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Reisebericht: Meine Lieblingsinsel: Lanzarote
Für mich gehört Lanzarote mit ihrer bizarren Vulkanlandschaft zu den schönsten des kanarischen Archipels. Manche meinen, die Insel wäre öde und wüstenähnlich, doch wenn man genauer hinschaut sieht man eine Farbenvielfalt, die einen nur staunen lässt. Es gibt wunderschöne Sandstrände, türkisblaues glasklares Wasser und ein angenehmes Klima. Kurzum: Eine Insel zum Wohlfühlen.
- Der 1. Tag auf Lanzarote
- 2. Tag
- 3. Tag
- 4. Tag / Besuch des Nationalparkes Timanfaya
- 4. Tag/Las Salinas
- 4. Tag/Los Hervideros und El Golfo
- 5. Tag / Hochseeangeln
- 6. Tag / Relaxen und Baden an den Papagayo-Stränden
- 7. Tag / Puerto del Carmen und Cueva de los Verdes
- 8. Tag
- 9. Tag / El Grifo, La Villa de Teguise, Castillo Santa Barbara
- 9. Tag / Mirador del Rio und Arrieta
- 10. Tag / Fundacion César Manriques, Punta Mujeres, Jameos del Agua und Orzola
- 11. Tag
- 12. Tag
- 13. Tag / Arrecife
- 14. Tag / Playa Blanca
- 15. Tag / Abreise
02.03.2008
Der 1. Tag auf Lanzarote
Anfang Februar d.J. war ich psychisch und physisch so erschöpft (meine Schwester war im April letzten Jahres an Krebs gestorben, mein Vater verstarb am 4.Januar d.J. ebenfalls an Krebs und meine Mutter starb 2 Wochen später), dass mir mein Arzt dringend zu einem baldigen Urlaub riet. Da ich mich nach Sonne und Wärme sehnte fiel mir als Reiseziel nur Lanzarote ein. Ich schwärmte meinem Mann vor wie schön es dort sei und zeigte ihm – sozusagen zur Einstimmung – meine alten Dias. Ein paar Tage später buchten wir unseren Urlaub auf Lanzarote.
1. Tag (Ankunft)
Am Sonntag, den 2. März 2008, war es endlich soweit. Pünktlich um 3.00 Uhr klingelte der Wecker. Trotz meines Reisefiebers hatte ich ganz gut geschlafen. Gegen 5.00 Uhr trafen wir am Flughafen ein. Wir stellten unser Auto auf dem kostenfreien Parkplatz ab und gingen zur Abflughalle. Es stürmte und regnete wie aus Eimern. Als wir die Abflughalle betraten waren wir bis auf die Haut nass.
Um 6.20 Uhr, 10 Minuten später als vorgesehen, startete unsere Maschine vom Flughafen Paderborn/Lippstadt nach Las Palmas (Gran Canaria), wo wir um 10.05 Uhr (Ortszeit) landeten.
Da wir bis zum Weiterflug 4 Stunden Zeit hatten gingen wir erst einmal durch das Flughafengebäude um nachzusehen, wo wir später einchecken sollten. Dann setzten wir uns mit einem Glas Bier auf die Terrasse und genossen das herrliche Wetter. Wir bedauerten den langen Aufenthalt und waren froh, als unser Weiterflug endlich aufgerufen wurde. Der Flug bis Lanzarote dauerte nur 35 Minuten. Als wir landeten war es für mich, als wäre ich in meiner alten Heimat angekommen.
Schon in Deutschland hatten wir uns einen Leihwagen gemietet. Am Avisstand nahmen wir den Wagenschlüssel in Empfang und machten uns auf den Weg in die Tiefgarage, wo die Mietwagen standen. Nachdem wir unser Gepäck verstaut hatten fuhren wir los. Obwohl ich die Straßenführung noch sehr gut in Erinnerung hatte holte ich die Inselkarte hervor und schaute darauf. Früher war ich immer durch Puerto del Carmen gefahren, wenn ich nach Playa Blanca wollte und so staunte ich nicht schlecht, als wir der Schnellstraße folgten, die uns über Macher und Yaiza nach Playa Blanca führte und wir plötzlich an den Salinen bei Las Salinas vorbei kamen:„Schatz, schau mal nach rechts. Dort sind die Salinen.“
Wir brauchten ca. 30 Minuten bis wir in Playa Blanca waren. Achim hatte vorsorglich eine Wegbeschreibung zu unserer Hotelanlage aus dem Internet ausgedruckt, so dass wir ohne Schwierigkeiten die Bungalow-Anlage fanden.
Gegen 16 Uhr standen wir an der Rezeption von „Atlantic Gardens“ und nahmen den Schlüssel für unseren Bungalow in Empfang. Nachdem wir unsere Koffer ausgepackt hatten gingen wir erst einmal zur Strandpromenade, die nur einige Meter weiter anfing.
Auf dem Weg zurück zu unserer Unterkunft kamen wir an einem Supermarkt vorbei. Da er noch geöffnet war gingen wir hinein und kauften erst einmal das Nötigste ein. Vor allen Dingen kauften wir eine 5-Liter-Flasche Wasser zum Kaffeekochen. Das Wasser, das aus dem Kran kommt, sollte man nur zum Waschen benutzen. Vom Trinken wird den Touristen dringend abgeraten.
Gleich neben dem Supermarkt war ein Restaurant. Wir setzten uns auf die Terrasse, bestellten uns ein Bier und etwas zu Essen. Gegen 19 Uhr waren wir wieder in unserem Bungalow.
2. Tag
Wie immer wachte ich schon gegen 6 Uhr auf. Ich stand auf und ging nach draußen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen. In der Anlage selbst war es sehr still, nur die Vögel sangen schon ihr Lied.
Zwei Stunden später stand mein Mann auf.
Während wir unseren Kaffee tranken schauten wir uns auf dem Laptop die Fotos an, die wir auf dem Hinflug und bei unserer Ankunft in Las Palmas und Lanzarote gemacht hatten. Es waren ausnahmslos schöne Aufnahmen geworden.
Wir speicherten sie auf dem Laptop und überlegten, was wir unternehmen sollten. Ich schlug vor, dass wir uns ins Auto setzen und zuerst einmal zum Yachthafen in Playa Blanca und dann nach Playa Palero fahren sollten. Vielleicht konnten wir dann schon einen Termin fürs Hochseeangeln an meinem Geburtstag festmachen.
Zuerst fuhren wir zum Hafen von Playa Blanca. Als ich vor knapp 30 Jahren das erste Mal in Playa Blanca war, war es ein kleiner idyllischer Fischerort. Heute blenden zahlreiche weiß gestrichene Feriensiedlungen, die rundherum gebaut wurden, das Auge. Aus dem einstigen Fischerörtchen ist ein richtig großer Ferienort geworden. Überall waren üppige Gärten angelegt worden, in denen Tausende von leuchtend roten Bougainvilleen und viele Palmen gepflanzt wurden. Gott sei Dank blieb der Dorfcharakter einigermaßen erhalten. Lediglich die vielen Restaurants und Bars, die sich auf der Uferpromenade aneinander reihen, störten mich ein wenig. Andererseits konnte man dort fast überall im Freien sitzen und seinen Blick wunderbar über das Meer schweifen lassen.
Vom Hafen aus legt mehrmals täglich die Autofähre nach Corralejo ab, die Lanzarote mit Fuerteventura über die knapp 15 km breite, nicht immer ruhige Meerenge von La Bocanina verbindet. Wenn man Glück hat, so erzählten Touristen, kann man blau schimmernde fliegende Fische sehen, die die Schiffe begleiten.
Wir parkten das Auto und direkt am Hafen. Bis 1960 wurden hier Schiffe mit dem Salz aus den nahe gelegenen Salinen von Janubio beladen. Als die Produktion eingestellt wurde geriet das kleine Fischernest fast in Vergessenheit. Doch dann mauserte es sich zum Touristenort.
Als wir die Hafenmauer entlang gingen blieb mir, als ich die vielen großen Fische sah, die sich im Hafenbecken tummelten, fast die Luft weg. Erst recht, als plötzlich sogar ein ca. 1 m langer Fisch durchs Wasser schwamm. Noch bevor ich überlegen konnte, um was für einen Fisch es sich wohl handeln würde, rief Achim aufgeregt: „Uschi, schau mal. Das ist ein Wahoo!“
Ohne die anderen Fische auch nur eines Blickes zu würdigen schwamm er durch die Meute.
„Oh Gott, das halte ich nicht aus! Hier würde ich gerne einmal angeln, aber das ist bestimmt nicht erlaubt, sonst wären hier nicht so viele und vor allen Dingen große Fische.“
„Stimmt“ antwortete Achim. „Angeln ist hier verboten. Dort drüben steht das Schild. Aber wenn hier schon so große Fische sind, dann werden wir weiter draußen sicher auch welche fangen können.“
Wir schauten noch dem Anlegen der Autofähre zu, dann gingen wir zurück zum Wagen. Auf dem Weg zum Parkplatz fiel mir ein Boot mit einem Schild auf, auf dem stand: „Private Fishing Trips“.
„Achim, schau mal“ rief ich aufgeregt. „Da liegt ein Boot mit dem man zum Fischen rausfahren kann. Komm lass uns mal nachfragen, was das kostet.“
Wir gingen ins Büro der Tauchschule und erklärten unser Anliegen. Eine halbtägige Bootstour sollte 450, eine ganztägige sogar 900 € kosten! Das lohnte sich nur, wenn wenigstens 10 Personen zusammen kämen, wurde uns gesagt. Leider waren wir aber nur zu zweit! Etwas enttäuscht verließen wir das Gebäude.
„Wo wollen wir jetzt hin?“ fragte Achim.
„Ich möchte noch gerne zum Yachthafen Marina Pubićon. Der ist neu, den gab es damals noch nicht.“
Wir setzten uns wieder ins Auto und waren nach wenigen Metern angekommen. Es lagen so viele schöne Segelboote vor Anker, dass man richtig neidisch werden konnte!
„Wenn das Willi sehen würde, käme er aus dem Staunen nicht mehr raus. Ich rufe ihn mal an. Wollte mich sowieso heute bei ihm melden“, sagte ich zu Achim.
Auch hier im Hafenbecken tummelten sich viele große Fische. Und auch hier war das Angeln natürlich nicht gestattet.
Wir gingen durch das künstliche „kanarische Dorf“ des Gran Meliá Volcán zum Festtungsturm Castillo de las Coloradas. Er wurde 1741 errichtet, aber schon wenige Jahre später fiel er den algerischen Piraten zum Opfer. Der heute zu bestaunende Bau wurde 1769 errichtet.
Oben auf der Punta del Áquila (= Turm des Adlers) angekommen setzten wir uns auf die Steine und genossen die herrliche Aussicht und Ruhe. Nur das Rauschen des Windes und das Plätschern der Wellen waren zu hören. Die Sonne schien vom blauen Himmel und wir atmeten tief durch. Wie schön war es hier. „Verstehst du jetzt, warum ich Lanzarote so liebe?“ fragte ich Achim.
„Ja. Mir gefällt es hier auch sehr gut. Wir fliegen bestimmt noch einmal hier hin.“
Nach einer halben Stunde setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren weiter nach Puerto Calero. Im exklusiven Sporthafen dümpelten noble Yachten, eine schöner als die andere.
Zuhause hatte ich mir einige Adressen aus dem Internet rausgesucht, die Hochseeangeltouren anboten. Ich holte meinen Zettel aus der Tasche und schaute nach. Dort stand, dass „Catlanza“ in Puerto Calero ebenfalls Hochseeangeln anbot. Wir suchten nach dem Gebäude, das gleich neben einem Cafe war, Leider sprach die Dame kein Deutsch und ich nur einige Brocken Spanisch. Im gebrochenen Englisch versuchten wir unser Anliegen vorzutragen. Wir buchten für Donnerstag die Hochseeangeltour.
Auf der Rückfahrt zu unserer Ferienanlage fuhren wir die Schnellstraße entlang. In unserem Bungalow angekommen verschnauften wir ein wenig, zogen uns um und gingen zum Hotel Timanfaya, wo um 17 Uhr eine Begrüßung durch die TUI-Reiseleitung stattfand. Als ich hörte, dass am kommenden Samstag in den Höhlen von Los Verdes ein Konzert stattfinden würde, war ich begeistert. Das hatte ich mir schon immer mal gewünscht. Bei meinen früheren Besuchen hatte es nie geklappt. „Schatz, diese Gelegenheit müssen wir nutzen. Auch wenn du dich für klassische Musik nicht interessierst, der Klang in den Höhlen ist einmalig. Da möchte ich unbedingt hin.“
Wir buchten bei der Reiseleitung nicht nur das Konzert sondern auch noch eine Submarine Safari für den nächsten Tag.
„Ich glaube 14 Tage reichen nicht aus um alles zu sehen. Jetzt haben wir an einem Tag schon 3 Termine festgelegt. Bisher haben wir noch nicht einmal im Meer gebadet, vom Angeln ganz abgesehen“, meinte Achim.
„Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zeige ich dir noch. Andererseits ist das ein guter Grund noch einmal nach Lanzarote zu kommen“, meinte ich grinsend.
Bevor wir uns zum Abendessen in ein Restaurant setzten spazierten wir noch etwas auf der Promenade herum.
3. Tag
In dieser Nacht hatte ich nicht so gut geschlafen. Irgendwann in der Nacht stand ich auf und holte mir eine zweite Decke, denn ich fror fürchterlich. Es dauerte eine geraume Zeit bis ich endlich wieder einschlief. Als ich erwachte war es schon hell. Ich ging auf die Terrasse und staunte nicht schlecht, als ich sah, dass es geregnet hatte. Regen auf Lanzarote hatte ich noch nie erlebt. Am Himmel hingen noch ein paar Wolken, aber eine halbe Stunde später waren sie verzogen und die Sonne strahlte vom Himmel.
Während ich unter der Dusche stand montierte Achim unsere Ruten, denn er wollte unbedingt zum Angeln an den Strand. Viel Zeit blieb uns ja nicht, denn um 13.30 Uhr wurden wir am Hotel Timanfaya zu der gebuchten U-Boot-Fahrt abgeholt. Wir packten unsere Angelsachen und gingen zu dem nahe gelegenen Strand. Wir betraten die Steintreppe und balancierten über dicke Steine bis wir einen guten Platz gefunden hatten. Es war gerade Flut und die Wellen peitschten unaufhörlich gegen die Felsbrocken. Obwohl ich ganz heiß aufs Angeln war traute ich mich nicht so richtig. Als setzte ich mich erst einmal auf einen Stein und schaute Achim beim Montieren seiner Rute zu. Nach einiger Zeit bemerkte Achim den ersten Biss. Ein kleiner Meerpfau aus der Gattung der Lippfische hatte sich das Schwimmbrot geschnappt. Solche bunten Fische kannte ich bisher nur aus dem Aquarium. Achim beköderte den Haken neu, warf aus und wenig später darauf ging ihm ein weiterer Meerpfau an den Haken.
Die Flut stieg langsam an, so dass wir gegen 12 Uhr wieder unsere Sachen packten und uns auf den Weg zu unserem Bungalow machten.
Wir zogen uns für die U-Boot-Fahrt um und gingen zum Treffpunkt am Hotel Timanfaya. Auf dem Weg dorthin verspürte ich ein Kratzen im Hals. Das war kein gutes Zeichen. Sicher war eine Erkältung im Anmarsch.
Beim Timanfaya Palace stiegen wir in einen Bus, der uns nach Puerto Calero brachte, wo wir ins Submarine Safaris gingen. Bevor es auf das U-Boot ging wurden wir erst einmal in die Sicherheitsvorkehrungen eingewiesen. Dann gingen wir am Kai entlang bis wir das leuchtend gelbe U-Boot sahen. Von weitem glich es eher einem Schlauchboot.
Wir stiegen eine steile Treppe hinab direkt in dem Bauch des U-Bootes und waren sofort unter Wasser. Durch das 80 cm große Bullauge konnte ich viele Fische um das Boot herum schwimmen sehen. Auf einem kleinen TV-Monitor, der an jedem Fensterplatz war, konnten wir verfolgen, wie das U-Boot aus dem Hafen fuhr und nach einiger Zeit abtauchte. Während Achim fotografierte, versuchte ich mit unserer Filmkamera die vielen schönen Fische, die um uns herum schwammen, festzuhalten. Aber es war sehr schwierig, denn sie waren sehr schnell. In 33 m Tiefe hielt das U-Boot an. Die Fische kannten die Tauchgänge wohl schon, denn sie kamen bis ans Fenster geschwommen. Man hätte sie – wäre die Scheibe nicht dazwischen gewesen – anfassen können. Ich war beeindruckt von den riesigen Seesternen, die sich an den vulkanischen Steinen festgemacht hatten. Bevor es zurück in den Hafen ging kamen wir an einem alten Wrack vorbei, das ein ideales Versteck für die Fische bildete. Andere Fische, so konnte ich beobachten, versteckten sich, indem sie sich im Sand einbuddelten.
Als wir wieder im Hafen waren erhielt jeder Teilnehmer ein Zertifikat. Der Bus brachte uns zurück nach Playa Blanca. Im Restaurant „Beach Club“ bestellten wir uns ein leckeres Fischgericht zu essen.
4. Tag / Besuch des Nationalparkes Timanfaya
Gegen 9.30 Uhr setzten wir uns in unseren Mietwagen und fuhren Richtung Feuerberge, natürlich nicht ohne unsere Ruten mitzunehmen.
Wir wollten zuerst bei den Salinen anhalten und dann weiter zum El Golfo fahren. Da wir nicht gleich die Ausfahrt zur Nebenstraße fanden planten wir um. „Lass uns zuerst in die Feuerberge fahren. Auf dem Rückweg besuchen wir die anderen Sehenswürdigkeiten“, sagte ich zu Achim.
„Mir ist es egal, wo wir zuerst hinfahren. Du bist hier der Reiseleiter.“
Wir fuhren an Yaiza vorbei und bogen dann Richtung Nationalpark ab. Die Straße führte schnurstracks durch die Vulkanlandschaft. Nach einigen Kilometern sah ich linkerhand die Dromedar-Karawane. Wir stellten unseren Wagen auf dem Parkplatz ab und schauten den schaukelnden Wüstentieren zu, wie sie den Berg erklommen. Auch dieses Mal reizte es mich nicht auf dem Rücken eines Dromedars zu sitzen.
Seit mehr als hundert Jahren waren die Dromedare neben dem Esel die treuen Begleiter der lanzarotischen Bauern. Die ausdauernden und genügsamen Tiere waren für diese Gegend wie geschaffen, denn sie können eine Woche lang ohne Wasseraufnahme auskommen. Mit ihnen bestellte man die Äcker und sie dienten als Last- und Reittier. Seit ca. 30 Jahren werden sie in der Landwirtschaft nicht mehr gebraucht. Aber ausgedient haben sie deshalb nicht, sie wurden seit 1980 für das Tourismusgeschäft entdeckt.
Zuhause sind die Dromedare in Uga, einem kleinen Örtchen in der Nähe von Yaiza. Dort werden sie erfolgreich gezüchtet und zwar so sehr, dass heute die Scheiche aus Marokko nach Lanzarote kommen um hier die Tiere zu kaufen.
Nachdem wir ein paar Fotos gemacht hatten setzten wir uns wieder in den Wagen und fuhren weiter. Nach einigen Kilometern führte eine kleine Straße von der Hauptstraße ab. Am Eingang des Timanfaya Nationalparks begrüßt ein Bildnis des Diablo, des Teufels, die Besucher. Dieses Symbol für die Region der Feuerberge hat César Manrique schon sehr früh entworfen. Vor dem Kassenhäuschen hatte sich schon eine lange Schlange von Autos gebildet, die alle darauf warteten weiterfahren zu dürfen. Pro Person zahlten wir 8 € Eintrittsgeld. Das war ganz schön happig, aber darin war die 14 km lange Busrundfahrt auf der Ruta de los Volcanes enthalten.
Vom Kassenhäuschen bis zum Parkplatz waren es noch 4 km. Nachdem uns ein Parkplatz zugewiesen wurde stellten wir den Wagen ab, stiegen aus und standen inmitten von schwarzen Lavameeren. Dahinter türmten sich hohe Berge auf. Manche hatten abgebrochene Spitzen, andere stiegen weich an und waren mit kleinen Lavasteinen bedeckt. Der Anblick löst eine gewisse Beklemmung aus, umso mehr, wenn man daran denkt, dass sich hier einmal eine der größten Katastrophen der jüngeren Erdgeschichte ereignet hat. Von 1730 bis 1736 und im Jahre 1824 öffnete sich die Erde und begrub mehrere Dörfer samt seinen Bewohnern unter glühender Lava, darunter auch das Dorf Timanfaya. Vor den Vulkanausbrüchen gehörte das große Areal zu dem fruchtbarsten Teil Lanzarotes.
Einem Pfarrer aus Yaiza ist es zu verdanken, dass man über den Hergang der Katastrophe 1730 Bescheid weiß. Als in der Nacht des 1. September 19730 die Erde aufbrach und anfing Feuer zu speien, begann er mit Tagebuchaufzeichnungen. Täglich berichtete er über neue Hiobsbotschaften, bis er zusammen mit anderen Bewohnern nach Gran Canaria flüchtete. Ganze Ortschaften wurden von den Lavaströmen überrollt, die sich bis ins Meer wälzten. Millionen toter Fische wurden an die Küste gespült. Man konnte fast zuschauen wie sich immer neue Berge bildeten und Krater entstanden, die sogleich wieder explodierten. 1824 revolierte die Erde erneut und es entstanden drei weitere Vulkane. Die Verwüstungen waren jedoch nicht so schlimm wie 100 Jahre zuvor.
1975 wurde die 85 qkm große Fläche rund um die Feuerberge als Nationalpark unter Naturschutz gestellt. Sie nimmt ein Sechstel der gesamten Inselfläche ein.
Es dauerte nur ein paar Minuten bis wir in den Bus stiegen, der uns ins Herz des größten Lavafeldes der Erde brachte. Obwohl ich schon mehrmals die 45minütige Tour mitgemacht habe, war ich auf dieses Mal wieder aufs Neue fasziniert.
Bei meinem ersten Urlaub auf Lanzarote war die Mondlandschaft noch völlig vegetationslos gewesen. Inzwischen hat sich wieder Leben angesiedelt. Viele Pflanzen, vor allen Dingen Flechten, sind hier zu finden, aber auch größere und kleinere Tiere haben hier ihr Zuhause gefunden.
Zuerst umfuhr der Bus den Mantó de la Virgen, den „Mantel der Jungfrau“. Er wir so genannt, weil sich durch das schnelle Erkalten der Lava ein „geöffneter Umhang“ gebildet hat. Dann hielt er am Montaňa Rajada, einem roten Berg, an. Als nächstes passierte der Bus eine Naturgrotte, den Barranco del Fuego. Nach 250 Jahren hat auch hier die Vegatation begonnen sich die bis dahin tote Lavalandschaft zu erobern. Wir hatten das Glück, dass der Bus einen Abstecher ins „Tal der Stille“, in den Valle de la Tranquilidad, machte. Es ist eine graue, furcht erregende Senke ohne Horizont. Hier, mitten im Lavafeld, hört man keinen einzigen Laut, daher der Name. Nach einigen Metern Fahrt waren wir wieder auf dem Höhenrücken des Timanfaya-Gebietes und konnten das schäumende Meer und die weißen Häuser des Dörfchens Las Breňas erblicken.
Während der Rundfahrt hatte ich erneut das Gefühl mich nicht auf der Erde sondern auf einem fremden Planeten zu befinden. So stellte ich es mir auf dem Mond oder Mars vor. Wie vor vielen, vielen Jahren beschlich mich auch dieses Mal etwas Angst, der Vulkan könnte wieder ausbrechen.
Kurz vor dem Ende der Rundfahrt näherten wir uns dem Isolte del Hilario. Hilario, so heißt es, war ein Einsiedler, der dort einmal in dieser unwirklichen Gegend gelebt hat.
Als wir wieder am Ausgangspunkt angekommen waren schauten wir zwei spektakulären Vorführungen zu. Ein Angestellter des Parks warf einen trockenen Dornlattichstrauch in ein tiefes Loch, woraus sich innerhalb von Sekunden ein Feuerball bildete. Damit wurde demonstriert, dass an diesem Ort noch heute Temperaturen um 400° C herrschen.
Ein Stückchen weiter schauten wir zu, wie ein Eimer Wasser durch ein enges Rohr in die Tiefe gegossen wurde. Nach wenigen Sekunden zischten mit einem lauten Knall kochendes Wasser und eine Dampfsäule in die Höhe.
4. Tag/Las Salinas
Noch beeindruckt von dem, was wir gesehen hatten, setzten wir uns ins Auto und fuhren zurück nach Yaiza. Da wir die Abfahrt nach El Golfo nicht fanden (die Straßenbeschilderung ist teilweise sehr schlecht), fuhren wir zuerst weiter bis zu den Salinen um von der anderen Seite nach El Golfo zu fahren. Wir kamen jedoch nicht weit, denn plötzlich versperrte uns ein Polizeiwagen die Weiterfahrt. Ein Stückchen weiter, so konnten wir erkennen, stand ein Feuerwehrwagen. Wir vermuteten, dass entweder ein Auto oder ein Tourist abgestürzt war. Wir drehten um, hielten kurz darauf wieder an und stiegen aus. Dann kletterten wir über Lavasteine bis wir am Steilufer ankamen. Hier schauten wir den weißgischtenden Wellen zu, die gegen die schwarzen Lavafelsen prallten.
„Wo wollen wir jetzt hinfahren? Nach El Golfo können wir ja nun nicht.“ fragte Achim.
„Wir könnten noch einmal zurück Richtung Yaiza fahren, allerdings auf der alten Straße, und dann in die Ortschaft El Golfo. Oder aber wir fahren zu dem Restaurant bei den Salinen und essen dort etwas.“
„Okay. Das ist eine gute Idee. Ist ja auch schon Mittagszeit. Vielleicht ist nachher die Straße wieder frei“, antwortete Achim.
Bis vor einigen Jahren waren die rund 2 km² großen Salinenanlagen bei Las Salinas de Janubio noch in Betrieb. Als sie sich nicht mehr rentierten, ließ man sie einfach verfallen. Früher war die Meersalzgewinnung für die Fischer wichtig. Sie konservierten darin ihren Fang und Proviant. Die verfallenen Windmühlen, die früher das Meerwasser in die etwas höher gelegenen Verdampfungsbecken pumpten, stehen jetzt unter Denkmalschutz. Mit Mitteln der EU und des spanischen Staates soll schon in naher Zukunft in Las Salinas des Janubio ein Industriedenkmal entstehen. Für die vielen Touristen die nach Las Salinas kommen, soll die Salzgewinnung zu Schauzwecken wieder zum Leben erweckt werden.
„Ich finde abends sieht es hier richtig romantisch aus“, sagte ich zu Achim. „Wenn die Sonne untergeht werden die rosafarbenen Becken in ein goldgelbes und tiefrotes Licht getaucht und die Überreste der Windmühlen heben sich wie Scherenschnitte vom Horizont ab. Das ist ein wunderschöner Anblick.“
Achim antwortete: „Das kann ich mir gut vorstellen. Doch wir können hier jetzt nicht bis zum Abend warten. Vielleicht fahren wir ein anderes Mal noch einmal hin.“
Anders als in Playa Blanca ist der Sand an der Playa del Janubio schwarz. Es sieht überwältigend aus, wenn die weißgischtenden Wellen gegen die Felsen schlagen. Weißt du was das für ein Kasten da hinten ist?“ fragte mich Achim.
„Inzwischen ja. Das ist die Meerwasser-Entsalzungsanlage für Playa Blanca. Von dort bekommen wir das Wasser.“
Wir setzten uns im Restaurant El Mirador auf die Terrasse und bestellten uns eine Fischplatte. Während wir unser leckeres Fischgericht aßen beobachtete ich die Wagen, die Richtung El Golfo fuhren, und wie wir auch, nach einigen Minuten zurückkamen. Nachdem wir uns eine gute Stunde im Restaurant aufgehalten hatten versuchten wir es erneut nach El Golfo zu kommen. Und siehe da, die Straße war wieder frei.
05.03.2008
4. Tag/Los Hervideros und El Golfo
Bei unserer Weiterfahrt hielten wir an einer Stelle an, die Los Hervideros heißt. Der Name bedeutet „die Brodelnden“, und tatsächlich glaubt man beim Blick in den tiefen Fjord einen brodelnden Dampfkessel unter sich zu haben. Über Jahrhunderte hat das Meer die Felsen ausgewaschen, so dass große Höhlen entstanden sind, in denen das Wasser laut tosend brandet. Wir spazierten vom Parkplatz aus durch eine bizarre Vulkanlandschaft. Ein Stückchen weiter führten ein paar Stufen hinab zu einer Stelle, an der man in die ausgewaschenen Felsen hineinschauen konnte.
Achim machte mir ein wenig Angst, weil er es nicht lassen konnte über die Lavasteine zu klettern um dem Meer ganz nahe zu sein.
Als er wieder zurück war stiegen wir in den Wagen und fuhren nach El Golfo. In dem kleinen beschaulichen Fischerdörfchen stellten wir das Auto auf dem großen Parkplatz ab. Die Largo Verde genannte Lagune konnten wir nicht gleich sehen, da sie hinter dem Rand einer abgebrochenen Caldera versteckt liegt.
„Komm Schatz. Wir müssen hier den kleinen Berg hinauf klettern, dann können wir den grünen Kratersee sehen. Das, was wir hier sehen, ist er nicht.“
Oben angekommen staunte Achim über das unglaublich grün schimmernde Wasser, dessen Farbe durch Algen verursacht wird.
„Du wirst es nicht glauben, aber der Salzgehalt ist hier höher als der vom Toten Meer“ klärte ich Achim auf. „Im Laufe der Jahre ist der Kratersee (Charco des los Clios) um die Hälfte geschrumpft, d.h. als ich ihn vor gut 30 Jahren das erste Mal sah, war er doppelt so groß, wenn nicht sogar größer.“
Nur ein schmaler Sand- und Kiesrand trennt den Kratersee vom Meer. Durch die Flut, so vermutet man, wird immer mehr Gestein in den See getragen. Wenn man auf ihn herabblickt glaubt man kaum, dass er sehr tief ist.
Als wir zum Parkplatz zurück gingen setzten wir uns ins Auto und fuhren erst einmal durch den kleinen Ort mit seinen vielen Fischrestaurants. Alle hatten einen wunderbaren Blick aufs Meer.
„Hierher müssen wir unbedingt einmal abends fahren. Von der Terrasse der Restaurants kann man, wenn das Wetter mitspielt, einen herrlichen Sonnenuntergang genießen. Leider ist mir das bisher nicht geglückt. Damals bin ich extra hierher gefahren um den Sonnenuntergang zu sehen und zu fotografieren, aber dann kamen viele Wolken und es wurde nichts daraus.“
Achim antwortete: „Wenn wir nicht gerade angeln, können wir hier gerne hinfahren. Aber du weißt doch, dass die Fische meistens nach Sonnenuntergang an die Küste kommen.“
Etwas geknickt antwortete ich: „Komm Schatz, wir sind doch nicht nur zum Angeln nach Lanzarote gefahren. Zuerst wollten wir uns nur erholen und abschalten. Dann kam uns die Idee vom Angeln auf Lanzarote. Wir sollten es nicht übertreiben!“
Wir stiegen ins Auto und fuhren zurück nach Playa Blanca.
5. Tag / Hochseeangeln
Pünktlich um 6.30 Uhr klingelten Achims Wecker und mein Handy. Sofort stand ich auf, machte die Kaffeemaschine an und ging ins Bad. Als ich mit der Morgentoilette fertig war gratulierte mir Achim zu meinem Geburtstag: „Herzlichen Glückwunsch, mein Schatz. Hoffentlich fängst du heute einen großen Fisch an deinem Ehrentag.“
„Ach, wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Ich möchte nur nicht seekrank werden, das ist meine größte Sorge.“
Die Nacht über hatte es sehr gestürmt und ich befürchtete, dass unsere Bootsfahrt ausfallen würde. Aber gegen Morgen legte sich der Wind. Um 8.50 Uhr sollten wir im Hafen von Puerto Calero sein. Früher als geplant, gegen 8.15 Uhr, kamen wir dort an. Das Dörfchen schlief noch. Auch die Cafes hatten noch geschlossen. Wir gingen zu dem Boot, von dem wir vermuteten, dass es unser Schiff sei. Aber weit und breit war kein Mensch zu sehen. Ein Stückchen weiter lag ein anderes Boot mit Ruten an Bord. „Es ist gleich 8.45 Uhr. Entweder hat man uns vergessen oder es ist nicht das richtige Boot. Dort drüben kommen Angler. Lass uns mal fragen, ob sie auch bei Catlanza gebucht haben.“
Der Bootsmann verneinte unsere Frage. Während Achim beim Boot stehen blieb ging ich ins Büro von Catlanza, das inzwischen geöffnet hatte, und fragte, wann uns denn jemand abholen würde bzw. von wo wir losfahren würden. Die Dame griff zum Telefon und meinte daraufhin, dass wir in 10 Minuten abgeholt würden.
Und tatsächlich kam nach dieser Zeit ein Mann, der uns zu einem Bulli brachte, in dem 3 weitere Personen saßen. Wir fuhren zusammen nach Puerto del Carmen und stiegen auf das Boot. Insgesamt waren wir 11 Personen. Es waren ausnahmslos Engländer. Bevor es zum Schleppfischen aufs Meer hinaus ging fuhr das Boot zuerst nach Puerto Calero um aufzutanken. Dann endlich ging es aufs offene Meer.
Der Bootsjunge machte 11 Schleppruten mit Tintenfischimitationen fertig und ließ sie am Boot hinunter. Anschließend mussten wir eine Nummer ziehen. Jede Rute hatte eine Nummer. Achim zog die Nr. 4, ich die Nr. 8. Gespannt beobachtete ich „meine“ Rute. Während der ganzen Fahrt tat sich jedoch nichts. Wir fuhren bis hinter Playa Blanca. Vom Boot aus waren die Papagayo-Strände zu sehen. „Schau mal dort. Da ist unser Strand“ rief mir Achim zu.
Dann meldete der Kapitän, dass wir bald anhalten würden. Für jeden von uns wurde nun eine Grundrute mit Tintenfischfetzen bestückt. Als das Boot ankerte, sagte der Schiffsjunge, dass 6 Personen aufs Vorderdeck sollten. Die anderen 5 konnten hinten bleiben. Als erstes ging ein junges Pärchen nach vorne. Da das Schiff doch sehr schaukelte, zierten sich die anderen, d.h. keiner wollte nach vorne. Ich wäre auch gerne hinten geblieben, aber da keiner der anderen Teilnehmer sich rührte, sagte ich zu Achim, dass wir auch aufs Vorderdeck gehen würden. Als wir auf dem schmalen Steg an der Kapitänskajüte vorbei gingen war mir etwas mulmig zumute. Auf dem vorderen Deck schaukelte das Schiff noch mehr, so dass ich mich kniend an der Reeling fest hielt. Das Wasser war an der Stelle ca. 40 m tief. Wir ließen die Köder runter und schauten gespannt zu, ob und wann der erste Fisch anbeißen würde.
Der Schiffsjunge kam erneut zu uns aufs Vorderdeck und kippte einen großen Sack voller Brot über Bord, um die Fische anzulocken. Doch die Strömung war zu stark. Es wurde sofort alles wieder weggetrieben. Eine ältere Dame wurde bei dem Geschaukel seekrank und fütterte ebenfalls die Fische mit ihrem Frühstück.
Einmal, so meinte ich, hatte ich einen Biss verspürt. Als ich die Rute wieder reinholte war ein Stückchen Fischfetzen ab, das andere baumelte noch am Haken. Ein paar Minuten später fing mein Nebenmann einen Fisch. Wir wissen nicht genau um was es sich dabei handelte. Er sah jedenfalls etwas zum Fürchten aus mit seinen Zähnen und Stacheln. Ich hatte meine Rute gerade wieder runter gelassen, als Achim rief: „Ich habe einen dran. Und zwar einen großen.“
Schnell kurbelte ich meine Rute rein. Ich hatte den Köder noch nicht wieder an Bord, als Achim enttäuscht bekannt gab, dass der Fisch abgegangen sei. „Oh nein! Ich hatte mich schon so sehr auf ein schönes Foto von dir mit einem dicken Fisch gefreut.“
Achim beköderte seine Haken mit neuen Fischfetzen und versuchte es erneut. Ein paar Minuten später, es war inzwischen noch stürmischer geworden, meldete der Kapitän, dass wir die Ruten reinholen sollten, da er umdrehen würde.
Das junge Pärchen verließ das Vorderdeck, während Achim und ich noch sitzen blieben. Nach einiger Zeit waren wir jedoch von der Gischt so nass geworden, dass wir ebenfalls nach hinten flüchteten.
Als wir umdrehten sagte der Kapitän, wir würden zum Grundangeln an einer anderen Stelle halten, doch dann wurde der Seegang immer heftiger, so dass es nicht mehr möglich war. Erneut wurden die Schleppruten raus gebracht. Wieder beobachtete ich gespannt „meine“ Rute. Auf unserer Tour kamen wir an einer Stelle vorbei, wo mir ein komisches Gebilde im Wasser auffiel. Zuerst konnte ich damit nichts anfangen, dann erklärte uns der Schiffsjunge, dass es eine Anlage zur Fischaufzucht sei. Früher hätte man dort versucht Thunfische zu züchten, aber da es nichts brachte, wurde es vor 4 Jahren aufgegeben. Nun versucht man Doraden zu züchten.
Bis zu unserer Ankunft im Hafen von Puerto del Carmen tat sich absolut nichts. Bevor wir das Boot verließen fragte Achim den Schiffsjungen, ob wir ein paar Tintenfischfetzen bekommen könnten. Nachdem der Kapitän zugestimmt hatte füllte der Schiffsjunge uns den Rest der klein geschnittenen Köder in eine Plastiktüte.
Es war ein schöner Tag auf See gewesen – leider ohne Fisch!
6. Tag / Relaxen und Baden an den Papagayo-Stränden
Die beiden Strände von Playa Blanca sind zwar sehr gepflegt, aber viel schöner ist es an den östlich gelegenen Papagayo Stränden. Am Abend zuvor hatten wir uns überlegt dort hinzufahren.
1998 wurde das Gebiet um den 560 m hohen Hacha Grande im Los Ajaches Gebirge zum Naturschutzgebiet erklärt. Bis dahin konnte man ohne Probleme mit dem Auto fast bis an den Strand fahren. Heute verlangt die Gemeinde Yaiza von den Autofahrern eine Eintrittsgebühr (3 €), was viele davon abhält an die wunderschöne Strände zu fahren. Über eine holprige Piste ging es bis zu den Stränden. Zuerst kommt der 400 m breite Playa de Mujeres. Hier sonnen sich viele Besucher. Außerdem steht dort ein Imbisswagen. Der nächste Strand ist der recht schmale und einsame Playa de Caletón, gefolgt vom 300 m langen, gut besuchten Playa del Pozo, in dessen Nähe eine archäologische Ausgrabungsstätte (San Marcial de Rubicón) ist. Dann folgt die ebenfalls 300 m lange Playa de la Cera, an die sich die malerische, windgeschützte, meistens aber überfüllte Playa de Papagayo anschließt. An diesem Strand ist auch FKK möglich. Zuletzt folgen noch die flach abfallende Playa Caleta del Congrio und die knapp 100 m lange, dem Wind ausgesetzte Playa de Puerto Muelas. An letzterer sind im Sommer zahlreiche Camper.
Ich überlegte nicht lange, sondern deutete Achim an, dass er an der Gabelung links rum fahren sollte, zum Playa de Puerto Muelas. Hier herrschte zwar eine starke Brandung, aber der Strand war nicht so überfüllt. Außerdem war hier ebenfalls FKK möglich.
Wir stellten unseren Wagen auf einem Schotterplatz ab und gingen zum Strand. Hier bot sich uns ein Bild wie im Bilderbuch: Herrlich blauer Himmel, azurblaues, glasklares Wasser und ein wunderschöner weißer Sandstrand.
Wegen der noch andauernden Flut stellten wir unsere Taschen vorsichtshalber in einen Felsvorsprung. Am liebsten hätte ich mich sofort ins Wasser gestürzt, aber die starke Brandung hielt mich davon ab. Lediglich bis zum Po wagte ich mich vor. Dann flüchtete ich wieder an den Strand. Achim machte die Brandung nichts aus. Er schwamm einige Zeit und kam dann mit strahlendem Gesicht zu mir: „Das ist einfach traumhaft hier. Ich schätze mal, dass das Wasser 19° C hat.“
Als die Flut endlich zurückging und weil mein Körper ganz schön aufgewärmt war, wagte ich mich erneut ins Wasser. Doch die Wellen kamen immer noch mit einer Wucht an, dass ich alsbald schon wieder zum Strand zurückging. Nachdem Achim noch einmal eine Rund geschwommen hatte zogen wir uns an und fuhren zurück nach Playa Blanca.
7. Tag / Puerto del Carmen und Cueva de los Verdes
Ich hatte die Nacht Dank des Sprays besser geschlafen und fühlte mich um 5 Uhr morgens topp fit. Bis Achim gegen 8.30 Uhr das Bett verließ las ich meinen spannenden Krimi weiter. „Na, mein Schatz. Gut geschlafen?“
„Ja. Diese Nacht ging es. Nur der Schnupfen ist noch nicht besser geworden. Aber bei der Seeluft wird er sicher auch bald verschwinden. Was machen wir heute? Ich meine, bis zum Abend?“
„Ich werde gleich noch einmal zum Angeln runter gehen. Willst du mit?“
Ich antwortete: „Ich glaube schon. Aber lass uns zusehen, dass wir dieses Mal noch vor der Flut zurück auf der Promenade sind.“
Natürlich war das Wasser wieder am steigen, als wir am Ufer ankamen. Ich schaute eine zeitlang Achim zu, wie er versuchte mit einem Tintenfischfetzen die Fische zu überlisten. Nach einigen Würfen wechselte er das Vorfach gegen ein Stahlvorfach aus, denn immer wieder war der Haken ab. „Das können nur die kleinen Lippfische mit ihren scharfen Zähnen sein. Ich merke ja, wie sie am Köder ziehen. Na wartet! Mit mir nicht! Jetzt könnt ihr euch die Zähne ausbeißen.“
Als mir das Zuschauen zu langweilig wurde nahm auch ich meine Rute. Ich montierte die Wasserkugel an die Hauptschnur und nahm einen 6er Haken, auf den ich ein Stück Fischfetzen steckte. Die Wellen wurden inzwischen höher, so dass es recht schwierig war einen Biss auszumachen. Immer wenn ich den Köder kontrollierte, war er abgefressen.
Nach einer guten Stunde vergeblichen Angelns packten wir unsere Sachen, auch, weil die Flut inzwischen höher geworden war und die Steinpackung schon überspült wurde.
Zurück in der Ferienwohnung sagte ich zu Achim, dass ich gerne nach Puerto del Carmen fahren würde.
Gegen 12.30 Uhr parkten wir unseren Wagen etwas oberhalb des Hafens El Varadero. „Lass uns runter zur Uferpromenade und dann bis zum Einkaufszentrum gehen. Anschließend fahren wir bis zum Hotel San Antonio. Das liegt von hier aus gesehen am Ende von Puerto del Carmen. Ich möchte dir gerne die kleine Bucht zeigen, in der ich vor 30 Jahren gebadet habe.“
Hier am Rand des touristischen Geschehens konnte man noch ein wenig von der früheren Schönheit des Fischerortes erahnen. Da es Mittagszeit war setzten wir uns in ein Restaurant, von dem wir einen herrlichen Blick auf das Hafenbecken hatten, und bestellten uns „Schwertfisch mit kanarischen Kartoffeln“. Anschließend spazierten wir weiter zum Hotel Los Fariones.
„Wollen wir nicht zurückgehen?“ fragte Achim.
„Gleich. Komm mit. Ich möchte dir mal den Playa Grande, den größten Strand von Puerto del Carmen von hier aus zeigen.“ Er ist nur einer von insgesamt 8 Stränden mit einer Gesamtlänge von 6 km.
Schon damals hatte es mich abgestoßen, dass dort die Liegestühle mit den Sonnenschirmen Reihe an Reihe standen. Im Laufe der Jahre hat ihre Zahl sogar zugenommen, wie wir sehen konnten. Kein Wunder, gibt es doch inzwischen mehr als 30.000 Betten in dem Ort.
„Was meinst du? Wollen wir nicht ein Stückchen am Strand entlang gehen?“ fragte ich Achim.
„Können wir machen, wenn es nicht zu weit wird.“
„Ach nein. Bis zu „meiner“ Bucht ist es nicht weit. Damals bin ich jeden Tag diese Strecke gegangen.“
Als wir weitergingen ahnte ich nicht, wie weit es tatsächlich sein sollte. Bei sengender Hitze gingen wir fast bis zum Ende der Ortschaft. Unterwegs hielt ich immer wieder nach Geschäften und Bars Ausschau, die ich von früher kannte. Besonders gerne hatte ich in der Bagatela Bar gesessen um dort einen riesigen Eisbecher zu verzehren. Nach mehreren hundert Metern (oder waren es sogar Kilometer?) rief ich erfreut: „Achim, schau mal. Dort ist die Bagatela Bar! Dort muss ich auf den Rückweg einen Eisbecher essen!“
„Sind wir denn noch nicht da, wo du hin willst?“
„Nein. Aber es ist nicht mehr weit“ trieb ich Achim an.
Endlich standen wir vor „meiner“ Bucht. Aber sie sah heute recht trostlos aus. Kein bisschen weißer Sand war mehr vorhanden. Nur Steine und Geröll waren zu sehen.
„Zuhause müssen wir uns unbedingt noch einmal meine alten Dias anschauen, damit du vergleichen kannst, wie es einmal ausgesehen hat. Heute würde mich die Bucht auch nicht mehr reizen. Schade, sehr schade!“
Auf dem Rückweg benutzen wir die andere Straßenseite. Nach wenigen Metern rief ich erstaunt aus: „Das gibt es doch nicht! Da, der kleine Supermarkt Francesca, dort habe ich immer eingekauft.“
Wir mussten noch einige Meter laufen bis wir zur Bagatela Bar kamen. Inzwischen ist sie eine Snackbar. Ansonsten sah noch alles genau so aus wie damals. Wir setzten uns an einen Tisch. „Wollen wir ein Bier trinken?“ fragte Achim.
„Ein Bier? Hier? Nein, hier muss ich Eis essen!“ erwiderte ich.
„Das gibt’s hier nur in der Waffel.“
Als der Ober kam fragte ich nach der Eiskarte. Es gab tatsächlich noch eine, aber es standen nur 6 verschiedene Eisbecher darauf. Meinen Lieblingsbecher, den mit vielen Früchten und Sahne, gab es nicht mehr. Achim zeigte auf ein Schild: „Schau mal, hier gibt es Erdinger Weißbier. Das bestelle ich mir jetzt.“ Ich zögerte einen Moment. Ein Weißbier hätte ich auch gerne mal wieder getrunken. Doch dann entschied ich mich für einen Eisbecher. Tradition ist eben Tradition.
Nach dieser Verschnaufpause machten wir uns auf den Rückweg zum Auto. Der Rückweg zog sich unendlich lang dahin. Der Hinweg, so schien es mir, war viel kürzer gewesen. Vielleicht kam es mir so vor, weil ich von Erinnerungen getrieben wurde. Als wir endlich wieder in unserem Auto saßen waren wir geschafft vom langen Fußmarsch.
Gegen 16.45 Uhr saßen wir in unserer Ferienwohnung. Während Achim für uns das Abendessen zubereitete ruhte ich mich ein wenig aus, denn um 18.30 Uhr mussten wir schon wieder am Treffpunkt beim Timanfaya Hotel sein, von wo uns ein Bus zum Konzert nach Cueva de los Verdes bringen sollte.
Wir waren 10 Minuten vor der Abfahrtszeit dort, aber der Bus kam nicht pünktlich. Die Spanier nehmen es mit der Zeit nicht so genau. Erst eine Viertelstunde später konnten wir einsteigen. Und dann sammelte er an den verschiedenen Hotels noch weitere Fahrgäste ein.
Da es noch hell war fuhr der Bus nicht die Schnellstraße (hier „Autobahn“ genannt), sondern nahm die Strecke durch das Weinanbaugebiet La Geria.
In völliger Dunkelheit kamen wir an unserem Ziel an. Als wir ausstiegen herrschte ein kühler kräftiger Wind, aber wir hatten ja Gott sei Dank einen warmen Pullover mitgenommen. In der Höhle selbst war es angenehm warm. Dort herrschen Sommer wie Winter immer Temperaturen um die 18 – 19 °C.
Das Höhlensystem von Cueva de los Verdes ist mit 7 km das längste weltweit. Es beginnt am Corona Vulkan, verläuft durch den James del Agua und endet schließlich im Meer.
Der Name „Los Verdes“ stammt nicht von einer grünen Farbe her, sondern ist der Name einer Familie, dort während der Vulkanausbrüche 1730 – 1736 dort untergekommnen sein soll. Auch viele andere Einheimische waren in den Norden geflüchtet und hatten dort solche Höhlen bewohnt.
Für die Guanchen waren diese Höhlen ein Zufluchtsort vor Piraten. Wegen der meist engen Einstiege konnten sie gut verteidigt werden. Insgesamt hat man 66 weitere kleinere Höhlen gefunden. Man vermutet, dass sie früher den Altkanariern als Wohnsitz gedient haben.
Trotz des spärlichen Lichtes sind an den Wänden die unterschiedlichsten Farben zu sehen. Sie stammen von den unterschiedlichen Mineralien wie Calciumcarbonat, Eisenoxid, Phosphor und Magnesium (weiß, rot, gelb und schwarz), die dort vorkommen. Rechts und links des Weges bestaunten wir die versteinerte Lava. An der Tunneldecke war deutlich zu erkennen, wie die allmählich fest werdende Lava im Abkühlungsprozess zähe Tropfen gebildet hat.
Wir bestiegen die Höhle durch den Ausgang und gingen durch schmale Steintreppen bis zum „Konzertsaal“, der am tiefsten Punkt der Höhle, also ca. 50 m unter der Oberfläche, lag. An dieser Stelle, so hieß es, sei die Akustik besonders gut, besser sogar als in den Jameos del Agua. Aufgrund des porösen Gesteins gibt es hier so gut wie kein Echo. In den 70er Jahren besuchte der Virtuose Yehudim Menuhim die Höhle und testete mit seiner Violine die hervorragende Akustik.
Das Konzert, welches um 21 Uhr beginnen sollte, verzögerte sich, wie sollte es auch anders sein, um mehrere Minuten. Dann endlich erschienen die Künstler: Javier Diaz Gonźalez, geb. 27.10.72 auf Teneriffa, spielte auf dem Klavier und Iya Zhameva, geb. am 11.2.1975 in Russland, Violine. Es wurden Stücke von Ludwig van Beethoven und Edvard Grieg gespielt. Der Klang in der Höhle war wirklich einmalig und wunderschön.
Gegen 23.30 Uhr saßen alle wieder im Bus, der uns zu unseren Hotels brachte.
8. Tag
Da wir uns tags zuvor erst gegen 2 Uhr schlafen gelegt hatten, standen wir etwas später als sonst auf. Es war schon fast Mittag, als wir wieder zu den Papagayo Stränden fuhren.
Ich wäre lieber an einen der ruhigeren Strände gegangen, d.h. an einen Strand, wo die Wellen nicht so hoch und stürmisch sind, aber Achim meinte, dass es dort sicher zu voll sein würde. „Du hast doch die vielen Pkws gesehen, die nach rechts abgebogen sind. Lass uns wieder an den Strand, wo wir schon einmal waren. Mir hat es dort gut gefallen. Und gerade das Baden in den Wellen macht riesigen Spaß. Außerdem möchte ich mich nackig sonnen, das geht doch an den anderen Stränden nicht, hast du gesagt.“
„Okay. Aber wir haben Flut. Es wird sicher nicht leicht werden, einen Platz zu finden, der nicht schon bald unter Wasser steht“, antwortete ich.
Wir fuhren zum Puerto Muelas und gingen ein Stückchen am Strand entlang, bis wir einen schönen Platz fanden. Unsere Sachen hatten wir sicher auf ein paar Felsen gestellt. Leider verzog sich die Sonne immer wieder hinter den Wolken, die inzwischen am Himmel waren. Der Nord-West-Wind war recht stürmisch und auch kalt. Gegen 16 Uhr wollte ich zurückfahren, aber Achim lockte erneut das Meer und er stürzte sich mutig in die hohen Wellen. Eine Stunde später saßen wir wieder vor dem kalten Wind geschützt im Wagen. Bevor wir jedoch zurück nach Playa Blanca fuhren wollte Achim sich gerne einmal die anderen Strände anschauen. Also bogen wir an der Gabelung nach links ab und fuhren Richtung Meer. Vom Parkplatz aus hatte man einen schönen Blick über die anderen Strände.
„Schau mal links. Dort an dem Strand bin ich das schon gewesen, als ich das erste Mal auf Lanzarote war. Damals konnte man dort noch FKK machen, weil hier kaum jemand hinkam. Heute ist es dort nicht erlaubt. Hier kommen die meisten Familien mit kleinen Kindern hin, weil es hier ungefährlich ist zum Baden. Das Restaurant mit der Terrasse gab es damals auch schon.“
Wir schauten nach rechts und sahen drei weitere schöne Strände. Keiner von ihnen war überfüllt, überall gab es genügend ruhige Plätzchen. Man musste lediglich einige Meter laufen um dort hinzukommen.
Von der Steilküste, an der wir standen, hatte man auch einen tollen Blick auf Playa Blanca. Überhaupt gab und gibt es für mich keine schönere und landschaftlich interessantere Insel als Lanzarote. Ich war glücklich, dass auch Achim von ihr begeistert war. Nicht alle Besucher mögen Lanzarote. Manchen ist sie zu kahl und sie kommen nie wieder hier hin. Andere sind von ihr sofort begeistert – so wie ich – und kommen schon bald wieder zurück.
Auf der Fahrt zu unserem Bungalow hielten wir kurz an einem Supermarkt an, kauften uns etwas frisches Gemüse und Brot, denn wir hatten keine Lust uns abends wieder in ein Restaurant zu setzen. Gemütlich ließen wir den Tag bei einer Flasche Wein (Malvasia aus La Geria) ausklingen.
9. Tag / El Grifo, La Villa de Teguise, Castillo Santa Barbara
Am Abend zuvor hatten wir beschlossen an diesem Tag den Norden der Insel zu erkunden. Wir fuhren zuerst bis nach Yaiza und folgten dann der LZ 30, die über Teguise bis zum Mirador del Rio führt. Kurz hinter Uga begann die 15 km lange Weinstraße. In mühseliger Arbeit hatten die Bauern tiefe Trichter aus Vulkanasche geschaffen, die mit halbkreisförmigen Mauern aus Lavasteinen die saftiggrünen Weinstöcke vor dem ständig wehenden Wind schützten und ein Austrocknen der Pflanzen verhinderten. Die Lapilli (poröse Lavakörnchen) speichern den Nachttau und geben die Feuchtigkeit an den Humus darunter ab.
Wir hielten an der ältesten und traditionsreichsten Bodega (Weinkellerei), El Grifo, die zwischen Masdache und Mozaga liegt, an und besuchten das Museum. Wir zahlten pro Person 3 € Eintrittsgeld. Im Museum wurden wir über die Geschichte des Weinanbaus auf Lanzarote informiert. Der Wein, den wir zum Probieren bekamen, mundete uns so gut, dass wir uns zwei Flaschen kauften. Außerdem überredete ich Achim sich ein weißes T-Shirt mit dem Bild des Museums zu kaufen. Nach ausgiebiger Besichtigung stiegen wir wieder in das Auto und fuhren weiter.
An einer Straßenkreuzung in der Inselmitte, kurz vor Mozaga, sahen wir das 15 m hohe Mobile Monumento al Campesino, das Manrique aus Edelstahl geschaffen hatte. Es wurde aus den Trinkwasserbehältern alter Fischerboote zu einer Säule zusammen geschweißt und soll einen Bauern mit einem Esel und einem Dromedar darstellen und ist den schwer arbeitenden Bauern der Insel gewidmet.
Wir fuhren weiter nach Teguise, die sicherlich schönste Stadt auf Lanzarote. La Villa de Teguise (von den Einheimischen nur „La Villa“ genannt) war der erste Regierungssitz Lanzarotes und wurde in piratensicherer Entfernung vom Meer errichtet. Die typischen Wohnhäuser sind mit braunen oder grünen Holzbalkonen geschmückt. In der einstigen Hauptstadt sind noch viele historische Bauten zu sehen, vor allem die stattlichen Adelspaläste und die schmucken weißen Kirchen fallen einem sofort ins Auge.
Die meisten Besucher fahren am Sonntag nach Teguise, denn dann verwandelt sich nicht nur der Hauptplatz zu einem großen Markt, nein, die ganze Stadt ist voller bunter Stände, die viel Kitsch und afrikanisches Kunsthandwerk (Afrika ist ja von Lanzarote nicht weit entfernt!), aber auch Werke der einheimischen Künstler anbieten.
Wir parkten unseren Wagen am Rande der Altstadt vor der Kirche San Francisco. Die zweischiffige Kirche hat eine turbulente Zeit hinter sich. 1618 fiel das Kloster, zu dem sie gehörte, einem brutalen Piratenüberfall zum Opfer. Dank großzügiger Spenden der Bevölkerung konnte sie bald wieder aufgebaut werden. Seit 1998 dient das Gotteshaus als Museo Sacro (Sakralmuseum). Es birgt eine sehenswerte Sammlung von 70 Exponaten aus aufgelassenen Kirchen und Klöstern Teguises und seiner Umgebung, die wir uns leider nicht anschauen konnten, da wir erst nach 13 Uhr dort waren.
Bevor wir uns die Stadt anschauten setzten wir uns vor die Cafeteria Ceja und bestellten uns einen Kaffee. Als wir auch noch Hunger verspürten bestellten wir uns noch ein Tapas Gulasch. Schon die ganze Zeit wehte ein kräftiger und kalter Nord-West-Wind. Als wir unser Essen bekamen sahen wir viele dunkle Wolken am Himmel. Plötzlich fing es sogar leicht zu tröpfeln an. Aber Gott sei Dank wurde kein richtiger Regen daraus.
Wir bezahlten unser kleines Mahl und gingen dann durch die Cale La Sangre (Blutgasse), die zur Plaza de la Constitucion führt. Der Name „Blutgasse“ soll an die verheerenden Piratenüberfälle im 16. Jahrhundert erinnern, bei denen etliche Bewohner der Stadt ihr Leben lassen mussten.
Die Pfarrkirche Nuestra Seňora de Guadalupe wird auch Iglesia de San Miguel genannt. Sie hat einen für Lanzarote ungewöhnlichen Turm aus rotem Lavastein. Lange Zeit war sie die Hauptkirche von Lanzarote. Der wertvolle Kirchenschatz war besonders bei Angriffen sehr gefährdet. Zwischen 1568 und 1596 wurde sie bei Überfällen ausgeraubt und 1618 schließlich völlig zerstört. Auch sie wurde durch Spendengelder 1680 wieder aufgebaut. Leider brannte sie 1909 fast vollständig aus. Der Wiederaufbau dauerte bis 1922. Von der alten Bausubstanz sind heute nur noch einige wenige Teile des Turmes erhalten.
Gegenüber der Kirche, direkt am Plaza de la Constitucion, schauten wir auf das von den Teguisern liebevoll „Teatrillo“ genannte Teatro Municipal Hermanas Manuela y Esperanza Spinola, das nach langer Restaurierungszeit am 24.5.1995 wieder eröffnet wurde. Das Gebäude wurde von Don José Feo Perazua zwischen 1730 und 1780 erbaut. Er war auch der bedeutendste Bewohner des Palastes.
1895 taucht der Namen Spinola erstmals in der Geschichte des Gebäudes auf, das zuvor mehr als 150 Jahre lang durch die Familie Feo geprägt worden war. Im Laufe der Jahre wurde es für die verschiedensten Gelegenheiten genutzt. Im 18. Jahrhundert diente es als Klosterkirche. Später wurden die Räumlichkeiten als Krankenhaus benutzt, danach diente es als Waisenhaus. 1974 ging der Palast in den Besitz der Aktiengesellschaft der Rio Tinto Union über, die ihn restaurierte und ihm neuen Glanz verlieh. 10 Jahre später kaufte die Stadt Teguise den Spinola-Palast und wandelte ihn in ein Museum um. 18989 wurde der Palast zur „Offiziellen Residenz der Präsidenten der Kanarischen Regierung“ erklärt.
Nachdem wir pro Person 3 € Eintritt bezahlt hatten, gingen wir zuerst in den Speisesaal mit der feierlich gedeckten Tafel. Danach besahen wir uns das ehemalige Schlafgemach und viele verschiedene schöne Wohnstuben, deren Fußboden mit Holzbohlen aus dem Kernholz der Kanarischen Kiefer Tea ausgelegt war. Im hinteren Teil des Hauses gingen wir durch einen separaten Eingang in die große historische Küche. Bevor wir den Palast verließen fiel uns die kleine Kapelle mit ihrem wunderschön gearbeiteten Holzaltar auf. Alles in Allem konnten wir uns sehr gut vorstellen, wie „die Herrschaften“ einst gelebt hatten. Zur Straßenseite hin waren keine Fenster, denn man wünschte keine neugierigen Blicke ins Innere des Hauses. Im Innenhof gab es viele Holzbänke, auf denen früher die Frauen bei der Hausarbeit saßen.
Als wir wieder auf dem Plaza de la Construction waren gingen wir rechts um den Palast herum und sahen uns das Casa Torres an, das aus dem 18. Jahrhundert stammt. Es war einst das Privathaus des Kirchenmannes Bartolomé Torres. Besonders fielen uns die schießschartenähnlichen Öffnungen im mächtigen Sockelgeschoss auf.
An der linken unteren Seite des Platzes stand ein etwas verloren wirkendes kleines Gebäude, das durch seine große Quadern wie eine zweischiffige Kapelle wirkte und in dem heute eine Sparkasse ist: das La Cilla de Diezmos (Zehnthaus). Es stammt aus dem 17. Jahrhundert. Hier mussten die Bauern früher ein Zehntel ihrer Ernteeinnahmen abgeben. Schon im 15. Jahrhundert wurde eine Kirchensteuer erhoben.
Da wir noch zum Castello de Santa Barbara und zum Mirador del Rio fahren wollten, besichtigten wir die anderen bedeutungsvollen Gebäude der Stadt erst einmal nicht. Das wollten wir in den nächsten Tagen nachholen, wenn wir wieder in den Norden der Insel fahren würden.
Wir setzten uns ins Auto und fuhren zum Castillo Santa Bárbara, dass am Rande des 452 m hohen Montaňa de Guanapay liegt. Seit dem 14. Jahrhundert, so nimmt man an, gab es schon auf diesem Hügel einen kleinen befestigten Stützpunkt. Mitte des 16. Jahrhundert wurde der Stützpunkt von Sanco Herrera zu einem Küstenwachturm ausgebaut. Er sollte dazu dienen eindringende Piraten abzuwehren. 1586 wurde er von Piraten in Schutt und Asche gelegt und 2 Jahre später wurden die Reste des ehemaligen Kastells wieder zu einer funktionstüchtigen Verteidigungsanlage mit Waffenlager, Beobachtungstürmen, Schießscharten und einem Burggraben aufgebaut. 1596 hatte die Burg eine ähnliche Struktur wie heute. Da sich die Verteidigungsfunktion im Laufe der Zeit erübrigt hatte verfiel das Gebäude, das ehemals 130 x 27 m groß gewesen sein soll.
Auf Privatinitiative hin (Verein Freunde der Burg) wurde das Kastelle 1960 und 1977 wieder aufgebaut.
Heute ist dort das Museo del Emigrante untergebracht, das man über eine Steintreppe und eine Zugbrücke betritt. Das Museum, welches über 8 Ausstellungsräume verfügt, erzählt die eindrucksvolle und bewegende Geschichte der Inselbewohner über Jahrhunderte hinweg. Überall waren Dokumente und Erinnerungsstücke zu den verschiedenen Auswanderungswellen ausgestellt. Nachdem die verheerenden Vulkanausbrüche 1730 – 1736 das fruchtbare Ackerland vernichtet hatten, wollen viele Inseleinwohner vor allem nach Südamerika auswandern.
Nachdem wir auch hier pro Nase unsere 3 € Eintrittsgeld gezahlt hatten gelangten wir durch eine enge Steintreppe nach oben. Vom Söller hatte man einen herrlichen Ausblick über den Villenort Oasis de Nazaret bis nach Arrecife und auf das 150 m tiefer gelegene Teguise. Leider spielte das Wetter nicht mit, denn es war dort oben nicht nur sehr windig sondern auch etwas diesig. Trotzdem lohnte sich der Ausblick.
Faszinierend war auch der Blick in den Krater hinein, an dessen Rand wir unseren Wagen geparkt hatten.
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Aaah ich war mit auf Reisen,das habe ich 1996 auch alles gesehen und ich erinnere mich noch gerne daran.Aber wie ich sehe hat sich fast nichts verändert.
Timanfaya hat glaube ich die einzge Toilette mit Heißwasserspülung,wenn ich mich nicht irre.
Lg Melanie -
ich habe dieses Jahr im Januar/Februar dort Langzeiturlaub gemacht und deshalb diesen netten Bericht besonders gern gelesen.
Ich war praktisch zum ersten Mal auf dort(vor 18 Jahren habe ich krankheitsbedingt dort fast nichts gesehen)- und so hatte ich keine Vergleichsmöglichkeiten.Wir sind viel gewandert und sind "wild" entschlossen, auch noch ein zweites Mal dort ein paar Wochen zu verbringen. Wir haben diese interessante Insel noch nicht ganz "erforscht"!
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