Guinea – Liberia – Sierra Leone - mehr Afrika geht nicht - Teil 2 Liberia und Sierra Leone

Reisebericht

Guinea – Liberia – Sierra Leone - mehr Afrika geht nicht - Teil 2 Liberia und Sierra Leone

Reisebericht: Guinea – Liberia – Sierra Leone - mehr Afrika geht nicht - Teil 2 Liberia und Sierra Leone

Mit Abenteuergeist fernab ausgetretener Pfade in ursprüngliches und weitgehend unbekanntes Afrika eintauchen....in die touristisch weitgehendst unerschlossenen Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone in Westafrika.......
Teil 2: Liberia und Sierra Leone

Von Guinea geht es abenteuerlich durch dichten Wald zur Grenze von Liberia

Hauptverbindung von Guinea...

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Am zeitigen Morgen setzen wir unsere Reise fort und fahren Richtung Liberia. Erst vor kurzem wurden die letzten der schätzungsweise 500.000 Bürgerkriegsflüchtlinge nach Liberia zurückgeführt, die in diesem Teil Waldguineas Schutz gesucht hatten.
Kaum zu glauben, dass dies hier die Hauptverbindung zu Liberia sein soll, erinnert die Piste doch eher an einen Feldweg durch dichten Wald. Doch, wie mit anderen angrenzenden Ländern auch, findet kaum ein Warenaustausch zwischen den Nachbarstaaten statt. Also sind auch gut ausgebaute Verkehrsverbindungen unbedeutend. Und mittendrin im Niemandsland ein Dorf, so abgeschieden und fern jeglicher Zivilisation, dass Kinder kreischend unserem Bus nachrennen. Viele Weiße haben sie sicherlich noch nicht gesehen. Sehr archaisch wirkende „Wald“-Menschen begegnen uns skeptisch und scheu. Und selbst hier, mitten im Wald, treffen wir auf einen Kontrollposten. Ein Indiz, dass die Grenze nicht mehr allzu weit sein kann.



Einreise in ein vom grausamen Bürgerkrieg noch immer gezeichnetes Land

Ärmliche Hüttendörfer säumen...

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Über drei Stunden nehmen unsere Ausreise aus Guinea und die Einreise nach Liberia in Anspruch. Ganz wichtig haben es die Uniformierten. Während wir warten, belagern uns Geldwechsler mit dicken Bündeln gruselig schmutziger Geldscheine in der Hand. Wie schon in Guinea, wo 1.000 Guinea-Francs derzeit etwa 1,20 Euro wert sind, so ähnlich verhält es sich mit dem liberianischen Dollar. Große Scheine, die alle nichts wert sind – Zeichen hoher Inflation und schwacher Währung.
Etwa 1.350 km, durchaus mit Abenteuercharakter, haben wir in Guinea auf oft beschwerlichen Straßen und Pisten zurückgelegt. Und dabei einen sehr intensiven Einblick in dieses sehr authentische Land gewonnen, das unter der Herrschaft von Sékou Touré bis 1987 völlig von der Außenwelt abgeschnitten war und bis heute weit entfernt ist von touristischen Ansätzen. Gerade durch die langandauernde Isolation ist die kulturelle Vielfalt der verschiedenen Ethnien lebendiger als anderswo, sind die Menschen zumeist neugierig und unvoreingenommen uns Fremden gegenüber. Und, nachdem sich in diesem, in weiten Teilen noch sehr rückständigen Land bis heute kein Tourismus entwickelt hat, gibt es auch keine negativen Auswirkungen.
Niemand bettelt oder fragt nach Shampoo, Wasserflaschen oder ähnlichem. Mit einem wohltuenden Gefühl registrieren wir dies und verteilen nichts, um sie nicht auf die Idee zu bringen…



An der Hauptstraße durch Liberia

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In Liberia

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Nach acht spannenden Tagen verlassen wir die frühere französische Kolonie, die neben der Sprache zumindest auch ein meist köstliches Baguette „hinterlassen“ hat. Dies war auch – für uns erkennbar – das einzige, was die französische Küche hinterlassen hat. Nun fahren in ein Land, das 1822 zur Ansiedlung für befreite Sklaven aus den USA gegründet wurde und zu den ersten unabhängigen Staaten Afrikas gehört. Selbstredend, dass hier Englisch die offizielle Amtssprache ist, wie auch im benachbarten Sierra Leone.
Wesentlich bekannter als die Rückführung ehemals verschleppter Afrikaner sind allerdings die Schreckensbilder des 14 Jahre dauernden grausamen Bürgerkriegs. Seit 2003 gilt er als beendet, doch nur langsam findet das paralysierte, geschundene Land in die Normalität zurück. Und so fahren wir mit einem doch etwas eigenartigen Gefühl über die Grenze. Sogleich begleiten uns, wie auf der gesamten weiteren Strecke, riesige UN-Stützpunkte mit ihren weißen Militärfahrzeugen, Hubschraubern und Wachtürmen



Ein starker Kontrast zu Guinea sind auch die vielen sehr armseligen Dörfer entlang der Hauptstraße Richtung Monrovia, mit grasbedeckten Hütten und verschlossen wirkenden Menschen von gedrungener Gestalt und kleiner als die durchwegs großgewachsenen Völker Guineas. Bauruinen sind die stummen Zeugen für Massaker, Vertreibung und Flucht. Es heißt, jeder 4. der fünf Millionen Einwohner sei unter der Schreckensherrschaft von Charles Taylor umgebracht worden. Ein bedrückendes Gefühl beschleicht uns



Kreativität kennt keine Grenzen

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In liberia

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Dann dann: karibische Lebensfreude inmitten der Tristesse. Pinkfarbene, blaue und türkise Häuser mit Verandas im Südstaatenstil, daneben Häuser mit kreativen Mustern an den Wänden - witzige Handabdrucke, Pinselstriche, Punkte oder grafische Muster. Ein wohltuendes Zeichen für Neubeginn. Und hin und wieder winkende Kinder und Erwachsene.



Dorfidylle in Liberia

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Firestone sei Dank....

Kautschukgewinnung in den...

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Auf der überraschend gut ausgebauten Landstraße, die sicherlich den Uno-Truppen zu verdanken ist, kommen wir gut voran. Nach etwa 2 Stunden sind wir bereits in Flughafennähe der Hauptstadt. Wir biegen ab in die einst weltweit größte Kautschukplantage. Viele Kilometer geht es durch akkurate Gummibaumpflanzungen mit den kleinen Auffanggefäßen an den eingeritzten Stämmen. Seit dem Bürgerkrieg wird intensiv daran gearbeitet, wieder die früheren Kapazitäten der zwischenzeitlich arg vernachlässigten Kautschukwälder zu erreichen. Zwar wurde die Reifenfabrik in Kriegszeiten demontiert und außer Landes gebracht, doch Firestone bleibt das Zauberwort. Und Firestone sei Dank. Ein Lebenstraum ist erreicht für denjenigen, der es geschafft hat, bei Firestone eine Anstellung zu bekommen und profitiert von betriebseigenen Schulen, Krankenhäusern und sonstigen Einrichtungen. Sogar einen Golfplatz gibt es auf dem vielen Quadratkilometer großen Gelände.



Kautschuk-Sammelstelle in der Firestone-Plantage



Vor den Toren von Monrovia, der Hauptstadt Liberias

Die Checkpoints werden zahlreicher

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Die Checkpoints häufen sich, je mehr wir uns dem eigentlichen Stadtgebiet Monrovias nähern. Die Hauptstadt Liberias hat ihren Namen von James Monroe, der zu Zeiten der Rückführung und ersten Ansiedlung ehemaliger Sklaven amerikanischer Präsident war.



Monrovia, Hauptstadt Liberias

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Trotz großer Bemühungen sind die vielen ausgebrannten und zerschossenen Gebäude links und rechts der Einfallstraße bis ins Zentrum der Millionenstadt noch immer Mahnmale der schrecklichen Bürgerkriegsjahre. Auch, wenn moderne Regierungsgebäude und ein paar Monumente zur Geschichte des Landes Frieden und Fortschritt dokumentieren wollen. Eine durchaus melancholische Wirkung hat der Besuch der Insel Provident mitten im Mesurado-Fluß. Hier landeten 1822 die ersten ehemaligen Sklaven aus USA. Ein damals gepflanzter Baumwollbaum steht noch heute und präsentiert sich in beeindruckender Größe. Leider sind in unmittelbarer Nähe auch armseligste Slums mit erbärmlichen Verschlägen auf engstem Raum - sehr traurige Nachwirkungen des üblen Krieges.



Blick auf Monrovia

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Kein Wunder, dass wir auch in Monrovia keine weiteren Touristen sehen. Ausnahme sind ein paar pakistanische UNO-Soldaten, die am heutigen Sonntag Ausgang haben. Es scheint, dass nicht die Stadt, sondern wir, die willkommene Abwechslung für sie sind.



Der Mensurado-Fluß in Monrovia

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Weiterreise nach Sierra Leone am frühen Morgen

Geldwechsler an der Grenze

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6 Uhr früh ist Abfahrt Richtung Kenema, der Diamantenstadt in Sierra Leone. Nicht die Streckenlänge, sondern die schlechten Straßenverhältnisse sind der Grund für unseren zeitigen Aufbruch. 270 km klingen nicht dramatisch, doch sind wir inzwischen ja schon so einiges gewöhnt - lassen wir uns überraschen. Durch unseren frühen Aufbruch erreichen wir bereits nach einer halben Stunde die Stadtgrenze. Wir fahren in Richtung Norden der Küste entlang und kommen auf der überraschend guten Straße schnell voran. Durch Wälder, vorbei an Feldern und Brandrodungen. Ein unerwarteter Blickfang sind mehrere Hektar Gärtnergelände mit Palmensetzlingen in schwarzen Töpfen. Im direkten Anschluß daran folgen Pflanzungen von Ölpalmen in Monokultur bis zum Horizont. Es tut gut, Fortschritt zu beobachten.
Außer uns ist kaum ein Fahrzeug auf der Straße, und so fallen uns die ersten beiden Touristen auf, eher Weltenbummler, die wir seit unserem Reisebeginn in Conakry, Guinea, sehen. Mit vollbepackten Fahrrädern strampeln sie durch die tropische Hitze.

Bald schon erreichen wir die Grenze. In weniger als zwei Stunden sind alle Formalitäten erledigt. Auch hier warten die Geldwechsler auf Kundschaft mit großen Bündeln von Geldscheinen in der Hand. Für einen US-$ bekommen wir 4.200 Leone, der Landeswährung von Sierra Leone.



"Hauptstraße" nach der Grenze in Sier...

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Ein Dorf, tief im tropischen...

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Ab jetzt ist es vorbei mit gepflegten Straßen. Die schmale, einspurige Lehm-Sandpiste durch einsamen Wald ist abenteuerlich. Wie eine tollkühne Berg- und Tal-Wellenfahrt, wobei die Vertiefungen zum Teil mehr als einen Meter tief sind. Nach etwa zwei Kilometern gelangen wir auf eine große Lichtung mit einem Wachhäuschen vor uns, die Kalaschnikow in unsere Richtung positioniert. Exakt auf dieser Strecke fiel Charles Taylor Mitte der neunziger Jahre in Sierra Leone ein und verbreitete Angst, Schrecken, Folter, Terror und Tod. Finanziert zum großen Teil aus Diamanten, den berüchtigten „Blutdiamanten“. Erst seit 10 Jahren ist der grausame Bürgerkrieg beendet, der schätzungsweise jedem 4. Einwohner das Leben gekostet hat. Etwa 6 Millionen Einwohner leben in diesem tropischen Land am Atlantik, das etwas kleiner ist als Österreich. Im 15. Jahrhundert von den Portugiesen entdeckt, später von den Engländern übernommen, wurde Sierra Leone 1961 unabhängig.
Immer noch schmaler wird die Piste, immer tiefer die Wellentäler, immer dichter der undurchdringliche Regenwald. Für Stunden sind wir das einzige Fahrzeug auf dieser Strecke.



Besuch in einem Dorf, tief im Wald von Sierra L...

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Einweihung der neuen Moschee in...

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Um die Mittagszeit erreichen wir ein Dorf vom Volk der Mende. Ein relativ großes Dorf mit 4000 Einwohnern. Stolz lädt uns der Vorsteher zu einem Rundgang ein. Sofort umlagern uns Dutzende Kinder in ihrer so erfrischend unbekümmerten Art. In der Mitte des Ortes viele Stuhlreihen. Vollbesetzt mit leuchtend weißgekleideten Männern und einem Redner unter einem Dach gegen die starke Sonne: sie feiern die Einweihung der neuen Moschee. Die Männer erblicken uns – ihre volle Aufmerksamkeit gilt nur noch uns. Die Hälse recken sich, die Köpfe drehen sich zu uns. Der Redner ist im Moment unseres Erscheinens völlig unwichtig. Gerne dürfen wir fotografieren - keiner regt sich darüber auf – im Gegenteil. Auf der anderen Seite des Platzes sitzen die Frauen in farbenprächtiger Kleidung und kunstvoll drapierten Turbanen auf ihren stolzen Köpfen - und haben den größten Spaß mit uns. Kurzzeitig beschleicht mich ein Gefühl von Zweifel, dass wir die Zeremonie stören könnten, doch die ist unbegründet. Die gesamte Situation ist völlig entspannt.
Beschwingt von diesen freudigen Eindrücken fahren wir weiter hinein in den dämpfig-heißen Wald in schillernden Grüntönen.



Stolz in Sierra Leone

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In Sierra Leone

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Nach einiger Zeit auf dem abenteuerlichen Achterbahnweg taucht in einer Lichtung das Schild „Gola Nationalpark“ auf. Riesige Primärwälder sind hier, nur noch selten so unberührt zu finden und natürlicher Lebensraum für viele seltene Tierarten. Erst 2007 erhielt dieses Waldgebiet an der Grenze zu Liberia den Status eines Nationalparks.
Die Piste leuchtet in einem satten Orange-Ocker-Ton und dampft. Die tiefen Wellentäler sind mit Wasser gefüllt. Kurz vorher muss es geregnet haben. Einer dieser kurzen heftigen Tropenschauer. Noch achtsamer jongliert jetzt unser Fahrer den Bus auf dem lehmigen Weg.



Warenangebot in einem Dorf in Sierra Leone

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Nahe Kenema in Sierra Leone,

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Ein letztes Mal halten wir in einem Mende-Dorf. Barbusige Frauen, Amulette und herumlaufende Schweine sind Indiz dafür, dass hier Animisten leben mit ihren Göttern, Geistern und Ahnenkulten. Sie leben ihr einfaches, aber beschauliches Leben im Wald und wissen nichts von der Welt. Leben von dem, was der Wald an Nahrung hergibt – die Männer gehen fischen oder auf die Jagd. Schier unglaublich, denn nur noch etwa 10 km sind es bis Kenema, der Provinzhauptstadt im Süden des Landes und Zentrum der Diamantenindustrie. 8 Stunden auf schrecklicher Piste liegen hinter uns. Unpassierbar während der Regenzeit.



In einem Animistendorf in Sierra Leone

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Der Wald öffnet sich, hügeliges Land liegt vor uns und in einer Senke Kenema mit etwa 150.000 Einwohnern. Eine typisch afrikanische Stadt, wie wir so schon mehrfach erlebt haben – auf den ersten Blick. Erst auf den zweiten Blick registriert man an fast jedem Gebäude der Innenstadt Firmenschilder von Diamantenhändlern, die auf Kundschaft aus der ganzen Welt warten. Fest in libanesischer Hand ist dieser florierende Wirtschaftszweig. Neben Edelsteinen werden hier auch Gold und andere Bodenschätze im großen Stil abgebaut und außer Landes gebracht. Auch in Sierra Leone kommt bei der Bevölkerung nur wenig vom eigentlichen Reichtum des Landes an. Noch immer muß der Großteil mit 30 Euro im Monat zurechtkommen. Glücklich kann sich schätzen, wer auf dem Land lebt und Selbstversorger ist, fast aussichtslos ist es für all diejenigen, die in den großen Städten gestrandet sind und ein armseliges Dasein fristen.



Kenema, die Diamantenstadt in Sierra Leone

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Sierra Leone

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Der letzte Reisetag beginnt. Im näheren Umkreis von Kenema sollen sich die Diamantenminen befinden, die wir natürlich gerne sehen möchten, bevor wir abreisen. Insbesondere, da die Edelsteine im Tagebau gefördert werden. Wir machen uns auf den Weg. Eine Mine sehen wir leider nicht. Sie liegen wohl alle abseits der Straße.



Sierra Leone

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Typisches Dorf in Sierra Leone

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Wir brechen ab und fahren auf bester Straße, ganz ohne Schlaglöcher, nach Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone. Ländlich geprägt und ziemlich flach ist die 300 km lange Strecke. Ärmliche Hüttendörfer säumen den Weg, im Krieg niedergebrannt und danach mit einfachsten Materialien wieder errichtet. Wir kommen gut voran auf dem Zubringer vom Flughafen für all die internationalen Geschäftsleute, die Kenema als Ziel haben. Nur zeitweise beeinträchtigt eine vernebelte Sicht die Fahrt etwas durch riesige Brandrodungen, die sich bis an die Straße fressen.



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Freetown, Hauptstadt von Sierra Leone

Dienstleistung in Freetown,...

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Nach schnellen vier Stunden erreichen wir Freetown, das sich auf einer ins Meer ragenden Landspitze drängt. So eine volle Stadt habe ich noch nicht erlebt! Autos, Mopeds, Fußgänger – alle quälen sich durch die engen Straßen, vorbei an unzähligen Verkaufsständen. Abgase und Hitze stauen sich in diesem unübersehbaren Gewirr und Gewühl. Hin und wieder entdecke ich mit etwas Fantasie koloniale Bausubstanz ehemals schmucker Holzhäuser. Zwei Stunden dauert heute die Durchquerung der Millionenstadt. An einem normalen Werktag können auch vier Stunden daraus werden. Große Mangrovensümpfe tauchen am Horizont auf und kündigen das Ende der Landspitze an. Die weite Bucht, an der sich die schnell wachsende Stadt mit teilweise erbärmlichen Behausungen ausbreitet, ist der drittgrößte Naturhafen weltweit. Große Schiffe sehe ich allerdings nur wenige; die meisten davon sind nicht sehr einladende Seelenverkäufer.



Tägliches Verkehrschaos in Freetown, Sierra Leone

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Am Strand von Freetown, Sierra...

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Wir erreichen die Küste. Weißer Sandstrand und Palmen assoziieren Urlaubsstimmung. Sonnenschirme und kleine Restaurants sind erste schüchterne Ansätze für Tourismus. Wie schön! Wir haben den Strand gegenüber unserem Hotel für uns allein. Nur ein paar Fischer, die mit ihren Netzen beschäftigt sind.



In Freetown, Sierra Leone

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Schimpansen-Projekt Tagugama

Schimpansen in Tacugama

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Noch einmal besuchen wir ein Schimpansen-Projekt. Diesmal ist es das Asyl-Programm Tacugama, weltweit eines der wichtigsten Schutzgebiete. Eine Stunde fahren wir durch südliche, dünn besiedelte Stadtteile, immer am Atlantik entlang. Fast scheint es wie die „Stadt der sieben Hügel“, eine Erhebung folgt der nächsten. Botschaften haben sich in luftiger Höhe angesiedelt ebenso wie protzige Neubauten begüterter Bürger zwischen dem Verfall preisgegebenen Bauruinen. Eine seltsame Symbiose. Die Stadt ist zu Ende, die Straße wird eng und führt steil hinauf in einen Wald. Die letzten 500 m gehen wir zu Fuß und hören auch schon das heftige Geschrei der Schimpansenkolonie. Abgegeben, eingesammelt, aufgelesen, finden sie hier eine sichere Bleibe und werden unter professioneller Aufsicht in verschiedenen Auswilderungszonen betreut. Die letzte Station ist ein riesiges Freigehege im Wald, wo die Schimpansen ihren ursprünglichen Lebensraum vorfinden und sich selbst überlassen sind, fern von Betreuern und Fütterungen.



Am Strand von Freetown, Sierra Leone

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Traumstrand River Nr. 2 in...

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Nachmittags ist gemütliches Strandleben angesagt. Superfeiner weißer Sand, herrliche Brandung und angenehm temperiertes Wasser von geschätzten 28 Grad.
Karibik-Feeling kommt auf am Traumstrand „River Nr. 2“.



Am Traumstrand River Nr. 2, Freetown, Sierra Leone

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Fischer in Freetown

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Am Abreisetag genieße ich noch einmal den Strand. Ich beobachte die Fischer, wie sie mit ihren bunten Holzbooten heftig rudernd die starke Brandung überwinden und weiter draußen mit einer ausgeklügelten Technik ihr langes Netz auslegen.
Die Koffer werden zum letzten Mal gepackt. Wir fahren zum Bootsanleger. Ein Taxi-Schnellboot bringt uns mit hoher Geschwindigkeit in einer dreiviertel Stunde über die Bucht zum Flughafen von Freetown. Auf dem Landweg hätte es 4 Stunden gedauert, um im weiten Bogen die Bucht zu umfahren.



Ein Bootshafen in Freetown, Sierra Leone

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Nicht besonders...

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Dann gilt es, endgültig Abschied zu nehmen von einer Reise, wie ich sie mir trotz ausführlicher Beschreibungen nicht vorstellen konnte. Ich habe mich einfach darauf eingelassen und bin gut damit gefahren. Unangenehme Überraschungen blieben mir dadurch erspart.
Noch lange werde ich von den unglaublichen Eindrücken zehren.
Die vielfältigen Landschaften, die unberührten Wälder und vor allem die Menschen, die so natürlich und herzlich sind und völlig unvoreingenommen uns Fremden gegenüber. Äußerst wohltuend registrierte ich überall – Ausnahme waren, in zaghaften Ansätzen, die großen Städte, daß niemand bettelte oder nach den üblichen Geschenken fragte. Eindeutiges Indiz dafür, daß Tourismus in diesem Teil der Erde – noch – nicht existiert. Dies war auch daran festzustellen, dass es in Freetown und Monrovia nur ein paar wenige Souvenir-Shops gab. So ist es mir dann doch noch gelungen, zwei kleine Holzskulpturen zu erstehen.

Diese Reise, so wie wir sie im April 2012 gemacht haben, in Länder, ohne jegliche touristische Infrastruktur, wäre ohne unseren Afrika-erfahrenen Begleiter nicht möglich gewesen. Es ist einfach alles anders in diesem abgelegenen Teil der Erde und mit europäischen Maßstäben nicht zu bewerkstelligen.

Gisela Hammer, 2012



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Kommentare

  • Schili

    Ein sehr, sehr guter Reisebericht. Klasse. Ich habe Sierra Leone 1983! besucht und dort(leider) Dinge sehen und erleben müssen, dass ich mir geschworen habe, nie mehr einen Fuß in dieses (geschundene) Land zu setzen. Auch 30 Jahre später wird sich daran wohl nichts ändern. Ein Freund von mir war 2011 auf einjähriger Mission für die UN in Monrovia. Seiner Einschätzung nach räumt er Liberia echte Chancen auf dauerhaften Frieden ein. Aber wer mag das in Westafrika schon sicher beurteilen? :-(
    Ich habe den afrikanischen Kontinent seitdem diverse Male bereist. Aber noch immer habe ich die grauenhaften Erlebnisse von damals im Hinterkopf....

    Gruß aus Köln.

  • anna.laselva

    ....glaub's Dir, Schili! Mir schlug auch ziemliches Unverständnis entgegen, weshalb ich diese Reise antrete...........aber ich bin sehr froh, dass ich es gemacht habe.........ich wollte authentisches Afrika erleben.........und das habe ich. Touristische Infrastruktur: Fehlanzeige. Weshalb wir auch die einzigen Touris weit und breit waren.................allein das war schon wohltuend, da auch die Bevölkerung entsprechend unvoreingenommen und absolut natürlich uns gegenüber war. So haben wir - mit Ausnahme in den Hauptstädten, aber auch da nur ganz zögerlich und fast verschämt - keinerlei Betteleien erlebt.
    Hoffentlich behält Dein Freund recht. Ich habe da so andere Stimmen gehört, von wegen, wenn die UNO erst wieder raus ist.........geht's wieder von vorne los..........hoffen wir es und wünschen es für die wirklich geschundene Bevölkerung!
    Vielleicht interessiert's Dich ja: ich bin Malerin und male seit meiner ersten Reise nach Afrika nur noch Afrika! Das war auch der Grund meiner Reise, um authentische Eindrücke mitzunehmen...........und das gelang mir wirklich!
    www.gisela-hammer.de und auf facebook findest Du mich unter Gisela Hammer.
    Liebe Grüße

  • Schili

    Oh nein, missversteh´mich nicht! Bei mir stößt du keinesfalls auf Unverständnis. Es ist lediglich meine ganz persönliche Situation, die mich zu dieser Äußerung veranlasste. Ich vertrete sogar die Ansicht, dass es für gewisse westafrikanische Staaten wie SL oder Liberia schier überlebensnotwenig ist, dass durch sanften Tourismus so etwas wie Normalität dort eintreten kann. Allein der Glaube fehlt mir. Ich liebe diesen Kontinent mit seine tollen Menschen und den großartigen Landschaften. Aber -speziell- Westafrika kennt meiner leidvollen Erfahrung nach nur so eine Art digitaler Zustände.: Entweder es ist alles Friede,Freude, Eierkuchen - oder aber Konflikte werden mit einer unvorstellbaren Barbarei und Grausamkeit ausgetragen.Und so lange sich große Teile Afrikas nicht vom Hexen- und Aberglauben, der politischen Vetternwirtschaft mit ihren grotesk daherkommenden Despoten und der damit einhergehenden unglaublichen Korruption lösen , besteht keine dauerhafte Chance auf dauerhaften Frieden oder so etwas wie alltägliche Normalität.Nicht wäre mir lieber, als dass ich mich komplett täusche.... Sorry, ich möchte das hier auch nicht als meine Bühne mit meinen Ansichten missbrauchen. Viele Grüße aus Köln.

  • astrid

    Was für eine Reise, was für ein Bericht! Meine Hochachtung für Deinen Mut. Der Bericht verdienst mehr als 5 Punkte. Herzlichen Gruß, Astrid

  • weltreisen

    auch dieser 2. teil des reiseberichts ist sehr interessant geschilder. und ich kann mich nur anschliessen, du hast mut bewiesen. und man kann es kaum glauben, dass alles während der reise so gut verlaufen ist.
    inge

  • anna.laselva

    Hallo Schili,
    Du hast ja soooo recht..............und wenn man dann sieht, wie die Menschen in weiten Bereichen "hausen" müssen, während gleichzeitig ihr an Bodenschätzen reiches Land geplündert wird..........!! Oh ja, sie haben noch einen weiten Weg vor sich - nach unserem Verständnis - ..........und wer weiß, ob und wenn ja, wann sie diesen schaffen.........trotz allem war es sehr gut, mir selbst ein Bild, wenngleich auch ein sehr oberflächliches, machen zu können und nicht nur immer von den Medien abhängig zu sein!
    Schöne Grüße Gisela

  • anna.laselva

    vielen Dank, Astrid! Freut mich sehr!

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  • anna.laselva

    Inge, ich denke, es war gut, dass wir einen Begleiter dabei hatten, der Afrika seit 30 Jahren wie seine Westentasche kennt. Einen einheimischen Begleiter, zwar aus dem Nachbarland Mali, aber mit der richtigen Hautfarbe, die Mentalität und Gepflogenheiten verstehend und zudem noch Peulh sprechend und den Fahrer unseres Busses, der auch mit den schlechtesten Straßenverhältnissen zurecht kam! Insofern waren wir doch einigermaßen auf der "sicheren" Seite!
    Liebe Grüße Gisela

  • Steffania

    Hallo Gisela,
    auch der 2. Bericht ist überaus interessant. Dies muss eine wirklich spannende und abenteuerliche Reise gewesen sein. Magst Du verraten, mit welchem Veranstalter Du die Reise unternommen hast?
    Vielen Dank und viele Grüße, Steffi

  • anna.laselva

    Hallo Steffi,
    freut mich, dass ich Dich auf meine wirklich aussergewöhnliche Reise mitnehmen konnte.....
    Den Veranstalter kann ich Dir gerne verraten,nur möchte ich ihn hier nicht erwähnen....da ich mir nicht sicher bin, ob er weiter aktiv sein wird.........
    LG Gisela

  • Schalimara

    Auch der zweite Bericht war sehr beeindruckend. Eine ungewöhnliche Reise mit großen gedanklichen Nachwirkungen.
    LG Schalimara

  • matulr

    Ein fantastischer Bericht über eine uns fast unbekannte Gegend Afrikas!
    Gratulation zur Startleiste!
    LG ULI

  • anna.laselva

    Danke, Schalimara....freut mich sehr, wenn meine Berichte Eindruck hinterlassen haben. :-)
    lg Gisela

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  • anna.laselva

    Freut mich Uli, wenn ich Dich "mitnehmen" konnte auf meine Reise....
    lg Gisela

  • 238EWT

    Ich bin beeindruckt von der informativen Schilderung Eurer abenteuerlichen, anschaulich bebilderten Reise.

  • Porto

    Schöne Bilder, die viele Erinnerungen wecken an meine eigenen Reisen in Guinea, Sierra Leone und Côte d'Ivoire 2011-2013. Der Reisebericht an sich gefällt mir offen gestanden nicht ganz so gut. Ich finde ich schade, dass die Autorin hauptsächlich schnell an allem vorübergefahren zu sein scheint. Es ist durchgehend "Afrika von aussen". Die Begegnungen und Eindrücke wirken deshalb sehr oberflächlich, als würde man von aussen an eine Fassade schauen. Die meisten reisen viel zu schnell in Afrika, gerade so, als wären sie auf der Flucht vor allzu engem Kontakt mit den "Eingeborenen". Ich verstehe, dass man beim ersten Mal so eine organisierte Tour macht. Für die nächsten Male möchte ich aber anregen, auf eigene Faust loszuziehen und sich ZEIT zu nehmen statt Kilometer zu fressen und möglichst viele Länder in möglichst kurzer Zeit abzuhaken. Auch mal ein paar Tage irgendwo bleiben. Dann stünde in diesem Reisebericht vielleicht etwas von der überwältigenden Gastfreundschaft in den isolierten Dörfern der scheuen Waldmenschen, von Versammlungen mit Dorfältesten, Hühnergeschenken, von Nächten im Haus einer guineischen Grossfamilie, dem ständigen Gefüttert- und Umsorgtwerden, es stünde hier etwas von der Feierwut der Sierra Leoner, tanzenden Teufeln, hilfsbereiten Soldaten an Grenzen mitten im Wald, langen Nächten mit Freunden. Und noch so vieles mehr. Ich sehe also in diesem Reisebericht vor allem vieles, was die Autorin leider verpasst hat. Das ist aber nicht als Kritik gemeint, sondern nur als Anregung, noch mehr zu entdecken.
    Es stimmt, dass es in der ganzen Gegend sehr wenig Tourismus gibt. aber nicht "keinen". Gerade in Sierra Leone sieht man schon einige Touristen, und es ist heutzutage ein sehr, sehr sicheres Land. Reisen kann man in diesen Ländern sehr gut, sofern man auch mal bereit ist, auf westlichen Komfort zu verzichten, auch allein als Frau. Am besten ist es, sich vor Ort Freunde zu suchen (was in Westafrika extrem einfach ist). Jeder hat Zeit und Lust, mit einem herumzuziehen. So kommt man an Orte und zu Begegnungen, die man auf touristischen Trampelpfaden nie erahnen würde. Einfach Vertrauen haben! Alles Gute für weitere Reisen in Westafrika :)

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