Lost in Ireland. Teil 4 - Gweebarra Bay und Bloody Foreland. My love.

Reisebericht

Lost in Ireland. Teil 4 - Gweebarra Bay und Bloody Foreland. My love.

Reisebericht: Lost in Ireland.  Teil 4 - Gweebarra Bay und Bloody Foreland. My love.

Nimm dir Zeit zum Träumen.
Es bringt dich den Sternen näher.

Irisches Sprichwort

Unterwegs nach Sligo
Keine Nebenstraßen, ich möchte einfach nur ankommen. Im Hotel lande ich in einem Raucherzimmer, kann aber nach zwei langen Stunden in ein Nichtraucherzimmer wechseln, vom Keller in den zweiten Stock.
Die Megalithgräber Carrowmore möchte ich sehen. Was mir die Dame an der Rezeption nicht verrät, ist die Tatsache, dass viele Straßen in Sligo wegen eines Straßenrennens gesperrt sind. Der xte Mensch, den ich nach einem Umweg frage, setzt sich kurzerhand auf meinen Beifahrersitz. Sein Kommentar: finden Sie nie und nimmer. Alles ist gesperrt. Mit seiner Hilfe komme ich durch. Als der Weg wieder klar vor mir liegt, steigt er aus und meint, er gehe zu Fuß zurück, das sei gut für seine schlanke Linie. Sagt noch Tschüß my love, und fort ist er. Es gibt nicht nur brummbärige Iren!



Carrowmore
Carrowmore ist die größte Ansammlung megalithischer Monumente in Irland. Steinkreise, Dolmen und Cairns, von denen zwei fast intakt sind. Archäologen der Universität Stockholm, die den Komplex in einem Langzeitprojekt untersucht haben, datieren das älteste Bauwerk auf etwa 5.400 Jahre v.Ch. in die mittlere Steinzeit.
Ich bin spät. Fünf Minuten vor der Schließung. Man lässt mich eintreten und versichert mir, ich könne mir alles in Ruhe ansehen. Geschlossen würde erst, wenn ich alles gesehen habe. Draußen haben sie eine Schneise durch das hüfthohe Gras gemäht, ein Rundweg zu den Gräbern. Die Luft flimmert, die Sonne scheint, es ist warm. Diese sanfte Stimmung über dem Areal berührt mich.



Carrowmore

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Auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Besucherzentrums liegen noch einige Portalgräber. Auch hier kann ich in aller Ruhe über die Wiesen gehen und die Steine auf mich wirken lassen. Wunderschöne Pferde im Abendlicht vervollkommnen dieses friedliche Bild.
Nun erst werden die Tore geschlossen.



Geborgen



Der Wind hat die Wolken gebündelt,
hoch über Knocknarea,
und den Donner auf die Steine geworfen,
was immer Maeve dazu sagt.
(Yeats)



Knocknarea
Das beherrschende Element in der Landschaft ist der nahe gelegene Berg Knocknarea mit dem gigantischen Hügelgrab Medb`s Cairn (Meascán Meadhbha, Queen Maeve) auf dem Gipfel. Dieses Grab besteht aus 40000 Tonnen Stein, ist 24 Meter hoch, der Sockel hat einen Umfang von 192 Metern. Hier ruht angeblich die Königin Medb, die Kriegergöttin von Connacht aus dem 1.Jh., die für den berühmten Tierdiebstahl von Cooley verantwortlich war. De facto ist dieses Grab mindestens 2000 Jahre älter als Mebd.
45 Minuten brauche ich vom Parkplatz zum Gipfel, von oben sehe ich auf bunte Wiesen, Kühe, Pferde. Die letzten Sonnenstrahlen verzaubern Strandhill zu meinen Füßen.



Ein Esel, wer Böses denkt...

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Es ist Sonntag.
Zeit für Badeorte.
In Bundogan mag man mich nicht.



Sommergenüsse

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Die Scenic Route führt mich eine sehr steile Straße hinunter zum Badestrand Rossnowlagh. Einen solch breiten Sandstrand, auf dem selbstverständlich Autos fahren, habe ich zuvor noch nie gesehen. Leben ist hier. Kinder spielen, baden im eiskalten Wasser, ein Eiswagen fährt vor. Sommer am Strand in Irland!



Donegal
Ich suche das Donegal Manor Luxury House – verfahre mich, suche, finde im Supermarkt jemanden, der mir den richtigen Weg erklärt, und ich komme an. Sehr freundlich werde ich begrüßt (genervt, verschwitzt, erschöpft, mit großem Rucksack). Wieder einmal sitze ich auf einer dicken Ledercouch vor einem brennenden Kamin und trinke frisch aufgebrühten Kaffee.
Das Zimmer ist geschmackvoll eingerichtet, im Bett liege ich so komfortabel wie noch nie in Irland, das Oberbett ist leicht, luftig, geschmeidig.
Eine Stunde später spaziere ich bereits durch Donegals Straßen. Im Castle wandle ich durch die alten Gemäuer. Es ist später Nachmittag, die Stadt ist leer.



Am nächsten Morgen regnet es. Es regnet auch, als ich durch die alte Fischerstadt Killybegs fahre. Nebel zieht auf. Wie gerne möchte ich zu den höchsten Klippen Europas, 600m hoch! Vom Pier fährt bei diesem Nebel kein Boot hinaus, vom Wasser aus könnte man bei diesem Wetter gar nichts sehen. Ein steiler Weg führt zu einem Parkplatz, und von dort in 30 Minuten zu Fuß zu einem Aussichtspunkt. Ich lasse nichts unversucht. Eine geschlossene weiße Wand, undurchdringlich! Nur Nässe und dichter Nebel. Immerhin bieten mir meine Parknachbarn in ihrem Wohnmobil einen heißen Kakao an, und wir unterhalten uns gut.
Fazit: Die Steilküste von Slieve League brachte mir eine nette kleine Wanderung, eine angeregte Unterhaltung und noch einen heißen Kakao in einem alten VW-Bus.
Also doch ein wunderbarer Abstecher.




Industriehafen im Dunst



Der Strand in Portnoo

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Und nun erreiche ich die Gegend Irland, die mich dazu angeregt hat, hierhin zu reisen:




Gweebarra.
Am Strand von Portnoo scheint die Sonne wieder kurzzeitig. Nur wenige Meter Wasser trennen mich von der Insel Inish. Bei Ebbe könnte ich hinüber laufen. Lange laufe ich herum
Sonne, Wolken, leichter Regen, Wind, Sand, Weite.



Menschenleerer Strand



Irgendwann trenne ich mich vom Strand und fahre zum Gweebarra River. Einige Stufen führen hinunter zum Fluss. Die Strömung ist stark unter dieser Brücke. Sandbänke erscheinen mir wie eine Fata Morgana.



Gweebarra River



An der Küste entlang fahre ich weiter nach Norden. Gweedore ist eine lebhafte kleine Stadt mit netten Läden und wunderschönen Villen.
Bloody Foreland. Bizarre Wolken, sturmgepeitschte See, braune Felsen, die bei Sonnenuntergang glutrot leuchten sollen. Aber es ist 15 Uhr. Ich erlebe die Farben des Wassers. Sobald bei diesem Sturm die Wolken ein wenig Sonne durchlassen, leuchtet das Meer in solch intensiven Farben, die ich nie und nimmer mit Irland in Verbindung gebracht hätte.



Die Farben des Gweebarra River



Da der Zeitpunkt meiner Heimreise naht, muss ich Giant`s Causeway auf ein nächstes Mal verschieben. Über Letterkenny möchte ich nach Armagh und dort eine Vorstellung im Planetarium ansehen. Sobald ich bei der Stadt Lifford das englische Irland erreiche, ändert sich schlagartig das Bild. Kasernenartige Hauszeilen, trutzige Gebäude verstärken die schwermütige Stimmung des nun wieder einsetzenden Regens.



Nordirland



Planetarium, Observatorium, ein angenehmer Weg durch Wald und Wiesen mit integrierten astronomischen Stationen versöhnen mich.



Mondlandung in Nordirland



Newgrange
Newgrange ist das bekannteste Ganggrab Irlands. Ich erreiche es per Elektrobus vom Visitor-Center aus. Es sind heute nur wenige Menschen da, so kann ich sofort mitfahren. Ein Guide erklärt uns Bau und evtl. Funktion. „Es war wohl eher eine Kultstätte als ein Grab. Man hat von vier Menschen Asche gefunden.“ Erst jetzt betreten wir einen ganz langen schmalen Gang, Kopf einziehen, seitlich gehen! Die Augen gewöhnen sich langsam an das schummrige Licht.
Der Tunnel endet in einem kleinen Kuppelraum mit drei Nischen. Beleuchtet sind einige eingeritzte Kreise.
„Um 8.58Uhr fiel der erste direkte Sonnenstrahl durch die kastenförmige Öffnung im Dach und wanderte den Gang entlang und über den Boden der Grabkammer, bis er den vorderen Rand des Steinbeckens in der Nische am Ende der Grabkammer erreichte.“ (Prof.M.J.O`Kelly, 21.12.1969)
Unser Guide demonstriert dies mithilfe der Elektrik. Lichter gehen aus, es ist stockfinster. Dann kriecht langsam ein Lichtstrahl heran. Ganz schön mystisch ist das alles!
Der Eingang dieses Ganggrabes orientiert sich präzise an den ersten morgendlichen Sonnenstrahlen des 21.Dezember, der Wintersonnenwende. An diesem Tag und zwei Tage davor und danach fällt ein Strahl der aufgehenden Sonne durch eine Öffnung am Eingang ins Zentrum des Grabes. Etwa 15 Minuten ist die innere Kammer in goldenes Licht getaucht, dann erlischt der Lichtstrahl wieder.



Newgrange



Irische Pinguine

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In Howth, dem Wochenenddomizil vieler Einwohner Dublins, verbringe ich die letzte Nacht in Irland.



Cèst la vie! - In Irland



Nachts um vier Uhr muss ich los. Müßig zu erwähnen, dass ich in der Dunkelheit den Weg nicht finde. Ein freundlicher Taxifahrer ist meine Eskorte zum Flughafen. In allerletzter Minute erreiche ich meinen Flieger.



Tschüß Irland!


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Kommentare

  • astrid

    Liebe Ute,
    vielen Dank für den informativen und reichlich bebilderten Bericht ; so konnte ich trockenen Fußes mitreisen ohne mich zu verfahren :-) LG, Astrid

  • Gaby13

    Liebe Ute,
    ein tolles Ende eines tollen Berichtes aus einem tollen Land. Von den vielen wunderschönen Bildern ganz zu schweigen. Ich bin im Geiste jeden Meter mitgereist!
    LG Gaby

  • Carolin

    Liebe Ute, nun habe ich ausgerechnet mit dem letzten Teil des Reiseberichts angefangen. Habe aber jetzt solchen Heißhunger auf die anderen Teile, dass ich sofort weiterlesen und Deine wunderschönen Fotos bestaunen will... Ich hatte (vor vielen Jahren) mal den Traum, mit einem Fahrrad um die Insel zu fahren - es ist mal wieder nichts draus geworden. So genieße ich Dein Irland gemütlich vom Schreibtisch aus :) Kommentare gibt's später, wenn ich alles gelesen habe.

  • Carolin

    Jetzt aber: Ein wunderbar zu lesender Bericht, trotz des langen Umfang, aber er ist so wundervoll ironisch, emotional, lustig, bewegend und träumerisch geschrieben, dass ich gerne noch stundenlang weitergelesen hätte. Ich habe die Google-Earth-Karte neben mir gehabt beim Reisen, weil ich auch, wie Gaby, jeden Meter vor dem gesitigen Auge mitreisen wollte. Und wie immer wunderschöne Fotos!!! LG, Caro

  • u18y9s26

    Ich kann mich nur meiner Vorrednerin anschließen. Du hast ein Stück Irland großartig echt beschrieben. Deine Bilder haben mir einen ersten Einblick in ein außergewöhnliches Reiseziel gegeben. Danke dir!
    LG Ursula

  • Wilfried_S.

    Dein Bericht regt sicher dazu an, Irland in künftige Reisepläne einzubeziehen. Die Bilder vermitteln einen guten Eindruck und verstärken den Eindruck.
    lg Wilfried

  • Gerd-Krauskopf (RP)

    Ein wunderbarer Reisebericht, spannend geschrieben und gut bebildert. Vielen Dank, dass ich mitreisen konnte in diese spannende Gegend.
    Liebe Grüße von Gerd

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