10000 Kilometer Motorradabenteuer: von Europa nach New Delhi

Reisebericht

10000 Kilometer Motorradabenteuer: von Europa nach New Delhi

Reisebericht: 10000 Kilometer Motorradabenteuer: von Europa nach New Delhi

Im April 2008 machte sich eine Gruppe von 10 Motorradfahrern, einer Sozia und dem Fahrer des Begleitfahrzeugs auf dem Weg von dem kleinen Heidedörfchen Insel über Land nach Indien. 10 Staaten lagen auf unserer Strecke und 10.000 Kilometer waren zurückzulegen. Der Bericht schildert einige der Erlebnisse der Reise.

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Der Start

Es ist 8 Uhr morgens. Ein paar scheue Sonnenstrahlen kämpfen sich mühsam und mit nur mäßigem Erfolg durch eine dichte Wolkendecke. Das Thermometer zeigt knapp über 10 Grad. Wenn man uns jetzt erzählen würde, dass wir uns in nur vier Wochen bei 55 Grad eine kalte Brise herbeisehnen würden – nein, das können wir uns heute nicht vorstellen.

Langsam kommt einer nach dem anderen aus dem Haus, eingemummelt, als ginge es auf die Schneepiste. Auf dem Hof stehen aber keine Ski sondern 10 brandneue Royal Enfield Bullet, genau so, wie sie vor über 50 Jahren in England gebaut wurden und bis heute zu im indischen Chennai vom Band laufen.

Und da echte Enfield keinen E-Starter haben, beginnt nun ein Zeremoniell, dass sich auf der Reise noch einige Male wiederholen wird. Eigentlich ist es ganz einfach, dieses Bike anzutreten, man muss nur das gehörige Maß an Geduld mitbringen und den richtigen Punkt suchen. Wildes Herumstrampeln führt nur dazu, dass sich unter der Thermokleidung Schweißpfützen bilden. Aber das werden wir noch lernen.

Und dann singen sie, alle Zehne, diese ureigene Enfield-Symphonie. Ganz tief aus dem Keller bollern die Einzylinder mit sonorem Bass. Ein leichter Dreh am Gashahn und es knallt wie Kanonenschüsse. Das können auch die EU-genormten Schalltüten nicht verhindern. Eine Enfield ist nicht zu überhören, zehn davon klingen wie eine Kriegserklärung.

Was sollte uns jetzt noch zurückhalten. Im Gänsemarsch donnerten wir durch das friedliche, verschlafene Heidedörfchen. Unser Ziel: Neu Delhi im fernen Indien. Rund 10.000 Kilometer lagen zwischen hier und dort. 10 Staaten waren zu durchqueren, und keiner von uns wusste so recht, was ihn auf dieser Reise erwartete.



Die Anreise

Die Strecke durch Europa betrachteten wir als Anreise. Da uns insgesamt nur sechs Wochen zur Verfügung standen, wollten wir uns auf die Länder konzentrieren, die man nicht mal so einfach besuchen kann. Deutschland, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Serbien und Bulgarien spulten wir in knapp einer Woche ab. Die hier herrschenden Wettergötter schienen ohnehin nicht sonderlich an unserem Verweilen interessiert gewesen zu sein. Es regnete unentwegt und war saukalt. Das drückte auf die Stimmung. Die Enfields schaffen nicht mehr als 90 km/h und nun fahrt mal in diesem Schleichtempo bei strömendem Regen 2.500 km Autobahn und versucht bei guter Laune zu bleiben. Wie eine Möhre der Hoffnung hing die Aussicht auf das sonnige Istanbul vor unseren Nasen und ließ uns durchhalten.

Pünktlich nach fünf Tagen erreichten wir das Tor zum Orient, diese brodelnde Mischung aus Ost und West, aus Alt und Neu, mit den Füßen fest verwurzelt in islamischer Tradition und mit dem Kopf eingebettet in modernste Lebensart abendländischer Kultur. Wir ließen es uns einen Tag gut ergehen, schlenderten durch den endlos großen Basar, bewunderten Moscheen und Paläste, saßen genüsslich bei Tee oder türkischem Kaffee mit Einheimischen im Cafe und vor lauter Staunen bemerkten wir kaum, dass es auch hier immer wieder regnete und gar nicht sonnig warm war, wie wir es uns erhofft hatten. Istanbul ist berauschend, betörend, dieser Stadt kann man sich nicht entziehen.



Hagia Sophia, Istanbul, Türkei


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Kommentare

  • Schoena

    Ein sehr gut geschriebener Reisebericht mit vielen Bildern unterlegt und viel Wissenswertem aus fernen Landen. Es hat Spaß gemacht, sich mit auf die Reise zu begeben. Danke dafür.

  • widix

    Hallo Günter,
    was für eine fantastische Reise, die Ihr gemacht habt! Vielen Dank für die lebendige Schilderung eurer Erlebnisse und die vielen schönen Bilder.
    Liebe Grüße
    Sabine

  • mamaildi

    Herzlichen Glückwunsch - zu dieser Reise und zu diesem Bericht! Allein mich durch die Bilder zu klicken, und damit durch die Kulturen, die ihr "erfahren" habt, hat mir ausgesprochen viel Vergnügen bereitet.
    Ach ja, eine Frage noch: warten eure Maschinen jetzt in Delhi auf die Weiterfahrt nach Beijing? Wäre doch die logische Fortsetzung ;-))

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