Südafrika – drei Wochen Ostkap und Kap der Guten Hoffnung

Reisebericht

Südafrika – drei Wochen Ostkap und Kap der Guten Hoffnung

Reisebericht: Südafrika – drei Wochen Ostkap und Kap der Guten Hoffnung

Im Winter 2008 verbrachten meine Freundin und ich drei Wochen in Südafrika.
Unsere Reise führte uns von Johannesburg zunächst zum Ostkap, wo wir die Nationalparks Addo Elephant Park und Great Fish River Reserve, die Badeorte Port Alfred und Kenton-on-Sea sowie das Städtchen Hogsback besuchten. Anschließend fuhren wir zum Kap der Guten Hoffnung und traten vor dort unsere Rückreise über Johannesburg

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15.02.2008

Von Johannesburg nach Grahamstown

Ziemlich übermüdet kamen wir von einem langen Nachtflug am Flughafen O.R. Tambo in Johannesburg an. Nach den üblichen Einreiseprozeduren und Geldumtausch fuhren wir mit einem Taxi zur Park Station (Hauptbahnhof) von Johannesburg. Von dort sollte es mit dem Zug nach Grahamstown (am Ostkap, ca. 80 km von der Atlantikküste entfernt) weitergehen. In Grahamstown wollten wir zunächst die Farm von Bekannten meiner Freundin besuchen und von dort weitere Ausflüge organisieren.
Allerdings hatte ich die Reisezeit vom Flughafen zum Bahnsteig einschließlich der nötigen Wartezeiten, Fahrkartenkauf etc. falsch eingeschätzt. Unser Zug nach Port Elizabeth sollte gegen 13.00 Uhr abfahren. Unser Flieger hatte aber schon eine knappe halbe Stunde Verspätung, so dass wir erst kurz nach 12.00 Uhr im Taxi in Richtung Johannesburg saßen.

Die Fahrt führte über gigantische Autobahnen zunächst durch die Vororte von Johannesburg. Unser Fahrer erklärte uns, dass hier früher überwiegend Weiße wohnten. Nach dem Wahlsieg des ANC (African National Congress – die Partei Nelson Mandelas, die solange für die Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung Südafrikas gekämpft hatte), zogen nach und nach immer mehr Weiße in andere Stadtviertel Johannesburgs. Dafür zogen Schwarze in die leergewordenen Wohnungen.

An den Ampelkreuzungen ließ unser Fahrer die sonst weit geöffneten Fensterscheiben hochfahren – aus Angst, jemand könnte seinem Taxi zu nahe kommen. Er sagte, dass dieses Stadtviertel in den letzten Jahren zunehmend unsicher geworden wäre. Der Bahnhof selbst sei sicher, da von Polizei und Sicherheitsdiensten bewacht. Aber schon der Bahnhofsvorplatz und die umliegenden Straßen wären sehr gefährlich.

Wir hatten keinerlei Ambitionen, uns auch nur eine Minute länger als unbedingt nötig in Johnannesburg aufzuhalten. Zum einen ist die Stadt wirklich nicht sehr attraktiv. Das Stadtzentrum besteht zum großen Teil aus Hochhäusern und wird von mehreren großen Schnellstraßen durchzogen. Außerdem gilt Johannesburg als die gefährlichste Stadt Südafrikas und als eine der gefährlichsten Städte der Welt. Raubüberfälle und Gewalttaten (die meisten Opfer sind übrigens Schwarze) sind an der Tagesordnung.

Gegen 13.00 Uhr erreichten wir die Park Station. Da wir noch keine Fahrkarten hatten und die Bahnsteige aus Sicherheitsgründen schon einige Minuten vor der Abfahrt des Zuges abgesperrt werden, war es aussichtslos, den Zug nach Port Elizabeth noch zu erreichen.

Unser Ziel befand sich ca. 10 km östlich von Grahamstown. Grahamstown hat einen eigenen Bahnhof und ist über eine Zweigstrecke mit dem Bahnhof Alicedale (ca. 120 km vor Port Elizabeth) an die Hauptstrecke nach Port Elisabeth angeschlossen. An den Wochenenden gibt es keine Züge zwischen Alicedale und Port Elisabeth. Wir kamen an einem Freitag in Johannesburg an und wollten am nächsten Tag, also an einem Sonnabend, in Grahamstown eintreffen. Das hätte bedeutet, dass wir von Alicedale mit einem Taxi oder einem Minibustaxi bis zu unserem Ziel hätten weiterfahren müssen.
Eine weitere Möglichkeit war, mit dem Zug nach East London zu fahren, sich dort einen Mietwagen zu nehmen bzw. mit dem Bus oder Minibustaxi in Richtung Grahamstown weiterzufahren.
Der Zug nach East London fuhr gegen 14.00 Uhr an der Park Station in Johannesburg ab und sollte am späten Vormittag des nächsten Tages in East London eintreffen.

Wir entschieden uns für die letzte Möglichkeit – Hauptsache erst einmal raus aus Johannesburg.
Der Bahnhof war tatsächlich gut bewacht. Fahrkarten gab es in einem kleinen, abgetrennten Büro, welches auch durch Sicherheitskräfte bewacht wurde.
Leider war der Schlafwagen nach East London schon ausgebucht. Wir mußten also mit einem Sitzplatz im Großraumwagen vorliebnehmen.

Wir hatten noch ein wenig Zeit, um die wichtigsten Einkäufe für die bevorstehende lange Reise (einen Dreivierteltag) zu tätigen – vor allem Getränke.
Eine Viertelstunde vor der planmäßigen Abfahrt unseres Zuges wurden die Fahrgäste von einem Bahnmitarbeiter zum Bahnsteig geleitet. Die Bahnsteige waren durch vergitterte Tore abgesperrt und befanden sich im Untergeschoss des Bahnhofs. Wir liefen durch finstere Gänge in den unterirdischen Teil des Bahnhofes.

Nach einigen Minuten fuhr unser Zug dann ein. Die Wagen machten einen durchaus vertrauenerweckenden Eindruck. Sie waren von innen sauber, die Sitze bequem und die Toiletten benutzbar. Es gab Toilettenpapier und das Wasser funktionierte sogar.

Schnell stellten wir fest, dass wir die einzigen Weißen in unserem Wagen – wahrscheinlich sogar im ganzen Zug – waren. Zunächst war unser Wagen nur halb besetzt.

Pünktlich setzte sich der Zug in Bewegung. Zunächst fuhren wir durch die endlosen Vorstädte Johannesburgs, vorbei an brennenden Müllhalden, auf und an den Gleisen sitzenden Männern und zahlreichen Vorstadtbahnhöfen.
Johannesburg hat ein ausgedehntes S-Bahnnetz, welches sich Metrorail nennt. Allerdings sind diese Vorortszüge alles andere als sicher. Es kommt immer wieder zu Überfällen und Entgleisungen. Die Züge fahren nur an Werktagen und auch nur bis gegen 19.00 Uhr.

Fernzüge gibt es in Südafrika nur wenige, meistens nur einen pro Tag und Richtung, auf manchen Strecken nur dreimal pro Woche.

Die Vorstadtbahnhöfe machten einen grusligen Eindruck. Alle Bahnhöfe waren vergittert. Viele wurden von mit Gewehren bewaffneten Sicherheitsleuten bewacht.
Auch durch unseren Zug patroullierten bewaffnete Sicherheitsleute.
An einem größeren dieser Vorstadtbahnhöfe hielt unser Zug an. Jetzt wurde es voll, und nahezu alle Sitzplätze in unserem Wagen waren nun belegt.

Wir als einzige Weiße im Wagen weckten schnell die Neugier der anderen Mitreisenden.
Zunächst machten wir die Bekanntschaft eines jungen Mannes, der nach Bloemfontein wollte und sich als Musiker bezeichnete und einer etwas älteren, etwas dickeren Frau (in Afrika sind die meisten älteren Frauen ziemlich dick), die ebenfalls nach Bloemfontein wollte.
Am Anfang gab es die üblichen Fragen: wo wir herkämen und wo wir hinwollten.
Die etwas dickere Frau meinte, dieser Zug wäre alles andere als sicher. Sie wunderte sich, warum wir als Touristen mit diesem Zug reisten.

In regelmäßigen Abständen liefen fliegende Händler durch unseren Wagen. Einige verkauften Getränke, einer verkaufte Toilettenpapier und ein weiterer war komplett behangen mit blinkenden und knatternden Spielzeugpistolen.

Ein etwas älterer blinder Mann betrat unseren Wagen. Er stellte sich in der Mitte des Wagens auf und stimmte ein afrikanisches Lied an. Mit seinem Blindenstock schlug er den Takt zu diesem Lied. Fast alle Reisenden in unserem Wagen stimmten in das Lied ein. Ich war total ergriffen von diesem Moment. Das war das Afrika, das ich aus Büchern und Filmen kannte.
Anschließend ging der Blinde durch den Wagen und sammelte Spenden ein.

Wir passierten die sogenannten Townships – Elendsviertel am Stadtrand mit erbärmlichen Hütten aus Blech und Müll, meistens ohne fließendes Wasser und ohne Strom. Die Flächen am Stadtrand, auf denen die Schwarzen ihre Hütten bauten, wurden ihnen während der Apartheid-Periode zugewiesen, damit sie außerhalb ihrer Arbeitszeit nicht mit der weißen Bevölkerung in Kontakt kommen konnten.
Die Apartheid ist zwar inzwischen offiziell abgeschafft, aber die sozialen Unterschiede bestehen nach wie vor. Die meisten Schwarzen können sich einfach die teuren Wohnungen in Johannesburg nicht leisten. Im Township wohnt es sich eben am billigsten.

Der Musiker fragte mich, was ich dazu meinte, dass immer noch so viele Menschen in diesen Townships leben müßten. Er sagte, die neue Regierung hätte versagt. Sie wäre korrupt und würde nur die eigenen Parteifunktionäre begünstigen.
Mehr als die Hälfte der schwarzen Bevölkerung sei arbeitslos und lebe weiterhin in Armut.
Er fragte mich auch über meine Heimat aus, was die Leute bei uns verdienten und was deutsche Autos kosten.
Dann fragte er mich, wie ich mich fühle, aus so einem reichen Land in solch ein armes Land zu reisen. Das brachte mich etwas in Verlegenheit.
Über eine halbe Stunde hielt er mir einen Vortrag über die Ungerechtigkeiten auf dieser Welt (das meiste davon ist den meisten von uns bekannt und braucht deshalb an dieser Stelle nicht noch einmal erwähnt werden). Zum Abschluss meinte er, jetzt hätte er mir eine Predigt gehalten – wie ein Prediger. Ich solle es ihm nicht übel nehmen. Aber wenn wir zurück nach Hause kommen, sollten wir unseren Landsleuten erzählen, wie es hier aussieht und wie die Verhältnisse in Südafrika wirklich sind.

Nach ca. einer Stunde hatten wir die letzten Vororte von Johannesburg verlassen und fuhren nun durch karges Buschland. Gelegentlich passierten wir große Industriegebiete.

Die Bahngleise in Südafrika waren in erstaunlich gutem Zustand – keine geschraubten Schienen (wie in Nordamerika oder auf dem Balkan), sondern lückenlos geschweißtes Gleis. Unsere Strecke war zweigleisig und elektrifiziert. Der Zug erreichte Geschwindigkeiten zwischen 90 und 100 km/h – in den meisten afrikanischen Ländern kann man davon nur träumen!

Nebenan befand sich ein Speisewagen, wo es neben einem erschrecken großen Arsenal von Spirituosen auch warme Gerichte gab.
Dort machte ich die Bekanntschaft eines Mannes (zwischen 30 und 40 Jahre), welcher aus Zimbabwe stammte und nach East London wollte. Er wollte afrikanische Kunsthandwerksgegenstände an die Touristen dort verkaufen. Mit dem Erlös aus diesem Verkauf wollte er seine lange Reise finanzieren und noch einen guten Teil davon nach Hause mitbringen. Allerdings war er jetzt ziemlich abgebrannt. Seine Zimbabwe-Dollars, die er mit dabeihatte, waren in Südafrika so gut wie nichts wert. Mit den wenigen südafrikanischen Rand, die er in der Tasche hatte, musste er die gesamte Fahrt überbrücken.
Ich spendierte ihm ein Abendessen.
Er fuhr nicht das erste Mal auf dieser Strecke und kannte sich ziemlich gut aus. So erzählte mir mein neuer Freund vieles über die südafrikanischen Eisenbahnen und besonders über die Bahnstrecke von Johannesburg nach East London.

Die Landschaft war jetzt recht eintönig geworden. Nur noch gelegentlich tauchten Dörfer oder gar Städte entlang der Bahnstrecke auf.

An einem Unterwegsbahnhof blieben wir sehr lange stehen – ohne dass ich zunächst erfuhr, ob und wann unsere Fahrt fortgesetzt werden würde. Mein neuer Reisebegleiter aus Zimbabwe erklärte mir, dass die Lokomotive kaputt wäre und dass wir auf eine Ersatzlokomotive warteten. Das dauerte mehr als eine Stunde. Schließlich wurde anstatt der Elektrolok eine Diesellok vorgespannt. Mit 1 ½ Stunden Verspätung ging es dann endlich weiter. Inzwischen war es dunkel geworden.

Am nächsten größeren Bahnhof stiegen zahlreiche männliche Jugendliche in unseren Wagen. Sie waren zum Teil schon alkoholisiert und tranken auch im Zug noch weiter. Ich ahnte nichts Gutes. Trotz Rauchverbot im ganzen Zug rauchten sie in unserem Wagen.
Die dicke Frau, die uns angesprochen hatte, wandte sich zu mir und sagte: „Wir Ihr seht, hat sich die Situation im Zug geändert. Diese jungen Leute sind gefährlich. Sie werden Euch umbringen.“ Bis jetzt fand ich die Lage zwar unangenehm, aber noch nicht wirklich bedrohlich. Aber die dicke Frau wurde immer panischer. Sie verlangte das Mobiltelefon meiner Freundin und bestand darauf, auf der Farm, zu der wir wollten, anzurufen und den Bekannten meiner Freundin zu sagen, dass wir in großer Gefahr wären. Ich wusste nicht, was das bringen sollte. Sie tat das dann auch.

Nun gruppierte sich eine Gruppe Jugendlicher um unsere Plätze. Zunächst fragte mich einer das Übliche: wo wir herkämen und wo wir hinwollten. Der Junge hatte eine Schnapsflasche in der Hand und bot mir auch davon an. Ich lehnte ab. Er erzählte mir, dass er nichts gegen Weiße hätte und dass er auch einen guten Freund hätte, der weiße Hautfarbe hat.

Ein anderer fragte mich, ob ich eine Zigarette für ihn hätte. Zunächst war nichts bedrohliches an dem Verhalten der Jugendlichen, aber wir wussten nicht, wie sich die Sache entwickeln würde, wenn sie weiter tranken.
Um die Aufmerksamkeit von uns abzulenken, kuschelte ich mich an meine Freundin, und wir beide taten so als ob wir schliefen.
Die Jugendlichen hatten ein neues Objekt der Aufmerksamkeit gefunden: eine Studentin, die uns gegenüber auf der anderen Seite des Durchgangs saß. So hatten wir zumindest erst einmal wieder etwas Ruhe.
Meine große Hoffnung war, dass die Jugendlichen in Bloemfontein aussteigen würden. Bloemfontein liegt ungefähr auf der Hälfte der Strecke und ist auch der größte Unterwegsbahnhof.

Aber die Bahnfahrt zog sich und zog sich in die Länge. Im Dunkeln war ja nichts mehr zu sehen, und schlafen konnten wir auch nicht, wegen der Jugendlichen im Wagen und dem Lärm um uns herum. Außerdem liefen ständig Leute (der größte Teil von ihnen schon stark angetrunken) durch unseren Wagen.

Endlich erreichten wir Bloemfontein. Zu meiner großen Erleichterung stiegen alle Jugendlichen aus. Auch unsere beiden Bekannten – die dicke ängstliche Frau und der Musiker – verabschiedeten sich von uns und stiegen aus.

In Bloemfontein stiegen nun glücklicherweise überwiegend Frauen mit Kindern und ein älterer Mann in unseren Wagen. Die Frauen legten sich mit ihren kleinen Kindern auf den Fußboden.

Der ältere Mann war – wie sich später herausstellte – Lehrer und sehr freundlich.
Es war schon kurz nach Mitternacht, als wir Bloemfontein verließen. Endlich konnten wir ein wenig schlafen. Zwischendurch wurden wir ab und zu von Betrunkenen geweckt, die durch unseren Wagen liefen und herumgrölten.
Die Sicherheitsleute kamen zwar ab und zu vorbei, aber sie taten so, als interessierten sie die Betrunkenen gar nicht.
Unser Lehrer rief einen der Sicherheitsleute zu sich und beschwerte sich darüber, dass die Betrunkenen hier die Reisenden belästigten und vom Schlafen abhielten.
Um uns zu zeigen, dass sie ihren Job gut machten, hielten die Sicherheitsleute den nächsten Betrunkenen an, nahmen ihm seine Schnapsflasche ab und gossen sie im Wagen aus.
Danach wurde es langsam ruhiger und wir konnte längere Zeit durchschlafen.

Von der aufgehenden Sonne wurde ich geweckt. Der neue Tag war angebrochen. Die Landschaft entlang der Bahnstrecke wurde langsam bergiger.
Unsere Lokomotive war unterwegs wieder gegen eine Elektrolok ausgewechselt worden.
Der Sonnenaufgang und die schöne Landschaft entlang der Strecke hatten mich so in ihren Bann gezogen, dass ich nicht mehr schlafen konnte.

Wir erreichten Queenstown. Hier stieg ein großer Teil der Reisenden aus. Einige verabschiedeten sich von uns und wünschten uns noch eine gute Weiterreise. Ein junger Mann sagte zu mir, dass ich gut auf meine Freundin aufpassen solle. Nach der langen Fahrt waren wir mit den Mitreisenden in unserem Wagen doch so eine Art Gemeinschaft geworden.
Meine Freundin war inzwischen auch wach geworden. Wir beiden beobachteten fasziniert, wie die afrikanischen Frauen ihre Sachen auf dem Kopf trugen – ohne diese festzuhalten.

Der ältere Mann, der Lehrer, stieg an einer der nächsten Stationen aus.
Nun war es ziemlich leer in unserem Wagen. Der einzige verbliebene Bekannte war mein Freund aus Zimbabwe, der uns bis zur Endstation begleiten würde.

Wir mussten uns nun unsere Getränkevorräte sorgsam einteilen. Im ganzen Zug gab es kein Wasser und keine Getränke mehr zu kaufen.
Auf der Toilette gab es kein Toilettenpapier mehr. Jetzt verstand ich, warum gestern Toilettenpapier im Zug verkauft wurde.

Die Landschaft wurde immer spektakulärer. Wir fuhren durch dichten Dornbuschwald, durch zahlreiche Tunnels und über zahlreiche Brücken. Diese atemberaubende Schönheit der Landschaft entschädigte für die Mühen und Ärgernisse der letzten Nacht.

Am späten Vormittag erreichten wir die ersten Vororte von East London. Mein Freund aus Zimbabwe erklärte mir, dass wir soeben das zweitgrößte Township von Südafrika passierten.

Kurz vor Mittag erreichten wir mit einiger Verspätung East London, unsere Endstation. Wir verabschiedeten uns von dem Mann aus Zimbabwe und stiegen in ein Taxi in Richtung Flughafen. Dort wollten wir versuchen, ein Auto zu mieten.
Aber auf dem Flughafen gab es keine Autos zu mieten.

Unser Taxifahrer erklärte mir, wie wir am besten nach Grahamstown zu unserer Farm kämen: Mit einem Minibustaxi bis King Williams Town und von dort mit einem weiteren Minibustaxi in Richtung Grahamstown.
Minibustaxis sind das populärste Verkehrsmitteln in Südafrika. Die meisten Schwarzen benutzen überwiegend Minibustaxis. Minibustaxis sind Autos oder Kleinbusse, die als eine Art Busse verkehren. Sie verkehren auf festgelegten Strecken. Der Fahrer wartete so lange, bis der Wagen voll ist und fährt dann erst los. Die Preise sind günstiger als bei den großen Langstreckenbussen.

Also versuchten wir unser Glück mit dem Minibustaxi. Auf einem belebten Straßenmarkt standen zahlreiche Minibustaxis herum und warteten auf Fahrgäste. Ein etwas bulligerer Mann sprach uns an und fragte, wo wir hinwollten. Er meinte, er würde nach Grahamstown fahren. Aber wir müssten noch warten, bis er genug Passagiere gefunden hätte. Wir könnten schon einmal unser Gepäck in seinen Wagen packen.
Leider stellte sich heraus, dass von East London so gut wie niemand nach Grahamstown fahren wollte. Unser Fahrer telefonierte pausenlos mit seinem Mobiltelefon herum. Jedesmal versuchte er, uns zu vertrösten und meinte, jetzt hätte er jemanden, und gleich würde es losgehen. Aber es tat sich nichts.
Nach mehreren Stunden Warterei hatten wir die Nase voll. Wir ließen uns unser Gepäck zurückgeben und gingen zur Busstation – in der Hoffnung, noch Fahrkarten für den einmal am Tag verkehrenden Greyhound-Bus nach Grahamstown zu bekommen. Leider Fehlanzeige. Der Bus war schon lange ausgebucht.

Wir gingen wieder zurück zum Marktplatz. Nun wollten wir es über King Williams Town versuchen – so wie es uns der Taxifahrer geraten hatte.
Tatsächlich fanden wir auf Anhieb ein Minibustaxi, welches abfahrbereit in Richtung King Williams Town wartete. Mit uns beiden war es dann voll.
Plötzlich kam der Mann, der uns nach Grahamstown fahren wollte, zurück und meinte, wir könnten jetzt mit ihm nach Grahamstown fahren und wollte unser Gepäck wieder aus dem Minibustaxi nach King Williams Town herausholen. Aber wir hatten wirklich keine Lust mehr, uns auf eine erneute ungewisse Warterei einzulassen. Unser Fahrer nach King Williams Town verhandelte mit dem Mann ein Weile. Schließlich zog der andere ab und wir fuhren los.

Wie waren wir erleichtert, endlich diese Stadt zu verlassen!
Es war inzwischen Nachmittag geworden.

Die Fahrt nach King Williams Town dauerte eine knappe halbe Stunde. An einer Straßenkreuzung wurden wir herausgelassen. Unser Fahrer versicherte uns, dass hier gleich ein Minibustaxi in Richtung Grahamstown anhalten würde. Aber nach den letzten Erfahrungen waren wir misstrauisch geworden.
Doch tatsächlich – nach wenigen Minuten hielt ein Auto an. Es fuhr nach Grahamstown!
Endlich! Nach all den Strapazen waren wir nun auf dem letzten Abschnitt zu unserem ersten Reiseziel.

Ein Gewitter zog auf. Unterwegs fing es an, wie aus Gießkannen zu regnen. Wir mussten anhalten und warten, bis der Regen etwas nachließ.
Nach ca. 2 Stunden Fahrt erreichten wir tatsächlich unsere Farm.

Wir waren so müde, dass wir uns nach der Begrüßung gleich hinlegten und wie tot bis zum nächsten Morgen durchschliefen.

Verbindungen Flughafen O.R.Tambo - Park Station Johannesburg:

Mit dem modernen, schnellen und sicheren Gautrain fährt man am besten vom Flughafen nach Johannesburg. Die Züge sind absolut sicher (werden videoüberwacht, mit Sicherheitspersonal) und fahren alle 12 (Hauptverkehrszeit) bis 30 Minuten (am Wochenende). Zur Zeit besteht wegen noch nicht abgeschlossener Bauarbeiten ein Bustransfer zwischen Rosebank (letzte Station vor der Park Station) und Park Station Johannesburg.
Weitere Informationen unter: www.gautrain.co.za.


Verbindungen Johannesburg - Grahamstown:

Mit der Bahn:

Zur Zeit fahren 3mal pro Woche (Mittwoch, Freitag und Sonntag) Züge von Johannesburg nach Port Elizabeth und zurück. Diese Züge führten zur Zeit meiner Recherche (Mai 2012) auch Schlafwagen.
Von der kleinen Station Alicedale fährt montags bis freitags ein Anschlußzug nach Grahamstown (fährt nicht am Wochenende!!!)
Informationen zu den aktuellen Fahrplänen, Fahrpreisen und dem Service im Zug gibt es auf http://www.seat61.com/SouthAfrica.htm (sehr zu empfehlen), www.shosholozameyl.co.za (wird zur Zeit überarbeitet, also z.Zt. nicht verfügbar) oder www.southafricanrailways.co.za.
Schlafwagen können über Internet bzw. per E-Mail im Voraus gebucht werden, müssen aber spätestens einen Tag vor der Abfahrt des Zuges bezahlt und rückbestätigt werden. Am Bahnhof findet man dann eine Passagierliste, anhand welcher man erfährt, wo die die bebuchten Plätze zu finden sind.
Für Sitzplätze ist keine Reservierung erforderlich.

Mit dem Bus:

Wir empfehlen Greyhound (www.greyhound.co.za. Die sind zwar am teuersten, bieten aber auch den meisten Komfort und sind am schnellsten und am zuverlässigsten. Fährt mindestens einmal täglich von Johannesburg nach Grahamstown und zurück.
Weitere Busgesellschaften, die diese Strecke bedienen, sind: Intercape (www.intercape.co.za) und Translux (www.translux.co.za)



Johannesburg, Park Station


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Kommentare

  • vierfussler

    Servus Frieden_Schenker,
    ein gut geschriebener lesenswerter Bericht mit sehr vieler Details.
    Aber warum hast du den Artikel nicht auf mehrere Seiten verteilt. Für den Leser wär es einfacher den Bericht zufolgen. Vielleicht kannst du das ja noch ändern!
    Noch eine Frage, warum hat der Taxifahrer das Fenster heruntergedreht, wenn die Gegend am Bahnhof von Johannesburg gefährlich war? Ich hätte es geschlossen oder zugelassen.
    LG Kurt F.

  • frieden_schenker

    Hallo Kurt,

    danke für Deine Hinweise. Die Seitenumbrüche habe ich jetzt eingefügt.
    Der Taxifahrer in Johannesburg hat das Fenster nicht herunter- sondern hochgedreht. Tut mir leid, das war ein Schreibfehler von mir. Habe ich schon korrigiert.

    Liebe Grüße

    Eckart

  • RELDATS

    Hallo Eckart, da hast du dir ja eine Menge Arbeit gemacht mit diesem interessanten und ausführlichen Bericht. Toll !!!
    Nette Grüße von Josef

  • RobinaZy

    Hallo Eckart,
    Danke dass du mich auf deinen informativen Bericht hingewiesen hast. Ich habe mir erst einmal nur die Bilder angesehen und den Text überflogen, aber dass klingt alles sehr interessant und hilfreich. Ich freue mich darauf, Deine ganzen Eindrücke bald in Ruhe und am Stück lesen zu können.
    LG Robina

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