Reisebericht

Reisebericht: Great Himalaya Trail - 1650 km entlang der GHT High Route

 
 
 
 
 
Reisebericht: Great Himalaya Trail - 1650 km entlang der GHT High Route

Der GHT ist die ultimative Trekkingtour für alle Himalayafans.
122 Tage bin ich dem Trail von Taplejung (Ostnepal) zur tibetischen Grenze gefolgt.

 
 
 
 
 

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The Great Himalaya Trail - 1650 km durch den Himalaya

Muss man jung und superfit sein, um dem Great Himalaya Trail 1700 km durch die Bergwelt Nepals zu folgen?
Nein, eigentlich nicht. Man muss nur etwas verrückter sein als andere, Zeit haben und Hochtourenerfahrung mitbringen.

Mit meinen 55 Jahren bin ich nicht mehr wirklich jung, und da ich mich systematisch von Fitness Studios und Laufstrecken fernhalte, bin ich auch nicht die Fitteste - ich bin nur etwas verrückter als andere.

Zugegeben, ich habe 15 selbst organisierte Himalayatouren hinter mir, klettere regelmässig und radle in die Arbeit. Aber genūgt das?

Ende März mache ich mich mit Temba, meinem Guide, von Taplejung in Ostnepal auf den Weg zum Kanchenjunga Base Camp (5140 m).
Die Übernachtungsplätze sind oftmals mehr als einfach, und bereits nach wenigen Tagen haben sich ungebetene "Gäste" bei mir eingenistet - Flōhe.
Einige Kōrperstellen sehen wie ein Streuselkuchen aus, und das ewige Jucken treibt mich fast zum Wahnsinn. Die atemberaubende Landschaft lässt mich jedoch bald die Qualen vergessen, und wir erreichen. ohne weitere Probleme und bei strahlendem Sonnenschein das Kanchenjunga Base Camp.

Um vom Kanchenjunga- ins Makalugebiet zu kommen, mūssen zwei hohe Pässe ūberquert werden, und da es auf der ca 7-tägigen Strecke nur zwei Dōrfer gibt, haben wir fūr den Transport von Lebensmitteln und Zeltausrūstung zwei Träger bestellt.
Jetzt um diese Jahreszeit liegt der Weg noch unter teifem Schnee begraben. Es erscheint uns deshalb ratsam einen einheimischen Führer zu engagieren, der uns drei Tage begleiten soll. Als er sich auf den Rückweg macht, nimmt er allerdings unseren Kaffe mit; das war nicht vereinbart.
Ich sage mir jedoch: "Besser ohne Kaffee im richtigen Tal, als kaffeetrinkend im falschen."

Alle Mitglieder meines Teams kommen aus dem Makalugebiet und nutzen die Gelegenheit ihre Eltern, Geschwister und andere Verwandte zu besuchen. Nepalesische Familien sind gross. Gelegentlich beginnt das Essen und Trinken schon um 7 Uhr morgens, und es erfordert einiges an Durchhaltevermōgen, die unzähligen, mit gesalzenem Buttertee gefüllten Tassen zu leeren und täglich etwa 6 Teller mit riesigen Reisbergen zu vertilgen. Aber ich bin ja nicht zum Abnehmen nach Nepal gekommen.

Die Infrastruktur wird in Richtung Makalu Base Camp immer schlechter, und so erweitern wir die Gruppe um einen weiteren Träger. Die folgenden fünf oder sechs Tage durchqueren wir dschungelartige Wälder, waten durch Bäche, balancieren auf Baumstämmen über Flüsse und erreichen nach einer mehrtägigen Wanderung durch eine wunderschōne alpine Landschaft schliesslich das Makalu Base Camp.

Alle der drei nun folgenden Pässe, die ins Mt. Everestgebiet führen, setzen Hochtourenerfahrung voraus, und der erste ist fast 6200 m hoch. Als ich oben am Sherpani Col ankomme, bin ich voller Freude und Stolz - und etwas atemlos.

Wir haben alle das Gefühl vom Glück reichlich beschenkt worden zu sein, als wir auch die nächsten zwei Pässe sicher hinter uns gebracht haben und im Mt. Everestgebiet ankommen. Mit Sicherheit haben all die vielen Segen, die wir von den alten Frauen in den Heimatdōrfern meines Teams erhalten haben, dazu beigetragen.

In Chukhung kursieren unbestätigte Gerüchte von Terassencafes und Cappucino im nächsten Ort. Werbung für ein Getränk verspricht Flügel. Ich kann dazu nichts Näheres sagen, aber mir reicht die Aussicht auf eine Tasse Cappucino aus, um in den nächsten Ort zu "fliegen".

Nach mehr als 20 Jahren Abstinenz vom Mt. Everestgebiet bin ich wie erschlagen von der Menschenmenge, die mir beim Abstieg entgegenkommt, aber ich nehme auch die vielen positiven Veränderungen wahr. Der Hygienestandard hat sich sehr verbessert, es gibt Strom, gute Kommunikationsmōglichkeiten und sogar eine Zahnklinik, die auch europäischen Anforderungen gerecht wird.

Über Namche Bazar und Thame geht es weiter zum Tashi Labsta (5760 m), dem letzten technisch anspruchsvollen Pass auf meiner Nepaldurchquerung. Die Wettervorhersage für die kommende Woche ist alles andere als gut, und wir erwägen bereits eine Alternativroute als plōtzlich von einem 24 stündigen Schōnwetterloch in einigen Tagen die Rede ist. Schaffen wir es bis dahin zum Pass? Wir gehen was das Zeug hält und haben strahlenden Sonnenschein für die Überschreitung!
Die folgenden Tage wandern wir aus dem Rolwaling Valley hinaus; durch Wälder, über grüne Wiesen und Felder, auf denen bereits das Korn reift bis ......
Ich bin kein Freund der Hitze, und der abrupte Wechsel vom ewigen Eis zum Sommer endet mit einem Hitzschlag, der mich für einen Tag vollständig aus dem Verkehr zieht und mich noch weitere fünf oder sechs Tage enorm schwächt.

"The Last Resort", am Kodari Highway gelegen, begrüsst uns mit lang entbehrtem Luxus, und wir begegnen dem modernen Nepaltouristen. Hier ist Fun angesagt. Hierher kommt man zum Rafting, Bungee Jumping oder Canyoning. Irgendwie fühlen wir uns fehl am Platz, und so geht es schon am kommenden Tag weiter in Richtung Helambu/Langtang.

Als wir nach einer Woche den Weg zu den heiligen Seen von Gosainkund erreichen, schicke ich meine Mannschaft nach Kathmandu zurück und setze meine Reise alleine fort. Obwohl die Hauptpilgerzeit im Juli und August ist, treffe ich etliche illustre - meist übergewichtige - Gestalten, die auf Pferden sitzend den heiligen Seen zustreben, um dort ein reinigendes Bad zu nehmen oder die Seen zu umrunden; zur Läuterung der Seele würden wir Christen sagen.

Ganesh Himal zu durchqueren erweist sich als Herausforderung besonderer Art. Die Bevōlkerung ist arm und nicht auf Tourismus eingestellt. Etliche Male sind gekochte Kartoffeln das Einzige, was man mir anbieten kann, und mein Lieblingsgericht Dhal Bhat (Reis mit Linsensuppe und Gemüsecurry) kommt oftmals ohne Linsensuppe auf meinen Teller. Es fehlt an Geld, um Linsen zu kaufen, und selbst Tee ist hier ein unerschwinglicher Luxusartikel für viele.

Nach etwa einer Woche habe ich das Gebiet hinter mir gelassen und setze meine Wanderung, wieder gemeinsam mit Temba, im Manaslugebiet fort; ein Guide ist obligatorisch.
Hier gibt es allerdings erstmals eine grosse Enttäuschung. Während Temba eine riesige Portion Dhal Bhat auf den Teller gehäuft bekommt, landet auf meinem Teller die reduzierte Touristenportion nahezu ohne jegliche Gewürze. Nachdem ich mich lautstark über die Diskriminierung von Touristen beschwere, bringt man mir mehr - und wundert sich über meinen Appetit. Nun ja, nach fast 80 Tagen Trekking habe ich eben etwas mehr Hunger als der normale ausländische Besucher.
Ich verliebe mich Hals über Kopf in das Manaslugebiet und wundere mich darüber, dass so wenige Trekker die Manaslurunde zu ihrem Ziel machen. Vielleicht liegt es daran, dass man nach wie vor eine Genehmigung und einen offiziellen Führer braucht. Ich bin aber der Meinung, dass sich diese Mehrinvestition wirklich lohnt.Hier erlebt man ursprüngliches Trekking in traumhafter Natur und das traumhaft gelegene Kloster wäre der perfekte Ort zum Verweilen; ich muss aber weiter.

Zehn Tagen später erreichen wir den legendären Round Annapurna Trail, der - neben dem Mt. Everstgebiet - zweifelsohne die Hauptattraktion Nepals ist. Ich schicke Temba nach Kathmandu, um notwendige Permits für die restliche Strecke abzuholen und ein Trägerteam für Dolpo zusammenzustellen.
Mit Wehmut denke ich an die Zeiten zurück, als man noch die komplette Runde laufen konnte, ohne eine Strasse oder ein Fahrzeug zu sehen. Heute fressen sich zwei Strassen in das Gebiet, und einen Grossteil der Strecke kann man per Bus und Jeep bewältigen - oder einen Motorrad-Shuttleservice in Anspruch nehmen.
Stirbt der Annapurnatourismus? Schwer zu sagen. In einigen Gegenden schliessen bereits die ersten Lodges. In anderen Gebieten schiessen die Hotels nach wie vor wie Pilze aus dem Boden. Eines ist allerdings sicher: Round Annapurna ist zum Muss für ambitionierte Mountainbiker geworden.
Ich überquere den Thorong La (5416m) und erreiche nach zwei Tagen Kagbeni, wo ich mit Temba und einer kleinen Trägergruppe verabredet bin.

1992 wurde Dolpo für Touristen geōffnet, aber hohe Permitgebühren, die Auflage in einer Gruppe zu reisen und später die Probleme mit den Maoisten haben die Besucherzahlen stets sehr beschränkt.
Meine Ost - Westdurchquerung erweist sich als enorme Herausforderung; in doppelter Hinsicht.
Zum Einem ist Dolpo bis heute an keine Strasse angeschlossen. Die schwierige Transportsituation führt zu hohen Preisen, und die Armut der Einwohner (90 % leben unterhalb der Armutsgrenze) hat eine Entwicklung mit Hotels und kleinen Geschäften verhindert. Es ist wie Weihnachten für mich, als Temba einmal von einem Streifzug durch ein Dorf mit frischem Spinat zurückkehrt.
Zum Anderen müssen zehn Pässe mit mehr als 5000 m Hōhe überschreiten. Als ich Pass Nr. 10, der nach Mugu führt, erreiche, bin ich physisch am Ende und habe das Gefühl als seien meine Beinmuskeln in Urlaub gegangen ohne mir Bescheid gegeben zu haben.
Gott sei Dank geht es jetzt aber einige Tage bis Ghamgadi bergab.

Die folgenden Tage sind eine ethnische Ausnahme entlang des GHTs. Man durchquert ein Gebiet, dass von Hindus bewohnt ist, und wo Touristen sehr selten hinkommem. Ich werde angestarrt, als sei ich ein Wesen mit zwei Kōpfen oder drei Nasen. Mein freundliches "Namaste" wird ignoriert, und mein Lächeln wird nur mit intensiverem Starren beantwortet. Ich bin froh, in Simikot wieder Buddhistisches Terrain zu betreten und lächelnden Menschen zu begegnen.

Der "Endspurt" zur Grenze nach Tibet, eigentlich muss ich ja China sagen, ist ein Kinderspiel. Mit geringer Steigung folge ich einige Tage dem Yari Valley, wo sich die Landschaft langsam von alpin zu arid verwandelt. Am letzten Tag warten noch zwei 4000 m Pässe auf mich, aber auch die haben eine angenehme Steigung.
.
Und dann ist es so weit. Die Grenzortschaft Hilsa liegt vor mir, und ich kann es kaum fassen, dass ich es wirklich geschafft habe.

Mein Buch: The Great Himalaya Trail
1650 km und 223 Dhal Bhat
erscheint Anfang 2ß13



 
 
 
 
 

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Region: Pokhara

Kommentare
  • GHTNepal 23.11.2012 | 08:24 Uhr

    Da haben wir ja genau das Gleiche gemacht. Ich war dir anscheinend nur kurz voraus. Habe den ersten Teil im Oktober-Dez2011 gemacht und bin im Februar vom Last Resort weitergegangen. Schade dass wir uns nicht getoffen haben!
    Liebe Grusse,
    Susanne

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