Wanderwoche auf El Hierro

Reisebericht

Wanderwoche auf El Hierro

Reisebericht: Wanderwoche auf El Hierro

Ruhe, Beschaulichkeit, Abenteuerliche Wanderungen, steile Felsküsten, Plantagen mit exotischen Früchten, feine einheimische Küche, so viel Abwechslung bietet die kleine Kanaren-Insel El Hierro.

1. Tag Anreise

Camp auf den Mesas de Guaza

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Wer kennt sie schon, die am weitesten westlich gelegene und kleinste Kanaren-Insel El Hierro?
Die Vorbereitung ist spannend, sind doch die Informationen über die Insel sehr spärlich. Anhand der Kompass 3D-Karte und Google Earth planen wir und stellen eine Wanderroute zusammen.

Die Anreise erfolgt über unsere Lieblingsinsel Teneriffa, die wir 2003 bereits zu Fuss überquert haben.
Dort wissen wir genau, dass wir oberhalb von Los Christianos auf der Mesa de Guaza unser Nacht-lager aufschlagen können. Die Nacht ist tropisch heiss und feucht, dank den rasch erscheinenden Stechmücken werden wir am Schlafen gehindert und können somit den funkelnden Sternenhimmel ausgiebig geniessen.



2. Tag Los Cristianos - Puerto de la Estaca - Valverde

Puerto de la Estaca

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Die Morgensonne nutzen wir, um unsere feuchten Schlafsäcke zu trocknen, danach zieht es uns nach Los Christianos zu einem feinen Frühstück, bevor wir mit der Fred-Olsen-Expressfähre via Gomera nach El Hierro weiterreisen.
In Puerto de la Estaca sehen wir schon vom Schiff aus, wo unsere Route beginnt. Von nun an geht's Berg auf, Valverde auf ca. 650m gelegen, ist unser Tagesziel. Zunächst folgen wir einem gut markierten Weg, an Schafweiden und teilweise verwildertem Kulturland vorbei. Je höher wir gelangen, desto näher kommen wir den Wolken, bis wir schliesslich im Nebel unseren geplanten Weg verlieren. Das GPS weist uns jedoch die grobe Richtung, so finden wir die Hauptstadt Valverde, ein Dorf wie ein Adlerhorst an den Hang gebaut, es gibt nur zwei Richtungen: entweder rauf oder runter.
Im Hotel Boomerang geniessen wir die heisse Dusche, bevor wir uns auf die Suche nach einem Abendessen begeben. Die Kirche mit ihrem schönen Vorplatz ist sehr beeindruckend, sicherlich mit einem wunderbaren Ausblick bis aufs Meer, sofern man einen hat.



Kirche Santa Maria de la Concepción in Valverde



3. Tag Valverde - Charco Manso - Mocanal

Am Wanderweg von Charco Manso...

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Auch am nächsten Morgen bleibt sich der Ausblick gleich: Wolken, Nebel. Uns zieht es ans sonnige Meer, 650 m runter, vorbei an Feigenbäumen, Sukkulenten, Agaven, durch Aschefelder, an wenigen Häusern vorbei. In Charco Manso gibt es ein Naturschwimmbecken sowie eine Naturbrücke im Lavagestein und in der Hauptsaison vermutlich ein Kiosk.
Bis Echedo gehen wir wieder den gleichen Weg zurück. Im gediegenen Restaurant "La Higuera del Abuela" erfahren wir, dass sich die nächste Unterkunft im 3.5 km entfernten Mocanal befindet. Wir füllen unsere Wasservorräte auf und wandern auf dem Wanderweg EH 62 ins 550 m hoch gelegene Mocanal hinauf. Die Vegetation bleibt sich gleich: Feigenbäume mit zuckersüssen, vielfach aber leider schon bewohnten Feigen, Sukkulenten.
Zum feinen Fisch geniessen wir zum ersten Mal einen Wein von der Insel, eine wunderbare Kombination.



Charco Manso



4. Tag Mocanal - Mirador de la Peña

Pozo de las Calcosas

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Ein erster Regenschauer prasselt am nächsten Morgen auf die Sonnenstoren, aber schon bald ist die Sicht aufs Meer und somit auf unsere nächste Etappe wieder frei. Pozo de las Calcosas mit seinen Stroh gedeckten Häusern liegt unterhalb einer Klippe auf einer Lavazunge, keine Menschenseele ist zwischen den Häusern zu sehen. Zum Glück hat das Restaurant Los Carlos geöffnet, denn ausser einem Kaffee in Mocanal hatten wir noch nichts.



Wanderweg von Pozo de las...

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Querfeldein gehen wir wieder aufwärts und gegen Westen. Unser Plan sieht vor, dass wir ein Stück parallel zur Hauptsrasse Mocanal - Las Puntas gehen, bis die Strasse im Tunnel verschwindet und wir hoch über den Klippen bis nach Guarazoca kommen. So ist es zumindest auf der Kompass-Karte eingezeichnet. Doch wir suchen vergeblich den Weg, müssen irgendwann mal feststellen, dass es diesen gar nicht gibt. Wir geben auf, auch zwei Strassenarbeiter können uns nicht wirklich weiterhelfen. Wir nehmen die Strasse, folgen einer Abzweigung, die auch nicht auf der Karte zu finden ist und erreichen am späten Nachmittag Guarazoca. Zwei äusserst hilfreiche Einheimische versuchen, eine Übernachtungsmöglichkeit für uns zu finden, aber nach einigen Telefonaten müssen wir weiterziehen mit der Erkenntnis, dass wir die kommende Nacht im Zelt verbringen werden.



Guarazoca



Noch ein Stück geht's der Strasse entlang, wir sehen doch tatsächlich zwei Wanderer, bis wir den Mirador de la Peña erreichen. Von hier aus geniessen wir einen beeindruckenden Ausblick auf das tief unter uns liegende Meer und El Golfo. Das Restaurant passt äusserst harmonisch in die Landschaft, die riesigen Glasfenster erlauben einen ungehemmten Weit- und Überblick.



Mirador de la Peña



Übernachtung auf engstem Raum

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Nach einem erfrischenden Bier begeben wir uns auf die Suche nach einer Zeltmöglichkeit. An der Eremita de la Virgen de la Peña vorbei mühen wir uns noch einige Höhenmeter aufwärts, es ist gar nicht so einfach, 4 Quadratmeter flachen Boden zu finden, auf dem wir unser Zelt aufstellen können. Wir kicken einige Kuhfladen beiseite, reissen einige stachelige Büschel aus, und schon haben wir einen luxuriösen Zeltplatz in the middle of nowhere, mit Aussicht aufs Meer. Schon früh wird es finster, uns bleibt nichts anderes übrig, als uns in unser Minizelt zu zwängen. Die Nacht zieht sich endlos dahin, erholsames Schlafen ist kaum möglich, eng zusammengepfercht liegen wir in unseren Schlafsäcken nebeneinander.



5. Tag Mirador de la Peña - Frontera

Aussicht auf El Golfo

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Kaum erhellen die ersten Sonnenstrahlen den Himmel packen wir unser Zelt zusammen und schon gleich erscheinen eine Kuhherde, Schafe und Ziegen, die die Weide in Beschlag nehmen.
Unsere Kompass-Karte zeigt einen Wanderweg, der durch die Flühe herunterführt nach Las Puntas, leider ist dieser gesperrt.
Der andere, der am Grat entlang führen soll, besteht in natura nicht, so bleibt uns nichts anderes übrig, als unzählige, einst sorgfältig aufgeschichtete Steinmauern zu überqueren. Grundsätzlich wäre dies eine äusserst spektakuläre Wanderstrecke an diesem Abgrund entlang, denn tief unter uns, genauer 1000m, liegt das Meer. Doch leider wandern wir den grössten Teil im dichten Nebel, nur für kurze Augenblicke haben wir immer mal wieder die imposante Aussicht wie aus der Vogelperspektive.
Auf dem Camino de Jinama begegnen wir mal wieder zwei Wanderern. Dieser schöne Wanderweg führt sehr steil durch einen abwechslungsreichen Wald mit Flechten, Farnen, farbigen Gesteinen nach Frontera hinunter. Wir mieten uns für zwei Tage im El Sitio mit seinen sehr heimeligen Apartments ein.



Aussicht auf Las Puntas



6. Tag Ruhetag in Frontera

Das nahe gelegene Restaurant liegt gegenüber der Kirche und der Ringkampfarena, alles gut geschützt hinter einem Hügel, auf dem lediglich der Kirchturm steht. Frontera, 300m über dem Meer, ist ein langgezogenes Strassendorf mit einigen äusserst einladenden Tapas - Bars. Auf dem Weg zum Meer wandern wir an Ananasfeldern, Feigenbäumen, Reben, Mango- Papaya - Zitrusplantagen vorbei. Die Küste ist felsig, das Meer ziemlich rauh. Auch hier hat das Strandrestaurant offensichtlich nur im Sommer geöffnet.



Ananasplantage in Frontera



7. Tag Frontera - El Pinar

Auf dem Camino de San Salvador überqueren wir die Insel auf die Ostseite. Durch mystischen, üppig grünen Urwald mit vielen Farnen, Moosen und Flechten behangenen Bäumen steigen wir bis 1364 m hoch.



Camino de San Salvador



Der Übergang zum Pinienwald ist ziemlich abrupt. Verkohlte Stämme und zahlreiche junge Schösslinge zeugen davon, dass der letzte Waldbrand noch nicht all zu lange her ist. Auf weichem, mit unzähligen trockenen Tannennadeln übersätem Waldboden wandern wir beschwingt bis nach El Pinar. Die mit orangen, reifen Früchten üppig beladenen Feigenkakteen laden zur Zwischenverpflegung ein, wären nicht diese lästigen feinen Stacheln.



Camino de San Salvador



8. Tag El Pinar - La Restinga

Camino de La Restinga

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La Restinga, die Ortschaft an der Südspitze der Insel, ist unser nächstes Ziel. Die Vegetation wird zunehmend karger, dafür die Vulkankegel zahlreicher. An einem sehr grosszügig gestalteten Hafen befindet sich eine überschaubare, freundliche Uferpromenade mit einigen Restaurants und für herrenische Verhältnisse zahlreiche, vielleicht 50 Touristen. Die Lavaformationen rund um La Restinga sind sehr abwechslungsreich.
Der Papageifisch, typisch für El Hierro, wird in einigen Restaurants angeboten und bildet zusammen mit dem Inselwein genossen einen speziellen kulinarischen Höhenflug.



Camino de La Restinga



9. Tag La Restinga - Puerto de la Estaca

Nebelmeer über Las Playas

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Für die Strecke La Restinga - Las Casas, vorbei an El Pinar, nehmen wir den Bus, da die Landschaft zu wenig spannend ist, um auf dem einzigen Wanderweg hin und zurück zu wandern. Am Sonntag bestehen zwei Busverbindungen nach Valverde. Wir nehmen die 6.40 Uhr Verbindung und sind erstaunt, dass es ausser uns auch noch vier einheimische Passagiere hat, die vor Sonnenaufgang unterwegs sind.
In Las Casas warten wir etwa eine halbe Stunde auf die Sonne, damit wir den "Hirtenpfad" ans Meer herunter finden. Nach ca. 200m Fussmarsch ist unser Abstieg bereits zu Ende, der Weg ist gesperrt.
Also beschliessen wir, am Grat entlang, vorbei am Mirador de las Playas bis Isora zu wandern.
Heute sind die Wetterverhältnisse umgekehrt: war es bis anhin am Meer immer sonnig und die Berge Wolken verhangen, so ist heute die Hochfläche in strahlendem Sonnenschein und unter uns liegt ein dichtes Wolkenmeer. Nur hin und wieder können wir einen Blick auf das etwa 1000m unter uns liegende Meer erhaschen.
Vom Mirador de Isora führt ein gut begehbarer Pfad auf direktem Weg die steile Felswand hinunter zum Hotel Parador Nacional. Ein Blick zurück lässt uns wundern, wo wir herkamen, von unten ist kein Weg zu sehen, auch nicht zu erahnen. Im sehr freundlichen, zuvorkommenden Parador bestellt man uns ein Taxi. Wir nutzen die Wartezeit und Infrastruktur des Hotels, um uns etwas frisch zu machen, damit wir reisefähig die Fähre zurück nach Teneriffa besteigen können. In Puerto de la Estaca schliesst sich unsere Runde.
El Hierro ist eine sehr ruhige Insel, mit wenigen Touristen, wenig Zivilisation, viel Natur und nach einer Wanderwoche verabschieden wir uns von der Insel mit vielfältigen Eindrücken.



über den Wolken



Weitere Bilder (mit Geodaten) findet ihr auf http://picasaweb.google.com/kailas97/ElHierro#

Falls euch der Routenverlauf interessiert, könnt ihr den GPS-Track auf
http://www.gps-tour.info/de/community/tours.kailas.html
ansehen und in verschiedenen Formaten runterladen.


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Kommentare

  • ingepeter (RP)

    ..... für canarische Verhältnisse eine unbekannte Insel, durch seine Urtümlichkeit sicherlich sehr interessant - schön mit Euch eine Wanderung dort unternommen zu haben... Gruss Inge

  • Wilfried_S.

    Klingt nach einem sehr interessanten, aktiven Urlaub. So ganz anders, wie wohl die meisten Tourusten ihren Spanienurlaub verbringen. Die Bilder sind alle sehr gut, teilweise großartig, auf alle Fälle immer genau passend zum Bericht.
    lg aus Tirol
    Wilfried

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Wanderwoche auf El Hierro 4.50 10

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