Mit dem Postschiff der Hurtigruten von Bergen auf die Lofoten

Reisebericht

Mit dem Postschiff der Hurtigruten von Bergen auf die Lofoten

Reisebericht: Mit dem Postschiff der Hurtigruten  von  Bergen auf die Lofoten

Mit dem Postschiff der Hurtigruten von Bergen auf die Lofoten

Es ist genau 8:51 Uhr. Kapitän Kai Albrigtsen und sein Navigator Andreas Johansen steuern ihre mächtige MS Finnmarken mit ihren 12 000 PS über die magische Linie des Polarkreises.

Während eine kleine Gruppe im Bordpostamt Polarkreisbriefmarken kauft und sie auf Postkarten klebt und mit Sonderstempeln für die daheim Gebliebenen versehen lässt, haben draußen am Heck König Neptun und Hotelmanager Per Øyvind Dahl mit vielen Zuschauern bei der Polarkreistaufe mächtigen Spaß.



Bei der Polarkreistaufe steppt der Bär. Meeresg...



Dabei weitet Per den Taufwilligen den Kragen hinten am Hals und Neptun entleert die Eiswürfel und das eisige Wasser aus seiner Küchenschaufel in diese Kragenöffnung - was mit weit aufgerissenen Mündern und Augen quittiert wird. Während die Eiswürfel in Hemd oder Bluse auf den jeweiligen Rücken hängen bleiben, gleitet das Eiswasser über den Po und läuft unten aus den Hosen heraus. Entschädigt werden die Getauften mit einem guten Moltebeerenschnaps.

Einige Zuschauer blicken entsetzt, andere klatschen Beifall und lassen sich diesen Härtetest auf der magischen Breite 66° 34’ Nord nicht nehmen.

Ich gehöre nicht zum harten Kern und genieße später lieber in der Cafeteria an Steuerbord einen kremigen Cappuccino, während die norwegische Fjordlandschaft in gebührendem Abstand an meinem Panoramasalon langsam und entschleunigend an mir vorbei zieht. Wie ich diese einsam liegenden, hübsch gestrichenen Holzhäuser und die wenigen kleinen Orte an den Schären sehe, wird mir klar, welche Bedeutung der tägliche Liniendienst der „Hurtigruten“ für diese Menschen dort drüben hat. Das erkannte bereits vor 119 Jahren der Kaufmann Richard With und ließ vom 2. Juli 1893 an sein Dampfschiff „Vesteraalen“ als Postdampfer, Frachter und Passagierschiff von Trondheim nach Hammerfest im Liniendienst fahren.



Treffen der Giganten im Hafen von Rørvik. Die M...



Heute werden die 34 Häfen der fast 2500 Kilometer langen Lebensader der norwegischen Küste von Bergen bis zur russischen Grenze bei Kirkenes täglich angefahren. Dabei dauert die Seereise auf dem Golfstrom von Bergen bis Kirkenes und zurück gute 12 Tage. Und ohne dieses warme Wasser aus dem weiten Karibischen Meer würde diese Küste hier wie Grönland aussehen und alle Fjorde wären monatelang zugefroren und damit unpassierbar.

Die ganze Strecke bin ich mit der MS Finnmark jedoch nicht unterwegs. Ich habe mich diesmal für die Strecke von Bergen auf die Lofoten entschieden.



Die über 1.000 Jahre alte Hauptstadt Norwegens ...



Bevor ich jedoch vor zwei Tagen in Bergen an Bord gegangen bin, habe ich mir wieder einmal einen halben Tag Zeit für einen Oslo Besuch genommen.

Dabei überraschen mich bei jedem Besuch die neuen gigantisch beeindruckenden Bauwerke, die vermutlich aus dem Öl- und Gasgeschäft finanziert werden. Beim Blick auf die Auslagen in den Schaufenstern wird mir jedes Mal schnell klar, dass ich mir in dieser Stadt, die zu den teuersten Städten der Welt zählt, nicht viel leisten kann.

So ging’s dann am späten Nachmittag auch weiter mit dem Flieger nach Bergen, der stolzen mittelalterlichen Residenzstadt des norwegischen Reiches inmitten von 7 Bergen. Und auf einen dieser Berge führt mich dann auch meine sympathische Reiseleiterin Urte Gerlach hinauf. Während wir mit der Gondel auf den Ulrikenberg mit seinen 643 Metern hinauf schweben, erfahre ich, dass am Vortag Prinz Charles mit seiner Camilla bei strömendem Regen in der Stadt weilten. „Vielleicht haben sie es ja auch nicht besser verdient,“ scherzte Urte, während wir mit unserer Gondel in einer Wolkenwand verschwanden.

Kurze Zeit später standen wir betrübt auf der Aussichtsplattform, ohne auch nur einen Hauch von der Stadt dort unten zu sehen.



Vom 643 Meter hohen Ulrikenberg hat man einen w...



Doch unsere Gesichter erhellten sich schnell, als nach kurzer Wartezeit die Wolkendecke aufriss und das Stadtzentrum mit seiner wunderschönen Altstadt zu sehen war. „Dort unten, am Hafen,“ zeigte Urte mit ausgestrecktem Arm auf die alten Holzhäuser, „dort ist Brygge, das alte Zentrum des einstigen Handels, als die Stadt Zentrum des Nordatlantiks und gleichzeitig Metropole politischer Macht war. Dort unten,“ und das sagt sie mit großem Stolz, „dort unten haben die hanseatischen Kaufleute den luftgetrockneten Stockfisch, den man ihnen mit Segelbooten von den weit entfernten Lofoten unter großen Strapazen gebracht hatte, aus unserer schönen Stadt Bergen in die weite Welt verkauft.“



Bergen, Bryggen



Und dann stand ich in Bryggen im uralten hanseatischen Kontor, das ich von weit oben gesehen hatte. Dabei, so erfuhr ich von Urte, ist man heute traurig darüber, dass man fast alle Holzhäuser aus dem Mittelalter, die der vernichtende Stadtbrand von 1916 nicht verschlungen hat, abgerissen hat. Bei den wenigen historischen Holzhäusern, die heute wie ein Augapfel gehütet werden, war den Abrisswütigen Stadtvätern schlichtweg das Geld ausgegangen. Heute gehören sie zum Weltkulturerbe der Menschheit.

Wie ich dann die Holzbauten genauer betrachtete, die zu den bekanntesten in Norwegen gehören, fiel mir auf, dass sie schief und scheel sind. Leider hat man den Fehler gemacht, im näheren Umkreis mächtig große Neubauten zu genehmigen. Und dafür musste man das Grundwasser weit absenken. Was zur Folge hatte, dass die Pfähle, auf denen die alten Schätze ruhen, nicht mehr vom Grundwasser umspült werden. Damit verfaulen sie jetzt und die Häuser sinken ab. „Hier, sehen Sie,“ und mit ernster Mine zeigte sie auf eines dieser Kulturdenkmäler, „der Untergrund dieses Holzhauses wurde bereits saniert. Weitere werden mit unglaublich großem Aufwand folgen.“

Und in dieser alten Handelsstadt wartete ja nun auch meine MS Finnmarken, mein Schiff der „Hurtigruten“, das mich auf die Lofoten bringen soll.

Wie ich dann Bergen auf See verließ, war es schon dunkel. Nach gutem Essen wog mich mein Schiff sanft in den Schlaf. Einige Häfen weiter, die ich in gutem und langem Schlaf nicht mitbekommen hatte, stand ich dann am frühen Nachmittag bei



Kapitän Kai Albrigtsen auf der MS Finnmarken



Schiffstunnel auf Stadlandet

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Kapitän Kai Albrigtsen und seinem Sicherheitsoffizier und Navigator Andreas Johansen auf der Brücke und erfuhr Erstaunliches. Da hatten wir gerade den Hafen von Måløy hinter uns und ich freute mich auf den Besuch von Ålesund. Wie wir dann die schützenden Fjorde verließen und das Westkap auf dem Atlantischen Ozean umfuhren, wurde die See etwas rauer.

Und da zeigte mir Kapitän Albrigtsen auf einer Seekarte, dass man hier auf Stadlandet einen gigantischen Schiffstunnel vom Moldefjorden zum Vanylvsfjorden bauen möchte, um sich die mächtigen Wellen auf dem offenen Meer an diesem Kap zu ersparen, der für viele Segelschiffe damals zum größten Schiffsfriedhof geworden war. Sehr zum Bedauern der Norweger lässt die Transportministerin jetzt ein Gutachten erstellen, ob die Schiffe diesen Tunnel überhaupt treffen. „Ist sie denn so dumm oder tut sie nur so“, hatten die Norweger sofort auf „Facebook“ gekontert.



Ålesund



Eine Nacht weiter mit köstlichem Abendessen und beschaulicher Ruhe mit Blick auf die vorbeiziehende norwegische Küste liefen wir an diesem Freitag Ålesund an. 1904 wurden fast alle Holzhäuser bei einem Großbrand vernichtet. Daraufhin baute man sie innerhalb von 3 Jahren, jetzt aber aus Stein, im Jugendstil wieder auf. Alfred Lupke, mein sachkundiger Stadtführer, führte mich dann auch beim Stadtspaziergang in die ehemalige



Svane-Apotheke Ålesund



Svane-Apotheke, die zu den schönsten Jugendstilbauten in Ålesund zählt. Hier bekomme ich einen lehrreichen und faszinierenden Einblick in die wechselvolle Stadtgeschichte und das Leben dieses Apothekers im Art Nouveau.

Zurück im Hafen fällt mein Blick noch auf einen kleinen Leuchtturm. Und da lächelt Lupke schelmisch und hat auch gleich den passenden Haustürschlüssel parat.



Leuchtturm Ålesund



Dieser kleine Leuchtturm, in dem nur ein kuscheliges Bett und ein hübsches Minibad für verliebte Paare Platz hat, wird für 4500 Kronen, knapp 600 Euro, pro Nacht vermietet.

Trondheim an diesem Samstag. Da wurde ich an stattlichen Holzhäusern inmitten dieser zweitältesten und zugleich drittgrößten Stadt Norwegens zum Nidaros-Dom chauffiert,



Nidaros-Dom Trondheim



wo ich das repräsentativste skandinavische Architekturdenkmal der Gotik lange bestaunte. Ist er auch heute noch Krönungskirche aller norwegischen Könige.

Trondheim steht für eine Stadt der Gegensätze, hatte ich gelesen. Und so machte ich mich vom Dom zu Fuß auf, um neben den neuen, mächtigen Glaspalästen mit goldenen Dächern den



„Gamle Bybru“ Trondheim



farbenfrohen Holzhäusern von der malerischen Stadtbrücke Gamle Brua mit dem Roten Tor wieder einmal einen Besuch abzustatten. Dabei freute ich mich auf den wunderbaren Blick hinüber zum Stadtviertel Bakklandet mit seinen bezaubernden Speicherhäusern auf Pfählen am Nidelva-Fluss.

Jäh werde ich aus meinen Erinnerungsträumen im Panoramasalon herausgerissen. Haben wir doch gerade den Polarkreis überschritten, wartet bereits das Mittagessen an Bord auf mich. Ich



Speisen auf der MS Finnmarken



muss wohl etwas länger gedöst haben, denn nach dem Essen wartet schon ein Speedboot-Ausflug in Bodø auf mich, bei dem inmitten wilder Felslandschaften vom Wasser aus Seeadler zu sehen sein sollen.

Leider hat unsere MS Finnmark eine Stunde Verspätung und muss auch pünktlich wieder ablegen, so dass wir nicht wie vorgesehen mit dem





Speedboot zum Saltstraumen, dem stärksten Gezeitenstrom der Welt, hinaus fahren können. Dafür haben wir aber Glück und sehen jede Menge Seeadler von unserem 240 PS-starken Bombardier-Schlauchboot, das bei eineinhalb Meter hohen Wellen mit satten 30 Knoten übers Wasser donnert.



Norwegische Küste



Jetzt, am späten Nachmittag stehe ich windumtost am Bug meiner MS Finnmarken und blicke auf die mächtigen Berge der Lofoten, die langsam auf mich zukommen.

Dann geht alles ganz schnell. Ich muss meinen Koffer packen und auschecken, wartet doch in Svolvær, der größten Stadt auf den Lofoten in der Provinz Nordland, bereits ein Bus auf mich.

Bei Dunkelheit erreicht er nach einer halbstündigen Fahrt sein Ziel, das Lofotr Wikinger Museum. Hier hat man ein Langhaus in seiner originalen Größe mit authentischen Fundstücken aus der Wikingerzeit errichtet, in dem mich



Lofotr Wikinger Museum



Wikingerhäuptling Olav Tvennumbruni, gespielt von Odd Nicolaysen, mit seiner Dame Åshild (Mona Elise Lauvdal) empfangen. In ursprünglicher Atmosphäre genieße ich ein Mahl und erlebe, wie in früheren Zeiten den Göttern Opfer gebracht wurden, damit die Sonne nach dem langen, dunklen Winter zurückkehrt.

Bevor ich von der schönsten Seereise der Welt, wie es heißt, morgen in aller Herrgottsfrühe nach Hause zurückkehre, übernachte ich noch in einem gemütlichen „Rorbuer“, einer komfortabel umgebauten, traditionellen Fischerhütte gleich neben einem



Stockfisch Lofoten



mächtigen Holzgestell, an dem ausgenommene Dorsche paarweise zum Trocknen für drei Monate an den Schwänzen zusammengebunden worden sind.

Gerd Krauskopf



Weitere Informationen:

Auskunft zu den Postschiffen der Hurtigruten:
Hurtigruten GmbH
Tel: 040 37 69 30
www.hurtigruten.de



MS Finnmarken



Kunst auf der MS Finnmarken:

Auch die Kunst kommt auf der MS Finnmarken nicht zu kurz, wie hier von Maler Dagfinn Bakke.



Kunst auf der MS Finnmarken



Reiseführer:

Zur Vorbereitung den Polyglott APA GUIDE Norwegen, für unterwegs den Polyglott on tour Norwegen mit flipmap


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Kommentare

  • astrid

    Wenn ich seefest wäre, würde ich sofort losfahren - wobei auch ich eher den Cappuccino als die Eiswürfel wählen würde! Ein einfühlsamer Bericht mit spannenden Fotos die beweisen, dass eine solche Reise an keine Jahreszeit gebunden ist.
    LG Astrid

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