Auf nach Tassie

Reisebericht

Auf nach Tassie

Reisebericht: Auf nach Tassie

Während unserer 6-wöchigen Australienreise verbrachten wir drei Wochen auf Tasmanien. Von den Bewohnern, die Abkürzungen über alles lieben, auch Tassie genannt. Wir waren gespannt: Ist es mit dem Kontinent zu vergleichen oder eher mit Neuseeland? Werden wir auch im Sommer frieren? Werden uns viele Tiere begegnen? Welche? Sind die Strände wirklich so toll wie auf den Fotos?

Lagune bei Ebbe, Tasmanien



Station1: Hobart

Mount Fields NP, Tasmanien

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Es ist kurz vor Weihnachten. Das kann man unschwer daran erkennen, dass nahezu jeder hier ein Elchgeweih oder eine Nikolausmütze auf dem Kopf trägt. Es herrscht ausgelassene Stimmung, die Pubs und Restaurants rund um den Salamanca Square können die Menschenmengen nicht mehr aufnehmen, viele stehen schon mit ihrem Pint in der Hand auf der Straße, wo kaum noch ein Durchkommen ist. Die Tassies sind gestylt, ohne Minirock und Highheels scheint hier kein weibliches Wesen aus dem Haus zu gehen. Wo ist denn eigentlich dieser typisch australische Outdoormensch?
Dabei ist es viel zu kalt für dieses Outfit, mehr als 14 Grad C werden es wohl nach Sonnenuntergang nicht mehr sein, dazu weht ein kräftiger Wind!
Durchgefroren kehren wir zu unserer Unterkunft, einem Pub, der ein paar neue Zimmer vermietet, zurück. Es ist 23 Uhr. Gerade ist der letzte Trinker aus dem Pub herausbefördert worden. Morgen, wenn wir frühstücken, wird er der erste Gast sein.
Jetzt rüttelt er vergebens an der Tür und kann es kaum fassen, als wir diese vor seinen Augen aufschließen. Wir murmeln etwas von "special guests" und lassen den verblüfften Mann zurück.
Die nette Dame von der Touristeninformation schickt uns am nächsten Tag, nachdem sie einen kurzen Blick nach draußen geworfen hat, auf den Mount Wellington (1270m) ,der Hausberg von Hobart. Blauer Himmel, Sonne, Wärme, wir machen uns schnell auf den Weg. Oben angekommen ist es eisig kalt, der Sturm weht Hüte und Mützen von den Köpfen und dichte Nebelschwaden ziehen eilig vorüber. Schade, nichts zu sehen, doch schon klart es auf, schnell einen Blick auf Hobart werfen! Was für eine einzigartige Lage! Überall sieht man kleine kleine Sandbuchten, Inseln, Halbinseln und Landzungen, alles eingebettet in ein wahnsinniges Blau! Die Sonne kommt für kurze Zeit durch, hüllt die fremde, robuste Vegetation in ein gleißendes Licht, bevor alles wieder im Nebel versinkt.
Wir starren angestrengt durch den Nebel: Port Arthur, unser morgiges Ziel müsste doch irgendwo dort in der Ferne zu erahnen sein, oder?
Es fällt nicht so leicht, sich das grausame Leben der Gefangenen von Port Arthur vorzustellen, zu idyllisch ist dieser Ort. Dort das unbeschreiblich blaue Meer, oberhalb Wiesen und blühende Gärten in einer sanften Hügellandschaft. Nett anzuschauen: die Häuser der Gefängnisleitung und der Mitarbeiter, die ehemaligen Zellen hingegen nur noch zu erahnen. Nur das Gebäude für die Isolationshäftlinge kann die brutale Vergangenheit gegenwärtig werden lassen.
An unserem letzten Tag steht ein Ausflug in den Mount Field NP auf dem Programm.
Obwohl Ferienzeit ist, stehen nur wenige Autos auf dem Parkplatz. 3 Stunden wandern wir unter Baumfarnen und riesigen Bluegums, vorbei an den idyllisch gelegenen Russel Falls. Die Vegatation ist so dicht, dass wir die über uns fliegenden Kakadus nur hören können. Der Waldboden offenbart und sämtliche Verwesungsstadien auf einen Blick.
Wir fahren noch ein Stück weiter, Richtung Wildnis im Südwesten, Ziel: Lake Pedder.
Die Schotterstraße endet auf einem Aussichtshügel, wir sind alleine, auch auf der eineinhalbstündigen Fahrt ist uns niemand begegnet. Das Blau des Himmels und das Blau des Sees verschmelzen, dazwischen in der Ferne unzugänglichen Gebirgszüge, wir genießen die frische Luft, die Stille und den Panoramablick und den Anblick unseres ersten Wombats, der durch die Büsche streift.



Bay of Fires



Bay of Fires Walk

Geführte Wanderung? Nie! Na gut, einmal ausprobieren, wie sollten wir auch sonst zu diesen genialen Stränden im Mount William Nationalpark an der Nordostküste kommen?
10 Leute können maximal in der Wandergruppe sein, gespannt warten wir auf die anderen. Es sind Helen und Keith aus Melbourne und... sonst niemand außer 2 strahlenden, energiegeladenen jungen Aussies, Sam und Cody, die sich als unsere treuen Begleiter outen. Nach dem gemeinsamen Frühstück ahnte ich, was sich als richtig herausstellen würde: Großes Glück gehabt!
An einem verlassenen Campingplatz geht`s los, die nächsten 2 Tage wird uns kein anderer Mensch begegnen.
Als Fotofan ist es unmöglich, mit den anderen mitzuhalten, überall lauern die tollsten Motive, so eine Küste habe ich noch nie gesehen. Der Strand puderweiß, Die Luft diesig, das Meer ließ schon ein tolles Türkis erahnen. Wir klettern über knallorange Felsen, wandern über endlose Sandstrände, bis wir an einem Zeltcamp ankommen, wo wir übernachten. Es ist der erste Weihnachtstag, zum Abendessen bekommen wir Champagner serviert, dazu gibt es Abalone, eine riesige Schnecke, die uns Sam und Cody aus dem eiskalten Meer geholt haben. Sie gilt als Spezialität, man kann sie allerdings nirgendwo kaufen. Gebraten ähnelt sie Tintenfisch.
Mitten in der Nacht wachen wir auf, Blitze zucken über uns, hellen das Zelt auf, Regen prasselt ohrenbetäubend auf das Dach, das Donnergrollen fährt in unsere Körper. Bis zum Frühstück werden wir kein Auge mehr zutun.
Was wir da noch nicht wussten: Es erwarteten uns 3 herrlich sonnige und warme Tage!
Was wir jetzt an Farben sehen werden, ist einfach unbeschreiblich fantastisch, das Meer glitzert in allen erdenklichen Türkistönen und sieht so verlockend aus, dass sich Sam und Cody sofort in die Fluten stürzen. Zum ersten Mal in unserem Leben denken wir, dass es doch gar nicht so verkehrt wäre mal wieder 25 zu sein! Jetzt kann ich auch nicht mehr widerstehen und stürze mich in die doch sehr kühlen Fluten. Herrlich, optimale Wellen zum Wellentauchen, die ganze Haut prickelt, als es wieder in die Sonne geht. An unserer Badestelle sind auch richtig große Dünen. Diese Strände gehören definitiv zu den schönsten, an denen ich je war. Getoppt wird der Ausblick noch durch eine Gruppe Delfine, die ganz nach am Strand entlangzieht.
Abends erreichen wir eine traumhaft gelegene Ökolodge, die ausschließlich für die Wanderer ist. Wir sitzen mit einem kühlen Bier auf der Terrasse, blicken auf die vielen kleinen weißen Buchten, die wir soeben entlanggewandert sind und denken, dass dieser Moment ewig dauern könnte.
Am nächsten Tag fahren wir mit dem Seekajak den Fluss entlang bis zu seiner Mündung ins Meer und gehen zu Fuss am Strand zurück, der von hunderten von keinen blauen Quallen bevölkert wird. Während ich durch die Brandung gehe, verfängt sich eines dieser Tierchen im Klettverschluss meiner Sandale. Augenblicklich beginnt mein Fuß zu brennen wie nach einem Wespenstich. An der Flussmündung begegnen uns die ersten anderen Touristen, hier scheint ein beliebter Campingplatz zu sein, viele Aussiefamilien haben sich dort auch ein wenig idyllisches Plätzchen für ihr Barbecue ausgesucht. Ihre Kühlboxen sind größer als der Kühlschrank, der in unserer Küche steht.
Mein schmerzender Fuß ist abends schnell vergessen, als ich feststelle, dass der Akku von meinem Fotoapparat leer ist. Um nicht soviel schleppen zu müssen, habe ich leider auf die Mitnahmen meiner Spiegelreflexkamera verzichtet. Das habe ich jetzt davon. Die allerschönsten Bilder sind jetzt in meinem Kopf gespeichert!
Am letzten Morgen sitzen wir faul auf den Liegestühlen, in der Ferne, am Horizont ,tauchen die ersten Jachten aus Melbourne auf. Das Rennen Melbourne-Hobart ist hier sehr populär. Wir haben keine Lust unsere Rucksäcke zu packen.
Mich packt eine ganz wehmütige Stimmung, denn wir wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, das wir Keith und Helen schon 2 Wochen später in Melbourne wieder treffen werden. Sam und Cody kündigen scherzhaft ihren 2-monatigen Besuch bei uns zu Hause in Germany an. Hoffentlich kommen sie irgendwann wirklich...



Cradle Mountain NP, Tasmanien



Cradle Mountain NP, Tasmanien

Cradle Mountain NP, Tasmanien

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Unter dem Cradle Mountain NP habe ich mir immer eine nasskalte, etwas abweisende Berglandschaft vorgestellt und war umso erstaunter, als ich ein fast schon lieblich erscheinendes Hochmoorgebiet vor mir sah, im Hintergrund den "Berg mit der Wiege"
im Vordergrund herrliche Wiesen, die Buttongrassbüschel leuchteten perfekt in der Sonne, und alles war durchzogen von Boardwalks, die sich wie helle Bänder durch die Landschaft schlängelten. Ein perfektes Wandergebiet! Schon gleich am ersten Tag sahen wir Schnabeligel, Wombats, Wallebies und Pademelons. Vor der Tür unserer Hütte wartete ein Opossum, über das wir in der Dunkelheit fast gestolpert wären.
Das muss so ziemlich das einsamste Sylvester gewesen sein, dass wir jemals verbracht haben, um Mitternacht war nichts zu hören, nur das Opossum wartete wieder auf uns!



Wineglass Bay, Tasmanien



Freycinet Nationalpark

Seesterne (Tasmanien)

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Kann die vielgerühmte Wineglass Bay unsere Strandwanderung noch übertreffen? So schnell können wir diese Frage nicht beantworten, denn zuerst muss ein schweißtreibender Anstieg und ein steiler Abstieg bewältigt werden, bis diese berühmte Bucht erreicht ist. Trotz dieser Barriere sind doch recht viele Leute am Strand. Hmm!
Wir gehen eine Stunde bis zu ihrem Ende, hier ist es deutlich leerer und ich bade in dem kalten Wasser, auf Wellen zum Tauchen warte ich vergeblich.
Ganz einsam war´s doch einfach besser!
Der nächste Tag zeigt sich wie alle anderen zuvor wieder sonnig und warm.
So langsam glauben wir das mit dem kalten und rauen Klima auf Tasmanien nicht mehr.
Wir machen uns auf zu den Friendly Beaches, die wie die Wineglass Bay zum Freycinet NP gehören.
Der Blick vom Parkplatz lässt mein Herz sofort höher schlagen, da sind sie wieder, diese irren Farbkombinationen aus türkis, orange und weiß! Bei Ebbe verbringen wir Stunden damit, die Pools zu erforschen, sehen die tollsten Seesterne, Krebse und sogar 2 Abalone! Wir wandern allein an dem scheinbar endlosen Strand entlang und fühlen uns dem Paradies sehr nahe.
Am nächsten Tag ist der Himmel düster, es ist kalt und regnet. Zeit, Tasmanien zu verlassen! Unser Flug nach Melbourne hat wegen des schlechten Wetters Verspätung.



Friendly Beaches, Tasmanien



Ach ja, die Fragen zu Beginn...

Tasmanien ist einzigartig! Es ist weder mit Neuseeland noch mit irgendeiner anderen Region Australiens vergleichbar. Mit etwas Glück scheint die Sonne 3 Wochen in einem Stück , wir haben Wombats, Pademelons, Wallebys, Schnabeligel, Delfine, Seeelefanten,
Opossums, Echsen, Schlangen und viele Vögel aus nächster Nähe gesehen.
Die Stränder sind schöner als auf jedem Foto, das Licht ist einmalig!
Tasmanien kann man nicht aureichend beschreiben, man muss es selbst erleben!


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Kommentare

  • Zaubernuss

    Liebe Kerstin,
    Einen wunderbaren Reisebericht schenkst Du uns da! Deine einzigartigen Bilder, deine farbigen Schilderungen, gepaart mit vielen wertvollen Informationen haben mir sehr, sehr gut gefallen. Eine paradiesische Welt, die mir ein wenig näher gekommen ist... Danke und liebe Grüsse:
    Ursula

  • agezur

    Ein Reiseziel der Extraklasse für alle die die Natur lieben! Danke für diesen Bericht!
    (Leider am anderen Ende der Welt!)
    LG Christina

  • u18y9s26

    Herzlichen Dank für diesen hervorragenden Bericht. Du schilderst deine Eindrücke so authentisch und nachvollziehbar. Mich hast du eine Viertelstunde meines Lebens mit auf eine Traumreise genommen, die mich jetzt viele Viertelstunden darüber nachdenken lässt, wie aus Traum Wirklichkeit werden kann.
    Liebe Grüße
    Ursula

  • matulr

    Traumhaft, TRAUMhaft, TRAUMHAFT!

    LG ULI

  • pirchanger

    Ich war letztes Jahr in Tasmanien. Der Reisebericht ist fantastisch und ich erlebte während des Lesens meine Rundreise durch Tasmanien ein zweites Mal.

    Danke!

    Herzliche Grüße Gisela Danzl

  • roundtheworld

    einfach traumhaft!!! Es macht neugierig selbst einmal Tasmanien zu bereisen.
    Wir, mein Mann und ich wollen über den Jahreswechsel 2016/17 Neuseeland bereisen und 1 Woche für Tasmanien "abknapsen". Wir haben schon ein Reiseangebot zusammenstellen lassen und ich bin jetzt bei der feineren Abstimmung. Da wir in Hobart am 30.12. ankommen würden, bin ich nicht sicher, ob wir Quartiere vorbuchen sollten. Wir planen mit einem PKW von Hobart zum Freycinet NP zu fahren, dann über Launceston und Cradle Mountain zurück nach Hobart zu fahren. Im Angebot sind Hotels, aber ich würde lieber ungebunden sein. Wie sind die Erfahrungen zu dieser Jahreszeit???
    Herzliche Grüße
    roundtheworld

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