"Einmal um die Welt" von Nov. 2012 bis Juli 2013, Teil 1

Reisebericht

"Einmal um die Welt" von Nov. 2012 bis Juli 2013, Teil 1

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01_01 Delhi

03. Nov. 2012 - Delhi ist eine riesige indische Stadt, die touristisch nicht so attraktiv ist, aber als eine der Hauptstaedte des Mogulenreiches besuchenswert scheint: Es gibt grosse Moscheen, z.B. Jama Masid, die fuer eine sehr grosse Menge Glaeubiger einen Versammlungsort bietet: Humayuns Grab, einem Vorlaufer des Taj Mahal, und ich konnte die sehr bevoelkerte Khari Baoli Road besuchen, die voll war von Streassenverkauefern fuer das anstehende Diwali Fest. Was auch ganz schoen ist: Alte Anlagen, wie das Old Fort (Purana Quila), sind vonm einem schoenen Park umgeben, der eine angenehm ruhige Atmosphaere entstehen laesst.

Kulinarische Neuentdeckung fuer mich: Dossa, sehr leckere, mit Zwiebeln gefuellte Fladen, die mit drei Dipps serviert werden. Witzig: Diese Kette fuer sued(!)indisches Essen, Saravana Bhavan, unterhaelt ein Restaurant im Frankfurter Hauptbahnhof, das ich halt noch nicht kenne ... Und noch eine Suessigkeit: Muraba, sieht etwas glaesern aus, zum Abbeissen auf der Strasse gekauft. Sehr lecker!



01_02 Dharamsala, McLeod

21. Nov. 2012 - Etwa 12 Busstunden in Richtung Nordwesten liegen die beiden Orte, bekannt auch als Wohnsitz des Dalai Lama. Hier in diesem Vorgebirge des Himalaya gibt es auf etwa 2000 m Hoehe auch das buddhistische Meditationszentrum Tushita, in dem ich einen Kurs "Einfuehrung in den Buddhismus" als Schweigteretreat erlebt habe. Der Kurs selbst dauert normalerweise zehn Tage; dieser war verkuerzt auf acht. Es ist eine einfache, aber voellig ausreichende unterbringung, bei der4 ein ebenfalls einfaches, aber voellig ausreichendes Essen taeglich frisch gekocht wird. Wer sich fuer das Thema genauer interessiert, ist hier gut aufgehoben: gegruendet wurde es von Lama Yesche und wird heute von Lama Zopa Rinpoche gefuehrt. Manchem mag eine Woche nicht zu reden suspekt erscheinen; mir kam es sehr entgegen, weil ich dann wirklich Zeit fuer das Thema und meine Gedanken dazu hatte.

Bei den Teachings des Dalai Lama ist ein buntes Volk anwesend. Viele jungeLeute, die mit Dreadlocks, Pluderhosen, "Free-Tibet"-Taschen und diversen Wickeltuechern eine bunte Erscheinung bieten. Es gibt aber auch die Tibeter, die mit ihren Kindern zu den Teachings kommen; auch viele alte Menschen sind da. Einige von ihnen haben maechtige Holzbretter mitgebracht, die zum Koerper hin etwas flacher und oben etwas hoeher auf dem Boden aufgestellt sind. Nun werfen sie sich nieder, indem sie auf Haende und Knie fallen, und so lange auf zwei untergelegten Lappen auf den Hanenden nach vorne rutschen, bis sie der Laenge nach auf dem Bauch liegen. Dann richten sie sich wieder auf, falten die Haende ueber dem Kopf, dann vor der Brust, und das gleiche beginnt erneut. Fuer die alten Menschen bedeutet das zweifellos eine Strapaze, die sie auf sich nehmen, um so ihre Ehrerbietung dem Dalai Lama gegenueber zu erweisen, den sie als Avalokiteshvara, also die Wiedergeburt eines erleuchteten Wesens in Menschengestalt, verehren. Sehr bemerkenswert!



01_03 Dehra Dun, Uttarkashi

26. Nov. 2012 - Wirklich auffallend ist der Aufwand, der betrieben werden muss, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Auf dem Massstab meiner Lonely Planet Karte sieht das alles so nahe beienander aus, tatsaechlich sind es dann aber plus/minus 200 km. Und dafuer sind mit dem Auto 6-8 Stunden Fahrzeit erforderlich, mit einem oeffentlichen Bus waeren es nochmal 20% laenger.

Das staerkste Stueck war zwischen Nagun und Uttarkashi, wo wir fuer 35 km knapp 2 Stunden brauchten. Der Grund: Wenigstens ein Dutend Erdrutsche liesen den Asphalt einfach unter einer Erde-Geroell-Mischung verschwinden, und auf der eh schon engen Strasse fahren Laster, Busse, Motorraeder und auch PKWs. Dieses Jahr war die Regenzeit (Juli bis Mitte September) wohl besonders schlimm, weilk mehr als 30 Menschen alleine im Distrikt Uttarkashi ertranken! Das erklaert dann auch den Strassenzustand.

Das Problem scheint in diesen Steilhaengen des Gangestales zu liegen: Die Erde ist durch und durch zersetzt mit eigelagerten Steinen, mal spitzkantig, oft rund, und wenn so eine Wand, manchmal 20 m hoch, starken Regenfaellen ausgesetzt wird, wird sie irgendwann nachgeben. Ich weiss gar nicht, wie eine Strasse in solch einem Gebiet funktionsfaehig gehalten werden kann!

Ich habe Glueck mit dem Wetter: Es ist zwar Nachts recht kuehl, so zwischen 5 und 10 Grad Celcius (mein Schlafsack ist unentbehrlich!), aber tagsueber scheint die Sonne am strahlend blauen Himmel und man kann manchmal im Hemd herum laufen. Schon eine gute Zeit, der Oktober und der November, wenn man hier hin kommen will; ab Dezember wird's dann auch garstig kalt.

Am Tag nach meiner Ankunft bekomme ich Gelegenheit, das PLAN-Patenkind von Doris und mir zu Besuchen. Gautam lebt mit seiner Familie noch 30 km weiter stromaufwaerts in Richtung Gangesquelle im Dorf Bhukki. Wie gelangt man dort hin? Nach 90 min Fahrt ueber die beschriebenen Holperpiste (ich habe aufgehoert, die Erdrutsche und Strassenabbrueche mitzuzaehlen) gehts 10 min. steil ab in Richtung Fluss, eine Haengebruecke ueberquert den Ganges, und danach wieder 30 min. genauso steil nach oben. Pust, keuch! Dementsprechend gibt es dort kein Auto, kein Motorrad, kein Fahrrad, nur Fussgaenger, Kuehe und Ziegen. Aber die Landschaft ist sehr beeindruckend, umnd am Horizont spitzen die schneebedeckten Himalaya-Gipfel hervor. Der beschriebene Fussweg wird im uegbernaecksten Jahr Gautams Schulweg, einmal hin und zurueck, taeglich. Die Organisation seitens PLAN war perfekt, die Begleitpersonen sehr freundlich und unsere Gastgeschenke willkommen: Fussbaelle und Trikots fuer die Jungs, Seife und andere Kleinigkeiten fuer die Mutter, ein Bildband Die Pfalz fuer den Papa, Zucker, Tee, Schulhefte, Stifte und Suerssigkeiten vom Markt. Alles prima, ein gelungener Besuch!



01_04 Rishikesh, Haridwar

01.Dez. 2012 Ein Name wie aus 1001-Nacht, Bleibe der Beatles mit ihrem Guru, Filmort von Siddharta, Herberge unglaublich vieler Ashrams, Yoga-, Meditations und Massageschulen. Hier herrscht eine sehr bunte Mischung aus westlichen Touristen, Indern, die ihr Leben mit ihrer Spiritualitaet verbringen, Geschaeften und indischen Pilgern, die hier ihren Heiligen Fluss Ganges aufsuchen, Wasser von ihm in kleinen Kanistern mitnehmen und vielerlei Rituale zuneigen. Dazwischen Kuehe und wieder die Affen. Eine Gruppe von vielleicht dreissig Gelbgewandeten singt fuer den Weltfrieden, oder irgendwo laeuft eine CD mit New Age Music, Raeucherstaebchen. Wirklich sehr, sehr bunt, und sehr belebt!

Heute verlasse ich Rishikesh, nicht ganz komplikationsfrei: Erst kein Wasser (Klempner kommt "irgendwann"), dann noch Stromausfall. Am Reisetag will ich aber unbedingt duschen!! Irgandwann klappt's, ich lasse mich mit dem Tuk-Tuk zur Bushaltestelle fahren, finde auch noch den Bus nach Haridwar und kann sogar mein Gepaeck am Bahnhof deponieren (das kleine Stahlseil und das Vorhanegeschloss, das ich dabei habe, kann ich nun gut gebrauchen, um meinen Rucksack (!) abzuschliessen; nur verschlossene Gespaeckstuecke werden angenommen.

Dann wird Haridwar, obwohl nur als Bahnhofsort fuer den Zug nach Delhi und Agra gedacht, noch sehr nett: Ueber die langezogene Hauptstrasse mit ganz vielen kleinen Restaurants und Geschaeften und Seitenstrassen mit weiteren Geschaeften gelange ich zum Hauptghat Har ki Pari (the footstep of god), wo angeblich genau der Ganges die Berge verlaesst und in der Abenddaemmerung hier von den Hindu-Priestern die Ganga Aarti zeremoniert wird. Lichter werden angezuendet, Gebete gesungen, und die Glaeubigen setzen papierne Schiffchen mit Blueten, Raeucherwerk und Kerzen in den Ganges. Der sieht hier noch recht gruen aus und fliesst entsprechend kalt und schnell: dennoch benetzen alle die Haende und den Kopf mit dem Gangeswasser (ich bekomme waehrend der Zeremonie auch meine Spritzer ab) und manche tauchen sogar vollstaendig ein, mit Saris komplett! Kinder wehren sich gegen das kalte Zwangsbad, und die alten Maenner waschen sich. Waehrend die meisten ihrem Blumenschiffchen mit gefalteten Haenden nachsehen, schauen einige lieber ins Smartphone, damit die Aufnahme von ihnen auch gut gelingt, und lassen Schifflein Schifflein sein ....



01_05 Agra

02. Dez. 2012 Zwei Hauptsehenswürdigkeiten, zweimal Weltkulturerbe: Das Taj Mahal - endlich bin 8ich da; erst bei der dritten Indienreise schaffe ich es, hierher zu kommen - und das Red Fort Agra. Beide Gebäude sehr beeindruckend, das erstere, weil seine Oberfläche ganz in weißem Marmor ausgeführt ist, das letztere, weil es so eine monumental Festung ist (20 m hohe Mauern mit einem Umfang > 2km), die im 17. Jh. sich von einer Militäranlage mehr zu einem Luxuspalast hin wandelte. Beide Gebäude, in Sichtweite voneinander entfernt, am Fluß Yamuna gelegen und, perfekt, von meinem Hotel aus zu Fuß zu erreichen, veranschaulichen auch heute noch die sagenhafte Pracht der Moghul-Dynastien. Eine unendliche Arbeit wurde insbesondere unter Shah Jahan aufgewendet, um nahezu alle Wände mit Marmorintarsien und Halbreliefs zu verzieren. Toll, wirklich beeindruckend, und die Reise nach Agra allemal wert (Der Pfauenthron, der die Empfangshalle zierte, ist heute im Iran zu sehen).

Und dennoch: Wieviele der 4 000 Arbeiter, die dort täglich arbeiteten, starben auf der Baustelle? Hatten ihre Familien genug zu essen? Verdörrten nicht ihre Felder, während sie den Palast verschönerten? Wievieler kriegerischer Untaten bedurfte es, um einen derartigen Reichtum anzuhäufen? "Die Fragen eines lesenden Arbeiters" von Bert Brecht kommen einem in den Sinn: "Wer baute das siebentorige Theben? In den Büchern stehen die Namen von Königen. Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt? ..." Relevant, diese Fragen, oder?!



01_06 Jaipur, Udaipur, Pushkar

10. Dez.2012. Jaipur und Udaipur sind zwei der bedeutenden Stadte in der Geschichte Rajasthans: In Jaipur sind noch heute die Reste eines großen, im fruehen 18. Jh. erbauten Observatoriums zu besichtigen (Jantar Mantar), das eine Anlage im usbekischen Samarkand zum Vorbild hatte. Durch die große Ausfuehrung in Stein gebaut ließen sich so die Messungenauigkeiten verringern (der Schatten der Sonnenuhr legt pro Stunde vier Meter zurueck!). Ausserdem ist die heutige 2-Millionenstadt Jaipur die erste Stadt Indiens, die nach hinduistischen Regeln geplant und in neun Hauptquadrate aufgeteilt wurde, die heute noch ein grosszügiges Gerüst fuer die vielen Bazaarstrassen der Altstadt bildet.

Udaipur ist beruehmt nicht nur fuer seine pittoreske Lage am See (Malcesine fällt einem da ein), sondern auch für die zweitgrößte Palastanlage in ganz Indien. Das luxuriöse Lake Palace Hotel bot die Kulisse für einen Teil von James Bonds "Octopussy". Schöne Altstadt, viel, viel Basaar und Handwerk; so wurden z.B. stabile Körbe aus gespleisstem Bambus in Handarbeit hergestellt. Im Shree Jageshwar Temple bin ich in eine religiöse Zeremonie geraten: Der Tempel war richtig voll, meist Frauen in ihren bunten Saris; es wurde viel Musik gemacht, geklatscht, unablässig haben alle gesungen, zum Schluss Blüten nach vorn geworfen und einige haben getanzt! War richtig was los.

Nach Pushkar kommen viele Reisende, weil sich im Zentrum der kleinen Stadt ein See befindet, dessen Wasser als heilig gilt. Fast das gesamte Ufer ist gesäumt von sog. Ghats, breite und hohe Steinstufen, auf denen das Ufer erreicht wird, um religiöse Rituale abzuhalten. Die Ghats hier dürfen nur ohne Schuhe und sittsam bekleidet betreten werde; Alkohol und Non-Veg-Food sind verpönt. Die Stimmung ist sehr schön und gelassen.

Also schon mächtig beeindruckend, das Rajasthan! Das war dann auch der Indienabschnitt der Reise; nun folgt nur noch die Fahrt nach Delhi und der Weiterflug nach Bangkok.


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Kommentare

  • Verdier

    Hallo Shabdo: das ist aber prima, dass man so an Deiner Reise teilhaben kann! Kaum zu glauben, dass Du schon 4 Wochen unterwegs bist. Ich schicke nochmal eine e-mail an Dich!
    Liebe Gruesse,
    Hiltrud

  • Pinky3

    Hallo Kappepaul, deine Reisebericht war sehr interessant, schade das er so abrupt geendet ist, hoffe das du bald weiterschreibst.............lg Gaby

  • Kappepaul

    Hallo Gaby,

    vielen Dank für Dein Interesse an meinem Reisebericht und die gute Bewertung! Dennoch hat sich ein kleines Missverständnis ergeben: Den Reisebericht führe ich schon regelmäßig weiter; letzter Eintrag war Weihnachten, und ich habe auch Bilder dazu hochgeladen. Ich hoffe sehr, dass Du den Eintrag und die Bilder sehen kannst.

    Lieben Gruß
    Bernd

  • Pinky3

    ...........okay Bernd, da schau ich gleich mal nach :))).........lg Gaby

  • Wiwa

    Hallo Bernd,

    sicher bist Du überrascht, von mir zu hören. Deine Reise verfolge ich regelmäßig. Ich bin froh, dass es Dir gut geht.
    Die Bilder sind super. Es ist schön, auf diese Weise immer von Dir zu hören.

    Doris werden wir am 13.01.2013 sehen - bei Christoph's Geburtstagsfeier.

    Ich wünsche Dir ein gutes neues Jahr und noch viele unvergessliche Momente.
    Wir vermissen Dich!

    Ganz viele liebe Grüße
    Ulrike


  • Kappepaul

    Hallo Ulrike,

    das ist in der Tat eine Überraschung. Vielen Dank für die freundlichen Zeilen, und für Euch bnoich alles Gute im Neuen Jahr!

    Liebe Grüße
    Bernd

  • Blula

    Ein höchst interessanter Reisebericht ist das und auch die Tagebuchform gefällt mir hierbei sehr. Das ist spannend, lebendig und informativ zugleich. Da liest man sich gerne von einem Tag zum anderen weiter.
    Vielen Dank für's Mitnehmen auf Deiner Reise.
    LG Ursula

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  • Hooni

    Hallo Kappepaul,
    sehr schöne Bilder, das eine oder andere kann ich mir als Poster vorstellen!
    Liebe Grüße
    Hooni

  • MaoMao

    Hallo, schöner Bericht. Indien steht diesen Herbst an und die Orte in Thailand und Kambodscha habe ich selbst schon besucht und kann deine Mienung dazu im großen Teilen. Viel Spass bei deiner weiteren Reise.

    LG
    Thomas

  • weltreisen

    hallo Bernd, bin erst heute dazu gekommen, deinen interessanten bericht zu lesen. indien kenne ich (leider) überhaupt nicht, bangkok dagegen sehr gut. und ich war in angkor und luang prabang. wenn ich deinen bericht lese, fehlt mir also noch jede menge in SEA.
    Das problem mit dem visum in thailand und schnell mal nach myanmar haben wir auch so erlebt, allerdings im süden.
    inge

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