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Reisebericht: Marokko - weil es so schön war und ist
Ich berichte heute über einen Familienurlaub in Südmarokko, der zwar schon 28 Jahre zurückliegt, aber wegen mancher Hindernisse und vieler schöner Erlebnisse unvergesslich bleibt. Manche der gescannten Papierabzüge haben sich farblich ein wenig verändert, passen aber gut zu der roten Erde im Atlasgebirge und zu den schummrigen Gassen der Altstädte.
Willkommen in Agadir
Der gut vierstündige Flug im Februar verlief problemlos. Die Winterpullover wurden bei sommerlichen 25°C im winterlichen Südmarokko bei der Ankunft ins Gepäck verstaut. Weil ich ein Jahr zuvor Agadir allein erkundet hatte, konnte ich den Taxifahrer am Flughafen in seinem klapprigen Mercedes 180 D zu einem moderaten Fahrpreis überreden. Das Hotel unweit des Strandes war gebucht, die Begrüßung herzlich und der Service gut.
Windpocken trüben den Urlaubsbeginn
Am Tag nach der Ankunft war der Körper unseres damals zweieinhalb Jahre alten Sohnes mit roten, juckenden Pusteln übersät. Windpocken, diagnostizierte der ägyptische Arzt, der im Porsche vor- und mit Barem davon fuhr. Glücklicher Weise hatte ich in Deutschland eine Reise-Krankenversicherung abgeschlossen, die mir später die Kosten ersetzte.
Quarantäne war für eine Woche angesagt. Also gemeinsamer Hotelzimmeraufenthalt, um Sohnemann bei Laune zu halten. Erst am späten Nachmittag wagten wir uns mit ihm an den Strand - in weitem Abstand zu den Spaziergängern. Er trug sein Los mit bemerkenswerter Gelassenheit. Erst nach Urlaubsende erfuhr ich vom heimatlichen Kindergarten, dass dort zeitgleich weitere Kinder an Windpocken erkrankt waren.
Begnung zweier Welten
Unser Sohn kannte Pferde von den Koppeln im Rheingau. Aber mit einem seltsamen Reiter? Gut, dass sein Vater mit der Kamera hinter ihm stand und Pferd und Reiter wegen der Windpocken auf Abstand hielt.
Nach wenigen Tagen war der Spuk vorbei und die Pusteln verschwunden. Der Urlaub konnte beginnen. Vorsorglich verlängerte ich ihn um eine Woche.
Auf den Resten der Kasbah oberhalb von Agadir
Nur wenig ist nach einem Erdbeben im Jahr 1960 vom früheren Agadir übrig geblieben. Man spricht von 15.000 bis 20.000 Opfern, die hier unter Gebäudetrümmern verschüttet wurden. Das neue Agadir wurde anschließend unterhalb der einstigen Altstadt in Form erdbebensicherer Betonbauten neu errichtet. Deshalb sucht man dort vergeblich nach historischer Bausubstanz. Orientalisch geht es in den Suks zu. Ein Blick von der Kasbah über den weiten Atlantik bleibt unvergesslich. Wer aber mehr als Badeferien und Folkloreabende in den Hotels sucht, sollte Agadir als Ausgangspunkt für abenteuerliche Ausflüge ins Landesinnere betrachten.
Wir hatten einen freundlichen und zuverlässigen Taxifahrer für drei Tage unter Vertrag genommen. Er machte uns nicht nur mit seiner Heimatstadt und dessen Geschichte vertraut. Er lud uns auch in seine Familie ein. Natürlich brachten wir Gewürze vom Markt als Gastgeschenk mit.
So lernten wir auch den quirligen Fischereihafen Agadirs mit seinen nicht enden wollenden Fischbuden kennen. Dort gibt es alles, was der Atlantik an fangfrischen Fischen, Schalentieren und Meeresfrüchten bereit hält. Sogar mit einer gekühlten Flasche marokkanischen Weißweins mit Plastikbechern versorgte uns der Taxifahrer zum Menü. Natürlich heimlich und in einer Papiertüte versteckt, weil auch Touristen der Alkoholgenuss auf dem Hafengelände verboten ist.
Auf nach Marrakech
Gern hätte uns unser Taxifahrer nach Marrakech gegen angemessenes Entgelt befördert. Aber Petit Taxis dürfen nur im Stadtbereich verkehren. Und die klappernden Überlandtaxis mit Dieselgeruch waren uns zu teuer, die Fahrer zu unfreundlich. Also mietete ich ein mir aus jüngeren Jahren vertrauten Renault R4 für einige Tage. Das Vehikel machte einen landesüblich verkehrssicheren Eindruck.
Das Wetter meinte es im Februar nicht gut mit uns. Regenschauer, Kälte und gelegentlicher Steinschlag machten die Fahrt durch das Atlasgebirge wenig erbaulich. Hinzu kam der halsbrecherische Gegenverkehr von Lastkraftwagen auf engen, kurvenreichen Gebirgsstrecken mit steilen Abhängen. Unser Sohn war begeistert, die Mutter schwieg.
Es kam, wie es unter solchen Bedingungen kommen musste: Ein Reifen war platt, das Bordwerkzeug ungeeignet angesichts eingerosteter Radmuttern. Ob es Allah war, der die Fremdlinge erhörte? Oder war es die Vorausahnung der Autovermieter? Plötzlich waren letztere, die uns wohl im sicheren Abstand gefolgt waren, hilfsbereit zur Stelle. Sie überließen uns ihren PKW, wünschten uns weiterhin Gute Fahrt und machten sich an den Radwechsel.
Ziel erreicht
Es war schon dunkel an diesem unfreundlichen Wintertag, als wir Marrakech heil, aber ein wenig genervt, erreichten. Wir nahmen das erstbeste Hotel mit vier Sternen in Augenschein und bezogen unser Zimmer. Gefühlte Innentemperatur ca. 10° Celsius. Die Klimanlage sorgte für kalte Frischluft. Zusätzliche Decken waren, wie uns die Rezeption glaubhaft versicherte, bereits vergriffen. Unser Sohn, mit Pullover und Jacke versehen, schlief unter der dünnen Steppdecke augenblicklich ein.
Mutter und Vater hatten den Plan, sich an der Hotelbar aufzuwärmen. Pustekuchen! Fast ausschließlich vermögend aussehende, in Leder oder Pelzmäntel eingewickelte Marokkaner schlürften dort ihren heißen Minztee. Ich orderte zwei doppelte Cognac und erinnere mich noch an den Preis: umgerechnet rund 32 D-Mark. Das Barpersonal wärmte unterdessen seine Hände über dem Dampf der Kaffemaschine. Mit dem, was wir anhatten, begaben wir uns danach zur "Nachtruhe".
Rückweg nach Agadir mit Hindernissen
Marrakech war und ist ein Erlebnis, ebenso Essaouira, Taroudant, Tafraout und Tiznit - Städte und Städtchen, die ich auch in der Folgezeit wiederholt besucht habe. Ein Erlebnis für uns war in diesem Februar 1983 aber auch die Rückfahrt durch den Atlas.
Vor uns war ein Kleinlastwagen von der Straße abgekommen und den Abhang hinunter gerutscht - glücklicher Weise ohne Personenschäden. Ein stundenlanger Aufenthalt vor der Unfallstelle führte allerdings dazu, dass wir erst bei Dunkelheit Agadir erreichten. Ausnahmsweise ohne Reifenpanne, Kälte und Regen. Frühlingshafte Temperaturen begleiteten uns die restlichen Urlaubstage.
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Solche Erinnerungen, aufgefrischt durch Bilder sind kostbar. Ich liebe es in alten Dias und Bildern z.T.aus den 70er Jahren, zu stöbern!
LG Christina -
Einmal ein ganz anderer Bericht. Eine faszinierende Zeitreise.
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Ohne Handy und ADAC Gold Card hatte Reisen doch noch einen richtigen Abenteuerfaktor!
Wunderbare Bilder und Erinnerungen sind das... -
sehr schöner Bericht, klasse Idee ! Gut mal wieder daran erinnert zu werden, dass man früher "analog" verreisen konnte:)
LG Ute -
Sehr schönes Bericht. Ob du es glaubst oder nicht, ich bin gerade dabei alte Marokko Bilder aus 1999 zu scannen. Ist aber viel Arbeit. Ich habe aber nicht vor (jedenfall noch nicht) darüber ein Bericht zu schreiben.
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Eigentlich kann man das alles auch heute erleben. Aber uneigentlich würde man den Urlaub nicht verlängert bekommen, würde ein Auto nach westlichem Sicherheitszustand bekommen ohne gefragt zu haben und hätte wegen der Klimaanlage das Hotel gewechselt. Und nur halb soviel Unerwartetes und Schönes und Berichtenswertes erlebt.
Reisen ist nicht Mut zum Risiko sondern Mut zur Offenheit.
Danke für die schönen Erinnerungen daran. -
Lieber Eberhard! Meine Marokko-Reise (Studiosus) liegt zwar noch nicht ganz so lange zurück, aber auch ich erinnere mich noch sehr gerne daran, nicht nur an die wunderbaren Königsstädte, an die Kultur, sondern auch an die vielfältigen Landschaften. Ich nehme mir schon lange mal vor, dieses Land nochmals zu bereisen. Deinen Bericht habe ich sehr gerne gelesen und es kamen dabei sehr viele Erinnerungen in mir hoch.
LG Ursula -
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Lieber Eberhard!
Nachdem ich selbst jetzt vor 3 Wochen auf Rundreise in Marokko war, war es für mich interessant zu erfahren, wie es denn so vor 28 Jahren war. Die alten Fotos sind wirklich sehenswert. Ich kann Dir auch versichern, dass sich nicht viel geändert hat, zumindest was die Kälte betrifft. So gefroren wie in diesem Urlaub habe ich noch nie zuvor! ;-) Vielen Dank jedenfalls für Deinen nostalgischen Rückblick!
LG Susi -
Noch vier Jahre früher unternahm ich fast die gleiche Fahrt. Kann mich gut in Deine Geschichte hineindenken. Wirklich interessant.
Nette Grüße...Josef -
Lieber Eberhard!
Sehr interessanter Marokko-Bericht von dem ich zwar schon einige Fotos gesehen hatte, den ich nun aber erst richtig entdeckt habe. Sehr schöne Zeitreise durch ein interessantes Land mit Abenteuern, die man sich bewahren sollte. Danke für Deine Veröffentlichung. ... wie oft warst Du denn in Marokko?
Liebe Grüße
Muawiya -
4 x - Lg Eberhard
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... unglaublich, schön zu lesen, wie man "damals" gereist ist ... solche Erlebnisse hat man heute kaum noch
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