Mein Tourtagebuch - Route des Grandes Alpes

Reisebericht

Mein Tourtagebuch - Route des Grandes Alpes

23.07.2011

23.07. - Prolog (Anreise)

Thonon les Bains

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Eine Alpenüberquerung soll´s dieses Jahr also sein, mit dem Rennrad... Vereinbarungsgemäß warte ich am individuell vereinbarten Ort, einer Aral-Tankstelle in Ettlingen, auf den Bus. Und absolut pünktlich biegt der dann auch um die Ecke!
Kurzes "Hallo", schnell das Gepäck verladen und weiter auf die Autobahn. Wir sind erstmal nur 3 Teilnehmer sowie "das Team" Arnold und Holger. In Weil am Rhein kommen nochmals 4 Kollegen dazu, einer stößt vor Ort in Thonon dann noch zu uns. Auch in Weil ging´s schnell und weiter auf die Autobahn in die Schweiz. Kurzes Kennenlernen bei der Pause, ansonsten eher Stille im Bus. Jeder hängt wohl noch so seinen Gedanken nach. Bei mir geht´s vor allem darum: reicht meine Vorbereitung? Vor 5 Wochen der Unfall, dann Margen-Darm, dann ´ne Woche mit Grippe flach und zum Schluß Regenwetter... Au weia, das wird sicher happig.... Sehen alle so durchtrainiert aus hier drin...
In Thonon-les-Bains angekommen geht´s dann auf die Zimmer und es verbleibt noch ein wenig Zeit zum Stadtbummel.
Abends geht´s dann zum tollen 3-Gänge-Menü (lecker: Blaufelchen direkt aus´m Lac Leman!). Arnold verteilt die Roadbooks unserer Etappen und Holger gibt seine Einschätzung zum Tempo ab. Der Regen prasselt auf´s Dach der Gaststätte: lieber heut´ abend als morgen früh....
Dann in´s Hotel und schlafen.



a velo



24.07. - 1. Etappe (Les Gets, Colombiere, Aravis)

zum Colombiere

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Morgens geht´s zum Frühstücksbuffet mit Blick auf den See. Stärken für den Tag. Ein wenig scherzen über die Form und die Ziele der Tour, es regnet nicht mehr.
Also Aufstellung um 9.00 Uhr mit den Rädern an der Uferpromenade, Teamfoto. Dann geht´s los! Pedale klicken, Räder surren, Schaltungen klacken - aaaaah the Sound of Cycling.
Holger fährt vorneher und führt die Gruppe zügig raus aus der Stadt und Richtung Morzine. Das Tempo auf der leicht ansteigenden Strecke ist gut, jeder kommt gut mit. Auch nach Les Gets hinauf kein Problem! Juhuuuu, die erste Asphaltblase plattgemacht! Stärkung am Teamfahrzeug mit Bananen, warme Sachen anziehen. Und dann geht´s los in die Abfahrt, es beginnt zu regnen, aber alles kein Problem, die Straße ist gut ausgebaut. Im Tal von Cluses dann ein grandioser Blick auf die Regenwolke, die auf uns zukommt. Am Fuße des "Colombiere" nochmal eine kurze Pause, Regensachen anziehen und dann geht´s in den Berg.
Ich mag den Anstieg nicht, war schon 2007 so, aber hilft nix. Bis "Le Reposoir" läuft´s gut, dann nicht mehr. Der letzte Kilometer, bei jetzt nachlassendem Regen, zieht sich ganz schön hin. Die Passhöhe will einfach nicht näherkommen und die Steigung nicht nachlassen. Schlagartig geht´s am Chalet dann von Steigung in Gefälle über, geschafft... Doch vor der Abfahrt geht´s erstmal bei 7 Grad in den Teambus zum Mittagessen - alles was das Radlerherz begehrt.
Nachdem alle oben und gestärkt sind geht´s in die Abfahrt - wieder mit Sonne! Ach du Schreck: in Le Grand Bornard meint eine junge Katze unseren Weg bei 60 km/h kreuzen zu müssen. Holger erwischt sie mit dem Tretlager und die Katze kommt mit ein paar Überschlägen davon - nichts passiert.... Glück gehabt.
Alle Zusammen gehen wir dann den Col des Aravis an! Die weiten Kurven und Almwiesen bei trockenem Wetter sind gut zu fahren. Leider ziehen oben aber schon wieder dunkle Wolken zusammen (und diesmal sieht´s fast nach Schnee aus!)... Also schnell weiter runter nach Flumet. Dort sammelt Holger die Gruppe wieder und gemeinsam geht´s nach Megeve.
Leider versteckt sich der Mont Blanc heute hinter dichten Wolken, sodass die Aussicht auf Europas Höchsten ausbleiben muss. Vielleicht morgen.
Kurz vor Megeve dann noch Defekt eines Kollegen: Schaltzug gerissen! Sonntag abends... Gottseidank nur noch 3 km bis zum Hotel.
Im Hotel dann erstmal Tour-Finale und Cav-Sieg anschauen, dazu ein kleines Getränk an der Bar. Dann schafft es unser britischer Gastgeber Pete, eine Werkstatt zu organisieren: Zugwechsel Sonntag abends, außerhalb der Öffnungszeiten für 5 Euro.... Unglaublich!!!!! C´est la France! Merci!
Nach dem üppigen 3-Gänge-Abendessen geht´s dann an die Bar, wo Arnold noch sein Briefing für die morgige Etappe gibt: Achtung auf der Abfahrt vom Roselend (Spitzkehren!) und vorsicht vor dem Verkehr in den Zielort.
Bei mir heißt´s dann: Skins-Recovery-Kompressionshose an! "Man in tights"... und ab in die Falle.



Aravis



25.07. - 2. Etappe (Saisies, Roselend, Val d´Isere)

Saisies

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7.00 Uhr Aufstehen - Sonne!!!! Hab´ doch echt gut geschlafen in der Skins und überraschenderweise keine Muskelprobleme.
Beim Frühstücksbuffet gute Stimmung, Sonne, tolle Landschaften voraus, was will man mehr?!
Um 9.00 Uhr geht´s wieder auf´s Rad und unser Gastgeber Pete fährt den 1. Pass heute mit! Den "Einstieg" zum Saisies haben wir auch bald erreicht und Holger führt die Gruppe mit gleichmäßigem Tempo bergan. Es läuft hier echt gut und die Sonne tut ihr Übriges. Auf der Passhöhe dann wieder ein kleiner Snack vom vorausgefahrenen Arnold mit dem Teambus. Nach dem "bye" von Pete geht´s in die Abfahrt nach Beaufort, wo Arnold mit dem Bus wieder wartet. Trinkflaschen auffüllen, Windjacken loswerden, dann geht´s los in den Roselend.
Ich tret´ hier schon mutig ein recht hohes Tempo unten rein, muss dann zwischendrin in den Serpentinenstücken aber rausnehmen. Je höher wir kommen, umso mehr Wolken ziehen auf. Am Lac de Roselend wartet Arnold und es wird vereinbart, dass wir erst in der Abfahrt Pause machen, da es oben wohl zu kalt sein wird. Also weiter, um den See herum in einer kleinen Abfahrt, vorbei am Wasserfall und durch den Felsdurchbruch zur Passhöhe. Hier vertrödel´ ich irgendwie ein wenig Zeit durch´s Fotografieren - ist aber auch ne super alpine Landschaft. Auf der Passhöhe ist´ s tatsächlich sehr frisch und es geht direkt weiter in die Abfahrt.
Nach einigen Kilometern wartet Arnold und es gibt das übliche Mittagsbuffet mit Aufwärmen im Bus.
Dann geht s weiter ins Chapieux-Tal, begleitet von Regen... Gottseidank lässt der Regen im Serpentinenstück weiter unten etwas nach, um kurz vor Bourg-St-Maurice wieder zuzunehmen. Dennoch kommen alle siccher unten an.
Jetzt geht´s noch an´s Schlußstück nach Val d´Isere: 32 km bergauf. Und hier erleb´ ich mein Waterloo... Ist das Stück eklig. Verflixt, wer hält mein Hinterrad fest? Doofe Baulastwagen. Und warum steht hier überall "Montee de Tignes", da will ich nicht hin. Wenigstens leidet Holger vor mir auch ein wenig... Und dann kommt diese künstliche Autobrücke mit ein paar Extra-Höhenmetern- muss das sein? Geschafft, und es gibt einen tollen Ausblick auf den Stausee! Nur noch Abfahrt bis zum Ziel durch ein paar gut beleuchtete Tunnel. Uff. Ich bin platt.
Auf dem alten Klavier im Fahrradkeller gibt Volker dann gleich noch einen Boogie-Woogie zum Besten - das lockert die Muskeln!
Das tolle Hotel (Ormelune) und das 3-Gänge-Abendessen (lecker Himbertorte als Nachtisch) entschädigen für die Strapazen des Tages.
Arnold gibt am Tisch dann noch ein Kurzbriefing für die morgige Etappe. Wird wohl nur bei Gegenwind im Tal recht schwer werden.
Gute Nacht.



Roselend



26.07. - 3. Etappe (Iseran, Telegraphe)

zum Iseran

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What a night. Hallo, kann jemand den Heizlüfter abschalten? Sollten die Skins nicht kühlen? Puuuuh, die 1800m Höhe lassen keinen so richtig zur Ruhe kommen. Erst recht nicht meinen Puls....
Nach dem Frühstücksbuffet geht´s dann wieder pünktlich um 9.00 Uhr auf´s Rad. Sonne. Aber mein Allerwertester meldet sich heute ein wenig. Egal, bei der tollen Landschaft und dem traumhaften Anstieg zum Iseran ist das schnell vergessen. Hier im Nationalpark gibt es tolle Ausblicke auf die umliegende Bergwelt und zurück ins Tal nach Val d´Isere.
Fast gemeinsam erreichen wir die Passhöhe und ein wenig Schnee neben der Straße läßt die letztwöchige Sperrung noch erahnen. Toll ist´s hier oben!!!!
Nach einer kleinen Stärkung im Teambus und warmen Klamotten geht´s in die rasende Abfahrt. Manch motorisierter Zweiradfahrer zeigte sich hier etwas überrascht ;-)
Im Tal wieder "Sammeln", warme Klamotten abgeben. Und dann haben wir auch den ersten Reifendefekt, allerdings rasch behoben.
Weiter geht´s auf guter Straße, leicht bergab, aber mit Gegenwind (und Sonne). Holger gibt vorne alles und macht das Kreuz breit, sodass wir uns etwas erholen können.
Nach dem "Madeleine" (nee, es ist nur ein kleiner Pass auf der Strecke, der "falsche Madeleine" sozusagen) wartet Arnold mit dem Mittagsbuffet. Dann wieder weiter nach Modane, wo die Deko noch auf die Tour de France schließen lässt und rauf auf die Hauptstraße des Maurienne-Tals.
Plötzlich krachts hinter mir, bremsen. Au weia, unseren besten Bergfahrer hat´s erwischt. Sev liegt benommen auf dem Boden. Reifenschaden vorne, Überschlag. Schnell organisiert die Gruppe die Bergung und sichert die Unfallstelle. Gottseidank ist nichts Schlimmeres passiert, nur hässliche Schürfwunden. Trotz repariertem Bike kommt der Gute erstmal ins Begleitfahrzeug bis ins Ziel. Gut, dass ich den Sturz nicht gesehen hab´, sonst hätt´ ich was für meine Nerven gebraucht...
In St-Michel geht´s dann rein in den Telegraphe. Igitt ist der eklig unten. Bewaldet, kurvig, recht steil. Aber bald wird die Steigung angenehmer und die Straßenbemalung tut ihr Übriges zur Motivation - Vive le Tour!!! Auch die toll herausgeputzte Passhöhe empfängt uns mit Tour-Feeling!
Doch auch heute geht´s nicht ohne Regen: in der kurzen Abfahrt nach Valloire erwischt uns dann doch noch ein kleiner Schauer nach einem fast nur sonnigen Tag...
Nach dem Zimmerbezug bleibt dann noch etwas Zeit, um Valloire anzuschauen und sich mit dem Kult "Galibier" auseinanderzusetzen.
Beim 4-Gänge-Abendessen und dem obligatorischen Briefing wagt sich keiner der Guides auf das morgige Wetter festzulegen. Na toll.... Fest steht, dass der Begleitbus nicht über den Galibier darf und jeder seine Ausrüstung "am Mann" mitführen muss... Ich hab´ schon ein wenig Bedenken und geh´ mit einem mulmigen Gefühl ins Bett.



Iseran



27.07. - 4. Etappe (Galibier, Les 2 Alpes/Alpe d´Huez) - Königsetappe

stairway to heaven

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Aufwachen, ein paar Tropfen draußen.... Das hält.
Nach dem Frühstück in der Tat keine dicken Wolken, kein Regen. Also alles in Rucksäcke oder Trikottaschen verstaut und los. Sev ist auch wieder mit an Bord!
Durch Valloire durch geht´s in den Anstieg - ich kann mir ein paar Takte "Highway to hell" vom Handy nicht verkneifen, Michael freut´s. Dann geht´s in den Plan Lachat, lange Geraden, 6-7 %, wenig Abwechslung. Aber die kommt nach der Jausenstation sehr schnell. Brücke, 180-Grad-Rechtsknick und ich seh´ den "stairway to heaven" vor mir. Steile Straße, oben nur Himmel. Wer will da rauf? Ich doch nicht... Hilft nix, weiter geht´s. Michael motiviert mich und "zieht" mich hoch. Und bald wird´s auch besser. Abwechslungsreich, aber steil. Im Tal ziehen langsam Wolken auf, die Passhöhe noch sichtbar. Dann ist die Einfahrt zum Tunnel erreicht, jetzt nochmal alles geben, es wird auch langsam nass von oben und die Bergwelt zeigt dunkles Geröll. Ein letztes Steilstück und die Passhöhe ist erreicht ! Jippieh! Eine Woche nach Andy Schleck hier oben! Geiles Gefühl! Gipfelfotos!
In der steilen Abfahrt zum Lautaret beginnt´s zu regnen. Aufpassen. Also schnell rein in die Gaststätte am Pass. Die einen bestellen sich warme Suppe, die anderen Kaffee, für mich "Chocolate chaud & Crepes". Es wärmt allerdings nur temporär. Jetzt geht´s in die Abfahrt Richtung Bourg d´Oisans, ca. 30 km. Regen, 7 Grad, schlotter, schlotter. Höchste Konzentration, auch wenn das Wasser in die Überschuhe schwappt....
Ich kllink´ mich an der Barrage du Chambon aus und will nach Les 2 Alpes fahren (für die Palmares), die Kollegen wollen noch Alpe d´Huez machen (hab´ ich schon).
Also strampel ich in bester Ullrich-Pantani-98-Manier im Regen die Kurven zum Skiort hoch. Unterwegs noch Motivation durch zwei blonde holländische Pferdeschwänze ;-)
Im Hotel angekommen (hallo, das heißt doch Les 2 Alpes 1650, aber das Hotel "Mercure 1800" - wer hat da noch die Höhenmeter eingebaut?)! gibt´s erstmal ein heißes Bad und ein wenig deutsches TV (echt mieses Programm am Nachmittag).
Die Kollegen kommen dann im Bus, nach Alpe d´Huez im Regen hatten sie keine Lust mehr auf Regenabfahrt und -auffahrt. Kann ich verstehen.
Abends gibt´s dann ein nettes Buffet (jeder will die Hühnchenflügel....ist doch kein Red Bull...) und unser Briefing. Morgen könnte es eine spätere Ankunft geben, da wir am Lautaret starten (nach Busanfahrt) und die Etappe auch nicht ganz kurz ist.
We´ll see - goodnight skins.



GALIBIER!



28.07. - 5. Etappe (Izoard, Vars)

Izoard

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Guten Morgen Skistation!
Na wenigstens hat der Regen aufgehört. Im Tal hängen noch die Wolken, aber oben (bei uns auf 1800 m) scheint die Sonne! Juhuu!!! Ab zum Frühstücksbuffet.
Dann geht´s in den Begleitbus, der uns rauf zum Lautaret bringt. Dort gibt´s noch eine spannende Begegnung mit einem Spanier auf dem Liegerad, der dieselbe Tour wie wir macht! Bonne route!
Etwas spät, im Vergleich zu den sonstigen Tagen, stürzen wir uns gut eingepackt in die Abfahrt nach Briancon. Die Stadt macht ihrem Ruf alle Ehre: SONNE! Also Klamotten wechseln am Begleitbus - es sollte nicht das letzte mal heute bleiben... Ich spendier´ heut´ mal ´ne Runde Sonnencreme!
Dann geht´s in die Auffahrt zum Izoard. Zuerst mit dem Gefühl von Teer an den Reifen, bevor die Landschaft und die Straße abwechslungsreicher werden. Durch lichten Wald fahren wir hoch bis zum Refuge Napoleon, bevor das Schlußstück im Fels beginnt. Vor der Paßhöhe dann noch ein kleines Bergsprintduell mit Michael. Oben ist´s dann schon ein wenig frischer mit Wolken von Süden, also los in die Abfahrt. Aus voller Fahrt heißt s in der Casse Desserte dan nochmal bremsen und Louison Bobet und Fausto Coppi am Denkmal huldigen. Dann aber schnell weiter. Wegen akutem Regenwolkenaufzug bleibt keine weitere Zeit an der Casse Desserte und die folgenden Spitzkehren auf frischem Asphalt und bei einsetzendem Regen sind ein besonderes Vergnügen - wie auf rohen Eiern drumherum...
Bei Arvieux wartet der Bus mit Buffet. Tut auch gut bei dem Wetter. Dick eingepackt in Regenklamotten geht´s dann weiter in die nasse Abfahrt ins Guil-Tal. Hier wieder Sonne, also auf den Bus warten und wieder umziehen...
Durch die tolle Schlucht des Guil fahren wir zusammen weiter bis Guillestre, wo der Einstieg in den Col de Vars beginnt. Was für ein Berg. Für mich hat der Nordanstieg außer "schwer" nichts zu bieten. Selbst die Fahrt durch den (Ski)Ort Vars ist einfach nur schwer. Jede Umdrehung kostet fast schon Überwindung. Oben raus wird´s dann landschaftlich schöner und alpiner, aber der Donner grollt und die Wolken ziehen sich zusammen. Zusammen mit Michael strampel ich die restlichen Meter durch eine Baustelle, an Seen vorbei und rauf; schnell in den Begleitbus. Wir schenken uns heute die Abfahrt, um Körner für morgen zu sparen.
Im Ziel in Barcelonette haben wir dann wieder Sonne und ein tolles Hote im mexikanisch-französischen Lokalstil. Gut ausgewählt!
Nach einem Besuch des Dorfplatzes gibt´s heute erst um halb acht Abendessen: kalte Platte, Pizza (oder Pasta) und Crepes (manch einer bestellt gleich 3 Crepes, was die Bedienung etwas verwirrt).
Arnold brieft uns wieder wie gewohnt für den morgigen Tag mit dem höchsten Alpenpass und der folgenden langen Abfahrt. Alles klar.
Dann geht´s ab in die Falle.



Vars



29.07. - 6. Etappe (Bonette, St. Martin)

Bonette

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Gut geschlafen, auf zum Frühstück. Sonne! Wir sind im Süden!
Heute geht´s hoch hinaus. Auf den höchsten befahrbaren Pass der Alpen (auch wenn die Hinweisschilder "Europa" statt Alpen sagen, aber die Spanier haben da glaub´ ich was mitzureden).
Bei strahlendem Sonnenschein starten wir Richtung Jausiers. Auf der Straße weicht jeder den Tropfen der Feldbewässerungsanlagen aus - iiiih, bloß kein Wasser (mehr)...
In Jausiers dann geht´s los. rein in den Anstieg, mental einrichten auf die Länge und dann den Rhythmus finden. Hier hab´ ich recht leicht mein Tempo gefunden und ziehe Michael gerne mit. Die Landschaft wechselt von mediterran in alpin. Unterwegs müssen wir dann noch durch eine Schafherde durch (wie Moses durch das rote Meer)... Es wird zunehmend alpiner und die Luft dünner, was mir aber überhaupt keine Probleme bereitet. Vorbei geht´s an den Militäranlagen und dann kann man ihn sehen, den schwarzen Kegel. Da müssen wir rauf. Bis auf die letzten 450 m Ringstraße geht´s super, aber die verlangen uns mit 12 - 14 % nochmal einiges ab, doch dann: geschafft! Gruppenfoto am höchsten Punkt mit 2802 m!
Glückwunsch!
Vor der Abfahrt dann nochmal kurz verpflegen, anziehen und dann geht´s los! Mit Schussfahrt hinunter ins Tal. Nach ca. 30 km treffen wir wieder auf den Bus und unser Mittagsbuffet - der Hund des nahen Campingplatzes kriegt auch was ab. Die Stimmung ist gut. Weiter führt die Route durchs Tal, bevor die letzten 1000 hm anstehen. Genau mein Profil, ab geht´s. Michael meint, ich soll mein Ding machen, aber ich lass´ ihn doch jetzt hier nicht alleine hängen. Also schön rausnehmen, Rhythmus finden und gemeinsam erreichen wir den Col St. Martin.
In rasender Fahrt geht´s dann noch hinunter nach St. Martin Vesubie in ein uriges Hotel. Vor dem Abendessen (Pasta & Ente - frisch geschossen?) gehen wir noch in das nette Alpenstädtchen - heute beginnt es auch erst nach der Tour beim "sightseeing" etwas zu regnen, immerhin.
Arnold gibt wie gehabt sein Briefing für den letzten Tourtag und dann lässt der Regen draußen alle weiteren Überlegungen des "Nachtlebens" wegschwimmen.

Was für ein super Tag heute - mein bester Tag dieser Tour!!!



nach dem Gipfelsturm



30.07. - 7. Etappe (Turini, Castillon) - Tour d´ Honneur

Turini

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Heute mal ein einfacheres Frühstück im Fahrradraum, aber das reicht aus. Es sind ja auch nur gut 70 km bis zum Ziel!
Bei Sonne und schöner Gefällstrecke geht es mit Holger voraus das Vesubie-Tal (mit tollen roten Felsen) abwärts - wenn da nur nicht die ältere Dame in ihrem Corsa wäre...
Schon bald biegt die Straße dann unvermittelt 180 Grad links ab und schon stehen wir im Anstieg. Sev grüßt nur kurz mit einem "geh´ ma´s an" und weg ist er. Michael hat heute Begleitung von Andre, also kann ich versuchen, mal mehr zu geben - hätt´ ich´s nur gelassen. Der "Monte Carlo"-Berg Turini war echt schwer - bis obenhin. Landschaftlich toll mediterran und abwechslungsreich, aber auch schwer und heute mal sonnig-warm. Naja, ich hab´s hoch geschafft.
Da waren´s nur noch 50 km bis zum Meer, allerdings ging bei mir jetzt "Psycho"-Faktor los... "Bis hierher hab´ ich´s geschafft, ohne Unfall, jetzt geht der rest auch noch glatt", "nur nicht stürzen".... Und das hab´ ich aus dem Kopf nicht mehr rausgebracht. Dazu die schwierige, aber landschaftlich Tolle, Abfahrt vom Turini mit Schlaglöchern, Steinchen und Pinienzapfen und ich im Tran um die Kurven, au Backe - ich war wohl dem Sturz näher als dem "Nichtsturz".... Aber mit voller Konzentration hab´ ich die Abfahrt geschafft und dann heizt Michael in den letzten kleinen Hügel, den Castillon. Der letzte Berg gehört uns! Yes! Vollgas. Wie die Gestörten kurbeln wir das Ding rauf, während der Rest der Gruppe rausnimmt und genießt. Aber wir sind wir als Erste oben!
Dann geht´s durch den Tunnel und in die Abfahrt. Auch hier wieder mein Psychofilm. Noch 30km, noch 20km, noch nix vom Meer zu sehen, verflixt, durchhalten. Und dann: Promenade, blau, Meer! Am Ziel!!!! Auf einer kleinen Landzunge mit Blick auf Menton sind wir endlich da! Wir haben´s geschafft! Jaaaaaa!
Mit Champagner und unserem obligatorischen Mittagsbuffet wird erstmal gefeiert. Dann geht´s ins "Belle-Epoque"-Hotel, umziehen und ab an den Strand!
Nachher noch eine Runde in die Altstadt, das mediterrane Flair genießen, schlendern, ausspannen. Dann geht´s zum Abendmenü, nochmals super speisen.
Und dann: ich sag´ nur "Doctor´s Party"... Ab an die Strandpromenade bis nach Mitternacht.



Ziel: MENTON!



31.07. Rückfahrt

Zum französischen Frühstück gab´s heut´ nochmal Sommer, Sonne, Meer.... Mmmmmhhhh. Dann in den Bus und über San Remo, Genua und Mailand Richtung Chiasso. Alles problemlos, doch der Gotthard.... 2 Stunden Wartezeit. Toll....
Danach ging alles problemlos und mit einem weinenden Auge erfolgt die Verabschiedung von den Kollegen - eigentlich wollten wir ja gleich weiter in die Pyrenäen, aber das wird wohl erst nächstes Jahr was werden....

Super war´s ! Merci ahcycling!

A bientot!



Au revoir


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Kommentare

  • traveltime

    Der Bericht hat mir sehr gefallen.
    LG Rolf

  • nf-2001

    Vielen Dank! Freut mich sehr.

  • RC-Redaktion

    Ein schöner, sportlicher Reisebericht. Unsere heutige Empfehlung auf der Startseite.

  • nf-2001

    Vielen Dank!
    Das freut mich echt total sehr, da ich sowohl Radsport- als auch Journalismus- "Amateur" bin...
    Vielen, vielen Dank!!!!

  • freeneck-farmer

    ein sehr schönes Reisebericht. Ich beneide dich auch ein bisschen. Schön das du das alles auf dem Rad machst.
    Ich habe diese Route auch schon gefahren, mit dem Auto!
    Ich liebe Radrennen. Fahre schon mal der Tour de France gucken, mirt dem Wohnmobil.
    LG Anneken

  • nf-2001

    Hallo Anneken,
    vielen Dank! Vielleicht sieht man sich ja mal auf einer Tour? Ich achte dann auf Wohnmobile!
    Viele Grüße
    Frank

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