Kraft tanken im Harz

Reisebericht

Kraft tanken im Harz

Reisebericht: Kraft tanken im Harz

Kraftorte, mystische und sagenumwobene Plätze im Harz

Ausgepowert, müde und kraftlos – wer kennt das nicht. Da kam die Idee eine Wanderung zu den Kraftorten im Harz zu unternehmen eigentlich ganz Recht.
Doch, was sind eigentlich Kraftorte? Was versprechen wir uns von solch einem Unterfangen? Und vor allem: Werden wir überhaupt irgendetwas, einen Funken Energie spüren? Fragen über Fragen schwirren in unseren Köpfen, als wir aufbrechen, um dem Geheimnis der sagenumwobenen Orte im Harz auf die Spur zu kommen.

Trotz eines gewissen Grundinteresses an esoterischen Belangen habe ich kaum Erfahrungen mit dem Besuch mystischer Orte – sieht man von einem Ausflug zu den Maya Tempeln in Mexiko und Guatemala einmal ab. Diese hatten zweifellos ihren Reiz, dennoch kann ich mich nicht an einen energetischen Schub erinnern. Um es kurz zu fassen: Ich bin skeptisch! Aber vielleicht hilft ja die Anwesenheit des harzansässigen Geomanten, der an diesem Tag in die Rolle des Fremdenführers schlüpft. Der Harz mit der Vielzahl an Sagen und Mythen scheint jedenfalls ein idealer Ort, um verborgenen Kräften aufzuspüren.

In Drei Annen Hohne starten wir unsere Tour in Richtung Ottofelsen. Nach nur wenigen Schritten sehen wir links von uns eine Lichtung in deren Mitte eine Eiche steht. Sie scheint sehr alt zu sein. Ehe wir uns versehen, stehen wir unter diesem Baum, der überraschenderweise wirklich einen Hauch von Mystik verströmt. Der Blick in das dichte Blattwerk, die verknöcherten Äste und Zweige wirkt beruhigend. Ich fühle mich beschützt und seltsam geborgen. Nun beginnen wir mit kleinen Übungen zum Erfühlen des Kraftfeldes. Ich hoffe, dass uns keiner sieht und mache mit. Von nichts kommt schließlich nichts! Wir reiben unsere Handflächen aneinander, was die Wahrnehmungsfähigkeit der Hände steigern soll. Und wirklich, ich spüre einen leichten Widerstand (das Ätherische?) zwischen meinen Handflächen und um den ganzen Körper. Ich bin erstaunt. Doch schnell werde ich wieder auf den Boden der Tatsachen geholt – das ätherische Kraftfeld der jahrhundertealten Eiche spüre ich nicht. Macht aber nichts, dafür schlägt die Wünschelrute aus. Ich bin stolz und irgendwie glücklich. Ob das von der Eiche kommt?

Weiter geht es über den Glashüttenweg zur nächsten Kraft(tank)stelle – dem 671m hohen Trudenstein. Seinen Namen erhielt der Felsen aufgrund seiner Ähnlichkeit mit einer Trude, in früheren Zeiten eine Bezeichnung für Hexen und Zauberinnen. Der Weg ist nicht sehr lang, dafür geht es beharrlich leicht bergauf. Im Stillen nehme ich mir vor, mehr Sport zu treiben – aber lassen wir das. Am Trudenstein angekommen, wirkt der Fels auf den ersten Blick wenig spektakulär. Irgendwie hatte ich mir etwas Anderes vorgestellt. Vielleicht habe ich aber auch nur zu viele Bücher von Diana Gabaldon gelesen. Wir erklimmen den Granitfelsen über Eisenleitern und werden mit einem Panoramablick über den Harz belohnt. Zum Schluss erkunden wir eine kleine Höhle an der rechten Seite des Felsens. Während oben auf dem Felsen ein Gefühl von Freiheit und Frische herrschte, wirkt es hier etwas beengt. Unser Geomant animiert uns zum gemeinschaftlichen Brummen, was durch die Felsen verstärkt wird und so beinahe beängstigend wirkt. Der Blick vom Trudenstein ist ohne Frage sehr reizvoll, gestärkt fühle ich mich allerdings nicht. Aber es liegen auch noch zwei Stationen vor uns – ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Etwas erschüttert bin ich, angesichts des Weges der nun vor uns liegt. Es geht auf einem Trekkingpfad weiter in Richtung Leistenklippe. Diese Felsformation ist 901m hoch, bis dahin ist es noch ein weiter Weg über Stock und Stein und vor allem steil bergauf. Dennoch fühle ich mich relativ fit und der Anstieg fällt mir leichter als ich befürchtet hatte. Ob das schon eine Wirkung der Kraftorte ist? Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, es erfordert schon etwas Konzentration, um nicht über Steine oder Wurzeln zu stolpern. Fast am Ziel wartet noch ein weiteres Hindernis auf mich – mehrere Leitern sind zu überwinden, um die Leistenklippe zu erreichen. Oben angekommen werde ich für alle Anstrengungen belohnt – mit einem wunderschönen Blick zum Brocken, über das Harzvorland und Wernigerode. Wow! Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Hier könnte ich stundenlang verweilen und einfach in den Himmel schauen. Ich fühle mich fern vom Alltag und frei wie ein Vogel. Dies ist wohl der ideale Ort, um den Kopf frei zu bekommen und sich inspirieren zu lassen. In diesem Sinne, wirklich ein Ort der Kraft und Energie und für mich das Highlight der Wanderung. Leider müssen wir weiter, denn eine Etappe fehlt noch. Ich freue mich, meine Skepsis ist wie weggeblasen.

Der Weg zum Ottofelsen führt nicht mehr bergauf wie bisher, was mich überaus freut. Doch auch bergab lauern Steine und Wurzeln, die wir aber ohne größere Probleme überwinden. Der Ottofelsen ist ein sehr beliebtes Wanderziel im Harz. An diesem Montag allerdings sind wir die einzigen Besucher. Der Granitfelsen wirkt mächtig und stark, als könnte ihn nichts erschüttern. Ich fühle mich klein und beinahe unbedeutend vor diesem Wunder der Natur. Den Gipfel erreichen wir wieder über Leitern. Allerdings sind diese um einiges höher als zuvor, was den Adrenalinpegel nach oben schnellen lässt. Für den mühsamen Aufstieg werden wir mit einem wunderschönen Blick über den Harz entschädigt. Ich bestaune die Opferschalen, die belegen, dass dieser Ort schon vor Jahrhunderten rituelle Bedeutung hatte. Insgeheim frage ich mich, wie die Menschen damals wohl den Gipfel erklommen haben.

Wieder festen Waldboden unter den Füßen, treten wir den Rückweg an. Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Wir sind beinahe fünf Stunden unterwegs. Das hätte ich nicht gedacht – ich fühle mich noch relativ fit und kraftvoll. Wieder am Ausgangspunkt angekommen, ist dieses Hochgefühl etwas verflogen – ich habe ja auch nie behauptet ein geübter Wanderer zu sein. Doch trotz etwas schmerzender Beine bin ich stolz auf mich. Stolz die einzelnen Stationen erklommen und leichte Höhenängste überwunden zu haben. Energetische Entladungen oder gar ein Summen und Vibrieren, wie in manchen Büchern beschrieben, habe ich nicht gespürt. Dennoch fühle ich mich gestärkt und glücklich. Die Wanderung hat sich wirklich gelohnt, hat Spaß gemacht und ist (auch für nicht so geübte Wanderer) durchaus zu empfehlen. Wichtig sind: festes Schuhwerk, Verpflegung und genügend Wasser. Dann kann es los gehen - auf zu den Kraftorten im Harz. Ach so: die Skepsis können Sie zu hause lassen – es lohnt sich!




Die alte Eiche bei Drei Annen Hohne

Keine Bildinformationen verfügbar

Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

  • Tippelbrueder (RP)

    Diese Tour wollte ich auch schon lange unternehmen, aber ...
    Vielen Dank für diesen gedanklichen Anstoß!
    die tippelbrueder

  • hbastian

    Vielen Dank für diese feinsinnige Schilderung der Wanderung zu den Kraftorten im Harz mit den eindrucksvollen Fotos. Der Bericht motiviert diese Wanderung (noch einmal) durchzuführen. H. Bastian

  • Berggeist

    Danke für den Super Tip,werde ich das kommende WE. gleich mal testen....

    MFG

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Kraft tanken im Harz 4.40 5

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps