gipfeln des Pamirs am Horizont, weiter geht es durch die Hungersteppe nach Samarkand.

In einem kleinen Ort leistet sich der Busfahrer eine kleine Wettfahrt mti einem PKW, der ihm wohl die Vorfahrt genommen hatte. An einer Kreuzung halten wir. der Busfahrer steigt aus und schnappt sich den Autofahrer. Glücklicherweise beruhigen sich die Beteiligten relativ schnell.

Schließlich erreichen wir Samarkand. Unser Hotel, das Afrosiab, ist ein hässliches Hochhaus. Doch der Ausblick auf die Moscheen des Registan-Platzes und die Kuppeln der Moscheen entschädigt. Ich persönlich finde es sehr schön, das Abendessen als Buffet im klimatisierten Speisesaal einzunehmen. So kann ich magenfreundliche Speisen aussuchen. Obwohl es mir noch nicht wirklich besser geht, hält es mich nicht im Hotel. Ich laufe durch die Gegend beim Hotel, kaufe mir in einem kleinen Laden ein Wasser und ein Bier. Das Cafe im obersten Stock des Hotels bietet einen wirklich spektakulären Ausblick.



2007: Usbekistan - Shakri-Sabz



Samarkand: Magische Stadt!

2007: Samarkand

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Wieder beginnen die Besichtigungen frühmorgens. Dank der guten Organisation durch den Reiseleiter sind wir fast die ersten in der Necropole Shah-e Sende. Die wundervoll restaurierten blauen Fassaden der Mausoleen strahlen im Morgenlicht. Wir kommen ungehindert bis in die bedeutendsten Gräber und können in Ruhe die schönen Ornamente auf uns wirken lassen. Als wir wieder hinaus gehen, strömen uns die ersten großen Touristengruppen und Pilger entgegen.

Die Moschee Bibi Khanum, die Timur im 15. Jh. zu Ehren seiner Schwiegermutter (!) erbauen ließ, beeindruckt schon durch ihre Größe. Gleich daneben liegt der große Basar von Samarkand. Der Duft von exotischen Gewürzen liegt in der Luft.

Dann ist er endlich da: der Moment, auf den ich mich so gefreut habe: ich stehe auf dem Registan Platz! Ich könnte heulen vor Glück! Die prachtvollen Moscheen rundum, die blauen Fassaden mit ihren feinen Mustern. Ich weiß gar nicht, wohin ich schauen soll. Als die Gruppe zum Hotel zurück kehrt, bleibe ich auf dem Platz, gehe langsam von einem Gebäude zum nächsten und setze mich schließlich in ein kleines Cafe nicht weit davon. Ich trinke meinen Kaffee und schaue immer wieder zurück. Welch eine Schönheit! Welch ein Glück, dies zu erleben!



2007: Samarkand



Eine wunderschöne Reise geht zu Ende

2007: Samarkand

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Der letzte Tag dieser Reise! Nur schweren Herzens steige ich in den Bus. Ich könnte noch so lange in Samarkand bleiben und mir immer wieder die blauen Moscheen anschauen!

Da man nicht so einfach durch Tadjikistan durch fahren kann, müssen wir einen Umweg fahren. Schließlich erreichen wir die Autobahn nach Tashkent. An einer Stelle stoppt unser Bus einfach so auf dem Standstreifen. Hier können wir nun sehen, wohin die Störche aus Bukhara gezogen sind: auf den Trägern einer alten, nicht mehr genutzten Überlandleitung haben sie ihre Nester gebaut. Das ist ein spektakulärer Anblick!

In Tashkent haben wir Zeit genug, um noch ein wenig einzukaufen. Das große Kaufhaus scheint allerdings den meisten Einheimischen zu teuer zu sein. Es ist fast leer. Ich genieße die Aircondition und kaufe eine Riesentüte Bonbons für die Kollegen in Hamburg.

Dann besichtigen wir auch noch die Ubahn, auf die Tashkent sehr stolz ist. Leider ist das Fotografieren in den Stationen strengstens verboten. Man kann deutlich sehen, dass die Ubahn von den Russen erbaut wurde. Die prachtvollen Stationen erinnern ein wenig an die Ubahn in Moskau.

Zum Abschied sind wir in einem schönen Restaurant, das Uigurische Spezialitäten anpreist. Irgendwie schon merkwürdig, weil das Essen sehr chinesisch wirkt, allerdings aber nicht die üppigen Portionen wie in China bietet. Trotzdem: das Essen ist gut.

In der Nacht haben wir nur ein paar Stunden zum Schlafen, denn unser Flieger geht schon gegen 6:00 Uhr. Das bedeutet um 3.00 Uhr aufstehen. Das Hotel ist auf solche frühen Aufbrüche vorbereitet und bietet tatsächlich schon um diese Zeit ein kleines Frühstückbuffet an.

Die Hektik am Flughafen, einchecken und Boarding lenken von der Wehmut ab, die mich überfällt. Ich bin mir sicher: irgendwann werde ich noch einmal nach Usbekistan zurück kehren. Dann auf eigene Faust und mit ganz viel Zeit für Samarkand und Bukhara



2007: Samarkand


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Kommentare

  • Guido

    Hallo Ulrike,

    danke dass du uns mit deinen spannend geschrieben Berichten und mit deinen tollen Bildern auf deiner Reise entlang der Seidenstrasse mitgenommen hast.

    Liebe Grüsse

    Guido

  • Kovac

    Danke für diesen rührenden Bericht. Wir können Deine Wehmut nachvollziehen. Sind glücklicherweise Ende Mai dort.
    LG Kovac

  • trollbaby

    Hallo Ulrike!
    Ich war 2008 in Usbekistan und es war eine meiner schönsten Reisen! Jetzt nach Lesen Deines Berichtes kamen wieder viele Erinnerungen hoch. Leider haben wir Taschkent nicht besucht, so habe ich aber einen Grund, irgendwann wieder in dieses Land zu reisen. :-)
    LG Susi

  • ehwi1

    Hallo Ulrike, danke für den ausführlichen Reisebericht. In welchem Monat und mit welchem Reisebüro warst du in Usbekistan? Ich möchte 2011 im Mai dorthin.
    LG Elke

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Seidenstraße Teil 4: Tashkent - Samarkand 4.20 10

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