Wandern und staunen in Kappadokien

Reisebericht

Wandern und staunen in Kappadokien

Reisebericht: Wandern und staunen in Kappadokien

Wenn man eine Achse von Nordwest nach Südost und eine von Südwest nach Nordost über die Türkeikarte zieht, treffen sich die Achsen dort wo Kappadokien ist. Kappadokien ist gut in ein paar Tagen zu erkunden. Viele Weltreisende zieht es hierher, weil die Tuffsteinlandschaft mit ihren Kegeln und Feenkaminen, den wie aus weichem Stoff gefalteten Felsen, den Tälern, den Tafelbergen, den unzähligen Höhlenkirchen und den unterirdischen Städten einzigartig ist. Auch wenn hier täglich Tausende Menschen sind, haben wir während unseres fünftägigen Aufenthaltes überwiegend einsame Orte aufgesucht. Unser Reiseleiter Kemal hat ein Händchen für die besonderen Sichtweisen und Möglichkeiten das Land zu erkunden.

Güzelyurt

Wir kommen von Konya mit dem Bus, an der großen restaurierten Karawanserei Sultanhan vorbei, nach Güzelyurt. Güzelyurt liegt im südwestlichen Ausläufer dieser Region und ist ein malerischer Ort mit dem sehr eindrucksvollen Manastır Vadisi (Klostertal).



Manastir Vadisi in Güzelyurt



Hasan Dagi (Berg)

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Der Weg dorthin führt direkt vom Zentrum hinunter und wir sehen die ersten Höhlenwohnungen und in den Felsen geschlagene, mit Fresken ausgestattete Kirchen. Eine Frau lädt uns ein, ihre Wohnung anzusehen und das lassen wir uns nicht entgehen. Während sie uns in die fensterlosen Räume führt, die mit allem, was man zum Leben braucht, eingerichtet sind, lässt sie es sich nicht nehmen uns zu erzählen, wie schwer das Leben ist, wie feucht es in der Wohnung ist, und dass sie Medikamente braucht, die sehr teuer sind. Wir gehen weiter und treffen den Imam vor der restaurierten Moschee, die 1896 als Kirche errichtet wurde und bis 1924, bis zum „Bevölkerungsaustausch“, als solche diente. Auch erlädt uns ein, seine Moschee zu besichtigen. An einem 360 Grad Aussichtspunkt angekommen, liegt uns Güzelyurt zu Füßen und der 3268 Meter hohe Vulkan Hasan Dağı erhebt sich hinter uns. Egal wohin man in dieser Gegend schaut, dieser Berg ist allgegenwärtig, und jetzt im Mai noch mit Schnee bedeckt.



Wir wohnen im einzigen Hotel am Ort, dem Karballa Hotel. Dieses Gebäude, genauso schön restauriert wie die Moschee, ist 1856 als Kloster mit Priesterschule erbaut worden. Die Zimmer sind z. T. liebevoll mit alten Möbeln ausgestattet und mit Landes typischen Stoffen dekoriert. Das Restaurant befindet sich in einem langen, großen dunklem Raum mit Tonnengewölbe, der früher der Speisesaal der Mönche gewesen ist. Wir sind die einzigen Gäste.



Wanderung im Ihlara Tal

Ihlara Tal

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Am nächsten Tag bringt uns ein Minibus zum Ort Ihlara, wo das Ihlaratal beginnt. Dieses Tal ist eine Oase auf dem weiten, flachen, Baumlosen Hochplateau und erstreckt sich über 14 Kilometer am Melendizfluss entlang bis nach Selime.



Arbeiten im Weinfeld

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Wir wollen das Tal erwandern und dabei die zahlreichen Höhlenkirchen besichtigen. Kemal hat angekündigt, dass seiner Erfahrung nach, die Leute nach fünf Kirchen keine weitere betrachten möchten. Und genauso war es dann auch. Wir haben uns auf unseren Reiseführer verlassen und unter anderem die Kokarkirche, die Sümbüllü- und die Schlangenkirche besichtigt. Teilweise sind die Fresken gut erhalten, aber andere sind leider sehr stark beschädigt worden. Andererseits ist es erstaunlich, dass noch so Vieles erhalten geblieben ist, obwohl die ältesten Kirchen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. stammen, ohne dass auch nur irgendetwas restauriert worden ist.
Die Wanderung ist bequem wie ein Spaziergang und die Luft ist erfüllt vom Zwitschern der Vögel. Der Fluss rauscht und plätschert, es duftet nach frischem Grün und überall treffen wir auf kleine und größere Felder, die von den Bauern beackert werden. Meistens sind es die Frauen in ihren Pluderhosen (şalva) und Hüten auf dem Kopf, die die Felder hacken.



Tuffsteinhöhlen

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Vom Fluss wird dann das Wasser herbeigetragen, um die Pflanzen zu wässern.
Die ersten fünf Kilometer sind wir allein im Tal, dann treffen wir auf viele Besucher, denn es gibt einen „touristischen“ Treppenzugang ins Tal. Einige Leute gehen mit uns weiter bis nach Belisırma, wo dann der „touristische“ Ausgang mit vielen Restaurants ist.
Wir gehen weiter bis nach Selime und sind immer wieder fasziniert von den Höhlen, die wir in ca. 20 Metern Höhe sehen. Man hat sie so hoch angesiedelt, damit sie vor dem Hochwasser des Flusses geschützt waren. Einige haben schön verzierte Taubenlöcher, in denen sich Tauben aufhalten und ihren Kot ablegen. Früher wurde dieser als Dünger eingesammelt. Die Felswände links und rechts ragen fast senkrecht in die Höhe und somit kommt nur wenig Sonne ins Tal, so dass es hier immer kühl und schattig ist.
In einem Raum einer Kirche befindet sich eine alte Hebelölpresse, die aus ca. 12 Meter langen Baumstämmen gebaut wurde.
Im seichten Gewässer tummeln sich unzählige Frösche und ihr Konzert ist schon von weitem zu hören. Auch weiden hier Schafe und der Esel fühlt sich durch uns sichtlich gestört, was er auch lauthals zum Ausdruck bringt.
Nach 14 Kilometern haben wir am Nachmittag Selime erreicht und sehen unsere ersten kappadokischen Tuffsteinkegel. Ja, so haben wir uns Kappadokien vorgestellt, sind wir uns einig.



Avanos

Blütentraum

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Am nächsten Tag besuchen wir auf unserem Weg nach Avanos die unterirdische Stadt Derinkuyu. 80 Meter hinunter in die Tiefe führt ein Labyrinth aus, zum Glück, beleuchteten und markierten Wegen. Lüftungsschächte verlaufen senkrecht bis ins unterste Stockwerk. Teilweise wurden die engen Wege, durch die wir manchmal nur gebückt gehen können, mit großen, fast mannshohen, runden, ca. 20 Zentimeter breiten Steinen, verschlossen. So konnte der Eindringling nicht weiter. Wahrscheinlich sind diese Städte gebaut worden, damit sich die Menschen vor Feinden versteckten. Diese unterirdischen Anlagen werden in das 5. – 14. Jh. n. Chr. datiert und waren weitestgehend miteinander verbunden. Es ist unvorstellbar, wie die Menschen dort gelebt haben.



In der Töpferstadt Avanos, im Norden Kappadokiens, beziehen wir unsere Zimmer im "Sofa Hotel". Dieses Hotel besteht aus 13 einzelnen Dorfhäusern und Höhlen, die durch Wege, Treppen und Durchgänge zu einer Einheit verbunden sind. In jedem Haus befinden sich die Zimmer, wo keines dem anderen gleicht. Überall stehen Antiquitäten und alte Sachen in einer Fülle, dass ich denke, es kann gar nichts Altes mehr woanders zu finden sein. In einem schönen Hof blühen Rosen und Blumen ranken die Wände hinauf. Es ist ein kleines Paradies in dem wir die nächsten zwei Nächte bleiben.



Avanos



Töpfermeister

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Der Weg durch die Stadt führt uns über den Wochenmarkt, am Kızılırmak, dem längsten Fluss der Türkei, entlang über eine Hängebrücke zu der Töpferwerkstatt von Erdem İbaş.



Er hat vor einigen Jahren eine internationale Auszeichnung für ein neues Design bekommen. Sein Bruder Hikmet ist ein Freund von Kemal und erklärt uns alles übers Töpfern, die Techniken und die Muster. Wir sind angetan und fast trunken von der Vielfalt und der Feinheit der Muster, die alle in Handarbeit auf die einzelnen Töpferwaren gemalt werden.
Wie es sich für eine Töpferstadt gehört, wird auch ein Fleischgericht im Tontopf zubereitet, das Testi Kebap. Mit Brotteig verschlossen gart das Fleisch im Ofen und vor dem Servieren, wird dann der Topf, vor den Augen der Gäste, mit einen speziell gebogenen Messer „geköpft“ und das Kebab serviert.

Kappadokien eignet sich gut zum Wandern, dennoch sind nur wenige Wanderer mit uns unterwegs.
Wir wollen auch an den nächsten zwei Tagen wandern. Die erste Wanderung geht durch das Kızıkçukur Vadisi, das Tal mit den rötlichen Felsen, bis nach Çavuşin und die zweite Wanderung von Çavuşin nach Paşabağ.



Kizilcukur Vadisi

Das Kızılçukur Vadisi verdankt seinen Namen den rötlich gefärbten Felsen (kızıl = rot). Anders als im Ihlara Tal gibt es hier nur wenige Bäume, dafür aber die für Kappadokien so typischen Felsfaltungen und immer wieder die bizarren Felskegel.



Kizilcukur Vadisi



Üzümlü Kilise, die Kirche mit...

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Da es Frühling ist, ist alles schön grün und wir treffen auch hier auf eine Blumenvielfalt.
In den Çukur, den Mulden, wird Wein angebaut und auch hier sind überall Frauen am Arbeiten.



Natürliche Wegführung

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Unser Weg führt uns erst oberhalb des Tales entlang und dann bei der Üzümlü Kirche, der Kirche mit Weintrauben, schlagen wir uns ein wenig durchs Dickicht und sind dann im trockenen Flussbett. Toll wie der Fluss einen „aerodynamischen“ Weg geformt hat.



Traditionell

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Sogar einen Tunnel gibt es. Gerade als wir den Tunnel passiert haben, hören wir Hufgetrappel und ein Pferdewagen kommt daher. Er wird von einem Mann gelenkt, der ausruft, als er uns sieht: „Deutschland, ach so! Frankfurt, Mannheim, Stuttgart, Köln…“ und schon ist er vorbei. Hinten auf dem Anhänger sitzt seine Frau. „Den Mann kenne ich“, sagt Kemal. „Als ich beim letzten Mal hier war, habe ich ihn genau in diesem Tal fotografiert!“



Wir treffen auf einen verwunschenen Garten, wo Kinder mit ihrem Lehrer am Samstag freiwillig Englischunterricht machen. Da kommen wir gerade recht, damit sie ihr Englisch erproben. “What is your Name?“ „My name is Rita.“ … “What are you doing?” frage ich. “I am reading a newspaper” bekomme ich zur Antwort.
In Çavuşin ist das Tal zu Ende und wir treffen wieder auf Bus-Touristen.



Von Cavusin nach Pasabag

Schwertlilien (türk.:Zambak, Susam)

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Am darauf folgenden Tag starten wir hier in Çavuşin und wandern nach Paşabağ. Auf diesem Weg sind wir ganz allein. Niemand erfreut sich mit uns an den prächtigen Lilien, die in großen Gruppen neben den Felsen stehen.



Felskegel mit Mützen

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Es ist ein schöner Kontrast: Die weiß-grauen Felsen, das satte Grün und die Blumen mit ihren kräftigen Farben. So schön ist es nur im Frühling.
Kurz vor Paşabağ treffen wir einen Bauern, der versucht, ein paar Souveniers und Getränke an Wanderer zu verkaufen. Er zeigt uns voll Stolz das Loch, das er schon vor zwanzig Jahren hier in den Felsen gehauen hat, damit sich dort Wasser sammelt. „Zu mir kommen alle Vögel dieser Region, denn nur hier gibt es Wasser.“
Kurz darauf, wir sind inmitten der Feenkamine, die wir von Fotos kennen, trauen wir unseren Augen nicht. Auf der gegenüberliegenden Kuppe sind unzählige Menschen und fotografieren. Sogar mit Mountainbikes sind sie unterwegs.



Ja, dort wo man mit dem Auto hinfahren kann, da trifft man auf Touristen, aber wo man zu Fuß durch die Natur streift, ist man fast allein.
Natürlich haben wir uns auch Zelve und Göreme angesehen, aber auf die Beschreibung der Orte will ich an dieser stelle verzichten, weil alles darüber in den Reiseführern steht.



Wein und Käse

Was man aber nicht im Reiseführer findet, haben wir in Güzelyurt erlebt.
Zum Abendessen haben wir uns für einen lokalen Wein, Gelveri 2010, entschieden, der in Güzelyurt hergestellt wird. Kemal hat mit dem Hoteldirektor gesprochen und gemeinsam mit diesem haben wir uns nach dem Essen auf den Weg gemacht, um Hacer Özkaya zu treffen. Sie unterbricht für uns ihre Arbeit im Keramikatelier und öffnet uns ihr Haus.
In ihrem 250 Jahre alten griechischen Haus befindet sich ein original „şarap hane“, ein Ort an dem Wein hergestellt wird.
In einem großen Raum, der aus einem Felsen herausgearbeitet wurde, sind zwei Becken. In der Decke ein Loch auf Straßenniveau, durch das die Weintrauben heruntergekippt werden. Die Trauben werden dann getreten, damit der Saft herausläuft. In einem zweiten Becken werden die Traubenrückstände gesammelt, um dann nochmals getreten zu werden. Der abfließende Saft wird in einem Loch von 50 Zentimeter Durchmesser aufgefangen. In weiteren Löchern im Boden, am Rande des Raumes, stehen Amphoren aus Ton in die der Saft gefüllt wird. Die Öffnungen werden mit Marmorplatten zugedeckt, in deren Mitte sich ein Gummistopfen mir Gärröhre befindet. Hacer sagt, dass sie anhand der Bläschen und des Geräusches den Reifegrad erkennt.
In den Amphoren im Erdreich ist die Temperatur immer gleichbleibend. In dem Gewölbekeller sind es immer konstant 11°C. Wir sehen zwei Amphoren, die nicht im Boden sind und werden uns de Größe von 400 und 750 Litern bewusst. Die hier benutzten Amphoren sind original antike Weinamphoren und es ist sehr schwer, weitere zu finden und zu kaufen. Wenn der Wein fertig ist füllen Hacer und ein Freund den Wein in Flaschen ab und verkorken ihn von Hand.
Diese Weinherstellung gehört zu einem Projekt, um die 5000 Jahre alte Weinkultur der Hethiter wiederzubeleben. 2010 haben sie 2000 Liter produziert.
Hacer erzählt, dass es in fast jedem alten Haus in Güzelyurt so ein „şarap hane“ gibt und dass sich jeder auf die Weinherstellung versteht. „Ach wenn hier nur noch Muslime leben, wird hier viel Wein getrunken“, erklärt Hacer mit einem Augenzwinkern.
Da Wein und Käse gut zusammen passen, hat sich Hacer auch auf die traditionelle Herstellung von Käse in Tongefäßen, Çömlek peyniri, spezialisiert. Die Käsemasse wird in Tontöpfe gefüllt, diese werden mit Stoff verschlossen und über Kopf in Sand gesteckt, um dann 6 bis 24 Monate zu reifen.
Wir nehmen an einem langen Tisch Platz und werden zu Rotwein und Käse eingeladen. Den Wein trinken wir aus den typischen türkischen Teegläsern, denn die sind universell einsetzbar, und er schmeckt köstlich. Ebenso der würzige Käse.



Tanzende Derwische in Saru Han

Saru Han am Abend

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Ein ganz besonderes Erlebnis in Kappadokien ist unsere Teilnahme am Gebet (Sema) der „Tanzenden Derwische“ im Saru Han, einer alten Karawanserei. Ich hatte zuerst befürchtet, dass das eine touristische Vorführung werden würde, aber dann war es ganz anders. Unter der Kuppel im Zentralbereich des Saru Han waren zwar Bänke aufgestellt und man musste auch Eintritt bezahlen, aber danach waren wir dabei wie die Derwische sich der Musik und ihrem Gebet drehender Weise hingaben. Es gab keine Erklärungen, keine Fotos. Es war nur ein Zusehen über die hohe Kunst dieser Form von Meditation und Gebet. Am Ende sind die Männer so leise wieder verschwunden wie sie gekommen waren und als ich wieder im Hof war, sah ich sie in normaler Kleidung die Karawanserei verlassen. Hikmet hielt einen von ihnen auf, damit ich ihm Fragen stellen konnte, aber das wollte ich gar nicht. Dennoch erzählte er ein wenig von sich. Seit diesem Abend weiß ich, dass diese Derwische ihr ganz „normales“ Leben leben, aber einen besonderen Glauben haben, bei dem sie sich täglich zum tanzenden Gebet treffen – und dabei dürfen Besucher zusehen.



Highlight Ballonfahrt

Ballon-, Sonnenaufgang

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Ein Highlight, im Sinne von hoch, ist die Fahrt mit dem Heißluftballon. Davon habe ich schon oft gehört, aber als ich beim Aufwachen aus dem Hotelzimmer schaue und den Himmel übersät mit farbigen Punkten sehe, merke ich, dass ich wohl auch so eine Fahrt machen möchte. Am nächsten Morgen um 5 Uhr werden wir vom Hotel abgeholt und in die Nähe von Göreme gebracht. Im „nature land“ frühstücken wir und können dabei beobachten, dass an vielen Stellen Heißluftballone liegen, die für ihre Fahrt vorbereitet werden.



Die Sonne geht auf und taucht die Felsen in rosiges Licht. Wir werden zu unserem Ballon gebracht und sehen gerade wie die riesige Stoffhülle sich von der heißen Luft aufrichtet. Unser Ballon ist leider nur beige, grau und blau und wir sind ein bisschen enttäuscht, dass die anderen viel schöner sind, aber dann freuen wir uns darauf, die anderen schönen fotografieren zu können. Wir sind 20 Passagiere und werden den vier Kammern des Korbes zugeordnet, wo wir ganz bequem stehen können. Um uns herum tauchen überall Ballons auf, wie Pilze, die aus dem Boden schießen, einige sind schon in der Luft, einige heben gerade ab und ehe wir es bemerken sind auch wir schon in der Luft. Ganz langsam, ganz leise und sanft steigen wir auf, umgeben von zahlreichen bunten Ballonen. Immer wieder zieht unser Pilot am Gashebel und die Flamme steigt in die Höhe. Wir wissen nicht was schöner ist, die tolle Landschaft, mit allen Einzelheiten von oben zu sehen oder inmitten der Ballonvielfalt zu sein. Es ist beides zusammen. Unser Pilot erlaubt sich einen Spaß mit uns und fährt so tief über ein Getreidefeld, dass wir es anfassen können. Anfangs zweifeln wir an seinen Fähigkeiten, aber als er uns kurz darauf in luftige 750 Meter Höhe bringt, sind wir ganz glücklich. Die Fahrt dauert ungefähr eine Stunde und alle Ballone bewegen sich in die gleiche Richtung, immer vom Wind getrieben, und irgendwann bekommen wir das Signal, dass wir uns auf die Landung einstellen sollen. Unter uns ein weites Feld und unser Beleitfahrzeug. Der Pilot sagt, dass er auf dem Anhänger landen wird und wieder denken wir, dass er Spaß macht, aber tatsächlich, er setzt den Korb exakt auf den Anhänger des fahrenden Autos auf und dieses schiebt uns rückwärts zur Straße. Nun ist die Fahrt zu Ende, die Luft wird über eine Rosette im obersten Bereich des Ballons abgelassen und der Stoff senkt sich sanft zur Erde. Jetzt ist unser Ballon der schönste, denn er hat die Farben Kappadokiens und der Stoff faltet sich weich wie die Felsen.



Kaya Ballon



Weiter per Zug...

Nach erfüllten fünf Tagen werden wir zum Bahnhof von Incesu gebracht und warten dort auf den Zug aus Ankara, um weiter ins Taurusgebirge nach Hacıkırı zu fahren.
(Dieser Bericht ist eine Ergänzung zu dem Bericht „Wo liegt eigentlich Hacıkırı“)


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