Kairo: Tramfahrt nach Heliopolis

Reisebericht

Kairo: Tramfahrt nach Heliopolis

Reisebericht: Kairo: Tramfahrt nach Heliopolis

Kairo ist Afrikas einzige Stadt mit einem U-Bahnnetz. Weniger bekannt ist jedoch, dass in Kairo ebenfalls Straßenbahnen fahren – wenn auch auf einem recht antiquierten Netz. Es folgt ein Fahrtbericht vom Hauptbahnhof in den Stadtteil Heliopolis mit einer Betrachtung des Stadtbildes entlang der Strecke.

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Der Straßenbahnbetrieb in Kairo wurde um 1900 aufgenommen. Damals existierte ein weitgefächertes Netz von Linien. Heute existieren nur noch drei Linien mit einer Netzlänge von ungefähr 24 Kilometern. Alle drei führen vom Hauptbahnhof in den Stadtteil Heliopolis. Die grüne Linie hat ihre Endhaltestelle in Mirghani. Die rote Linie zweigt am Midan Roxy von ihr ab und führt bis Nadzha, während die gelbe wiederum abzweigt und nach Khalea el Harbei führt. Immer wieder gibt es in den letzten Jahren Überlegungen, Netz zu modernisieren und auszubauen. Von konkreten Plänen ist jedoch nichts bekannt.



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Es war Dienstag und über der ägyptischen Hauptstadt lag schwerer Smog. Wieder einmal. Der Midan Ramses vor dem Hauptbahnhof war viel befahren und das machte es heute Morgen nicht besser. Vor einem Nebengebäude des Bahnhofes lag die Haltestelle der Kairoer Tram. Da keine der oben genannten Farbmarkierungen an dem stehenden Zug zu erkennen waren, fragte ich mich durch. Ich wollte mit der roten Linie fahren und wandte mich daher an einen Bahnbediensteten, der vorn am Zug stand. Ich deutete auf den Zug und fragte mit meinem besten arabischen Akzent – ich spreche eigentlich kein Arabisch, überspielte das jedoch gern – „Nadzha?“. Der gute Mann machte leider nur große Augen und antwortete ernsthaft „I no speak English!“ Ja, aber ich doch auch nicht … ! Ich wandte mich an einen der um uns herum stehenden Fahrgäste … an jemanden der nach Bildung aussah. Ich fragte zu zunächst, ob er Englisch sprach, was er bejahte. Er bestätigte mir, dass der Zug nach Nadzha fuhr und erklärte mir als nächstes, die Fahrt koste 0,50 Pfund. Ich hatte ihm zwei Geldstücke hingehalten und mich auch danach erkundigt, da ich vermeiden wollte, dass der Schaffner sich einsteckt, was immer ich im hinhielt.



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Ich stieg ein und nahm beruhigt zur Kenntnis, dass es im Gegensatz zur Kairoer Metro keine gesonderten Abteile für Frauen gab. Es wäre mir äußert unangenehm gewesen, dort Platz zu nehmen. Das war mir wenige Tage zuvor weiter im Norden Ägyptens, in Alexandria, passiert. Dort hatten mich die Damen dann freundlich, aber bestimmt gebeten, sie allein zu lassen.
Es dauerte nur wenige Minuten und wir setzten uns in Bewegung. Wir schaukelten uns langsam vorwärts. Für Leute mich schwachen Magen bestand tatsächlich Gefahr, Seekrank zu werden. Die Kombination aus alten Schienenwegen und alter Tram schaukelte sich wortwörtlich auf. Die Tram hatte ein eigenständiges Gleisbett und teilte sich nicht etwa die Straße mit den Autos.
Wir bewegten uns aber immerhin vorwärts. Rechts von uns eine mehrspurige Straße und links die Metro Linie 1 in Richtung El Marg und daneben die Bahnanlagen der Egypt Railways. Und das ganze war noch überbaut mit einer zweigeschossigen Stadtautobahn. Deren Tragwerk war zum Teil aus Stahl, zum Teil aus Stahlbeton errichtet. Übrigens war am gleichmäßigen Fugenbild des Beton zu erkennen, dass man hier eine Systemschalung beim Bau verwendet hatte.



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Meine Mitfahrer beachteten die Umgebung weniger kritisch als ich. Ungehemmt entledigten sie sich ihres Mülls durch die offenen Fenster. Die Fenster waren übrigens weder vergittert noch mit Bambusjalousien versehen, wie es bei der Metro der Fall war.
In Ghamra gab es eine direkt Umstiegsmöglichkeit in die Metro, während unsere Trassen nach guten zehn Minuten Fahrt kurz danach auseinander liefen. An Stelle der Bahnanlagen befand sich nun links von uns eine Mauer. Sie war nicht schön und zudem langweilig anzusehen. Rechts auf der gegenüberliegenden Straßenseite waren einige christliche Kirchen zu sehen. Minarette islamischer Moscheen ohnehin. An den Straßen standen immer wieder Schrittautos. Statt diese auf Schrottplätzen zu entsorgen, ließ man sie in Kairo anscheinend einfach am Straßenrand stehen. Einige durchaus interessante Oldtimer waren darunter. Häufig sah man Oldtimer auch noch fahrend auf den Straßen, etwa VW Käfer und unendlich viele Mercedes Strich 8. Im Grunde wirkte Kairo ein bisschen wie ein lebendiges Automuseum.
Verstaubte Palmen standen immer wieder an beiden Seiten entlang der Strecke. Ebenso verstaubt waren die Züge, die uns entgegen kamen. In diesem Klima war es sicherlich eine Lebensaufgabe, sie ansehnlich zu halten.
Die Sitze in unserem Zug waren mehr als unbequem. Sie waren eng und ihre Lehne rechtwinklig zur Sitzfläche angeordnet. Nun, ich wollte ja eh nicht in der Tram übernachten. Meine Mitfahrer war eine illustre Truppe. Jung, alt, Mann, Frau. Frau mit Kopftuch, ohne, total verschleiert. Der Schaffner ging regelmäßig auf und ab, ob Fahrkarten zu verkaufen. Er klopfte beim Gehen stets mit einer Münze gehen die Haltestangen, um sich bemerkbar zu machen. Das metallische Klacken war durchdringend. Rufend umher zu gehen wäre nicht halb so effektiv in der Wahrnehmung gewesen.



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Die nächste und übernächste Haltestelle hatten mit ihren Unterständen wahrscheinlich einmal richtig pittoresk ausgesehen. Heute schrien sie nach frischer Farbe. Aber es gab durchaus trostlosere Haltepunkte.
Eine alte Dame kam durch den Zug und legt jedem einen Bonbon auf den Schoß oder gab ihn direkt in die Hand. Als sie durch war, kam sie zurück und sammelte entweder den Bonbon oder entsprechend Gegenwert in Pfund wieder ein. Später kam ein junger Mann und machte gleiches mit Kaugummis.
Nach etwas mehr als zwanzig Minuten kamen wir an einer Art Wartungsgleich vorbei. Diese Vermutung liegt nahe, denn es waren zwei Gruben, wie in der Autowerkstatt, zu erkennen. Auf dem hinteren Puffer eines entgegen kommenden Zuges saßen fünf Kinder und fuhren vermutlich kostenlos mit. Andere Kinder lagen immer wieder schlafend auf den Bänken der Haltestellen. Dann erreichten wir den Midan Roxy, an dem die gründe Linie abzweigte und weiter nach Norden führte. Wir fuhren weiter ostwärts. Nach einigen hundert Metern zweigte die gelbe Linie ab. Ich freute mich unterdessen, dass ein Großteil des Straßenbildes von den gleichen Taxis wie bei meinem ersten Kairo-Besuch vor 18 Jahren bestimmt wurde. Die meisten Taxifahrer fuhren auch heute noch Lada oder Peugeot 504.
Nach etwa 25 Minuten hatte ich mein Ziel erreicht. Ich stand vor der Basilika am Ende der Al-Ahram Street, die einer Miniaturausgabe der Hagia Sophia glich. Von dort ging es zu Fuß weiter zum Baron´s Palace und anschließend wieder mit der Tram zurück. Leider hatte ich auf der Rückfahrt wenig Glück – annähernd zwanzig Minuten musste ich auf einen Zug warten …



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Kommentare

  • Jabba

    :-) Niedlich!

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Kairo: Tramfahrt nach Heliopolis 4.80 5

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