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Reisebericht: Oman - Sultanat aus 1001 Nacht
Oman - ein Märchenland wie aus 1001 Nacht. Sultan Qaboos lenkt seit mehr als vierzig Jahren das 'Musterländle' am Golf mit viel Weisheit und Geschick. Er hat das Land aus dem tiefsten Mittelalter in die Moderne geführt. Hier, wo einst die Weihrauchstraße begann, findet man heute alte Traditionen, modernen Komfort, garniert mit wilden, ursprünglichen Landschaften. Rihla saida, gute Reise...
- Flug ins Morgenland
- Muscat
- Festungen in Masqat
- Ein Palast für Qaboos
- Seine Majestät Qaboos bin Said bin Taimur Al Said
- An der Corniche in Muttrah
- Gold, Silber, Kupfer, Tücher,,, im Souk von Muttrah
- Die Sultan Qaboos-Moschee
- Museen in Muscat
- Ministerien- und Botschaftsviertlel
- Eine Dhaufahrt, die ist lustig....
- Die königliche Oper
- Feng Shui auf Omanisch
- Auf den Spuren von Sindbad dem Seefahrer
- Ein Hotelpalast aus 1001 Nacht
- Wie man sonst noch wohnen kann
- Council of Oman
- In die Sharqiyah
- Wadis im östlichen Hajjar
- Marco Polo und Bibi Maryem in Qalhat
- Zu den Schildkröten am Ras al-Jinz
- Portugiesen in Sur
- Wo gehobelt wird, entstehen Dhaus
- Von Null auf 2000 - ins Kupferland Magan
- Rennkamele in der Wahiba-Wüste
- Frauenmarkt in Ibra
- Wochenende im Wadi Bani Khalid
- In das grüne Gebirge
- Rosen auf dem Jabal al-Akhdar
- Balanceakt auf dem Falaj
- Birkat al-Mouz - See der Bananen
- Nizwa - die alte Hauptstadt
- Freitagsmarkt in Nizwa
- Die Bienenkorbgräber von al-Ayn
- Zack, zack - Im Zickzack auf die Festung
- Der Lehmpalast von Jabrin
- Die traditionelle Kaffeezeremonie
- Bahla
- Al-Hamra - die Rote
- Der omanische Grand Canyon am Jabal Shams
- Malerisches Misfat
- Spektakuläre Aussichten
- Palmenmeer in Nakhl
- Heiße Quellen in Al-Thowarah
- Wadi Bani Kharoos
- Festungen in der Batinah: al-Hazm...
- ... und Rustaq
- Wadi Mistall
- Fischers Fritz fischt frische Fische...
- Bait Naaman - das Gartenhaus der Sultane
- Sumoringen unter Höckerrindern
- Flug über die Wüste
- Paradiesischer Dhofar
- Weihrauch - das Gold Arabiens
- Fontänen und Wüstenrosen im Qamar-Gebirge
- Hiobs Botschaft aus dem Qara-Gebirge
- Ausflug in den östlichen Dhofar
- Kamelparade im Dhofar
- Der Dhofar-Krieg
- Sohar - die Heimat Sindbads
- Arabischer Frühling in der Wiege der Sultane
- Stippvisite in den Emiraten
- Exklave in der Exklave
- Moscheen und Tanker auf dem Weg zur Straße von Hormuz
- Dibba - die dreigeteilte Piratenstadt
- Ein bisschen Bih schadet nie...
- Khasab, wir kommen!
- Das Norwegen Arabiens
- Der Haremsberg - Jabal Harim
- Im Wettrennen mit den Delfinen
- Ins Shopping-Paradies Dubai
Flug ins Morgenland
Wir landeten gegen Mitternacht nach einem äußerst angenehmen Flug mit der hervorragenden Oman Air auf dem Seeb International Airport. Erst nach Mitternacht hatten wir den Stempel im Pass und 40 € weniger im Geldbeutel, denn soviel (20 Omanische Riyal, OMR) kostete das Visum. Nachdem wir unseren Mietwagen, einen Toyota Landcruiser in Empfang genommen hatten, hatten wir noch ca. eine Stunde zu fahren bis zu unserem Hotel, den Barasti-Hütten am Oman Dive Center, dem Tauchzentrum im Osten der Stadt. (Siehe auch "Wie man sonst noch wohnen kann", Seite 3).
01.03.2012
Muscat
Die Hauptstadt besteht heute aus vielen Stadtteilen, die sich längs der Küste von Seeb bis Barr al-Jissah auf insgesamt fast 60 km erstrecken. Ursprünglich gab es nur zwei alte, gewachsene Städte, nämlich Muttrah und das namensgebende Masqat. Im Großraum leben heute über 800.000 Menschen, also etwa ein Drittel aller Omanis bzw. aller im Oman lebenden Einwohnern. Von den insgesamt 2,5 Mio, die die letzte Volkszählung im Oktober 2004 erbrachte, sind nur drei Viertel 'echte' Omanis, der Rest Gastarbeiter v.a. vom indischen Subkontinent. Die meisten leben in den modernen Stadtteilen im Westen, die erst nach der 'Renaissance', so nennt man im Oman die Machtübernahme durch Sultan Qaboos 1970, entstanden sind - Seeb, Qurum, al-Khuwayr und Ruwi.
02.03.2012
Festungen in Masqat
Nachdem wir erst mal ausgeschlafen haben, machen wir uns späten Vormittag auf den Weg zur Stadtbesichtigung, Teil 1. Da heute Freitag ist und damit der Feiertag der Muslime, sind zumindest vormittags die meisten Geschäfte geschlossen und so beginnen wir mit der Besichtigung von Alt-Muscat. Beim Bummel durch das extrem saubere Regierungsviertel ertönt dann auch kurze Zeit später der Aufruf zum Mittagsgebet, und obwohl das Viertel eher menschenleer erschien, finden sich doch schnell einige Gäubige zum gemeinsamen Freitagsgebet ein. Die beiden Festungen Mirani und Jalali sind nicht nur freitags für die Öffentlichkeit geschlossen, weil Militärgarnisonen darin stationiert sind. Beim Blick auf die Forts wird klar, weshalb sie als uneinnehmbar galten. Auf senkrecht abfallenden Felsen wurde die Mirani-Festung von den Portugiesen errichtet, die 1507/08 den Oman einnahmen, um den gerade erst entdeckten Seeweg nach Indien zu befestigen.
Erst 1650 gelang es den omanischen Stämmen mit List und Tücke, die Portugiesen im Fort zu überwältigen und die Portugiesen-Herrschaft zu beenden. Dabei half den Omanis ein indischer Händler, der die Portugiesen belieferte und dessen Tochter das Begehr des letzten Admirals Perreira weckte. Der Kaufmann ging zum Schein auf den Wunsch nach Eheschließung ein und spionierte die Festung aus. Er überzeugte seinen "Schwiegersohn in spe", die Lebensmittelvorräte gänzlich zu erneuern, die alten seien verdorben, und so räumte er die Lager leer.
Anschließend gab er Imam Sultan bin Saif al-Yarubi, die entscheidenden Tipps, die zur Eroberung des Mirani-Forts führten. Nämlich, dass die Vorratskammern ausgeräumt waren und vor allem, dass sie am besten sonntags angreifen sollten, wenn die meisten Soldaten bei der Messe waren, in der unterhalb gelegenen Kirche, der Igreja. An deren Stelle befindet sich heute die kleine Khor-Moschee und das ehemalige Kaufmannshaus Bait Graiza. Genau gegenüber der Mirani-Festung befindet sich das Jalali-Fort. Das omanische Alcatraz liegt auf einer Felseninsel und diente bis 1960 als Gefängnis.
Ein Palast für Qaboos
Der "Qasr al-Alam", der Palast der Welt, wurde nach dem Machtwechsel vom neuen Sultan Qaboos 1970 in Auftrag gegeben und durch eine indische Firma bis 1972 gebaut. An selbiger Stelle erhob sich das verfallene Bait al-Alam, das dem Sultan Said bin Sultan (1806-56) als Residenz diente, bis er 1840 seinen Hauptsitz nach Sansibar verlegte. Dieser Said war es übrigens auch der den alten Herrschertitel Imam ablegte und aus dem Oman ein Sultanat machte.Der moderne Palast dient heutzutage nur noch repräsentativen Zwecken wie dem Empfang von Staatsgästen. So wurde hier am 8. Dezember 2011 Ex-Bundespräsident Wulff nebst Gattin auf seiner letzten Dienstreise hier vom Sultan empfangen.
Seine Majestät Qaboos bin Said bin Taimur Al Said
Am 18. November 1940 wurde der Qaboos als einziger Sohn, neben drei Schwestern, von Sultan Said bin Taimur und dessen zweiter Frau, Prinzessin Mazun, in Salalah geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Salalah, der Heimat seiner Mutter, bevor er 1958 nach England auf eine Privatschule in Suffolk geschickt wurde. 1960 trat er als Kadett in die Militärakademie Sandhurst ein, wodurch er 1962 zur britischen Rheinarmee abkommandiert wurde und er sieben Monate in Minden zubrachte. Während dieser Zeit kaufte er ein Haus in Garmisch, das er heute noch besitzt und immer häufiger besucht. Nach seiner Dienstzeit wurde er auf eine dreimonatige Weltreise geschickt, bevor er sich in Salalah ab 1964 dem Studium des Islams und der Geschichte des Landes widmen sollte. Sein Vater hielt das Land im tiefsten Mittelalter, Autos und Fahrräder waren genauso verboten wie Radios, Fernseher, Zigaretten, Sonnenbrillen, usw. Außerdem verwickelte sich der alte Sultan in einen Krieg im Dhofar, als er kommunistisch-panarabistische Gruppierungen mit britischer Hilfe bekämpfte.
Um sein Land in die Moderne und in den Frieden zu führen, organisierte Qaboos mit Hilfe des jungen Sheikhs Buraik al-Ghafiri einen Staatstreich gegen den Vater am 23. Juli 1970. Der entmachtete Said bin Taimur wurde nach London ins Exil geschickt, wo er zwei Jahre später im Dorcester Hotel starb - beim Fernsehen... Nach seinem Versprechen den Oman in eine prosperierende und friedvolle Zukunft führen zu wollen, tat er genau dies in den letzten 42 Jahren und machte den Oman zu einem allerseits geachteten und respektiertem Staat, so wie er es vor allem unter Said, dem Ersten im 19. Jh. schon einmal war.
Damals gehörte zum Sultanat, das damals noch Muscat und Oman hieß, neben Hafenstädten in Persien und Pakistan vor allem die Gewürznelkeninsel Sansibar. Da Qaboos auf diese friedvolle und wohlhabende Zeit in seiner Antrittsrede Bezug nahm, ist von der "omanischen Renaissance" die Rede. Sicher ist: er hat in den letzten 42 Jahren sein Land aus dem finstersten Mittelalter geführt, ein vorbildliches und kostenloses Bildungssystem eingeführt ebenso wie ein kostenloses Gesundheitswesen. Das durchschnittliche Einkommen der Omanis liegt zwar nur bei 575 OMR, also ca. € 1.150,-, aber die vielfältigen Sozialleistungen ermöglichen den Omanis ein angenehmes Leben. So wie es der Sultan bei seiner Machtübernahme versprochen hatte! Zum 40. Jubiläum kam übrigens Queen Elizabeth als Ehrengast, gefeiert wird der Nationalfeiertag immer am Geburtstag des Sultans, da es im Juli einfach zu heiß für Partys ist.
Aus dem privaten Umfeld des Herrschers dringt nur wenig nach außen. Man weiß, dass er klassische Musik liebt, deutsche Autos und deutsche Ordnung und Sauberkeit, an die Macht der Sterne glaubt.1976 heiratete er seine Cousine Kamila bint Tariq, doch wurde die kinderlose Ehe schon nach kurzer Zeit wieder geschieden. Seither blieb er unverheiratet, regelte die Nachfolge per Grundgesetz von 1996: nach seinem Ableben soll der Familienrat, bestehend aus allen männlichen Nachkommen von Turki bin Said Al Said (1871-1888), binnen zwei Tagen einen Nachfolger bestimmen. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten die drei Söhne seines jüngsten Onkels Tariq, allen voran Shihab, 57. Dieser gehört selbstredend häufig zu seinem 200-köpfigen Gefolge, mit dem er hin und wieder ins Werdenfelser Land reist. Neben diesem Ferienhaus verfügt Qaboos im Oman über neun Paläste, verteilt auf Muscat, Salalah, Sohar und seit neuestem Nizwa. Sein Hauptwohnsitz ist das Bait al-Barakah bei Seeb.
An der Corniche in Muttrah
Die zweite alte Stadt in der Nachbarbucht zu Muscat ist Muttrah, heute das wirtschaftliche Zentrum. Am westlichen Ende der Corniche wird jeden Tag Fischmarkt gehalten, auch das dazu passende Gemüse, Obst und Fleisch werden hier gehandelt. Bei einem Spaziergang entlang der Küstenpromenade passieren wir alte Kaufmannshäuser, die von persischen Händlern im 19. Jh. errichtet wurden. Im Scheitelpunkt befindet sich eine schiitische Moschee, die von der Islamischen Republik Iran unter Ayatollah Khomeini an die Nachkommen dieser Kaufleute aus Belutschistan als Geschenk errichtet wurde. Nach Osten hin befindet sich die Festung von Muttrah hoch oben auf einem Felsen und der Aussichtsturm in Form eines Weihrauchbrenners im Riyam-Park erhebt sich am östlichen Ende der Bucht. Letzterer wird auch gerne mal mit einem UFO verwechselt...
Im Sultan Qaboos-Hafen legen sowohl Containerschiffe als auch Kreuzfahrtschiffe an, aber auch die Privatyacht von Sultan Qaboos, die "Al Said", wie auch das Forschungsschiff für maritimes Leben, die "Fulk al-Salama" liegen hier. Das Schiff des Sultans ist mit 155 m Länge die drittlängste Privatyacht der Welt, gebaut von der Lürssen Werft in Bremen, nur Roman Abramowitsch (162,5m) und Sheikh Mohammed al-Maktoum aus Dubai (162m) haben größere Yachten. Auch eine traditionelle Dhau nennt der Sultan sein eigen - die Zinat al Bahar, die ebenfalls ihren Heimathafen hier hat. Das Dreimaster vom Typ einer Baghlah von 61 m nahm übrigens 1988 am Hamburger Hafenjubiläum teil, 6.500 Seemeilen von Muttrah entfernt.
Gold, Silber, Kupfer, Tücher,,, im Souk von Muttrah
Der Souk von Muttrah ist der größte Basar des Landes, und trotzdem recht klein, verglichen mit Aleppo, Marrakesch oder Fes nachgerade winzig. Und dennoch ist das Warenangebot beeindruckend: Kaschmirschals und Tücher aus Indien, bestickte Wandbehänge aus Birma, Teppiche aus Persien, Metallarbeiten aus Afghanistan, alte Astrolabien, Kupferkannen, Krummdolche - Khanjare -, Silberschmuck, goldener Hochzeitsschmuck, Weihrauch und andere Duftessenzen aus dem Oman. Das Angebot ist vielfältig und bunt und den Rest des Nachmittags verbringen wir mit Stöbern, Handeln und Feilschen. Die omanischen Hämdler setzen räsonable Preise an, da geht nicht viel, die indischen Händler, die wir vor allem wegen der wunderschönen Pashmina-Schals aufsuchen, sind dagegen in der Preisgestaltung sehr phantasiebegabt. Aber wir haben ja Zeit - und schließlich einigen wir uns doch noch. Noch ein leckerer Limonensaft mit Minze an einem der Cafés am Eingang zum Souk, dann können wir unseren ersten Tag im orientalischen Märchenland beschließen.
-
Alle Achtung: das ist ja genug Stoff für ein Buch! Sehr informativ und anschaulich berichtet. Vielen Dank.
LG
Astrid -
Ich kenne nur Salalah und Umgebung, dieser Bericht hat meinen Horizont erweitert!
LG Rolf -
Noch kenne ich gar nichts, aber das wird sich ändern! Schöner Reiseführer.
LG Armin -
Sehr ausführlich und gut geschrieben.
LG Schalimara
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